Android auf Windows-Handys installieren: So geht’s und das kann’s

von Christoph H. Hochstätter und Daniel Schraeder am , 18:16 Uhr

Dass Windows Mobile nicht mehr zeitgemäß ist, hat inzwischen auch Microsoft erkannt – und bastelt fleißig am Nachfolger, der alles besser können soll. Bis dahin klaut das Google-Handybetriebssystem Android fleißig Marktanteile, denn es kann jetzt schon vieles besser. Nun stellt sich die Frage, ob man Android nicht einfach auf Windows Phones installieren kann – und die Antwort ist: ja! Aber nicht perfekt. Wir zeigen, was geht und was nicht.

Smartphones mit Windows Mobile gelten als langsam und träge. Die Ergebnisse der Tests für das HTC Touch Pro [1] und das HTC Touch Diamond [2] fallen eindeutig aus: „Leider läuft auf dem Touch Pro 2 das zähe, veraltete und lahme Windows Mobile“. Beim Touch Diamond lässt sich nur feststellen: „Allerdings krankt auch das neueste HTC [3]-Smartphone [4] an teilweise langsamen Reaktionen“.

Die Mängel liegen allerdings nicht an der Hardware. Das vorinstallierte Betriebssystem Windows Mobile 6.1 bringt jede Hardware schnell zum Erliegen. Zwar sorgen alternative ROMs oder Firmware-Updates partiell für Beschleunigung, aber unterm Strich reagieren die Windows-Phones einfach nicht auf dem Niveau, wie es Apple [5]-Nutzer vom iPhone her gewöhnt sind. Auch ein Flashen auf die aktuelle Windows-Mobile-Version 6.5 kann daran nichts ändern. Die neueste Version hat zwar eine hübschere Benutzeroberfläche, nutzt aber ebenfalls die völlig überholte Technologie von Windows CE 5.0.

Alternative Android [6]

Nutzer der schon leicht betagten, aber immer noch vergleichsweise gut ausgestatteten Windows-Handys blicken da durchaus neidisch auf die Alternativen. So hat vor allem Googles Handy-Betriebssystem Android in dem guten Jahr, in dem es auf dem Markt ist, für Furore gesorgt: Es ist schnell, es gibt bereits etliche Geräte von diversen Herstellern, es gibt tausende kostenloser und tausende kostenpflichtiger Anwendungen, attraktive Oberflächen, geniale Funktionen, und, und, und.

So kommt schnell die Frage auf, ob man nicht einfach Android auf einem Windows-Handy installieren kann – schließlich läuft Linux ja auch auf einem Windows-PC. Und: Android ist (zumindest weitestgehend) Open Source. Damit sollte das sogar legal vonstattengehen.

Die Antwort ist: Ja! Tatsächlich startet und läuft auf vielen Windows-Mobile-Smartphones, allen voran denen mit großer Entwickler-Gemeinschaft, das Android-Betriebssystem. Und sorgt für eine deftige Beschleunigung bei der Bedienung. Zugegebenermaßen ist das allerdings, zumindest derzeit noch, eine Bastel-Lösung und nur eingeschränkt für den dauerhaften Einsatz geeignet. Es mangelt schlicht an der Unterstützung durch die Hardware-Produzenten. So fehlt es an Treibern für den GPS-Empfänger oder den Energiesparmodus des WLAN-Moduls.

Beispielhaft haben wir uns einen eineinhalb Jahre alten Touch Diamond von HTC geschnappt und Android ausprobiert.

Läuft: Das Hauptmenü von Android 2.1 auf einem HTC Touch Diamond – das Smartphone wurde ursprünglich mit Windows Mobile 6.1 ausgeliefert.

Android startklar machen

Die fertigen Android-2.1-Builds sind mit 7zip [7] gepackt. Zum Entpacken eignen sich auch neuere Versionen von Multi-Entpackern wie WinRAR [8]. Wir haben die Version XDANDROID.02.02.10.7z [9] vom 2. Februar 2010 getestet. Neue Versionen erscheinen derzeit im Abstand von wenigen Tagen – ein gelegentlicher Besuch der Seite lohnt sich also.

Bevor man die ausgepackten Dateien auf die interne Speicherkarte kopiert, sollte man sich die Apps aussuchen, die man installieren möchte. Sie befinden sich in Unterverzeichnissen des Ordners AndroidApps. Die gewünschten Anwendungen werden einfach eine Ebene nach oben in AndroidApps verschoben.

Als nächstes muss die richtige STARTUP.TXT in das XDANDROID-Verzeichnis kopiert werden. Für die verschiedenen, unterstützten Smartphones stehen fertige Konfigurationsdateien im Unterverzeichnis STARTUP CONFIGS zur Verfügung. Die Verzeichnisse DIAM500 und RAPH800 sind nur für US-Modelle, die nicht GSM und UMTS, sondern IS-95 [10] und CDMA2000 [11] nutzen.

Damit ist die Vorbereitung abgeschlossen. Nun kopiert man alle Dateien aus dem XDANDROID-Ordner in das Root-Verzeichnis der SD-Speicherkarte, die je nach Modell, etwa beim Touch Diamond, auch fest eingebaut sein kann. Übersichtlicher wäre es zwar, ein Unterverzeichnis zu verwenden – in unseren Tests versagte dann aber die WLAN-Unterstützung.

Eine Anwendung namens haret.exe, die man aus Windows Mobile starten kann, übernimmt die gesamte Kontrolle über die Hardware und bootet Linux von der internen Speicherkarte. Dabei wird Windows quasi abgeschossen – nach dem Start übernimmt Android die Kontrolle über das System. Beim ersten Booten will der Bildschirm kalibriert werden. Das geschieht in einer sehr frühen Phase des Hochfahrens. Dabei erscheinen nacheinander vier Quadrate, die der Nutzer in der Mitte mit dem Stift antippt.

Wer den Bildschirm nicht richtig kalibriert hat, kann später unter Windows Mobile einfach die Datei ts-calibration von der Speicherkarte löschen. Dann erhält man beim nächsten Booten ein neue Chance zur Kalibrierung des Touchscreens. Der weitere Boot-Vorgang läuft automatisch ab. Allerdings dauert er sehr lange. Bis der Android-Begrüßungsbildschirm erscheint, vergeht einige Zeit.

GPS, Bluetooth und Kamera nicht unterstützt

XDANDROID unterstützt nicht alle Devices auf HTC-Touch-Handys. Derzeit fehlen GPS, Bluetooth und die eingebaute Kamera. Ferner gibt es keine Unterstützung für OpenGL ES [12]. Die Grafikausgabe erfolgt ausschließlich softwarebasiert. Störend ist das nur bei Videos. Viele YouTube-Videos laufen deshalb nicht.

GSM und UMTS funktionieren inklusive aller Datenstandards wie GPRS, EDGE und HSPA einwandfrei. Beim WLAN-Modul ist anzumerken, dass es zwar ohne Probleme nutzbar ist, jedoch fehlt jegliches Powermanagement. Selbst wenn man das Telefon in den Sleep-Modus versetzt, zieht das WLAN-Modul der Batterie die volle Leistung ab. Ein Betrieb ohne angeschlossenes Ladegerät ist nicht lange möglich.

In diesem Zusammenhang ist es besonders störend, dass das Abschalten von WLAN in den Einstellungen häufig zum Reboot des Telefons führt – und dann landet das Gerät wieder in Windows Mobile. Oft klappt die WLAN-Abschaltung zwar, dennoch sind die zahlreichen Bugs im Treiber ärgerlich. Den Entwicklern von XDANDROID fehlt an vielen Stellen Hardwaredokumentation, die HTC nicht preisgeben will.

Findet man sich mit den Mängeln bei der Hardwareunterstützung ab, so kann man einmal die Unterschiede von zwei Betriebssystemen auf derselben mobilen Hardware erfahren. Im Test zeigt sich auf einem Diamond Touch ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Unter Android hat man nicht mit verzögerten Reaktionen auf Tasten- und Touchscreen-Befehle zu kämpfen, wie sie bei Windows Mobile an der Tagesordnung sind. Bei der Auswahl der Apps kann man sich im Android Market nach Herzenslust bedienen.

Google [13] Maps geht, GPS nicht: Die Lokalisierung erfolgt nur ungenau über das Handy-Netz. Für den GPS-Chip gibt es keinen Treiber.

Android ist deutlich flotter

Nicht jedes Betriebssystem verhält sich wie Windows Mobile, das den knappen internen Speicher für Daten nutzt – auch wenn eine Anwendung auf der Speicherkarte installiert wurde. So zeigt Windows Mobile häufig an, dass der Programmspeicher voll sei, obwohl auf der Speicherkarte noch mehrere Gigabyte frei sind.

Android hingegen nutzt auf Wunsch die Karte. Das gilt für Programme und Daten. Android traut dem Benutzer so viel gesunden Menschenverstand zu, dass er sich darüber im Klaren ist, dass Anwendungen auf der SD-Karte nicht mehr verfügbar sind, wenn man diese entfernt.

Dass Linux im Gegensatz zu Windows Mobile Multitasking beherrscht und somit mehrere Programme gleichzeitig ausführen kann, zeigt sich in vielerlei Hinsicht. So kann man bei Active Sync grundsätzlich die E-Mails, Kontakte und Kalendereinträge mitzählen, die gerade synchronisiert werden, auch wenn man mit HSPA oder WLAN angebunden ist. Der Synchronisationsprovider des Android-E-Mail-Programms hingegen braucht nur sieben Sekunden für über hundert E-Mails und mehr als 300 Kontakte.

Nachteilig ist bei Android jedoch, dass das E-Mail-Programm nur E-Mails und Kontakte synchronisieren kann. Termine lassen sich ohne Zusatzprogramme nicht einbinden. Das Android-Kalender-Programm kommt nur mit Googlemail-Konten zurecht.

Jailbreak ab Werk

Um das „Rooten [14]“ seines Windows-Android-Handys muss man sich keine Gedanken machen – also um den Jailbreak. Dabei werden Handys wie iPhone oder Nexus One von ihren Fesseln gelöst und führen jede Art von Programmen aus. XDANDROID für Windows-Mobile-Handys ist bereits gerootet.

Fazit

Obwohl einige Devices wie GPS, Bluetooth und die interne Kamera nicht nutzbar sind, ist XDANDROID mehr als eine reine Spielerei. GSM und UMTS mit allen Datenstandards funktionieren einwandfrei. Beim WLAN muss man Probleme beim Powermanagement in Kauf nehmen, die dazu führen, dass der Akku sich schnell entlädt, wenn der Nutzer WLAN nicht manuell abschaltet. Aber wer eine Datenflatrate beim Mobilfunkbetreiber hat, kann damit sicherlich leben.

Und dann bekommt man mit XDANDROID ein Betriebssystem, das Windows Mobile in vielerlei Hinsicht überlegen ist. Auffälligster Vorteil ist die flotte Reaktion auf Benutzereingaben.

Auch in anderen Dingen ist Android einfach besser durchdacht als Windows Mobile. Anwendungen, die auf der Speicherkarte installiert werden, speichern normalerweise auch ihre Daten dort und nicht im knappen internen Speicher. Durch die Registry haben Windows-Mobile-Anwendungen gar nicht die Chance, den internen Speicher unangetastet zu lassen.

Wer einmal Windows Mobile und Android auf derselben Hardware ausprobiert hat, weiß, dass Microsoft [15] in Zugzwang ist. Nicht umsonst entwickelt das Unternehmen sein Handy-Windows gerade komplett neu. Bis dahin ist es durchaus eine Alternative, dass Google-System zu starten – wenn nicht ohnehin ein Smartphone-Neukauf ins Haus steht. Dann ist man mit einem echten Android-Gerät besser bedient.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41528100/android-auf-windows-handys-installieren-so-geht-s-und-das-kann-s/

URLs in this post:

[1] HTC Touch Pro: https://www.cnet.de/tests/handy/41501019/htc+touch+pro+2+windows_smartphone+mit+tastatur.htm

[2] HTC Touch Diamond: https://www.cnet.de/tests/handy/39190609/schon+getestet+xda+htc+touch+diamond+designhandy+mit+gps.htm

[3] HTC: http://www.cnet.de/unternehmen/htc/

[4] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[5] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[6] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[7] 7zip: https://www.cnet.de/downloads/windows/296404/7_zip.htm

[8] WinRAR: https://www.cnet.de/downloads/windows/14976/winrar+_32_bit.htm

[9] XDANDROID.02.02.10.7z: http://htcandroid.xland.cz/XDANDROID.02.02.10.7z

[10] IS-95: http://en.wikipedia.org/wiki/IS-95

[11] CDMA2000: http://de.wikipedia.org/wiki/CDMA2000

[12] OpenGL ES: http://de.wikipedia.org/wiki/OpenGL_ES

[13] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[14] Rooten: http://forum.xda-developers.com/showthread.php?t=442480

[15] Microsoft: http://www.cnet.de/unternehmen/microsoft/