Samsung NX10 im Test: Micro-Four-Thirds-Killer dank APS-C-Format?

von Lori Grunin und Stefan Möllenhoff am , 16:05 Uhr

Pro
  • Abblendtaste
  • kurze Auslöseverzögerung
  • ausgezeichnete Bildqualität
  • kompaktes Gehäuse
Con
  • Fotos weisen ab ISO 1600 grüne Farbflecken auf
  • wenig Zubehör verfügbar
Hersteller: Samsung Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,7 von 10 Punkte
Fazit:

Samsung hat uns mit der NX10 positiv überrascht. Die Kamera bietet dank des großen Bildsensors zahlreiche kreative Möglichkeiten im handlichen Format. Auch die Leistung bei schlechten Lichtverhältnissen kann sich sehen lassen - bei einfarbigen, kontrastarmen Motiven kommt die NX10 bei hohen Empfindlichkeiten allerdings ins Schwimmen.

EVIL-Kameras – das sind kompakte Kameras mit Wechselobjektiven, die auf einen Spiegelkasten und damit auf einen optischen Sucher verzichten. Nach Olympus und Panasonic bringt nun auch Samsung eine solche Digicam auf den Markt. Die Besonderheit: Der Bildsensor der NX10 ist größer als der ihrer Konkurrentinnen. Ob das in der Praxis einen Unterschied macht, zeigt der Testbericht.

Mit der NX10 positioniert sich Samsung [1] in direkter Konkurrenz zu Panasonic und Olympus, die bereits seit über einem Jahr eine Reihe von Kompaktkameras mit Wechselobjektiven im Angebot haben. Samsungs größter Trumpf ist dabei der zum Einsatz kommende lichtempfindliche Chip: Anstelle eines Micro-Four-Thirds-Sensors findet ein Lichtfänger im APS-C-Format Verwendung. Er verfügt über rund 60 Prozent mehr Fläche für einfallende Photonen und bietet so – jedenfalls in der Theorie – eine bessere Bildqualität und mehr Spielraum bei schlechten Lichtverhältnissen.

Einen Vorteil gegenüber dem Micro-Four-Thirds-Format bietet der APS-C-Sensor definitiv auch in der Praxis: Er ermöglicht im Vergleich zum Micro-Four-Thrids-Format eine verhältnismäßig selektivere Tiefenschärfe bei Objektiven mit gleicher Blendenzahl.

Design

Die Samsung NX10 fühlt sich in den Händen extrem leicht an. Das Gehäuse besteht vollständig aus Kunststoff, wirkt aber dennoch sehr wertig und solide. Der kleine Handgriff sorgt auch beim einhändigen Fotografieren für einen sicheren Sitz – jedenfalls solange kein allzu schweres Objektiv zum Einsatz kommt.

Auf der Oberseite der Kamera sitzt eine Hutze, die an die Wölbung des Spiegelkastens von klassischen DSLRs erinnert. Allerdings verzichtet die Samsung NX10 auf das optische Konstrukt. Der Sucher auf der Rückseite der Erhöhung ist digital – der Fotograf blickt auf ein winziges 920.000-Pixel-Display.


Auf der Oberseite bringt Samsung einen Zubehörschuh unter. Die Koreaner planen, noch dieses Jahr zwei Aufsteckblitze auf den Markt zu bringen.

Rechts neben dem digitalen Sucher befinden sich Moduswahlschalter, vom An/Aus-Schieber eingefasster Auslöser, Drehrädchen zum Konfigurieren von Blendenzahl und Belichtungszeit sowie zwei Tasten für Serienbildmodus und intelligente Automatik. Gegenüber auf der Oberseite der Kamera bringt Samsung eine Menütaste und einen Knopf unter, der den integrierten Blitz hochschnappen lässt.

Das 3,0 Zoll große AMOLED-Display dominiert die Rückseite der Kamera. Rechts daneben sitzen eine Disp-Taste zur Konfiguration der auf dem Bildschirm dargestellten Informationen sowie ein Fn-Button, der eine Reihe von grundlegenden Einstellungen auf die Anzeige holt. Rechts oberhalb der Daumenablage befinden sich zwei Knöpfe für Belichtunsausgleich und Belichtungssperre.

Weiter unten gibt es noch das obligatorische Vier-Wege-Pad sowie zwei Tasten zum Wechseln in den Wiedergabemodus und zum Löschen von Fotos. Neben der Navigation durch die Menüs dient das Steuerkreuz auch zum Konfigurieren von Autofokus, Belichtungsmessung, Weißabgleich und ISO-Empfindlichkeit.


Zur Wahl des Bildausschnitts nutzt der Fotograf entweder das 3 Zoll große AMOLED-Display oder den elektronischen Sucher.

Auf der Vorderseite der Kamera bringt Samsung eine Besonderheit für diese Klasse unter: eine Abblendtaste. Ein Druck auf den Knopf links unterhalb des Objektivs schließt die Blende auf den derzeit konfigurierten Wert. Damit erhält der Fotograf eine exakte Vorschau, welche Bildbereiche scharf und welche unscharf erscheinen werden. Bei DSLRs gehört dieses Feature zum guten Ton, bei Systemkameras mit Wechselobjektiven war es bislang nicht zu finden.

Ausstattung

Samsung setzt bei der NX10 auf den 14,6-Megapixel-APS-C-Sensor, der auch bei der bereits zwei Jahre alten GX-20 [2] Verwendung findet. Der lichtempfindliche Chip verfügt über eine Größe von 23,4 mal 15,6 Millimetern. Zum Vergleich: Die von Olympus und Panasonic verwendeten Micro-Four-Thirds-Sensoren messen 17,3 mal 13,0 Millimeter. Auf die Gesamtfläche umgerechnet bietet der Samsung-Chip rund 60 Prozent mehr Platz für einfallendes Licht.


Mit dem Pancake-Objektiv passt die Samsung NX10 (links) ebenso wie ihre Konkurrentin Olympus E-P2 (mitte) in die Jackentasche. Rechts ist die noch ein ganzes Stück kompaktere LX3 zu sehen, die zumindest in großen Hosentaschen noch Platz findet.

Das mitgelieferte Kitobjektiv verfügt über einen Brennweitenbereich von 18 bis 55 Millimetern. Die maximale Lichtstärke bewegt sich dabei von F3,5 im Weitwinkel bis F5,6 im Telebereich. Die gleichen Eckdaten finden sich beispielsweise auch bei den Kitoptiken von Canons Einsteiger-Spiegelreflexkameras. Die Optik der Samsung NX10 ist allerdings deutlich kompakter.

Die Zoomoptik, die mit der Olympus E-P1 im Karton liegt, bietet ebenfalls einen dreifachen optischen Zoom und eine maximale Blendenöffnung zwischen F3,5 und F5,6. Aufgrund des durch die unterschiedliche Sensorgröße bedingten Formatfaktors deckt sie trotz 14-bis-42-Millimeter-Brennweite sehr ähnliche Bildwinkel ab. Die geringere Größe des Micro-Four-Thirds-Sensors ermöglicht allerdings eine handlichere Bauweise als beim Samsung-Objektiv.


Von links nach rechts sind hier die Kit-Objektive von Olympus E-P1, Samsung NX10 und Canon EOS 450D abgebildet.

Fans von HDR-Fotos freuen sich über die integrierte Belichtungsreihenfunktion, die drei Bilder in Serie mit unterschiedlichen Helligkeiten aufnimmt. Die Funktion ist über die Taste auf dem Gehäuse zugänglich, die auch den Serienbildmodus aktiviert. Der Abstand der einzelnen Bilder lässt sich auf bis zu drei Belichtungsstufen einstellen.

Leistung

In Sachen Geschwindigkeit hat Samsung ganze Arbeit geleistet. Der Kontrast-Autofokus der NX10 ist erstaunlich schnell und bewegt sich definitiv mit dem der Panasonic Lumix DMC-GF1 auf einem Niveau. Auch im Zwielicht fokussiert die Samsung NX10 noch flott und präzise. In einer schummrigen Bar liefert sie zuverlässiger scharfe Bilder als ihre Konkurrenten Ricoh GXR [3] mit A10-Aufnahmemodul und Olympus E-P1 [4]. Die Canon EOS 450D mit ihrem Phasenvergleichs-AF ist der NX10 allerdings immer noch voraus.

Bis die Kamera aus dem Tiefschlaf erwacht und das erste Foto im Kasten ist, vergehen 0,8 Sekunden. Das gilt allerdings nur, wenn die automatisch Sensorreinigung deaktiviert ist – ansonsten kommt noch einmal etwa eine Sekunde hinzu. Zwischen weiteren Fotos genehmigt sich die NX10 Auszeiten von 1,2 Sekunden bei RAW- und 1,0 Sekunden bei JPEG-Fotos. Mit zugeschaltetem Blitz verlängert sich die Verschnaufpause auf 1,5 Sekunden.

Die Auslöseverzögerung bei guten Lichtverhältnissen ist mit 0,5 Sekunden ausgezeichnet für diese Klasse. Bei Motiven mit niedrigem Kontrast verschlechtert sich der Wert auf immer noch ordentliche 0,7 Sekunden. Im Serienbildmodus schafft die Samsung NX10 zügige 3,1 Fotos pro Sekunde.

Bildrauschen

Der Aspekt, mit dem die Samsung steht oder fällt, ist die Bildqualität bei hohen Empfindlichkeiten im direkten Vergleich zur Micro-Four-Thirds-Konkurrenz. Denn preislich bewegt sich die NX10 auf einem vergleichbaren Niveau, in puncto Abmessungen fordert sie allerdings mehr Platz in Jackentasche oder Rücksack.

Und tatsächlich, der größere Bildsensor sorgt für bessere Leistungen bei schlechten Lichtverhältnissen. Wir haben in Berlin Vergleichsfotos mit Samsung NX10, Olympus E-P1, Canon 450D und Ricoh GXR geschossen.

[5] [6]

Bei ISO 1600 vernichtet die Rauschunterdrückung der Olympus E-P1 sehr viele Details. Bei der Canon EOS 450D ist bei gleicher Empfindlichkeit beispielsweise noch die Struktur der Ziegel zu sehen (für die Originalbilder auf die Fotos klicken).

[7]

Links ist das unbearbeitete Foto der Samsung NX10 mit ISO 1600 zu sehen. Es ist zwar ein starkes Rauschen zu erkennen, doch dafür erhält die Kamera viele Details. Rechts ist eine mit einem leichten Weichzeichner bearbeitete Version zu sehen, die angenehmer wirkt. Allerdings fallen die grünlichen Flecken negativ auf (für die Originalbilder auf die Fotos klicken).

Die Samsung hält sich trotz in den Einstellungen aktivierter Rauschreduzierungsmaßnahmen vornehm zurück, was den Einsatz von Weichzeichnern angeht. Dadurch wirken die Fotos bei hohen Vergrößerungen zwar verhältnismäßig körnig, verlieren aber nur wenige Details. Während sich Canon EOS 450D und Samsung NX10 auf einem ähnlichen Niveau bewegen, fällt die Olympus E-P1 bei ISO 1600 deutlich zurück.

[8] [9]

Beim Sprung von ISO 1600 (links) auf ISO 3200 (rechts) verliert die Samsung NX10 einiges an Farben (für die Originalbilder auf die Fotos klicken).

Einziger deutlicher Schwachpunkt der Samsung NX10 gegenüber der Canon-DSLR sind die grünlichen Farbflecken, die in dunklen und kontrastarmen Bildbereichen auftreten, wenn die Kamera mit hohen Empfindlichkeiten fotografiert. Bei der Farbwiedergabe bleibt die Digicam ansonsten bis ISO 1600 sehr akkurat. Erst bei ISO 3200 lässt die Sättigung spürbar nach.

[10] [11]

Während ISO 3200 bei der Ricoh GXR (links) noch ansehnliche Ergebnisse liefert, kommt die Samsung NX10 hier schon in Schwierigkeiten. Bei farbenfrohen Motiven ist der Abstand allerdings deutlich geringer (für die Originalbilder auf die Fotos klicken).

Bei den Standard-Rauschtests im Labor liefert die Samsung NX10 interessanterweise extrem gute Werte. Auch die Color-Checker-Testbilder sehen bei sämtlichen ISO-Empfindlichkeiten fantastisch aus. Hier fotografieren wir allerdings bei prinzipiell guten Lichtverhältnissen und bei hohen ISO-Werten mit sehr kurzen Verschlusszeiten. Im Zwielicht hingegen bringt die Kamera deutlich mehr Rauschen auf die Bilder.

Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, doch bei Samsung ist der Unterschied ungewöhnlich groß. Für die Praxis bedeutet das, dass sich die hohen ISO-Empfindlichkeiten eher eignen, um bei Tageslicht sehr kurze Verschlusszeiten für scharfe Actionfotos zu erzielen. Um bei schwierigen Lichtverhältnissen auch freihändig verwackelfreie Fotos zu schießen, eignen sich die gleichen Empfindlichkeiten dagegen nur in eingeschränktem Maße.

Tiefenschärfe

Die Samsung NX10 ist DSLRs mit APS-C-Sensoren, was die Tiefenschärfe angeht, aufgrund eines gleichgroßen Lichtfängers absolut ebenbürtig. Das mitgelieferte 18-bis-55-Millimeter-Objektiv liegt in Sachen Brennweite und Lichtstärke auf dem Niveau der Kitlinsen aktueller DSLRs. Viel interessanter für Fans von selektiver Tiefenschärfe ist jedoch die verfügbare Pancake-Optik mit einer kleinsten Blendenzahl von F2,0. In Kombination mit dem großen Bildsensor bietet die Linse Fotografen viel kreativen Spielraum mit dem Fokus.


Selbst mit F5,6 liefert der größere APS-C-Sensor noch ein schönes Bokeh (links). Mit F2,0 liegt der scharf abgebildete Teil im Zentimeterbereich.

Fazit

Nach einer ganze Reihe von Kompakt- und Bridgekameras, die eher in die Schnappschuss- denn in die anspruchsvolle Schublade passen, überrascht uns Samsung. Die NX10 ist schnell, liefert tolle Bilder und bewegt sich mit einem Kitpreis von rund 650 Euro zwischen den diversen Micro-Four-Thirds-Konkurrentinnen. In puncto Bildqualität hat die Samsung-Digicam allerdings die Nase vorne. Panasonic und Olympus: Ihr seid dran.

Aufnahmegeschwindigkeit (in Sekunden)
(kürzere Balken bedeuten bessere Leistung)

Zeit bis zur ersten Aufnahme   
Zeit zwischen zwei Aufnahmen (RAW)   
Zeit zwischen zwei Aufnahmen (JPEG)   
Auslöseverzögerung (Zwielicht)   
Auslöseverzögerung (Tageslicht)   
Canon PowerShot G11 [13]

2 
2.5 
2.5 
0.7 
0.4 
Panasonic Lumix DMC-G2 [14]

0.9 
0.8 
0.7 
0.6 
0.5 
Panasonic Lumix DMC-GF1 [15]

0.8 
0.9 
0.7 
0.6 
0.5 
Samsung NX10

0.8 
1.2 
1.0 
0.7 
0.5 
Olympus E-PL1 [16]

1.8 
2.1 
1.9 
1.4 
0.9 

Serienbildgeschwindigkeit (in Fotos pro Sekunde)
(längere Balken bedeuten bessere Leistung)
Olympus E-PL1 [16]

3.3 
Samsung NX10

3.1 
Canon PowerShot G11 [13]

1.1 

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41528388/samsung-nx10-im-test-micro-four-thirds-killer-dank-aps-c-format/

URLs in this post:

[1] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[2] GX-20: https://www.cnet.de/tests/digicam/39190911/testbericht/samsung+gx20+pixel+satt+und+live_view_display.htm

[3] Ricoh GXR: https://www.cnet.de/tests/digicam/41522616/testbericht/page/3/angetestet+ricoh+gxr+greift+micro_four_thirds+an.htm

[4] Olympus E-P1: https://www.cnet.de/tests/digicam/41005877/testbericht/olympus+e_p1+im+test+tolle+bildqualitaet_+schwache+performance.htm

[5] Image: https://www.cnet.de/i/c/praxis/specials/1003_samsung_nx10/01_e-p1_iso1600_gr.jpg

[6] Image: https://www.cnet.de/i/c/praxis/specials/1003_samsung_nx10/01_450d_iso1600_gr.jpg

[7] Image: https://www.cnet.de/i/c/praxis/specials/1003_samsung_nx10/01_nx10_iso1600_gr.jpg

[8] Image: https://www.cnet.de/i/c/praxis/specials/1003_samsung_nx10/02_nx10_iso1600_gr.jpg

[9] Image: https://www.cnet.de/i/c/praxis/specials/1003_samsung_nx10/02_nx10_iso3200_gr.jpg

[10] Image: https://www.cnet.de/i/c/praxis/specials/1003_samsung_nx10/03_gxr_iso3200_gr.jpg

[11] Image: https://www.cnet.de/i/c/praxis/specials/1003_samsung_nx10/03_nx10_iso3200_gr.jpg

[12] Beispielfotos: die Bildqualität der Samsung NX10: https://www.cnet.de/41531285/beispielfotos-die-bildqualitaet-der-samsung-nx10/?pid=1#sid=41528388

[13] Canon PowerShot G11: https://www.cnet.de/tests/digicam/41524937/testbericht/canon+powershot+g11+kompaktkamera+fuer+anspruchsvolle.htm

[14] Panasonic Lumix DMC-G2: https://www.cnet.de/tests/digicam/41531216/panasonic+lumix+dmc_g2+im+test+erste+wechselobjektiv_kamera+mit+touchscreen.htm

[15] Panasonic Lumix DMC-GF1: https://www.cnet.de/tests/digicam/41503064/testbericht/panasonic+lumix+dmc_gf1+kompaktkamera+auf+dslr_niveau.htm

[16] Olympus E-PL1: https://www.cnet.de/tests/digicam/41530162/testbericht/olympus+e_pl1+im+test+langsame+micro_four_thirds_kamera+mit+toller+bildqualitaet.htm