Canon EOS 550D im Test: 18-Megapixel-DSLR für Videofans

von Alexandra Savvides und Stefan Möllenhoff am , 15:21 Uhr

Pro
  • gute Bildqualität
  • hohe verfügbare ISO-Empfindlichkeiten
  • volle manuelle Kontrolle im Videomodus
  • ausgezeichnetes Display
  • externer Mikrofoneingang
Con
  • kleiner optischer Sucher
  • RAW-Größe nicht konfigurierbar
Hersteller: Canon Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,4 von 10 Punkte
Fazit:

Hobbyfilmer werden sich freuen: Die Canon EOS 550D integriert die Filmfunktion besser als jede andere Video-DSLR, die wir bislang in den Händen hatten. Die Bildqualität der Spiegelreflexkamera lässt ebenfalls kaum Wünsche offen.

400D, 450D, 500D, 550D – rein äußerlich hat sich bei Canons EOS-Reihe in den letzten Jahren nicht viel verändert. Am Innenleben hat der Hersteller allerdings kräftig weiterentwickelt und gefeilt: Die Auflösung klettert von 10 auf 18 Megapixel gesteigert, inzwischen gibt es eine Full-HD-Videofunktion, und in Sachen Serienbild- und Autofokusgeschwindigkeit haben die Kameras auch einen Zahn zugelegt. Wir haben Canons neuesten Streich im Einsteigersegment, die EOS 550D, unter die Lupe genommen.

Achtung, Videofans: Es tut sich etwas bei den filmenden DSLRs. Die Canon EOS 550D bietet von allen Spiegelreflexkameras die bisher beste Implementation des Videomodus. Es braucht keine zahllosen Firmware-Updates [1], wie bei der EOS 5D Mark II [2], bis das Feature benutzbar wird – aus dem Karton packen, anschalten, aufnehmen, fertig.

Design und Ausstattung

In Sachen Design heftet sich die EOS 550D an die Fersen ihrer Vorgängerin 500D [3]. Sie sieht ihr zum Verwechseln ähnlich und ist auf den ersten Blick rein äußerlich kaum zu unterscheiden. Die größten Unterschiede stellen die verschiedene Modellbezeichnung auf der Vorder- und ein überarbeitetes Tastenlayout auf der Rückseite dar.


Der Aufnahme- beziehungsweise Live-View-Button auf der Rückseite der Canon EOS 550D bietet einen direkten Zugriff auf die Videofunktionen der DSLR.

Die EOS 550D liegt sicher in der Hand und macht einen grundsoliden Eindruck. Fotografen mit großen Pranken werden die Bedienelemente und das kompakte Gehäuse allerdings etwas zu leicht und fummelig finden.

Auf der Oberseite der Kamera sitzt wie gewöhnlich der Moduswahlschalter. Hier finden sich die üblichen Szenenprogramme für Anfänger, die kreative Automatik sowie die altbekannten halb- und vollautomatischen PASM-Modi. Last but not least sitzt auf dem Drehelement auch der Videomodus.

Die Filmfunktion bietet Auflösungen von bis zu 1920 mal 1080 Pixeln und zeichnet wahlweise 24, 25 oder 30 Bilder pro Sekunde auf. Auf der Rückseite der Kamera gibt es eine dedizierte Aufnahmetaste, die automatisch in den Live-View-Modus wechselt. Beim Filmen hat der Kameramann volle manuelle Kontrolle über Blende, Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit. Zum Videomodus gehört auch eine Movie-Crop-Funktion, die lediglich die zentral auf dem Sensor gelegenen 640 mal 480 Pixel aufzeichnet. Das Ergebnis ist ein VGA-Video mit siebenfachem Digitalzoom.

Apropos Bildsensor: Der CMOS-Chip löst satte 18 Megapixel auf. Die anfallenden Datenmengen verarbeitet ein Bildprozessor vom Typ Digic 4. Auf den ersten Blick hat die 550D einiges mit ihrer ähnlich ausgestatteten Schwester EOS 7D [4] gemein. Allerdings fehlt dem günstigeren Modell die zweite Digic-4-CPU, die beeindruckende Serienbildgeschwindigkeiten von bis zu acht Fotos pro Sekunde ermöglicht. Die „kleine“ 550D gibt sich mit 3,7 fps zufrieden, also knapp der Hälfte. Der zweite große Unterschied liegt in der Verarbeitungsqualität – die 7D fühlt sich einfach deutlich wertiger und massiver an.

Dafür hat die EOS 550D ein paar andere Asse im Ärmel stecken. Ein Beispiel wäre das 3-Zoll-Display, das mit 720 mal 480 Bildpunkten überdurchschnittlich hoch auflöst. Das Bildseitenverhältnis von 3:2 entspricht dem des lichtempfindlichen APS-C-Chips. Der optische Sucher dagegen ist leider verhältnismäßig klein und sorgt beim manuellen Fokussieren nicht immer zuverlässig für scharfe Ergebnisse. Hier sind der ausgezeichnete Bildschirm und die gelungene Live-View-Integration eine große Hilfe.


Der Moduswahlschalter bietet die üblichen Auswahlpunkte – neben diversen Szenenprogrammen und den obligatorischen PASM-Punkten bringt Canon hier auch den Videomodus unter.

Neben SD- und SDHC-Karten unterstützt die 550D auch die neuen SDXC-Medien mit einem theoretischen Kapazitätslimit von 2048 GByte. Auf der linken Seite des Gehäuses befindet sich eine Klappe, die neben AV- und HDMI-Ausgang sowie Fernsteuerungsanschluss auch eine Stereobuchse für externe Mikrofone bereithält.


Für anspruchsvolle Videofans: Unter einer Klappe auf der linken Seite des Gehäuses verbirgt sich eine Stereo-Mikrofonbuchse.

Die Kamera bietet außerdem eine Funktion namens Auto Lighting Optimizer, die wie Nikons D-Lighting-Feature den Dynamikbereich erweitern soll. Bei der 550D ist das Extra einfacher zu erreichen als bei den Vorgängermodellen und lässt sich in drei verschiedenen Intensitätsstufen regeln.


Der Auto Lighting Optimizer ist in vier verschiedenen Intensitäten regelbar.

Der Belichtungsausgleich lässt sich um bis zu fünf Stufen nach oben und unten anpassen. Das ist für eine Spiegelreflexkamera in diesem Preissegment außergewöhnlich. Leider erlaubt es Canon seinen Kunden nicht, die Auflösung von RAW-Fotos zu bestimmen.


Außergewöhnlich: Die Belichtung lässt sich um bis zu fünf Blenden nach oben und unten korrigieren.

Leistung

Wie ihre Vorgängerin 500D legt die EOS 550D eine zügige Performance hin. Mit einer Class-6-SDHC-Karte benötigt die Kamera lediglich 0,3 Sekunden, um aus dem Tiefschlaf zu erwachen und das erste Bild zu schießen. Ohne Vorfokussieren liegt die Auslöseverzögerung mit dem lichtstarken 50-Millimeter-F1.4-Objektiv bei guten Lichtverhältnissen bei 0,2 Sekunden. Mit der 18-bis-135-Millimeter-Optik sind es immer noch ordentlich schnelle 0,3 Sekunden.

Im JPEG-Dauerfeuertest schießt die Canon-DSLR zwölfmal in Folge mit durchschnittlich 3,2 Bildern pro Sekunde. Anschließend drosselt die Kamera die Geschwindigkeit, da die Bildspeicher vollgelaufen sind. Bei der RAW-Aufnahme schafft die 550D sechs Aufnahmen in 1,6 Sekunden – also gut 4 Fotos pro Sekunde. Dann ist allerdings bereits Schluss mit Vollgas.

Bildqualität

Bei unseren Tests kommen die bereits erwähnten Linsen EF-S 18-135mm und EF 50mm f1/1.4 zum Einsatz. In alltäglichen Situationen liefert die 550D ausgezeichnete Fotos. Nachdem der Bildsensor dem Chip der EOS 7D sehr ähnlich ist, stellt es keine Überraschung dar, dass die Bildqualität vergleichbar ausfällt. Bei der JPEG-Verarbeitung scheint Canon den Fokus allerdings etwas mehr auf gesättigtere Farben zu legen. Wie das Vorgängermodell 500D tendiert die DSLR jedoch zur Überbelichtung in hellen Bildbereichen und setzt bei schwierigen Lichtverhältnissen trotz des Auto Lighting Optimizers auf zu lange Belichtungszeiten.


Der Effekt des Auto Lighting Optimizers ist sehr subtil. In den dunkleren Bildbereichen im rechts unteren Teil der Aufnahme sind die Unterschiede am deutlichsten.

Die verschiedenen Einstellungen des Auto Lighting Optimizers haben auf alltägliche Situationen nur sehr schwach wahrnehmbare Auswirkungen. Im Studio oder unter kontrollierten Lichtbedingungen lässt sich allerdings ein spürbarer Unterschied feststellen.

RAW gegen JPEG

Im Test setzen wir zur Umwandlung der RAW-Fotos auf Canons Software Digital Photo Professional. Zum Exportieren kommen die Photoshop-Einstellungen Fürs Internet abspeichern mit einer Qualität von 80 Prozent zum Einsatz. Bei allen JPEG-Fotos steht der Auto Lighting Optimizer auf den Standard-Parametern. Wir speichern die Bilder auf die gleiche Art und Weise ab wie die RAW-Dateien.

Als erstes fotografieren wir mit ISO 100. Wie zu erwarten sehen die beiden Aufnahmen sehr ähnlich aus. Das RAW-Bild ist einen Tick weicher, da die kamerainternen Nachschärfer nicht zum Einsatz kommen. JPEG-Fotos versieht die 550D vor dem Abspeichern – wie jede Kamera auch – mit diversen Filtern.


Bei ISO 100 sind die Unterschiede zwischen RAW- und JPEG-Aufnahme nur in Sachen Schärfe feststellbar.

Als nächstes betrachten wir die integrierte Rauschunterdrückung bei einer Empfindlichkeit von ISO 1600. Die Störungsminimierung bei der RAW-Verarbeitung setzen wir auf den Wert 0, um zu sehen wie die Rauschunterdrückung bei der JPEG-Aufnahme arbeitet.


Dieses Vergleichsbild zeigt, wie die kamerainterne Rauschunterdrückung der EOS 550D bei ISO 1600 arbeitet.

Bei ISO 6400 bringt die Canon EOS 550D eine ordentliche Portion Farbrauschen aufs Bild. Angesichts der Bildpunktdichte auf dem 18-Megapixel-APS-C-Sensor ist das nicht weiter verwunderlich. Das folgende Foto zeigt eine 100-prozentige Vergrößerung aus einem JPEG-Foto, das die Kamera mit den Standardeinstellungen schießt.


Aufnahmen mit ISO 6400 weisen ein deutliches Farbrauschen auf. Für einen 18-Megapixel-Sensor halten sich die Störungen allerdings noch immer erfreulich in Grenzen.

Videoqualität

Wer gehofft hat, mit dem Kauf der 550D seinen Camcorder in den Altelektronik-Schrank verbannen zu können, muss mit einer Enttäuschung rechnen. Einen kontinuierlichen Autofokus, der die Schärfe an Motive anpasst, die sich auf den Kameramann zu oder von ihm wegbewegen, bietet die DSLR nicht. Drückt man den Auslöser halb hinein, so fokussiert die Digicam – allerdings pumpt die Optik hier ein wenig hin und her, bis das Bild wieder scharf ist.

Die Videoqualität selbst ist ausgezeichnet und weist akkurate Farben auf. Das hochauslösende Display vereinfacht das manuelle Fokussieren. Wer sich mit VGA-Auflösung zufriedengibt, freut sich außerdem über den Crop-Modus.

Fazit

Für die meisten Anwender dürften die 18 Megapixel der Canon EOS 550D ein wenig zu viel sein. Dennoch: Wer bei guten Lichtverhältnissen fotografiert, hat viele Freiheiten, was das Zurechtschneiden der Aufnahmen angeht. In Sachen Bildqualität kann sich die DSLR in ihrer Klasse durchaus behaupten. Zudem stellt die Kamera eine ausgezeichnete Wahl für diejenigen dar, die statt Stand- auch einmal hochwertige Bewegtbilder aufnehmen möchten und kein Budget für eine teurere Spiegelreflex oder einen Proficamcorder übrig haben.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41528605/canon-eos-550d-im-test-18-megapixel-dslr-fuer-videofans/

URLs in this post:

[1] zahllosen Firmware-Updates: https://www.cnet.de/blogs/alpha/kameras/41207495/canon+eos+5d+mark+ii+neue+firmware+macht+die+dslr+zum+profi_camcorder.htm

[2] EOS 5D Mark II: https://www.cnet.de/tests/digicam/41000767/testbericht/vollformat_dslr+mit+hd_videofunktion+canon+eos+5d+mark+ii.htm

[3] 500D: https://www.cnet.de/tests/digicam/41003589/testbericht/dslr+fuer+full_hd_videos+canon+eos+500d+im+test.htm

[4] EOS 7D: https://www.cnet.de/tests/digicam/41524646/testbericht/page/3/canon+eos+7d+im+test+neue+massstaebe+in+puncto+geschwindigkeit.htm