Toshiba BDX2000: Blu-ray-Player mit scharfem Bild

von Ian Morris und Pascal Poschenrieder am , 13:10 Uhr

Pro
  • schickes Design
  • exzellente Bildqualität
  • ordentliche Menü-Geschwindigkeit
  • volle Unterstützung für das Profil 2.0
Con
  • lange Disc-Ladezeiten
  • Fernbedienung wirkt billig
  • träge Verarbeitung von BD-Live-Inhalten
  • kein eingebauter Speicher
Hersteller: Toshiba Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,0 von 10 Punkte
Fazit:

Wir hätten nie gedacht, dass der HD-DVD-Verfechter Toshiba je einen Player für das Konkurrenzformat Blu-ray auf den Markt bringen würde. Umso mehr überrascht uns der BDX2000. Er ist nicht sonderlich teuer und bietet eine exzellente Bildqualität. Allerdings hätten wir uns eine etwas bessere Ausstattung mit Zusatzfunktionen wie Youtube-Wiedergabe und eine bessere Codec-Unterstützung gewünscht.

Als uns David Walstra von der Blu-ray Disc Association auf der IFA 2008 stolz erzählte, dass der Formatkriegt nun vorüber sei, waren am Stand des HD-DVD-Verfechters Toshiba keine freudigen Gesichter zu sehen. Doch mittlerweile hat sich der Hersteller den Siegern gebeugt und selbst einen Blu-ray-Player auf den Markt gebracht. Wir haben getestet, ob der BDX2000 mit der Konkurrenz mithalten kann.

Toshiba war einer der Hauptverfechter des Blu-ray-Konkurrenzmediums HD-DVD. Als die letzten Stunden der High Density Digital Versatile Disc [1] aber dann endgültig gezählt waren, hatte der Hersteller ein Problem. Anfangs sah es so aus, als ob er sich gänzlich aus dem Geschäft der Abspielgeräte heraushalten würde. Auf der IFA 2009 überraschte und Toshiba dann aber mit seinem ersten Blu-ray-Player [2], dem BDX2000.

Mittlerweile ist das Gerät für rund 200 Euro zu haben. Laut Hersteller richtet es sich vorrangig an Einsteiger. Trotzdem besitzt er einige erfreuliche Extras wie eine Unterstützung des Profils 2.0 [3] und somit die Fähigkeit, Online-Inhalte abzurufen.

Design

Der BDX2000 sieht elegant aus. Zudem ist er nur halb so tief wie ein ausgewachsener Player [4] oder AV-Receiver [5]. Das hat zwar den Vorteil, dass mehr Platz für angeschlossene Kabel bleibt, allerdings schränkt es die Möglichkeiten beim Übereinanderstapeln von Geräten im HiFi-Rack ein. Dafür ist der Player mit 5,1 Zentimetern Höhe angenehm flach. Gepaart mit seiner Tiefe von 21,1 Zentimetern passt er so problemlos auf den Fernsehtisch oder den TV-Standfuß.

Um das Gerät möglichst schlicht zu halten, hat sich Toshiba für eine herunterklappbare Front entschieden, die die Bedienelemente, den Laufwerksschacht und einen SD-Kartenslot versteckt.


Unter der Frontklappe verbringt sich neben einigen Tasten und dem Laufwerksschacht auch ein SD-Kartenslot. Er dient unter anderem als Speicherweiterung für die BD-Live-Nutzung.

Die Tasten am Player selbst decken nur die Grundfunktionen ab. Es gibt Knöpfe für Power, Pause, Stop, Play und Eject. Allerdings reicht das völlig aus, da die Bedienelemente ohnehin vermutlich nur dann zum Einsatz kommen, wenn Käufer die Fernbedienung verlieren. Einzige Ausnahme: Man legt eine Disc ein und möchte, dass der lange Blu-ray-Disc-Ladevorgang schon beginnt, während man wieder zurück zum Sofa geht und sich hinsetzt.

Ladezeiten

Doch trotz Druck auf die Play-Taste am Gerät ist es leider oft so, dass nicht nur genug Zeit zum Hinsetzen bleibt. Man kann auch noch kurz eine Toilettenpause einlegen, bis der Film endlich startet. Schuld daran ist die Java-Plattform [6], auf der die Blu-ray-Menüs basieren. Sie führt dazu, dass fast alle Player, die wir bis jetzt getestet haben, mehr als 40 Sekunden für das Laden einer Disc benötigen. Leider ist der BDX2000 einer der langsamsten Player, der uns je untergekommen ist. Bis unser Test-Film 8 Blickwinkel beginnt, vergehen eine Minute und 22 Sekunden.

Dafür schlägt sich der BDX2000 gut, wenn das interaktive Java-Menü einmal geladen ist. Sowohl bei 8 Blickwinkel als auch beim Film Zombieland reagiert er flott auf Befehle der Fernbedienung. So machte es richtig Spaß macht, sich durch die Menüs zu wühlen.

BD-Live

Dank seiner Profil-2.0-Unterstützung beherrscht der BDX2000 sämtliche BD-Live-Funktionen. Allerdings ist es leider immer noch so, dass BD-Live eine Enttäuschung ist. Niemand produziert wertvolle Inhalte für den Online-Streaming-Dienst. Außerdem lädt das Sony [7]-Portal mit dem Toshiba-Modell – wie mit allen von uns getesteten Player – äußerst langsam. Erscheint das Portal dann endlich auf dem TV-Schirm, funktioniert auch noch die Navigation durch die Inhalten äußerst träge. Und wenn man endlich beim Inhalt seiner Wahl angelangt ist, läuft er eventuell nicht. Ist das nun Toshibas Schuld? Nicht wirklich, dennoch erwähnen wir das Problem. Es ist einfach eine Schande, dass das Blu-ray-Format selbst nach mehreren Jahren immer noch nicht das hält, was es verspricht [8].


Dank Netzwerkschnittstelle greift der BDX2000 auf interaktives Online-Zusatzmaterial zu.

Dennoch müssen wir auch Toshiba selbst rügen, da der Hersteller nicht genug Speicher in seinen Player einbaut, um die BD-Live-Funktion ohne zusätzliche SD-Karte zu nutzen. Das ist einfach nicht mehr zeitgemäß und bei den heutigen Preisen für Flash-Speicher einfach nur peinlich.

Fernbedienung

Es ist sehr enttäuschend, wenn ein Hersteller uns ein AV-Gerät zum Testen schickt, das wie ein undurchdachtes Engineering Sample aussieht. Und genau das trifft auf die Fernbedienung des BDX2000 zu. Die meisten Tasten sind zu klein. Außerdem gibt es schlichtweg viel zu viele Knöpfe, wodurch wir ewig suchen, bis wir die gewünschte Taste finden. Der Hersteller integriert beispielsweise Bedienelemente für die Ziffern 0 bis 9, was heutzutage wirklich unnötig ist. Wer wählt schließlich schon ein Kapitel eines Blu-ray-Films über diese Tasten aus? Wir nicht.


Die Fernbedienung ist nicht nur vollkommen überladen, sondern wirkt dank des schwarzen Plastik-Gehäuses auch noch billig.

Und warum sind Play- und Stop-Knopf gleich groß und direkt nebeneinander angeordnet? Wer im Dunklen einen Film ansieht und Pause drückt, erwischt, wenn er die Wiedergabe fortsetzen will, mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit die Stop-Taste. Zusammen mit den lagen Ladezeiten kann das schnell zu unkontrollierbaren Wutanfällen führen.

Bild- und Tonqualität

So sehr uns die Schwächen des BDX2000 auch ärgern, in puncto Bildqualität überzeugt er uns auf ganzer Linie. Nach dem Starten von Zombieland beschwichtigt uns der Player mit einem außergewöhnlich scharfen Bild mit Tonnen von Details. Das Gesicht von Woody Harrelson zeigt Feinheiten, die wir mit der DVD-Version der Komödie nicht einmal erahnen können. Auch die Zombies sehen einfach nur super aus – zumindest in Sachen Details. Die Farben beeindrucken uns und wirken äußerst akkurat.

Wer die DivX [9]-Wiedergabe nutzen möchte, muss sich darauf gefasst machen, etwas Zeit zu investieren. Der BDX2000 scheint nicht wirklich damit einverstanden zu sein, die Dateien von unserer SD-Karte abzuspielen. Als wir ihn dann endlich dazu kriegen, einen Film zu starten, kommt es zu Rucklern und die Bildqualität ist alles andere als perfekt. Wer den BDX2000 also kaufen möchte, um damit DivX-Filme anzusehen, sollte lieber noch einmal über ein anderes Gerät nachdenken.

Dafür ist die Audioqualität ausgezeichnet. Der Stereo-Downmix, den der Player an Standard-TVs ausgibt, klingt hervorragend. Allerdings gibt der Player die HD-Tonformate Dolby TrueHD und DTS-HD nur als Bitstream aus, wodurch sich Filmfans hier auf ihren AV-Receiver verlassen müssen. Alles in allem hört sich die Tonspur aber genau so aus, wie es sich unsere Ohren wünschen.

Fazit

Der Toshiba BDX2000 ist ein guter Player zum fairen Preis. Allerdings gibt es mittlerweile deutlich günstigere Player wie den Sonys BDP-S360, die mehr bieten und schneller sind. Dennoch, wer bereits einen Toshiba-TV besitzt und einen optisch passenden Blu-ray-Player sucht, wird mit dem BDX2000 zufrieden sein – zumindest was Bild und Ton angeht. Wir sind auf jeden Fall schon auf Toshibas nächstes Modell gespannt, und ob es der Hersteller schafft, die Schwächen des BDX2000 auszumerzen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41529146/toshiba-bdx2000-blu-ray-player-mit-scharfem-bild/

URLs in this post:

[1] High Density Digital Versatile Disc: http://de.wikipedia.org/wiki/HD_DVD

[2] Blu-ray-Player: https://www.cnet.de/tests/dvd/archiv/a3T3/

[3] Profils 2.0: http://de.wikipedia.org/wiki/Blu_Ray#Abspielger.C3.A4te-Profile

[4] Player: https://www.cnet.de/tests/dvd/

[5] AV-Receiver: https://www.cnet.de/tests/mp3/39195797/hervorragender+7_1_av_receiver+onkyo+tx_sr576.htm

[6] Java-Plattform: http://de.wikipedia.org/wiki/Blu_Ray#Interaktive_Anwendungsschicht

[7] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[8] Blu-ray-Format selbst nach mehreren Jahren immer noch nicht das hält, was es verspricht: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/specials/41522398/die+probleme+der+blu_ray_disc+und+die+vorteile+ihrer+nachfolger.htm

[9] DivX: http://de.wikipedia.org/wiki/Divx