Schon im Test: Android-Smartphone Sony Ericsson Xperia X10

von Daniel Schraeder und John Chan am , 17:00 Uhr

Pro
  • hochauflösender 4-Zoll-Touchscreen
  • hervorragende Ausstattung
  • 8,1-Megapixel-Kamera
  • Klinkenbuchse
  • Android-2-Update angekündigt
  • App zur Exchange-Anbindung
Con
  • relativ groß
  • Timescape-Oberfläche ist hübsch, aber eingeschränkt
  • im Vergleich zu Konkurrenzprodukten teuer
Hersteller: Sony Ericsson Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,7 von 10 Punkte
Fazit:

Das Xperia X10 reiht sich neben HTC Desire und Google Nexus One in die Riege der absoluten Top-Android-Smartphones mit Gigaherz-CPU, großem Display, toller Kamera und erstklassiger Ausstattung ein. Allerdings ist es im Vergleich zu seinen Mitbewerbern ein Stück teurer, ohne wirklich mehr zu bieten.

Das Xperia X10 ist das erste Android-Smartphone von Sony Ericsson. Neben der inzwischen ja fast schon üblichen Vollausstattung glänzt das X10 vor allem mit seiner Snapdragon-Gigaherz-CPU, dem großen 4-Zoll-Display und der hochauflösenden 8,1-Megapixel-Kamera. Unsere Kollegen von CNET Asia hatten bereits die Gelegenheit, ein Seriengerät ausführlich unter die Lupe zu nehmen. Was das Xperia taugt, verrät der Test.

Dass Sony [1] Ericsson an einem Handy mit Google [2]-Betriebssystem arbeitet, ist bereits seit längerem bekannt. Schon im letzten Jahr brodelte die Gerüchteküche, dass das Unternehmen einen Nachfolger des Windows-Smartphones Xperia X1 [3] mit den üblichen Schwächen entwickelt – unter dem Namen X3.

Zwischen der ersten Vorstellung des X1 und seiner Markteinführung ist fast ein Jahr vergangen. Eine viel zu lange Zeit, in der die Vorfreude auf das eigentlich ganz attraktive Smartphone [4] ganz schön abgeflaut ist. Ganz so extrem ist es beim ersten Androiden nicht mehr – zwischen seiner Vorstellung und der bald anstehenden Markteinführung im zweiten Quartal werden dann nur fünf Monate vergangen sein. Immer noch eine vergleichsweise lange Zeit.

Design

Gerade von oben betrachtet, sieht das X10 extrem eckig aus. Wenn man es allerdings etwas dreht und von der Seite oder von hinten ansieht, zeigt das Gerät seine Kurven und wirkt gleich viel sympathischer.

Die Materialauswahl dürfte den einen oder anderen potentiellen Käufer abschrecken. Der Hersteller setzt stark auf Kunststoff, während die Alternativen – etwa das HTC [5] Desire oder das Google Nexus One – zumindest einen Rahmen aus Metall zu bieten haben. Das glänzende Oberflächenfinish erinnert ein bisschen an das Design der aktuellen iPhone-Generation. Ebenso wie das Apple [6]-Handy zieht auch das X10 Fingerabdrücke magisch an.

Das Xperia misst 11,9 mal 6,3 Zentimeter bei einer angenehm flachen Bauhöhe von 13 Millimetern. Die große Grundfläche ist dem 4-Zoll-Display geschuldet (zum Vergleich: iPhone 3G S [7]: 3,5 Zoll, Google Nexus One [8]: 3,7 Zoll). Es bringt 135 Gramm auf die Waage. Damit ist es ein ganz schöner Brocken, aber ähnlich gut ausgestattete Smartphones wiegen vergleichbar viel. So belastet das Windows Phone HD2 von HTC [9] mit seinem 4,3-Zoll-Display die Hosentasche sogar mit 157 Gramm.


Das Sony Ericsson Xperia X10 ist wahlweise in Schwarz oder in Weiß erhältlich.

Die Anzeige löst 854 mal 480 Pixel auf. Das ist etwas ungewöhnlich – die meisten Smartphone-Displays zeigen mit 800 mal 480 Pixeln einige Bildpunkte weniger an. In der Praxis fällt das kaum auf. Lediglich im Querformat ist die Anzeige ein kleines Stück breiter. Da die meisten Android [10]-Applikationen ohnehin dafür ausgelegt sind, auf nahezu allen verfügbaren Geräten mit den unterschiedlichsten Auflösungen zu laufen, gibt es auch keine schwarzen Ränder.

Unterhalb des berührungsempfindlichen Displays befinden sich drei physikalische Tasten. Android-typisch zeigen sie die Icons für Kontext-Menü, Homescreen und Zurück. Auf mechanische Telefonhörertasten hat Sony Ericsson verzichtet. Auf der Oberseite verbergen sich der Einschalter, die Micro-USB-Buchse sowie der 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss zur Verbindung mit Headsets oder hochwertigen Standard-Kopfhörern. An der rechten Gehäuseseite gibt es noch einen Wippschalter zur Regulierung der Lautstärke sowie eine explizite Taste, die als Auslöser für die Kamera fungiert.

Das Öffnen der Akkuabdeckung hat uns vorübergehend vor ein Rätsel gestellt. Aus Angst, diese kleinen Plastikhaken abzubrechen, haben wir zu Anfang weniger Kraft angewendet, als nötig ist. Aber zugegeben: Das ist nur ein kleines Problem.

Unterhalb des Akkudeckels befindet sich der microSD-Speicherkartenslot. Darüber hinaus gibt es 8 GByte internen Speicher. Das ist eine Menge und dürfte für hunderte, wenn nicht gar tausende installierter Programme ausreichend sein. Einen Haken hat die Konstruktion aber noch: Der Speicherkartenslot sitzt unterhalb des Stromspeichers. Wer die Karte tauschen möchte, muss das Handy also ausschalten.

Ausstattung und Oberfläche

Was die Verbindungen mit der Außenwelt angeht, ist das X10 absolut vollausgestattet. Es kommuniziert über UMTS mit HSPA für schnelle Up- und Downloads sowie über WLAN mit dem Internet, verfügt über Bluetooth und GPS.

Nicht ganz zeitgemäß wirkt die Android-Version. Der Hersteller setzt auf 1.6 – Codename Donut – während andere Geräte bereits mit der Nach-Nachfolgeversion 2.1 ausgeliefert werden. Dennoch hält sich der Nachteil dadurch noch in Grenzen. Nahezu alle Applikationen laufen unter Donut, der Market ist verfügbar, und neben den Google-Standardprogrammen wie Mail, Maps oder Youtube ist sogar ein Exchange-Client namens Moxier Mail vorinstalliert.

Während HTC mit seiner Sense-Oberfläche den Look von Android nahezu vollständig überarbeitet hat, kratzt das Timescape genannte Interface des X10 nur ein bisschen am Lack. Im Ruhezustand zeigt das Gerät die üblichen Informationen an – also Netz, Akkustand, Signalstärke, Datum und Uhrzeit sowie neu eingegangene Nachrichten.

Der Ansatz von Timescape erinnert an das, was HTC mit seiner Sense-Oberfläche in petto hat. Die komplette Kommunikation wird unabhängig vom Medium zusammengefasst – es ist also egal, ob man E-Mails oder Kurznachrichten verschickt, per Twitter oder Facebook kommuniziert oder Anrufe tätigt. Allerdings tauchen hier auch die zuletzt angehörten Songs sowie aktuelle Fotos auf. Das lässt sich auch nach Personen sortieren.

Nach einiger Zeit, in der wir uns mit Timescape beschäftigt haben, ziehen wir ein vorläufiges Fazit. Das Interface ist eine gute Idee und optisch wirklich hübsch. Wir sind uns aber nicht sicher, wie praktisch die Oberfläche wirklich ist – denn die Funktionen sind nicht komplett integriert. Wer also beispielsweise auf ein Facebook-Status-Update antworten möchte und innerhalb der Timescape-Oberfläche auf den entsprechenden Button tippt, wird über den Webbrowser auf die mobile Facebook-Webseite gelotst.

Das ist deswegen nicht optimal, da es deutlich bessere Möglichkeiten gibt, mit Social Networks zu kommunizieren – darunter die App Facebook for Android. Im Gegensatz zum Web-Interface bietet sie beispielsweise die Möglichkeit, Fotos mit dem Handy zu schießen und direkt hochzuladen. Nach einiger Zeit haben wir also auf die Timescape-Ansicht verzichtet und starten einfach die zum jeweiligen Dienst zugehörige App direkt. Und das führt den eigentlich tollen Ansatz ad absurdum.

Neben Timescape haben die Entwickler auch noch die Mediascape-Oberfläche integriert. Sie funktioniert ähnlich, allerdings nicht für Kommunikation, sondern für Media-Inhalte wie Musik, Videos und Bilder. Die Daten können dabei auf der Speicherkarte abgelegt sein, müssen aber nicht: Fotos holt die Software auch aus Netzen wie Facebook, Flickr oder Picasa. Die Musik wird auf Wunsch mit dem PlayNow-Musicstore synchronisiert.

Der Android-Browser basiert wie gehabt auf der WebKit-Engine. Damit hat er die gleiche technische Grundlage wie beispielsweise das iPhone – und auf dementsprechend hohem Niveau ist die grafische Darstellung von Internet-Seiten. Leider mangelt es dem X10 aber an Multitouch-Unterstützung.

Da das X10 im Gegensatz zu anderen Android-Smartphones weder über einen Trackball noch über einen optischen Sensor oder eine Vier-Wege-Steuerung mit Tasten verfügt, hat Sony Ericsson eine eigene Tastatur mit virtuellen Pfeiltasten vorinstalliert. Nur so ist es beispielsweise möglich, den Cursor in einem geschriebenen Text buchstabengenau zu positionieren. Darüber hinaus haben die Entwickler noch ein paar recht praktische Shortcuts integiert. So wird beispielsweise der Punkt zu einem Komma, wenn man ihn zweimal drückt. Etwas verwirrend ist die Texteingabehilfe. Sie zeigt Wortvorschläge in zwei Zeilen an. Uns wäre es lieber, wenn sie weniger, aber dafür passendere Treffer präsentieren würde. Im Vergleich zu HTC Desire, Legend oder Apple iPhone tippt es sich auf dem X10 nicht ganz so gut.


Auf der Rückseite des Xperia X10 finden sich die Linse der Kamera sowie eine Foto-LED.

Die Kamera löst Fotos mit 8,1 Megapixeln auf. Ihr steht eine Foto-LED zur Verfügung, die dunkle Bereiche zumindest etwas ausleuchtet. Bei der Software der Kamera merkt man dem Hersteller seine Erfahrungen mit den CyberShot-Kamerahandys an: Die Oberfläche ist klar und hübsch und bietet Optionen wie Gesichterkennung sowie Touch-to-Focus. Die letzten aufgenommenen Bilder tauchen in einer Leiste im unteren Bereich des Displays auf. Die Bildqualität kann sich sehen lassen – in Anbetracht der Tatsache, dass es sich hier eben nicht um eine echte Digitalkamera, sondern „nur“ um ein Smartphone handelt. Die Farbwiedergabe ist gut, und selbst Aufnahmen in Gebäuden wirken anständig und wenig verrauscht.

Sony Ericsson Xperia X10 Testfoto [11]

Die 8,1-Megapixel-Kamera schießt auch in Gebäuden noch recht ordentliche Fotos (zum Vergrößern auf das Bild klicken, 2,3 MByte – Originalfoto).

Leistung

Zur Reaktionsfreudigkeit des X10 gibt es nicht viel zu sagen. Im Inneren arbeitet ein 1 GHz schneller Snapdragon-Prozessor. In Kombination mit dem vergleichsweise ressourcenschonenden Android-Betriebssystem sind schnelle Reaktionen und flüssige Interaktionen mit dem User-Interface an der Tagesordnung.

Die Sprachqualität ist ordentlich. Auch am Empfang haben wir nichts auszusetzen. Lediglich die Akkulaufzeit ist nur mittelmäßig – mehr als 1,5 Tage bei durchschnittlicher Nutzung sind kaum drin. Aber damit reiht sich das Xperia nur ein in die Reihe der tollen Smartphones, deren Ausstattungsmerkmale inklusive großem Display, Internet-Zugang, GPS & Co. einfach viel Energie verbrauchen.

Fazit

Die gute Nachricht zuerst: Sony Ericsson arbeitet bereits an einem Software-Update, dass das X10 mit der aktuellen Android-Version 2.x ausstatten soll. Ob es sich nun um die Version 2.0 oder 2.1 handelt, steht noch nicht fest. Damit einher gehen Multitouch sowie ein neuer Mail-Client, der mehrere Postfächer integiert und Exchange-Unterstützung mitbringt. Es würde uns auch nicht wundern, wenn der Hersteller im Zuge des Updates auch seine Time- und Mediascape-Oberflächen noch weiter aufmotzte.

Die schlechte Nachricht ist allerdings das Kostenkapitel. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 599 Euro. Vergleichbare Geräte anderer Hersteller, etwa Nexus One oder HTC Desire, dürften da ein gutes Stück günstiger sein. Selbst das HTC HD2 [9] mit seinem gigantischen 4,3-Zoll-Display ist billiger.

Das 4 Zoll große Display ist auf dem Papier ein Alleinstellungsmerkmal. In der Praxis fällt der Unterschied zu den 3,7 Zoll großen Anzeigen der Mitbewerber kaum auf. Auch die Timescape-Oberfläche ist mehr ein nettes Gimmick denn ein Must-Have. Anders sieht es da schon bei der hochauflösenden Kamera aus. Sie könnte ein Kaufgrund sein.

Unterm Strich ist das X10 aber definitiv kein schlechter Kauf. Vor allem, wenn der Preis etwas gesunken ist, stellt es eine echte Alternative zu den anderen High-End-Smartphones mit Google-Betriebssystem [12] dar.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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URLs in this post:

[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[3] Xperia X1: https://www.cnet.de/tests/handy/39191713/testbericht/windows_handy+mit+tastatur+und+gps+sony+ericsson+xperia+x1.htm

[4] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[5] HTC: http://www.cnet.de/unternehmen/htc/

[6] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[7] iPhone 3G S: https://www.cnet.de/tests/handy/41005474/testbericht/neues+iphone+3g+s+im+test+schneller_+besser_+cooler.htm

[8] Google Nexus One: https://www.cnet.de/tests/handy/41525269/testbericht/schon+getestet+htc+google+nexus+one+endlich+ein+iphone_killer.htm

[9] Windows Phone HD2 von HTC: https://www.cnet.de/tests/handy/41522605/testbericht/schon+im+test+htc+hd2+das+beste+windows_phone+aller+zeiten.htm

[10] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[11] Image: https://www.cnet.de/i/c/products/2010/03/1003_sony_ericsson_xperia_x10_testfoto_gr.jpg

[12] High-End-Smartphones mit Google-Betriebssystem: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/specials/41529074/von+guenstig+bis+edel+uebersicht+ueber+alle+android_smartphones.htm