ViewSonic PJD6381: unreifer 3D-Projektor

von Pascal Poschenrieder und Ty Pendlebury am , 17:40 Uhr

Pro
  • ordentliche 2D-Bildqualität
  • überraschend gute 3D-Darstellung
  • integrierte Lautsprecher
Con
  • keine digitalen Eingänge
  • unterstützt 3D-Bilder nur vom PC
  • schlechte Trapezkorrektur schränkt Aufstellungsort stark ein
  • geringe Auflösung
  • kein Component-Video-Anschluss
Hersteller: Viewsonic Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: BEFRIEDIGEND 5,6 von 10 Punkte
Fazit:

Der 3D-Beamer ViewSonic PJD6381 ist ein schönes Beispiel für ein Produkt, das einfach nicht gut genug durchdacht wurde. Er stellt Bilder vom PC zwar mit Einschränkungen dreidimensional dar, besitzt aber keine digitalen Eingänge zum Anschließen eines Blu-ray-Players. Außerdem hängt die Qualität stark vom Aufstellungsort ab, und die Auflösung ist zu gering.

Mit seinem PJD6381 hat ViewSonic einen 3D-fähigen Projektor auf den Markt gebracht. Das Gerät besitzt eine Wiederholfrequenz von 120 Hz, wodurch es auch dreidimensionale Inhalte ruckelfrei anzeigt. Wir haben getestet, ob der Effekt funktioniert und ob die Bildqualität dabei auf der Strecke bleibt.

Die Idee des 3D-Kinos ist schon uralt. Bereits in den 50er Jahren gab es in Amerika die ersten Vorstellungen dreidimensionaler Filme [1]. Allerdings führten die 3D-Brillen von damals mit ihren rot-grünen Gläsern beim ein oder anderen Zuseher eher zu Übelkeit als zu einem tollen Erlebnis. Dass das heute anders ist, zeigt der Erfolg des 3D-Films Avatar [2]. Der Streifen hat einen wahren 3D-Boom ausgelöst, da jeder den absolut realistischen Effekt nicht nur im Kino, sondern auch in seinem eigenen Wohnzimmer erleben will. Die dafür notwendige Hardware ist bereits angekündigt. Die ersten 3D-Fernseher [3] sind bereits auf dem Markt, und noch dieses Jahr sollen auch Blu-ray-Player mit einer Unterstützung für dreidimensionales Material [4] in den Handel kommen.

Für anspruchsvolle Heimkinofans ist ein Fernseher aber keine Alternative zum Kino. Hier muss schon ein Projektor her – natürlich einer, der 3D beherrscht. Und genau so ein Gerät ist mit dem ViewSonic PJD6381 nun in den Testlabors unserer australischen Kollegen angekommen.

Design und Ausstattung

Unsere Erwartungen an den ersten 3D-Projektor, den wir in den Händen halten, sind nach unserem Eindruck von Avatar natürlich nicht gerade gering. Allerdings wirkt der PJD6381 zumindest rein äußerlich nicht sonderlich hochwertig. Als wir das Gerät aus seinem Karton holen, bricht – trotz vorsichtigem Umgang – der vordere Standfuß ab. Wir behelfen uns so, wie es vermutlich die meisten Heimkinobesitzer getan hätten: Anstatt des Fußes steht die Vorderseite des Beamers nun auf einigen DVD-Hüllen.

Der ViewSonic PJD6381 ist ja – wie bereits erwähnt – ein 3D-Projektor. Allerdings gilt das nur mit Einschränkungen. Um in den Genuss des Effekts zu kommen, benötigen Käufer einen PC mit einer aktuellen Nvidia-Grafikkarte. Zusätzlich müssen sie sich eine Nvidia-3D-Brille [5] kaufen. Da nicht einmal die Sehhilfe im Lieferumfang des Beamers enthalten ist, sind so mit Grafikkarte und Brille rund 200 Euro für Zubehör fällig. Das erinnert uns etwas an ein Produkt aus der Vergangenheit, den ersten 3D-Monitor namens Zalman ZM-M220W. Hier bestand die Einschränkung darin, dass Zuseher nur bei einem ganz bestimmten Abstand zur Anzeige einen 3D-Effekt zu sehen bekamen. Stimmte die Position der Augen nicht, gab es Übelkeit anstatt dreidimensionalem Kino. Der Grund dafür war eine Technologie mit passiven 3D-Sehhilfen. ViewSonic nutzt im Gegensatz dazu aktive Shutter-Brillen, die deutlich besser funktionieren.

Allerdings funktioniert dreidimensionales Kino mit dem PJD6381 eben nur mit PC. Wer hofft, den DLP [6]-Beamer einfach an seinen Blu-ray-Player [7] anstecken zu können und sich Avatar anzusehen, sobald der Film als 3D-Blu-ray-Disc erhältlich ist, hat Pech. Der Projektor besitzt keine digitalen Videoeingänge, wodurch 3D-Blu-rays, die einen HDMI-1.4-Port benötigen [8], nicht laufen.

Stattdessen bietet das ViewSonic-Modell jede Menge PC-Anschlüsse. Darunter sind unter anderem gleich zwei separate VGA [9]-Eingänge und ein -Ausgang. Außerdem finden sich ein S-Video [10]– und ein Composite-Video [11]-Port. Audiotechnisch verfügt der Beamer über zwei 3,5-Millimeter-Klinkeneingänge und einen Klinkenausgang. Laut Kurzanleitung ist der Einsatz eines Component-Video [12]-auf-VGA-Adapters möglich. Das würde zumindest beim Anschluss von Receivern oder Settop-Boxen eine Signalübertragung mit der HD-Auflösung 1080i [13] erlauben. Letztendlich würde aber auch das aufgrund der geringen Auflösung des Beamers selbst nichts nützen.

Neben der 3D-Darstellung bewirbt ViewSonic den PJD6381 mit einem sehr geringen notwendigen Projektionsabstand. Das bedeutet, dass der Beamer schon bei geringem Abstand zur Leinwand ein vergleichsweise großes Bild erzeugt. Das hat zwar Vorteile, wirkt sich bei diesem Modell allerdings auch negativ aus. Warum, erklären wir etwas weiter unten im Test.

Die Auflösung des PJD6381 beträgt 1024 mal 768 Pixel, was XGA [14] entspricht. Somit ist der Beamer nicht in der Lage, HD-Material mit den Auflösungen 720p [15] oder 1080p [16] verlustfrei darzustellen. Die Helligkeit liegt laut Datenblatt bei tageslichttauglichen 2500 ANSI-Lumen, der Kontrast bei ordentlichen 2500:1. Besonders interessant ist die Wiederholrate von 120 Hz. Sie ist für die 3D-Darstellung notwendig. Der Projektor muss schließlich nicht nur ein Bild darstellen, sondern hintereinander je eines pro Auge. Dank der hohen Wiederholrate bleiben so für jedes Auge 60 Frames pro Sekunde übrig, was für ruckelfreien Filmgenuss ausreicht.

Wer den Beamer nicht nur zu Hause, sondern auch im Büro oder in der Universität zum Vorführen von Präsentationen nutzen möchte, wird sich über die LAN- und USB-Steuerungsfunktionen freuen. Sie erlauben es, den PJD6381 komplett über ein Notebook [17] fernzubedienen.

Leistung

Da es momentan weder 3D-Blu-rays noch die entsprechenden Player gibt, eignet sich der BJD6381 derzeit vorwiegend für 3D-Spiele. Für unseren Test schließen wir den Beamer daher an einen Alienware-PC [18] mit GeForce GTX275 an und probieren einige 3D-Games aus. Jedoch bleibt der Erfolg zunächst aus. Viele Spiele arbeiten nicht mit 3D-Wiedergabegeräten zusammen. Mit Team Fortress 2 haben wir aber schließlich Erfolg – allerdings auch nur mit Tricks. Der Projektor versteht sich nicht mit der aktuellen Version der Nvidia-3D-Software. Erst, als wir eine ältere Version des Programms installieren, bekommen wir endlich ein 3D-Bild zu sehen – zumindest, wenn wir die Nvidia-3D-Brille falschherum aufsetzen. Dann begeistert uns der Effekt jedoch um so mehr. Wir müssen aber feststellen, dass einigen unserer Kollegen – besonders bei rasanten Third-Person-Shootern – auch mit der Shutter-Technologie schnell übel wird.

Als nächstes versuchen wir unser Glück mit den wenigen 3D-Filmen, die wir im Internet finden. Hier bringt der Projektor die Tiefenwahrnehmung sehr gut und glaubwürdig herüber. Wie toll der Effekt letztendlich wirkt, hängt aber auch stark vom Ausgangsmaterial ab. So passt anscheinend bei einigen Videos der Abstand nicht perfekt, aus dem die Bilder für jedes Auge aufgezeichnet sind. Dementsprechend müssen wir uns stark konzentrieren, um den Film dreidimensional wahrzunehmen. Das sorgt dafür, dass unsere Augen nach kurzer Zeit ermüden und anfangen, zu tränen.

Nach dieser 3D-Erfahrung wirkt unser Standard-Test mit zweidimensionalem Material fast schon langweilig. Zum Glück schlägt sich der Beamer hier sehr gut, wodurch wir unsere Lust nicht verlieren. Wir legen die DVD von King Kong in unseren Player ein uns sehen einige Szenen an. Der Film wirkt recht natürlich. Allerdings sorgen die schlechten Schwarzwerte des Projektors dafür, dass in schattigen Bildbereichen kaum noch Details auszumachen sind. In hellen Szenen bildet der PJD6381 Feinheiten dafür umso besser ab. Außerdem wirken die Farben akkurat. Da wir allerdings aufgrund der fehlenden digitalen Eingänge gezwungen sind, den Beamer via S-Video anzuschließen, ist die Qualität natürlich weitaus geringer als bei einem HD-Beamer [19], der via HDMI [20] an einem Blu-ray-Player hängt. Das fällt zwar bei großem Betrachtungsabstand kaum auf, wer aber etwas näher hingeht, sieht den Unterschied sofort.

Schließlich versuchen wir, den ViewSonic mit einer Playstation 3 [21] zu verbinden. Allerdings ist das eigentlich ein sinnloses Unterfangen, da wir hier auf den Composite-Video-Eingang des Projektors zurückgreifen müssen, der sogar im Vergleich zu S-Video eine noch schlechtere Qualität bietet. Das Bild gelangt nur in SD-Qualität und sogar ohne getrennte Farbkanäle zum PJD6381. Erstaunlicherweise stellen wir bei unserer Standard-Test-Blu-ray Mission Impossible III in der Brücken-Szene trotzdem kein Ruckeln oder Treppeneffekte fest. Allerdings ist das auch das einzig Positive. Die Szene wirkt unnatürlich grell, die Farben sehen aus, als wären wir auf einem LSD-Trip, und das gesamte Bild ist voll mit Artefakten, Moiré-Effekten und Rauschen – eben so, wie wir es von Composite Video gewohnt sind.

Wie vorher bereits erwähnt, handelt es sich beim PJD6381 um einen Beamer mit geringem minimalen Projektionsabstand. Das wäre eigentlich ein tolles Feature, hätte ViewSonic eine ordentliche Trapezkorrektur integriert. Da das nicht der Fall ist, verschlechtert sich die Qualität stark, wenn man den Beamer nicht ideal positioniert. Sobald wir das Bild mittels Keystone-Korrektur anpassen, treten an den Ecken starke Treppeneffekte auf. Das liegt daran, dass der Projektor die Trapezverzerrung nicht durch eine Linsenverschiebung, sondern durch einen Software-Trick reduziert. Er schiebt das Bild einfach oben oder unten zusammen und nutzt so nur einen Teil des Panels aus. Die Panelränder bleiben einfach schwarz. Das reduziert die Auflösung, wodurch Details verschwinden und Text nicht mehr richtig lesbar ist. Noch dazu wirkt sich der Effekt nur auf das Bild und nicht auf das Bildmenü aus, das dann seltsam und unförmig wirkt. Schaltet man den Projektor aus und wieder ein, vergisst er die eingestellte Keystone-Korrektur einfach wieder. Die einzige Möglichkeit, die Trapezkorrektur zum umgehen, besteht darin, den Beamer einfach etwa einen Meter von der Bildwand entfernt auf Augenhöhe aufzustellen. Da er hier natürlich mitten im Weg ist, eignet er sich unserer Meinung nach nur für die Rückprojektion.

Fazit

Der ViewSonic PJD6381 haut uns sicher nicht vom Hocker – auch trotz seines 3D-Effekts nicht. Nach vielen fehlgeschlagenen Versuchen gelingt es zwar schließlich, ein glaubwürdiges, dreidimensionales Bild auf die Leinwand zu projizieren, der Beamer hat aber einfach zu viele Schwächen und Einschränkungen, um ihn empfehlen zu können. Außerdem bekommen Käufer für das Geld, das Beamer und notwendiges Zubehör kosten, bereits einen Full-HD-Projektor – zwar ohne 3D, dafür aber mit ausgezeichnetem Bild.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41529519/viewsonic-pjd6381-unreifer-3d-projektor/

URLs in this post:

[1] ersten Vorstellungen dreidimensionaler Filme: http://de.wikipedia.org/wiki/3D-Film

[2] Avatar: http://de.wikipedia.org/wiki/Avatar_%E2%80%93_Aufbruch_nach_Pandora

[3] 3D-Fernseher: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/specials/41523005/heimkino+in+3d+stand+der+technik_+aktuelle+geraete+und+zukunftsvisionen.htm

[4] Blu-ray-Player mit einer Unterstützung für dreidimensionales Material: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/specials/41527132/3d_faehige+blu_ray_player+im+ueberblick+diese+geraete+kommen+2010.htm

[5] Nvidia-3D-Brille: https://www.cnet.de/tests/peripherie/41005704/nvidia+geforce+3d+vision+kit+gaming+in+drei+dimensionen.htm

[6] DLP: https://www.cnet.de/praxis/specials/39189858/von+lcd+bis+dlp+wie+heimkino_projektoren+funktionieren.htm

[7] Blu-ray-Player: https://www.cnet.de/tests/dvd/archiv/a3T3/

[8] 3D-Blu-rays, die einen HDMI-1.4-Port benötigen: https://www.cnet.de/blogs/alpha/tv/41524718/die+blu_ray_disc_association+praesentiert+ihre+erste+offizielle+3d_spezifikation.htm

[9] VGA: http://de.wikipedia.org/wiki/Video_Graphics_Array

[10] S-Video: http://de.wikipedia.org/wiki/S-video

[11] Composite-Video: http://de.wikipedia.org/wiki/Composite_Video

[12] Component-Video: http://de.wikipedia.org/wiki/Component_Video

[13] 1080i: http://de.wikipedia.org/wiki/1080i

[14] XGA: http://de.wikipedia.org/wiki/XGA

[15] 720p: http://de.wikipedia.org/wiki/720p

[16] 1080p: http://de.wikipedia.org/wiki/1080p

[17] Notebook: http://www.cnet.de/themen/notebook/

[18] Alienware-PC: https://www.cnet.de/tests/desktop/41000139/gaming_bolide+der+oberklasse+alienware+area_51+x58.htm

[19] HD-Beamer: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/specials/41005014/elf+full_hd_beamer+unter+2000+euro+grosses+heimkino+zum+kleinen+preis.htm

[20] HDMI: http://de.wikipedia.org/wiki/High_Definition_Multimedia_Interface

[21] Playstation 3: https://www.cnet.de/tests/tv/41501733/sony+playstation+3+slim+neues+design_+alte+ausstattung.htm