Konsolen-Emulatoren für Smartphones: Mario & Co. auf Android und iPhone

von Daniel Schraeder am , 17:01 Uhr

Wer erinnert sich noch an den Super-Mario-Sound des ersten Game-Boy-Spiels? Oder an den flotten Igel Sonic auf dem Game Gear, an Mario Kart auf dem SNES oder an die coolen C64-Games aus früheren Zeiten? All diese Klassiker laufen auf aktuellen Smartphones, zum Beispiel den Android-Handys oder dem iPhone. Nötig ist nur ein Emulator.

Geschätzt 20 Jahre dürfte es her sein, als der erste Game Boy die Wohn- und Kinderzimmer erobert hat. Tetris, Super Mario, Street Fighter & Co. haben die Freizeitgestaltung einer ganzen Generation beeinflusst. Das Link-Kabel zum Verbinden zweier der Konsolen sowie ein großer Stapel Ersatzbatterien mussten immer am Start sein, und selbst das unter Jungs ansonsten nicht so beliebte Tetris wurde im Multiplayermodus auf einmal richtig spannend – konnte man seinem Gegenüber doch frech ein paar Reihen dazumogeln und ihn in Bedrängnis bringen.

Ohne Link-Kabel, dafür aber mit Fernseher im Wohnzimmer, ging die Action mit bis zu vier Spielern bei Mario Kart & Co. auf dem SNES weiter. Oder mit Sonic auf dem Sega MegaDrive oder Master System. Später wurde es dann mit Game Gear oder Game Boy Color auch unterwegs bunt. Inzwischen verfügt jedes bessere Smartphone [1] über die Leistung der Heimcomputer und Spielekonsolen, die vor wenigen Jahren noch Jugendliche in ihren Bann gezogen haben. Das muss sich doch ausnutzen lassen?

Super Mario Kart auf dem iPhone
Hier läuft das Spiel Super Mario Kart von 1992, damals entwickelt für das Super Nintendo Entertainment System (SNES), auf dem iPhone. Die nötigen Tasten zur Steuerung werden auf dem Touchscreen emuliert.

Die Welt der Emulatoren

Die Leistung lässt sich ausnutzen. Programme sind in der Lage, die Prozessoren und Mikrochips der Konsolen zu emulieren. Da die Platinen im Inneren der Konsolen auf ganz bestimmte Aufgaben ausgelegt sind, ist zur Emulation dieser Dinge – etwa dem Zugriff auf Spiele-Cartridges, also den Speichermedien, zur Ausgabe von Sound oder von Grafik – deutlich mehr Rechenleistung nötig.

Die Prozessoren aktueller Smartphones knacken bereits die Gigahertz-Grenze – darunter etwa die Androiden Xperia X10 [2] von Sony [3] Ericsson, Nexus One [4] von Google [5] und Desire [6] von HTC [7]. Das iPhone 3GS [8] ist mit seinem 600 MHz schnellen Hauptprozessor zwar ein Stück langsamer, aber im Vergleich zu den einstelligen Taktraten früherer Computer ist auch das aktuelle Apple [9]-Smartphone um ein Vielfaches schneller.

Für die prominenten Plattformen wie eben iPhone und Android [10], aber auch für den PC oder die Xbox, stehen Emulatoren für nahezu alle Konsolen zur Verfügung. Sie hauchen Games aus Zeiten von Commodore 64, Game Boy, Game Gear, Game Boy Color, Game Boy Advanced, NES, SNES, Nintendo64 oder MegaDrive von Nintendo, Sega & Co. neues Leben ein.

Android-Emulator-Einstellungen
Diverse Emulator-Einstellungen kümmern sich darum, dass die Games weitgehend spielbar auf dem Handy laufen.

Dank der modernen Art der Software-Distribution, die Apple mit dem App Store eingeläutet und Google mit dem Android Market fortgeführt hat, ist es kein Hexenwerk, Emulatoren zu installieren. Eine Market-Suche nach Emulator auf Android-Smartphones beispielsweise spuckt eine lange Liste aus – von den Nintendo- und Sega-Klassikern bis hin zum C64 ist alles dabei.

Die meisten der Apps sind in einer kostenlosen und in einer kommerziellen Variante vertreten. Die Vollversion ist dabei meist mit Preisen im niedrigen einstelligen Euro-Bereich vertreten – der Game-Boy-Color-Emulator beispielsweise schlägt mit 2,99 Dollar zu Buche. Das ist durchaus finanzierbar, aber auch die kostenlosen Varianten sind spielfähig. Der Unterschied: Nur die bezahlten Versionen sind in der Lage, gespeicherte Spielstände wieder aufzurufen.

Emulatoren im Android-Market
Eine Suche nach Emulator im Android-Market listet eine ganze Latte an Umgebungen, in denen Games der verschiedensten Plattformen laufen.

Wo die Spiele herkommen

Die Smartphones verfügen zwar über Flash-Speicher im Gigabyte-Bereich und über microSD-Slots, lesen aber verständlicherweise weder Game-Boy-Cartridges noch Commodore-Datasetten. Das Einlegen der alten Spiele ist also nicht möglich.

Stattdessen hat es sich durchgesetzt, sogenannte ROMs einzusetzen – also Dateien, die den Inhalt von Cartridges oder CDs wiedergeben. Quasi CD-Images. Da aber auch PCs nicht über Laufwerke für die speziellen Kassetten von Konsolen verfügen und viele CD- oder DVD-Medien von Konsolen aus Kopierschutzgründen in PC-Laufwerken nicht abspielbar sind, bleibt nur der Download der Dateien aus dem Internet. Grundsätzlich handelt es sich dabei um Urheberrechtsverletzungen – denn die Spiele sind keine Freeware.

NES-ROMs auf dem iPhone
Die Spiele liegen in Form von ROM-Dateien vor – das funktioniert in etwa wie bei CD-Images.

Bei vielen der teils schon über 20 Jahre alten Games gibt es aber keinen Verleger mehr. Diverse Spieleschmieden und Publisher sind im Laufe der Jahre gekauft, verkauft oder übernommen worden oder schlicht insolvent. Es ist also in vielen Fällen nicht möglich, legale und lauffähige Versionen zu erstehen.

Etliche der ROMs, die in diese Kategorie fallen, gibt es unter dem Begriff Abandonware zum Download. Das ist zwar nicht legal, aber wo kein Kläger, da kein Richter. Dementsprechend ist sogar in die Android-Versionen der Emulatoren eine Suche nach den Dateien integriert: Ein Klick auf den Menüknopf, und die Wahl des Punktes Find ROMs öffnet eine spezielle Suchmaschine. Einige der auf diesem Weg gefundenen Spiele lassen sich allerdings aus Rücksicht auf die noch existenten Urheber nicht herunterladen – beispielsweise die komplette Mario-Reihe von Nintendo. Hunderte andere Games hingegen stehen zum Download bereit.

NES-Turtles auf dem iPhone
Über 20 Jahre alte Spiele – wie Turtles für das Nintendo Entertainment System (NES) – erwachen zu neuem Leben.

Die Konsolen haben allesamt spezielle Joysticks, Tasten und Controller, an die die Bedienung der Spiele angepasst ist. Damit können die Smartphones nicht mithalten. Sie müssen die Elemente allesamt auf ihren Touchscreen-Displays nachbilden.

Trotz aller Vorurteile stellen wir fest: In der Praxis funktioniert das erstaunlich gut. Das gilt vor allem für Smartphones mit kapazitiven Displays, die bereits auf Berührung reagieren und nicht auf Druck. Selbst flotte Games wie Sonic the Hedgehog oder Kampfspiele im Stil von Street Fighter sind spielbar. Profis dürfen aber nicht damit rechnen, neue Rekorde aufstellen zu können – denn ganz so gut wie mit Steuerkreuz & Co. geht es selbstverständlich nicht vonstatten. Außerdem nimmt die Spielbarkeit proportional mit der Anzahl der gleichzeitig zu drückenden Tasten ab. Während die Game-Boy-Steuerung noch halbwegs gut per Touchscreen möglich ist, fällt gleichzeitiges Lenken, Gasgeben, Driften und Schießen bei Mario Kart 64 schon deutlich schwerer – wenn es überhaupt möglich ist. Der iPhone-Emulator verzichtet direkt auf die Darstellung aller möglichen und nötigen Tasten.

Sonic auf Android
Flott wie eh und je: Der Game-Gear-Emulator holt den Igel Sonic auf aktuelle Smarpthones mit dem Google-Betriebssystem Android. Die Steuerung mit dem virtuellen Steuerkreuz klappt erstaunlich gut – ein kapazitiv arbeitender Touchscreen ist dafür aber Voraussetzung.

Abgesehen von der Steuerung macht – je nach Konsole – die zu geringe Rechenleistung einen Strich durch die Rechnung der Unterwegszocker. Während es für moderne Smartphones kein Problem ist, frühe Generationen der Unterhaltungsapparate per Software nachzubilden, sind neuere Vertreter durchaus ein Problem. Testweise haben wir auf einem iPhone 3GS einen Nintendo64-Emulator angeschmissen. Erst, wenn wir den Sound abschalten, ist Mario Kart 64 überhaupt spielbar – und auch so ruckelt es noch gelegentlich.

Mario Kart 64 auf dem iPhone
Läuft nur mit Einschränkungen: Mario Kart 64 für den Nintendo 64 ruckelt auf dem iPhone bis zur Unspielbarkeit. Erst, wenn der Sound abgeschaltet wird, läuft das Rennen weitgehend flüssig.

Fazit

iPhone, Nexus One & Co. können Nintendo DS, Playstation Portable und Konsorten gefährlich werden – allerdings eher mit Games, die speziell für diese Plattformen entwickelt wurden. Die Emulatoren sind nett, und es macht viel Spaß, mal eine Runde Sonic the Hedgehog auf dem Weg in die Arbeit zu zocken. Genau dafür sind die Programme auch gemacht. Denn um ernsthafte Konkurrenz für Konsolen zu sein, fehlt es schlicht an Eingabemöglichkeiten.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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URLs in this post:

[1] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[2] Xperia X10: https://www.cnet.de/tests/handy/41529468/schon+im+test+android_smartphone+sony+ericsson+xperia+x10.htm

[3] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[4] Nexus One: https://www.cnet.de/tests/handy/41525269/schon+getestet+htc+google+nexus+one+endlich+ein+iphone_killer.htm

[5] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[6] Desire: https://www.cnet.de/tests/handy/41529873/htc+desire+im+test+vollgas_androide+mit+3_7_zoll_amoled_display.htm

[7] HTC: http://www.cnet.de/unternehmen/htc/

[8] iPhone 3GS: https://www.cnet.de/tests/handy/41005474/neues+iphone+3g+s+im+test+schneller_+besser_+cooler.htm

[9] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[10] Android: http://www.cnet.de/themen/android/