Perfekte eBay-Bilder: Mini-Fotostudio für 30 Euro im Eigenbau

von Stefan Möllenhoff am , 17:38 Uhr

eBay oder Flohmarkt? Von daheim aus die Artikel bequem ins Netz stellen oder um 5 Uhr morgens aus dem Bett quälen und mit kistenweise Geraffel losziehen? Die elektronische Bucht klingt nach einer verlockenden Alternative zum Trödelmarkt, hat aber einen entscheidenden Nachteil: Potenzielle Käufer können das Objekt ihrer Begierde nicht genau begutachten – Skepsis ist vorprogrammiert. Mit guten Bildern lässt sich der Ertrag gewaltig steigern. Wir zeigen, wie mit geringem Aufwand perfekte Auktionsfotos für eBay & Co. entstehen.

Auktionsfoto selber machen? Beim Handy kann man sich den Stress sparen und stattdessen einfach bei Nokia & Konsorten die Fotos von der Seite räubern? Von wegen, die Nutzung der professionellen Produktbilder ist illegal – letztes Jahr verurteilte das Brandenburger Oberlandesgericht [1] einen eBay-Verkäufer, der sich kurzerhand ein Bild im Internet geklaut hatte. Kostenpunkt für den Verkäufer des 72-Euro-Navis: inklusive Schadensersatz, Abmahnungsgebühren, Gerichts- und Anwaltskosten über 3000 Euro. Das reicht für 100 Mini-Fotostudios, bei dieser Aufnahme reicht eines davon aus:


Bergkristall auf blauem Untergrund: Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Das Foto wurde – abgesehen von Zuschneiden und Verkleinern – nicht bearbeitet.

Was ist entscheidend für ein aussagekräftiges, detailreiches Auktionsbild, das potenziellen Käufern möglichst viel vom Objekt zeigt und es zudem noch ins rechte Licht rückt? Genau, Licht. Aber wo Licht ist, da ist auch Schatten. Und wenn die Schatten an die falschen Stellen fallen, dann sehen die Fotos schnell unschön aus. Ein Ziel unseres Mini-Fotostudios ist es also, für eine gleichmäßige Ausleuchtung des Motivs zu sorgen und dunkle Bereiche zu eliminieren.

Der Hintergrund spielt ebenfalls eine Rolle. Er sollte möglichst einfach sein und nicht vom Auktionsgegenstand ablenken. Am besten eignen sich blasse, einfarbige Hintergründe ohne auffällige Muster oder Strukturen. Außerdem ist es wichtig, dass sich das Motiv farblich vom Hintergrund abhebt. Eine weiße Vase vor weißem Grund sieht einfach langweilig aus. Wir brauchen also eine Konstruktion, die das Licht gleichmäßig auf den Gegenstand wirft, unschöne Schatten vermeidet und gleichzeitig die Möglichkeit bietet, den Hintergrund zu gestalten.

Funktionsprinzip

Damit auf dem Foto der Untergrund weich in den Hintergrund übergeht, nutzen wir eine Kunstglasscheibe, die hinter dem Produkt ein Knie bildet. Wir setzen hier ein lichtdurchlässiges, opakes Bastelglas ein, das mit einer Dicke von lediglich 2,5 Millimetern gut biegbar ist und durch seine streuenden Eigenschaften für ein weiches Licht sorgt. Mit transparenten Folien lässt sich die Farbe des Unter- und Hintergrunds problemlos anpassen.

Damit der Auktionsgegenstand nicht nur vom Boden aus, sondern auch seitlich erhellt wird, kommt eine zweite, um 180 Grad gebogene Scheibe über die ebene Fotofläche. Wir strahlen sie von außen mit einem kräftigen Scheinwerfer an, und das Kunstglas verteilt das Licht gleichmäßig auf das Motiv.

Benötigte Materialien

Die Einkaufsliste ist ingesamt sehr übersichtlich. Wir gehen zu Praktiker und erstehen drei einfache 120-Watt-Halogenscheinwerfer für jeweils 2,62 Euro. Die günstigen Strahler bringen kein Stromkabel mit – wer sich das Verdrahten nicht zutraut, greift am besten zu fertigen Leuchten, die allerdings etwas teurer sind.

Außerdem nehmen wir zwei 2,5 Millimeter dicke Milchglas-Kunststoffplatten mit den Maßen 100 mal 50 Zentimeter mit – Kostenpunkt jeweils 10,87 Euro. Als Grundgerüst für unser Ministudio kommt ein simpler Holzbock für 3,59 Euro zum Einsatz. Außerdem brauchen wir noch ein paar Nägel mit flachen, großen Köpfen sowie ein paar Bögen farbiges Transparentpapier. Wir setzen auf blasse Farben, schließlich soll der Hintergrund nicht in den Vordergrund rücken.

Bastelstunde

Die beiden Hälften des Holzbocks lassen sich lediglich um etwa 20 Grad öffnen, was beim ursprünglichen Einsatzzweck ja auch Sinn ergibt. Die zwei winkelbegrenzenden Scharniere müssen also weichen und weiter oben angebracht werden. Wir öffnen den Holzbock auf etwas über 90 Grad, und markieren auf beiden Seiten die Stellen, an denen die beiden Scharniere in gestrecktem Zustand eingeschraubt sein müssen, um die Öffnung auf den Wunschwinkel zu begrenzen. Anschließend klappen wir den Bock wieder zu, und verschrauben die Metallscharniere auf beiden Seiten auf der gemittelten Höhe der zwei angezeichneten Stellen. Diese Mittlung sorgt dafür, dass die Metallschienen im zusammengeklappten Zustand nicht über das Holz herausschauen und für Kratzer in Mobiliar oder Fotograf sorgen.


Wir versetzen das Scharnier ein ganzes Stück nach oben, um den Öffnungswinkel des Bocks zu vergrößern.

Entlang des aufgeklappten Holzbocks positionieren wir die erste Scheibe. Dazu schlagen wir einfach zwei Nägel so auf der Querleiste der einen Seite ins Holz, dass sie mit ihren – im ideallfall großen – Köpfen das Kunstglas hier in Position halten. Dann biegen wir die Scheibe in Position und verfahren auf der gegenüberliegenden Seite entsprechend. An der gewünschten Stelle ist zwar keine Querleiste untergebracht, aber an die längs angeordneten Hölzer bieten ebenfalls genug Platz. Bei Nichtgebrauch des Studios lässt sich die Scheibe unkompliziert wieder herausnehmen und der Bock zusammenklappen.

Die zweite Milchglasscheibe bildet eine Brücke über dem Motiv. Wir schlagen entlang der Grundfläche einfach pro Seite vier dünne Nägel ins Holz, biegen das Kunstglas um 180 Grad und spannen es zwischen den beiden Reihen ein.


Ein paar Nägel halten die Scheiben für die Grundfläche (links) und die „Brücke“ (rechts) in Position.

Das gesamte Konstrukt stellen wir auf zwei Stühle, so dass wir das Motiv von unten beleuchten können. Ein Baustrahler kommt also unter das Mini-Studio, die anderen beiden halten zur Beleuchtung der „Brücke“ von außen her.

Jetzt geht’s ans Fotografieren

Das Mini-Studio ist startklar, jetzt fehlt nur noch der Auktionsgegenstand. Hier ist auch ein wenig Vorbereitung von Vorteil. Das Produkt sollte sauber sowie frei von Fingerabdrücken und Staub sein. Bei Kameras, digitalen Bilderrahmen, Handys und dergleichen empfielt es sich, ein paar hübsch anzusehende Fotos auf das Gerät zu kopieren, um etwas lebhaftere Bilder präsentieren zu können.

Anschließend positionieren wir den Gegenstand mittig auf der ebenen Fläche und machen uns ans Ausrichten der Scheinwerfer. Der Baustrahler unter dem Studio sollte sowohl den Unter- als auch den Hintergrund erhellen. Daher lassen wir ihn leicht geneigt von hinten gegen die Bodenplatte strahlen.


Je ein Baustrahler leuchtet von jeder Seite auf das Motiv, der dritte sitzt unterhalb der Konstruktion.

Die anderen beiden Lichter positionieren wir links und rechts sowie etwas oberhalb vom Motiv und richten sich leicht nach unten. Hier zahlt es sich aus, etwas mit der Beleuchtung herumzuprobieren. Je nach Motiv und gewünschtem Ergebnis sind unterschiedliche Positionierungen sinnvoll.

Bevor das Shooting losgehen kann, fehlt noch ein extrem wichtiger Punkt: der Weißabgleich. Unsere Scheinwerfer liefern kein weißes, sondern ein leicht gelbliches Licht. Spiegelreflexkameras und viele bessere Kompakt- und Bridgekameras bieten eine Funktion für den manuellen Weißabgleich. Dafür schießen wir ein Foto vom leeren Studio und wählen dieses in der Digicam als Referenz für ein richtiges Weiß. Sollte der Fotoapparat kein entsprechendes Feature bieten, muss eines der verfügbaren Presets aushelfen. Bei der Ricoh CX3 erhalten wir mit der Glühlampen-Einstellung die besten Ergebnisse beziehungsweise den weißesten Hintergrund.

Außerdem empfiehlt sich in den meisten Fällen ein Belichtungsausgleich. Je dunkler das zu fotografierende Objektiv ist, desto höher müssen wir den Regler für die Fotohelligkeit nach oben drehen. Meistens bewegen wir uns im Bereich von ein bis zwei zusätzlichen Blenden. So erhalten wir einen lupenrein weißen Hintergrund sowie ein ordentlich belichtetes Motiv.

Spiegelungen sollten ebenfalls vermieden werden. Das fängt bei einfachen Reflexionen der Scheinwerfer an und endet beim eigenen Abbild, das auf glänzenden Oberflächen zu sehen ist. Und wenn eine Spiegelung unvermeidbar ist, dann sollte man zumindest dafür sorgen, dass hier keine Peinlichkeiten zustandekommen.


Je flacher der Winkel beim Fotografieren, desto stärker ist die Spiegelung unter dem Objekt. Sind die Reflexionen unerwünscht, helfen entweder eine andere Kameraposition oder eine Lage mattweißes Transparenzpapier.

Bei größeren Objekten, die den Rahmen des Fotostudios zu sprengen drohen, knipsen wir mit hoher Brennweite und größerem Abstand zum Motiv. Dadurch verkleinert sich der Bildwinkel, und der Ausschnitt aus dem Hintergrund wird kleiner. Das verhindert, dass die Ränder der Milchglasscheiben auf den Bildern auftauchen. Die folgende Fotostrecke hält weitere Tipps zum Fotografieren und zur Bearbeitung der geschossenen Bilder bereit.

Fazit

Hunderte Euro für professionelles Equipment auszugeben, ist nicht notwendig. Mit lediglich gut 30 Euro Materialkosten haben wir uns ein Studio zusammengebaut, das schöne Produktbilder liefert. Wer eine halbe Stunde Zeit zum Basteln sowie eine Fahrt zum Baumarkt aufwendet, zieht mit attraktiven Fotos mehr potenzielle Käufer auf seine eBay-Auktionen – und lässt die Kassen klingeln.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41529975/perfekte-ebay-bilder-mini-fotostudio-fuer-30-euro-im-eigenbau/

URLs in this post:

[1] verurteilte das Brandenburger Oberlandesgericht: http://www.olg.brandenburg.de/sixcms/media.php/1411/PM%20Foto-Urheberrecht%20Internetauktion.pdf

[2] Tipps & Tricks: Produktfotos für eBay: https://www.cnet.de/41529990/tipps-tricks-produktfotos-fuer-ebay/?pid=1#sid=41529975