Angetestet: erster Blick auf die Microsoft-Handys Kin One und Kin Two

von Daniel Schraeder und Kent German am , 17:55 Uhr

Gestern hat Microsoft offiziell bestätigt, was man schon länger hat munkeln hören – unter dem Namen Project Pink: Das Unternehmen bringt ein eigenes Handy auf den Markt, beziehungsweise sogar zwei. Sie hören auf die Namen Kin One und Kin Two. Beide Geräte sollen bereits ab dem nächsten Monat in den USA erhältlich sein. Exklusiver Vertragspartner jenseits des großen Teichs ist Verizon, hierzulande sollen die Kins ab Herbst bei Vodafone zu haben sein.

Mit den Smartphones zielt Microsoft [1] auf Männer und Frauen zwischen 15 und 30 Jahren, die jeden Gedanken, jeden Ort und jedes Bild sofort mitteilen möchten – und im Gegenzug auch immer Up-to-Date sein möchten, wenn es um ihre Freunde geht. Dementsprechend sind viele Funktionen auf Social Networks ausgerichtet.

Anhand von Ausstattung und Konzept erinnern die beiden Kins an die früheren Sidekick- beziehungsweise HipTop-Smartphones des amerikanischen Herstellers Danger. Hier wie dort werden alle Daten wie Fotos, Kontakte, Nachrichten und so weiter permanent synchronisiert und sind auch per Webbrowser von jedem beliebigen Computer abrufbar. Und wie auch die späteren Generationen der Sidekicks werden auch die Kins von Sharp gebaut.

Unsere Kollegen von CNET.com waren bei der Vorstellung der Handys vor Ort und hatten bereits die Möglichkeit, die Geräte näher auszuprobieren.

Kin One

Das Kin One ist in Puncto Design das spannendere der beiden Handys. Es ist mehr oder weniger quadratisch und hat stark abgerundete Ecken, die es einzigartig und definitiv zu einem Blickfänger machen.

Microsoft Kin One
Abgefahren: Die Optik des One ist zumindest anders. Aber irgendwie auch sympatisch.

Mit seiner außergewöhnlichen Form liegt es quasi perfekt in der Hand. Wer es anfasst, fragt sich sofort, warum nicht schon früher ein Hersteller auf diesen Formfaktor gekommen ist. Es ist klein und leicht – und trotz der eigentlich winzigen Knöpfe der QWERTZ-Tastatur lässt es sich perfekt bedienen. Die ovalen Buchstaben haben einen ausreichenden Abstand, einen guten Druckpunkt und sind leicht erhaben. So ist es möglich, sie zu erfühlen.

Verbesserungsbedarf sehen wir aber beim Display. Die 2,6 Zoll große Anzeige löst 320 mal 240 Pixel auf – das ist nur die Hälfte der iPhone-Auflösung. Zwar ist der Monitor auch ein Stück kleiner, aber dennoch wirken Grafiken, Text & Co. im Vergleich zu anderen aktuellen Smartphones verpixelt. Noch dazu ist schlicht zu wenig Platz für all die Inhalte, die das Kin One auf seinem Homescreen anzeigt. Immerhin ist die Anzeige angenehm hell und der Touchscreen reagiert gut.

Auf der Rückseite sitzen Kamera und Blitz. Perfekt für Fotofreunde ist der explizite Auslöser, der an der Seite des Geräts montiert ist. Die Foto-Auflösung des kleineren Kin One beträgt 5 Megapixel, Videos nimmt es in SD-Auflösung auf. Für Fotos, Videos & Co. stehen 4 GByte integrierter Speicher zur Verfügung.

Kin Two

Optisch wirkt der größere Bruder deutlich vertrauter. Seine Form erinnert an den Palm Pre, allerdings wird die Tastatur hier im Querformat nach unten gezogen statt im Hochformat.

Das Display ist mit 3,6 Zoll ein gutes Stück größer als beim One und löst mit HVGA doppelt so viele Bildpunkte auf. Die Anzeige ist also mit der des iPhone vergleichbar. Multitouch wird ebenso unterstützt wie das automatische Mitdrehen des Inhalts. Im Vergleich zum kleineren Kin wirkt das Display deutlich schärfer.

Microsoft Kin Two
Hallo, Sidekick: Die Tastatur kennen wir doch?!

Auf Nutzereingaben reagiert das Gerät relativ gut. Beim Scrollen ruckelt es aber ein bisschen – hier sollte Microsoft durchaus noch einmal einen Blick auf die Erfahrungen von Apple [4] werfen. Zugegebenermaßen sind die derzeitigen Geräte aber noch nicht final. Wir hoffen also auf Besserung bis zum Verkaufsstart. Unterhalb des Displays gibt es eine einzelne Taste, die den Nutzer auf den vorherigen Bildschirm zurückbringt. Beim ersten Test vermissen wir einen expliziten Home-Button.

Die QWERTZ-Tastatur treibt ehemaligen Sidekick-Nutzern fast eine Träne ins Auge – sie erinnert so stark an die alten Danger-Smartphones, dass es eine wahre Freude ist. Auch für jeden, der die Sidekicks nicht kennt, ist das eine gute Nachricht, denn das Tastenfeld ist hervorragend. Größe, Abstand & Co. sind einfach perfekt.

Auf der Rückseite des Two befindet sich eine 8-Megapixel-Kamera mit HD-Videoaufnahmefunktion, außerdem ist mit 8 GByte Flash-Speicher die doppelte Kapazität des Kin One vorhanden.

Oberfläche

Beide Brüder setzen auf das gleiche User-Interface. Das Betriebssystem basiert, wen wundert’s, auf Windows Phone 7. Die Software ist zwar nicht identisch zum Microsoft-Handybetriebssystem, aber ziemlich ähnlich. Auf der Oberfläche gibt es schon deutlichere Unterschiede – sie ist extrem auf die Kommunikation mit Social Networks ausgerichtet und hört auf den Namen Loop.

Hauptelement sind drei Fenster. Im linken finden sich alle Apps, im rechten sind die wichtigsten Kontakte abgelegt. Im Zentrum gibt es einen News-Feed, der über die Statusupdates, Tweets & Co. aus den registrierten Social Networks informiert, darunter beispielsweise Facebook, Twitter und MySpace. Die Oberfläche erinnert dabei an eine Mischung aus dem verschiebbaren Homescreen von Windows Phone 7 und der Social-Network-Integration von Motorola MotoBlur. Der Unterschied zur Motorola-Lösung: Über einen grünen Punkt namens Spot ist es direkt möglich, Inhalte weiter zu verbreiten.

Microsoft Kin One
iPod-Konkurrent: Erstmals findet sich die Zune-Oberfläche der Microsoft-Mediaplayer auf einem Handy.

Der Spot sitzt unten am Bildschirmrand. Man zieht beliebige Inhalte per Drag & Drop auf den Punkt und fügt die Personen hinzu, die die Nachricht erhalten sollen – per SMS, E-Mail oder MMS. Auf Anhieb wirkt das etwas verwirrend, aber bereits nach kurzem Ausprobieren kommen wir perfekt damit klar. Ob das jetzt besser oder schlechter ist als der klassische Weg, können wir noch nicht sagen. Auf jeden Fall ist der Spot innovativ.

Für die Loop-Oberfläche gilt grundsätzlich, was auch für MotoBlur gilt: Auf den ersten Blick wirkt sie überwältigend. Es gibt einen riesigen Haufen Informationen, die es erst einmal zu verarbeiten gilt – aber für die Zielgruppe könnte das genau das Richtige sein. Der Nutzer ist eben permanent mit allen und allem verbunden. Nur durch einen Tastendruck.

Stärken und Schwächen

Um es auf den Punkt zu bringen: Es gibt noch so viel auszuprobieren bei Kin One und Kin Two. Microsoft will das Gerät offensichtlich sehr bald auf den Markt bringen. Wir sind also guter Dinge, dass wir bald ausführliche Einzeltests zu den beiden Social Phones präsentieren können. Bereits jetzt wagen wir aber eine erste Bewertung nach Plus- und Minuspunkten.

Auf der Positiv-Seite steht die Zune-Integration ganz oben. Zune ist der iPod-Konkurrent, den Microsoft bislang nur in den USA vertreibt. Über die gleichnamige Oberfläche finden sich auf den Geräten Mediaplayer, Shop für Musik und Videos sowie eine Streaming-Audio-Integration. Außerdem freuen wir uns, dass Microsoft über seinen eigenen Schatten springt und angekündigt hat, eine Synchronisierungssoftware für den Mac auf den Markt zu bringen. Ebenfalls überzeugt der My-Phone-Service, der Kontakte, Nachrichten, Fotos und so weiter über das Handynetz synchronisiert. Apropos: Alle Inhalte werden auf Wunsch auch in einem Zeitstrahl angezeigt. Partygänger können also auch nach einem Vollrausch den letzten Abend rekonstruieren – vorausgesetzt, das Handy ist noch da.

Microsoft Kin Two
Auf der Rückseite des Kin Two sitzt eine 8-Megapixel-Kamera samt Foto-LED. Sie löst 8 Megapixel auf, die Kamera des Kin One nimmt „nur“ 5 Millionen Bildpunkte auf.

Negativ finden wir, dass es keine Unterstützung für Spiele gibt. Auch nicht im Browser, der weder Flash- noch Silverlight-Applets anzeigt. Darüber hinaus fehlt ein Instant Messenger. Den hatte sogar schon der erste Sidekick im Jahr 2003. Außerdem mangelt es an einem Kalender. An einem Kalender! Auch, wenn das Gerät nicht auf den Business-Bereich ausgerichtet ist, sollte soetwas Grundvoraussetzung für jedes Handy sein – und bei der Consumer-Ausrichtung fällt der fehlende Messenger besonders ins Gewicht. Natürlich haben wir Microsoft damit konfrontiert. Die offizielle Aussage der Windows-Company: Man will sich zunächst auf die Social-Network-Fähigkeiten konzentrieren. Software-Updates seien über das Handy-Netz möglich, und wenn der Bedarf bei den Käufern vorhanden ist, kann Microsoft schnell reagieren.

Fazit

Unterm Strich gibt es sicherlich eine Marktlücke für die Kins – nämlich die, die die zuletzt nicht mehr zeitgemäßen und verschwundenen Sidekicks gerissen haben: als Smarpthone für die Jüngeren. Dementsprechend hängt der Erfolg der Geräte stark von der Preisstruktur der Hardware und der zugehörigen Tarife ab. Wenn Microsoft einige der offensichtlichen Schwächen ausmerzt, könnten sie durchaus interessant sein. Und was denkt Ihr?

Technische Daten Microsoft Kin One & Kin Two

Hersteller Microsoft Microsoft
Modell KIN One KIN Two
Displaygröße 2,6 Zoll 3,4 Zoll
Auflösung 320 x 240 Pixel 480 x 320 Pixel
Touchscreen ja, kapazitiv ja, kapazitiv
Tastatur QWERTZ QWERTZ
Lagesensor ja ja
UMTS ja ja
GPS ja ja
WLAN 802.11 b/g 802.11 b/g
Bluetooth 2.1, A2DP 2.1, A2DP
UKW-Radio ja ja
Integrierter Speicher 4 GByte 8 GByte
Kamera (Foto) 5 Megapixel 8 Megapixel
Kamera (Video) SD 720p-HD
Blitz LED LED
Kopfhörerbuchse ja, 3,5 mm ja, 3,5 mm
Akkukapazität 1240 mAh 1390 mAh

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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URLs in this post:

[1] Microsoft: http://www.cnet.de/unternehmen/microsoft/

[2] Smartphone-Duo Microsoft KIN One und Two im Blick: https://www.cnet.de/41530397/smartphone-duo-microsoft-kin-one-und-two-im-blick/?pid=1#sid=41530451

[3] Erste Eindrücke vom Microsoft KIN One: https://www.cnet.de/41530418/erste-eindruecke-vom-microsoft-kin-one/?pid=1#sid=41530451

[4] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[5] Social Networking auf dem Microsoft KIN Two: https://www.cnet.de/41530417/social-networking-auf-dem-microsoft-kin-two/?pid=1#sid=41530451