Ricoh CX3: sehr gute Superzoom-Kamera mit BSI-Sensor

von Stefan Möllenhoff am , 18:01 Uhr

Pro
  • gute Bildqualität
  • ausgezeichnetes Display
  • elektronische Wasserwaage
Con
  • keine RAW-Aufnahme
  • keine manuellen Einstellungsmöglichkeiten
Hersteller: Ricoh Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,6 von 10 Punkte
Fazit:

Die Ricoh CX3 bietet ein flexibles Zoomobjektiv, liefert eine ordentliche Bildqualität und überzeugt durch viele praktische Helferlein. Manuelle und halbautomatische Aufnahmemodi fehlen der Kamera allerdings komplett. Wer darauf verzichten kann, ist bei der schicken Kompakten gut aufgehoben.

Im Feld der kompakten Superzoomkameras ist Ricoh noch ziemlich grün hinter den Ohren. Während Panasonic schon mehr Modelle auf den Markt geworfen hat, als wir an beiden Händen abzählen können, ist die CX3 erst der dritte Versuch. Dafür stempelt der Hersteller das Gaspedal umso mehr nach unten: Seit dem Erscheinen des sehr ähnlichen Vorgängermodells CX2 ist noch nicht einmal ein halbes Jahr vergangen. Wieviel sich in diesem Zeitraum getan hat, verrät dieser Testbericht.

Ricohs CX3 sieht sich einer mächtigen Konkurrenz gegenüber: Da wäre beispielsweise die PowerShot SX210 IS [1], Canons fünfter kompakter Superzoomer, oder die Lumix DMC-TZ10 [2] – bereits die zwölfte Megazoom-Kamera von Panasonic. Die beiden hier genannten Modelle konnten wir zwar noch nicht testen, doch mit Extras wie GPS und HDR-Automatik sowie zwölf- und gar fünfzehnfachen Vergrößerungen scheinen sie die kleine CX3 zu übertrumpfen. Doch einen Joker hat Ricoh noch im Ärmel: Die Karte hört auf den Namen BSI-Sensor und soll in Sachen Bildqualität für Vorsprung sorgen.

Design

Ricohs verzichtet auf Extras, Schnörkel und abgefahrenes Design. Das Gehäuse ist komplett in mattem Schwarz gehalten, die Bedienelemente stechen in glänzendem Silber hervor. Abgesehen von dem 3 Zoll großen Display ist die CX3 damit komplett gegen Fingerabdrücke gefeit.

Mit dem texturierten, etwa drei Millimeter auf der Vorderseite hervorstehenden Handgriff und der Gummi-Daumenablage liegt die Kamera ausgezeichnet in der Hand. Auch beim einhändigen Fotografieren kommt niemals Unsicherheit auf. Die Kamera macht einen sehr hochwertigen Eindruck. Das mit 206 Gramm recht hohe Kampfgewicht trägt sein Übrigens dazu bei.

Ricoh CX3 Front

Ungünstig: Den links vom Objektiv verbauten Blitz verdeckt man leicht mit dem Finger.

Auf der Oberseite des Gehäuses sitzen Ein/Aus-Schalter, Auslöser samt Zoomring und Moduswahlschalter. Auf dem Drehelement finden sich die Modi Automatik, Dynamik, Serienbildmodus, Scene, Szenenautomatik, Video und zwei Slots für benutzerdefinierte Einstellungen.

Das hochauflösende 3-Zoll-Display dominiert die Rückseite der Kamera. Rechts daneben finden sich von oben nach unten vier Knöpfe für Menü, Funktion, Löschen/Selbstauslöser und Display. Weiter oben verbaut Ricoh einen drückbaren Vier-Wege-Stick, unmittelbar darunter gibt es eine Wiedergabetaste. Sämtliche mechanischen Bedienelemente sind gut zu erreichen und machen einen soliden Eindruck.

Leider besteht das Stativgewinde auf der Unterseite der CX3 aus einem eher weichen Kunststoff. Das passt nicht ganz zur ansonsten hervorragenden Verarbeitungsqualität. Wer die Kamera häufig aufs Stativ schraubt und es hin und wieder mit der Fixierung etwas zu gut meint, muss damit rechnen, dass das Gewinde früher oder später unbrauchbar ist.

Ricoh CX3 Rückseite

Die Bedienelemente auf der Rückseite des Gehäuses sind klar und deutlich beschriftet.

Ebenfalls unten am Gehäuse bringt der Hersteller eine Klappe unter, hinter der sich Akku- und Speicherkartenfach befinden. Rechts an der Kamera sitzt ebenfalls ein Türchen, das USB-Port und AV-Ausgang beherbergt.

Ausstattung

Tabelle anzeigen: Kompakte Superzoom-Kameras im Vergleich [3]

Kompakte Superzoom-Kameras im Vergleich [3]

Hersteller Ricoh Panasonic Samsung [4] Sony [5]
Modell CX3 Lumix DMC-TZ10 WB650 Cyber-shot DSC-HX5V
Preis 300 Euro 320 Euro 300 Euro 300 Euro
Bildsensor 1/2,3-Zoll-BSI-CMOS 1/2,33-Zoll-CCD 1/2,3-Zoll-CCD 1/2,4-Zoll-BSI-CMOS
Auflösung 10 Megapixel 14,5 Megapixel 12 Megapixel 10 Megapixel
Optischer Zoom 10,7-fach 12-fach 15-fach 10-fach
Brennweitenbereich 28 – 300 mm 25 – 300 mm 24 – 360 mm 25 – 250 mm
Lichtstärke F3,5 – F5,6 F3,3 – F4,9 F3,2 – F5,8 F3,5 – F5,5
Bildstabilisator mechanisch optisch optisch optisch
Empfindlichkeiten ISO 80 – 3200 ISO 80 – 6400 ISO 80 – 3200 ISO 125 – 3200
Max. Fotoauflösung 3648 x 2736 Pixel 4000 x 3000 Pixel 4000 x 3000 Pixel 3648 x 2736 Pixel
Max. Videoauflösung 1280 x 720 Pixel @ 30 fps 1280 x 720 Pixel @ 30 fps 1280 x 720 Pixel @ 30 fps 1920 x 1080 Pixel @ 50 fps, Interlaced
Dateiformate JPEG (Foto), MJPEG (Video) JPEG (Foto), MJPEG und AVCHD Lite (Video) JPEG (Foto), H.264 (Video) JPEG (Foto), AVCHD (Video)
Manuelle Einstellungen P, M P, A, S, M P, A, S, M P, M
GPS nein ja ja ja
Display 3,0 Zoll 3,0 Zoll 3,0 Zoll (AMOLED) 3,0 Zoll
Speichermedien SD, SDHC SD, SDHC, SDXC SD, SDHC Memory Stick, SD, SDHC
Abmessungen 10,2 x 5,8 x 2,9 cm 10,3 x 6,0 x 3,3 cm 10,7 x 6,1 x 2,8 cm 10,3 x 5,8 x 2,9 cm
Gewicht 185 g 218 g 214 g 170 g

Ricoh verbaut in der CX3 erstmals einen rückseitig belichteten CMOS-Sensor [6]. Der Trick bei den Chips besteht darin, dass die Verdrahtung der einzelnen Fotozellen nicht vor, sondern hinter der lichtempfindlichen Fläche untergebracht ist. Dadurch steht mehr Platz für eintreffende Photonen zur Verfügung, was – soweit die graue Theorie – eine niedrigere Ausleseempfindlichkeit und damit wiederum eine bessere Bildqualität ermöglicht.

Außerdem glänzen diese sogenannten BSI-Sensoren [6] durch ein paar weitere Tricks. Da wäre beispielsweise die beachtliche Geschwindigkeit. So schafft die Ricoh CX3 beispielsweise fünf Bilder pro Sekunde mit voller Auflösung. Die Geschwindigkeit nutzt die Kamera auch, um zwei unmittelbar hintereinander geschossene Fotos mit verschiedenen Belichtungszeiten zu einem Bild mit erweitertem Dynamikbereich zu kombinieren. Das ist bei Aufnahmen mit hohen Kontrasten, etwa bei Gegenlicht, enorm praktisch.

Ein weiteres, leider sehr wenig verbreitetes Feature, mit dem die CX3 glänzt, ist die elektronische Wasserwaage. Die Kamera blendet auf dem Display einen Balken ein, der anzeigt, wie schief das Gehäuse gerade steht. Das erspart in der Praxis einen ganzen Haufen lästiges Drehen und Wenden in Photoshop & Co.

Die Optik der Ricoh-Kamera bietet einen 10,7-fachen Zoom. Der Brennweitenbereich beginnt bei weitwinkligen 28 und endet bei 300 Millimetern. Damit auch bei starken Vergrößerungen noch verwacklungsfreie Bilder entstehen, ist ein mechanischer Bildstabilisator an Bord. Er gleicht zittrige Fotografenhände durch Verschieben des CMOS-Sensors aus.

Ricoh CX3 Oberseite

Auf dem Modulswahlschalter gibt es erfreulicherweise zwei Slots für benutzerspezifische Einstellungen. Manuelle Aufnahmemodi fehlen hier allerdings.

Manuelle Einstellungen sucht man bei der CX3 leider vergebens. Dafür gibt es ein paar interessante Szenenprogramme, beispielsweise den diskreten Modus, der alle Betriebstöne deaktiviert, die Schräg-Korrektur, die von der Seite fotografierte, rechteckige Objekte gerade rückt, oder den Makro-Modus mit einer Naheinstellgrenze von einem Zentimeter.

Leistung

Im Großen und Ganzen reagiert die Ricoh CX3 recht flott. Bis nach Betätigung des Einschalters das erste Bild im Kasten ist, vergehen etwa 2,1 Sekunden. Ebenso lang dauert auch die Verschnaufpause, die sich die Kamera zwischen jedem weiteren Foto genehmigt. Mit zugeschaltetem Blitz verschlechtert sich der Wert erfreulich wenig auf 2,2 Sekunden.

Die Auslöseverzögerung beträgt bei guten Lichtverhältnissen 0,4 Sekunden. In Situationen mit niedrigem Kontrast steigt sie auf 0,6 Sekunden. Das geht für einen kompakten Superzoomer schwer in Ordnung. Die Serienbildgeschwindigkeit ist mit 5,4 Bildern pro Sekunde sehr flott. Nach dem 20. JPEG-Foto sinkt die Knipsrate auf immer noch recht flotte 3 fps.

Der Akku bietet ausreichend Kapazität für 310 Aufnahmen. Damit geht der Kamera beim Shooting zwar nicht allzu schnell die Puste aus, die Batterie-Anzeige ist allerdings nicht sehr zuverlässig.

Bildqualität

Der Empfindlichkeitsbereich der Ricoh CX3 reicht von ISO 80 bis ISO 3200. Bis einschließlich ISO 200 ist die Bildqualität ausgezeichnet. Mit ISO 400 geschossene Aufnahmen verlieren bereits etwas an Details, was sich bei ISO 800 noch verstärkt. Bei ISO 1600 schließlich bringt die Kamera sichtbare Farbflecken aufs Foto, und ISO 3200 eignet sich nur noch für Notfälle. Alles in allem schneidet die Kompakte hier aber sehr gut ab.

Das Objektiv überzeugt: Sowohl in den Ecken als auch in der Bildmitte bildet es Details messerscharf ab. Bei hohen Brennweiten geht allerdings zunehmend Schärfe verloren – das ist bei kompakten, stark vergrößernden Optiken jedoch nicht außergewöhnlich. Die Fotos weisen erfreulicherweise auch an Übergängen mit hohen Kontrasten verhältnismäßig wenig violette Farbsäume auf.

Im 28-Millimeter-Weitwinkel geschossene Aufnahmen sind leicht kissenförmig deformiert. Daran hat nicht die Optik, sondern der in der Kamera untergebrachte Korrektur-Algorithmus Schuld: Er übertreibt es beim Kompensieren der auf dem Sucherdisplay vor dem Auslösen deutlich sichtbaren Tonnenverzerrung etwas. Bei maximaler Brennweite ist erfreulicherweise keinerlei tonnen- oder kissenförmige Deformation sichtbar.

Die Farben sind durch die Bank ansprechend und bleiben – abgesehen von einigen Farbflecken – auch bei hohen ISO-Empfindlichkeiten noch konsistent. Auch die Ausleuchtung der Fotos gefällt uns sehr gut.

Die Videoclips der CX3 sehen akzeptabel, aber etwas verwaschen aus. Leider funktioniert der optische Zoom während der Videoaufnahme nicht. Stattdessen steht ein 2,8-facher digitaler Zoom zur Verfügung. Die Qualität des Mono-Mikrofons geht in Ordnung. Bei Außenaufnahmen sind allerdings recht deutliche Windgeräusche auf den Clips zu hören.

Fazit

Die Ricoh CX3 bringt kein GPS, kein WLAN und keine exotischen Spielereien mit. Stattdessen sind eine Reihe von eher unauffälligen Helferlein an Bord, die man nicht mehr missen möchte, hat man sich einmal an sie gewöhnt. Die Bildqualität ist für eine Kamera in dieser Klasse sehr ordentlich, und auch Verarbeitung und Design überzeugen. Wer auf manuelle und halbautomatische Aufnahmemodi sowie GPS-Empfängen verzichten kann, wird mit der knapp 300 Euro teuren Ricoh CX3 keine Enttäuschung erleben.

Aufnahmegeschwindigkeit (in Sekunden)
(kürzere Balken bedeuten bessere Leistung)

Zeit bis zur ersten Aufnahme   
Zeit zwischen zwei Aufnahmen   
Auslöseverzögerung (Zwielicht)   
Auslöseverzögerung (Tageslicht)   
Casio Exilim EX-H10 [8]

1.8 
3.3 
0.4 
0.2 
Fujifilm FinePix F70EXR [9]

2.1 
1.5 
0.7 
0.5 
Ricoh CX3

2.1 
2.1 
0.6 
0.4 
Kodak EasyShare Z950

3.2 
3.5 
0.7 
0.6 
Panasonic Lumix DMC-TZ10 [10]

2.3 
2.1 
1 
0.6 

Serienbildgeschwindigkeit (in Fotos pro Sekunde)
(längere Balken bedeuten bessere Leistung)
Ricoh CX3

5.4 
Kodak EasyShare Z950

2.2 

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] PowerShot SX210 IS: https://www.cnet.de/tests/digicam/41530125/testbericht/canon+powershot+sx210+is+14_megapixel_superzoomer+im+test.htm

[2] Lumix DMC-TZ10: https://www.cnet.de/tests/digicam/41528748/testbericht/panasonic+lumix+dmc_tz10+im+test+12_fach_gps_superzoomer.htm

[3] Tabelle anzeigen: Kompakte Superzoom-Kameras im Vergleich: #

[4] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[5] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[6] rückseitig belichteten CMOS-Sensor: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/trends-technik/41529195/schneller_+heller_+smarter+wie+bsi_sensoren+die+digicams+revolutionieren.htm

[7] Beispielfotos: die Bildqualität der Ricoh CX3: https://www.cnet.de/41530509/beispielfotos-die-bildqualitaet-der-ricoh-cx3/?pid=1#sid=41530508

[8] Casio Exilim EX-H10: https://www.cnet.de/tests/digicam/41503223/testbericht/casio+exilim+ex_h10+kompaktkamera+mit+1000_foto_akku.htm

[9] Fujifilm FinePix F70EXR: https://www.cnet.de/tests/digicam/41501807/testbericht/fujifilm+finepix+f70exr+spezialist+fuer+nachtaufnahmen.htm

[10] Panasonic Lumix DMC-TZ10: https://www.cnet.de/tests/digicam/41528748/panasonic+lumix+dmc_tz10+im+test+12_fach_gps_superzoomer.htm