Schon im Test: Touchscreen-Handy LG Mini GD880

von Daniel Schraeder am , 16:30 Uhr

Pro
  • erstklassige Verarbeitung
  • attraktives Design
  • hervorragende Ausstattung
Con
  • proprietäres Betriebssystem
  • Bedienung nicht durchgängig
  • reagiert teilweise langsam
Hersteller: LG Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,5 von 10 Punkte
Fazit:

Das Mini GD880 gehört zu den hochwertigsten Handys, die LG jemals gebaut hat. Optik und Verarbeitung sind auf höchstem Niveau. Verbesserungsbedarf sehen wir allerdings bei Software und Bedienung. Hier hat sich zwar auch einiges getan, doch vomiPhone oder den Top-Androiden ist es noch ein Stück entfernt.

LG trumpft auf – das ist das erste, was einem beim Blick auf das Mini auffällt. Es wirkt so solide und massiv, wie noch kein anderes Handy des koreanischen Herstellers zuvor. Wir haben getestet, was das GD880 unter der Haube hat.

Wer vor wenigen Jahren ein LG [1]-Handy in die Hand genommen hat, hatte häufig eine außergewöhnliche Erfahrung. Shine, Chocolate & Co. sahen interessant und außergewöhnlich aus, die Qualität von Hard- und Software entsprach aber häufig nicht den Erwartungen, die die Optik geweckt hat. Beim GD880 könnte das anders sein.

Design

Das LG GD880 ist ein solider Klotz. Mit einer Displaydiagonale von 3,2 Zoll ist es zwar nicht wirklich Mini, aber ein gutes Stück kleiner als iPhone [2] (3,5 Zoll), Nexus One [3] (3,7 Zoll) oder Xperia X10 [4] (4,0 Zoll). Außerdem ist es ein gutes Stück dünner als die erwähnten Smartphones. Damit passt es deutlich besser in die Hosentasche.

Mit seinem Gewicht von gut 100 Gramm fühlt es sich angenehm schwer an und liegt gut in der Hand. Auffällig ist die hervorragende Verarbeitung des Gehäuses: Oben und an den Seiten zieht sich ein Rahmen aus Metall um das Gerät, unten und auf der Rückseite sorgt stabiler Kunststoff mit mattem, leicht gummierten Finish für einen guten Eindruck. Die Displayscheibe aus Echtglas ist bündig in den Rahmen eingelassen – das sieht wirklich gut aus.

Darüber hinaus sorgen einige feine Details für Abwechselung. So gibt es beispielsweise auf der rechten Seite einen microSD-Speicherkartenslot, der unter einem soliden Schieber verborgen ist. Die seitlich angebrachten Tasten – der zweistufige Kamera-Auslöser rechts und der Lautstärken-Wippschalter links – sind geriffelt und passen so perfekt zum Design der Ränder. Auf der Oberseite finden wir eine 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse, einen Micro-USB-Anschluss sowie einen Ein-Ausschalter. Schade: Die USB-Buchse, die zum Laden und zum Übertragen von Daten dient, ist nicht von einem Schieber bedeckt – stattdessen kommt eine klassische, einseitig aufgehängte Abdeckung zum Einsatz.

Auf der Rückseite ist neben dem LG-Logo lediglich die Linse der 5-Megapixel-Kamera zu sehen. Blitz oder Foto-LED gibt es nicht, dafür aber den Aufdruck 5 MEGA – es würde besser aussehen, wenn sich der Hersteller diesen Schriftzug einfach gespart hätte. Aber offensichtlich denkt man immer noch, dass man es nötig hätte, zu zeigen, was drin steckt.

Ausstattung

Hat man aber nicht – zumindest bei diesem Handy. Das Datenblatt kann sich durchaus sehen lassen. Das fängt beim Display an: Trotz der im Vergleich zum iPhone kleineren Diagonale löst es mit 854 mal 480 Pixeln mehr als doppelt so hoch auf – es übertrumpft sogar die Anzahl der Bildpunkte von Google [5] Nexus One oder HTC [6] Desire. Dementsprechend sehen Inhalte gestochen scharf aus.

Weiter geht’s mit UMTS samt HSDPA, WLAN, GPS und Bluetooth. Ein Neigungssensor ist an Bord, dazu die erwähnte 5-Megapixel-Kamera auf der Rückseite und eine zweite Cam auf der Vorderseite. Intern stehen gut 300 MByte Speicher zur Verfügung, der per microSD-Karte erweiterbar ist. Und wenn die MP3-Sammlung dann doch komplett durchgehört ist, sorgt das UKW-Radio für musikalische Unterhaltung.

Softwareseitig setzt LG auf sein eigenes Betriebssystem mit im Vergleich zu früheren Touchscreen-Handys vereinfachter, aber schönerer Oberfläche. Es gibt drei Homescreens, die der Benutzer mit Verknüpfungen, Bookmarks und ausgewählten Widgets konfigurieren kann. Darunter finden sich etwa Wettervorhersage, Twitter oder Facebook – und im Gegensatz zu den Widgets günstiger Samsung [7]-Handys mit Touchscreen handelt es sich dabei nicht einfach um Links auf die Webseiten, sondern um echte Mini-Programme, die aktuelle Status-Updates von Social-Networks-Kontakten direkt auf dem Homescreen anzeigen.

Für Twitter, Facebook und MySpace sind auch explizite Apps vorinstalliert. Anders sieht es bei Google Maps aus: Anstelle eines eigenständiges Programms öffnet sich beim Antippen des Icons der Webbrowser, der die Karte zeigt. Das funktioniert ganz gut, ein echtes Programm wäre uns aber lieber.

Die Bedienung leidet etwas unter der geringen Anzahl mechanischer Tasten – und darunter, dass sich keine einheitliche Steuerung durchzieht. Wer beispielsweise das Programm-Menü verlassen möchte, drückt auf den virtuellen roten Telefonhörer unten rechts. Möchte man Google Maps im Browser beenden, ist das Symbol nicht vorhanden. Der Nutzer drückt auf einen nach unten zeigenden Pfeil oben rechts, der ein Kontext-Menü aufklappt. Dann gibt es oben rechts einen Zurück-Pfeil – wer ihn drückt, muss die Frage, ob er den Browser beenden möchte, mit Ja beantworten. Das würde besser gehen.

Es gibt eine Hand voll vorinstallierter Programme, die die meisten Einsatzzwecke abdecken – darunter E-Mail-Client, Organizer, Notizbuch, Währungsrechner, Voice-Rekorder und sogar eine simple Bildbearbeitung. Sie erlaubt es, Ausschnitte aus aufgenommenen Fotos zu ziehen, Texte hinzuzufügen und einige simple Effekte anzuwenden. Wer fertig ist, kann das Bild danach online an Freunde verschicken. Aufgrund der im Vergleich zu einem PC geringeren Rechenleistung wandelt das Handy die Fotos beim Bearbeiten aber um. Sie haben dann nur noch VGA-Auflösung.

Wer Nachrichten, E-Mails oder Statusupdates tippt, muss sich im Hochformat mit der virtuellen Handytastatur zufrieden geben. Immerhin steht die Texteingabehilfe T9 zur Verfügung. Dreht man das Gerät ins Querformat, taucht ein QWERTZ-Tastenfeld auf.

Leistung

Beim Durchscrollen von Homescreen-Menü oder beim Öffnen umfangreicher Webseiten kommt das LG Mini an seine Grenzen. Das zeichnet sich durch leichtes Ruckeln aus – die Oberfläche reagiert einfach nicht ganz so geschmeidig wie etwa die des iPhones oder die aktueller Android [8]-Smartphones.

Im Test hat sich der Webbrowser auch einmal beschwert, dass zu wenig Speicher zur Verfügung steht. Allerdings läuft auf unserem Testgerät noch nicht die finale Software – diese Probleme könnten also beim Seriengerät behoben sein.

Mit der Kamera geschossene Fotos können sich sehen lassen – allerdings natürlich nur, wenn das Umgebungslicht stimmt. Mangels Blitz oder Foto-LED wirken in dunklen Umgebungen aufgenommene Bilder stark verrauscht.

Der Akku leidet natürlich unter der guten Ausstattung und unter den kleinen Abmessungen des Geräts. Er hat eine Kapazität von lediglich 900 mAh. Zum Vergleich: Google Nexus One und das baugleiche HTC Desire haben 1400-mAh-Batterien. Dementsprechent hält das LG bei intensiver Nutzung auch nur einige Stunden durch. Bei durchschnittlichem Gebrauch wird man es wohl täglich aufladen müssen.

Leider setzt der Hersteller nicht auf ein offenes Betriebssystem wie Android. Dementsprechend ist die Auswahl von Zusatzprogrammen deutlich eingeschränkter, einen Marktplatz gibt es zumindest auf dem Testegerät nicht.

Dafür ist das Gerät vergleichsweise günstig. Laut unverbindlicher Preisempfehlung kostet das GD880 knapp 350 Euro. Im freien Handel ist es bereits für knapp 300 Euro zu haben, mit Vertrag für einen einstelligen Euro-Betrag.

Fazit

Qualität und Optik des LG Mini GD880 sind auf höchstem Niveau – was diese beiden Punkte angeht, muss sich das Gerät nicht vor den besten Mitbewerbern verstecken. Verbesserungsbedarf sehen wir allerdings noch bei der nicht stringenten Bedienung, bei der teilweise hakeligen Oberfläche und bei der eingeschränkten Software-Auswahl. In Anbetracht des für die gute Ausstattung günstigen Preises ist das LG aber durchaus eine nähere Betrachtung wert.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] LG: http://www.cnet.de/unternehmen/lg/

[2] iPhone: https://www.cnet.de/tests/handy/41005474/neues+iphone+3g+s+im+test+schneller_+besser_+cooler.htm

[3] Nexus One: https://www.cnet.de/tests/handy/41525269/schon+getestet+htc+google+nexus+one+endlich+ein+iphone_killer.htm

[4] Xperia X10: https://www.cnet.de/tests/handy/41529468/schon+im+test+android_smartphone+sony+ericsson+xperia+x10.htm

[5] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[6] HTC: http://www.cnet.de/unternehmen/htc/

[7] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[8] Android: http://www.cnet.de/themen/android/