CNET-Fotokurs: So klappt’s mit Automatiken und Belichtungszeit

von Leonard Goh und Stefan Möllenhoff am , 16:07 Uhr

Im ersten Teil unseres Fotokurses haben wir uns mit dem grundsätzlichen Aufbau von Digitalkameras und Fotos beschäftigt. Allerdings hat nicht nur der Ausschnitt und die Perspektive einen Einfluss auf die Bildwirkung. Auch die Einstellungen an der Kamera selbst verändern das entstehende Foto gewaltig. Wir nehmen die Auswirkungen von unterschiedlichen Szenenprogrammen und Verschlusszeiten unter die Lupe.

Praktisch jede aktuelle Kamera bietet zahlreiche Szenenprogramme und eine intelligente Automatik, die selbsttätig das zum Motiv passendste Szenenprogramm heraussucht. Erkennt die Digicam ein Gesicht, aktiviert sie das Portrait-Feature, befindet sich eine Sonne auf dem Bild und sind die Kontraste sehr hoch, wechselt sie im Idealfall in den Sonnenuntergang-Modus.

Automatik und Szenenprogramme

Leider ist die intelligente Automatik nicht immer ganz zuverlässig. Wer auf Nummer sicher gehen und sich dennoch nicht mit den Feinheiten der Kameraeinstellungen herumschlagen möchte, wählt den zur Aufnahmesituation passenden Modus händisch aus. Wir haben uns die vier wahrscheinlich häufigsten Szenenprogramme herausgepickt und erklären, was diese mit dem Motiv anstellen.

Portrait

Der Portrait-Modus soll dafür sorgen, dass Personen möglichst vorteilhaft auf dem Bild erscheinen. Mittels Gesichtserkennung optimiert die Kamera die Aufnahmeeinstellungen für eine ideale Belichtung des Fotomodels vor der Linse. Ob der Hintergrund zu hell oder zu dunkel ist, spielt dann keine große Rolle. Hauptsache der Mensch ist korrekt ausgeleuchtet.

Häufig wählen die Kameras dann auch eine Aufnahmeeinstellung, die für einen etwas verschwommeneren Hintergrund sorgt. Dadurch sticht die fotografierte Person aus ihrer Umgebung hervor. Manche Digicams wenden zusätzlich noch einen Weichzeichner auf Hauttöne an, der eventuelle Unreinheiten beseitigt.

Der Portraitmodus glättet Hauttöne und sorgt für einen unschärferen Hintergrund.
Der Portraitmodus glättet Hauttöne und sorgt für einen unschärferen Hintergrund (Foto: irish_eyes/morgueFile).

Landschaft

Im Gegensatz zum Portraitfoto ist es bei den allermeisten Landschaftsaufnahme wichtig, dass sowohl vom Vordergrund als auch vom Hintergrund möglichst viel scharf abgebildet ist. Anstelle von Hauttönen stehen eher die Farben Blau (Himmel) und Grün (Natur) im Vordergrund. Die kamerainterne Bildbearbeitung hebt die Sättigung dieser beiden Farben an und sorgt so für saftigere Wiesen und einen dramatischeren Himmel.

Das Szenenprogramm "Landschaft" sorgt für kräftigere Grün- und Blautöne.
Das Szenenprogramm „Landschaft“ sorgt für kräftigere Grün- und Blautöne (Foto: vickei/morgueFile).

Schnee & Strand

Extrem helle Aufnahmeumgebungen, etwa eine Skipiste, verwirren die Automatiken der Kameras gerne einmal – mit dem Ergebnis, dass die Fotos überbelichtet geraten und in hellen Bildbereichen Details verloren gehen. Die Szenenprogramme für Schnee beziehungsweise Strand regeln die Belichtung ein Stück nach unten, so dass auf den Bildern mehr Details zu sehen sind.

Die Aufnahme-Modi "Schnee" und "Strand" verhindern überbelichtete Aufnahmen auf der Skipiste oder im Badeurlaub.
Die Aufnahme-Modi „Schnee“ und „Strand“ verhindern überbelichtete Aufnahmen auf der Skipiste oder im Badeurlaub (Foto: lisasolonyko/morgueFile).

Nachtaufnahme

Der Nachtaufnahme-Modus regelt meistens sowohl die Lichtempfindlichkeit als auch die Belichtungszeit der Digicam nach oben. Freihändig geschossene Bilder geraten daher häufig unscharf – insbesondere, wenn hohe Zoomstufen gewählt sind. Die Kamera eine ganze Sekunde exakt in Position zu halten, ist freihändig nicht möglich. Daher ist es praktisch unumgänglich, den Fotoapparat auf ein Stativ zu stellen. Alternativ erfüllt auch ein beliebiger, fester Untergrund, auf dem die Kamera liegt, den Zweck.

Den Nachtmodus kombiniert man am besten mit einem Stativ, um unverwackelte Aufnahmen zu erhalten.
Den Nachtmodus kombiniert man am besten mit einem Stativ, um unverwackelte Aufnahmen zu erhalten (Foto: CBS Interactive).

Verschlusszeit

Die Verschlusszeit ist einer der wichtigsten Begriffe in der Fotografie. Sie legt fest, über welchen Zeitraum hinweg die Kamera Licht einfängt. Kurze Belichtungszeiten sorgen dafür, dass auch schnelle Bewegungen scharf abgebildet sind. Allerdings müssen die Lichtbedingungen dafür stimmen, denn ansonsten gelangen bei derart kurzen Belichtungszeiten nicht ausreichend Photonen, also Lichtteilchen, auf den Bildsensor: Das resultierende Foto ist zu dunkel.

Die Verschlusszeit bei diesem Foto beträgt 1/640 Sekunde.
Die Verschlusszeit bei diesem Foto beträgt 1/640 Sekunde (Foto: jade/morgueFile).

Um Personen scharf abzubilden, die nicht für ein Foto posieren, sondern sich normal bewegen, sind Verschlusszeiten von 1/100 Sekunde oder schneller erforderlich. Für Sportfotografie sind Werte oberhalb von 1/300 Sekunde erforderlich. Um etwa einen geschossenen Fußball gestochen scharf aufs Bild zu bekommen, darf es ruhig auch 1/1000 oder noch kürzer sein.

1/25 Sekunde reicht nicht aus, um das vorbeiflitzende Eichhörnchen scharf abzubilden.
1/25 Sekunde reicht nicht aus, um das vorbeiflitzende Eichhörnchen scharf abzubilden (Foto: ardelfin/morgueFile).

Lange Belichtungszeiten hingegen geben dem Bildsensor mehr Zeit, um Licht zu sammeln und sorgen auch im Dunkeln für ordentlich ausgeleuchtete Fotos. Ab einer gewissen Grenze ist es allerdings nicht mehr möglich, die Kamera lange genug ruhig zu halten, um ein verwackelfreies Foto aufzunehmen. Als Faustregel für die Verwackel-Grenze gilt der Kehrwert der Brennweite, also dem Maß für die „Zoomstärke“. Bei einem recht großen Bildausschnitt, was beispielsweise 30 Millimetern Brennweite entspricht, beträgt die maximal mögliche Belichtungszeit 1/30 Sekunde. Bei 150 Millimetern Brennweite, eine recht starken Vergrößerung, darf es nach der Formel höchstens 1/150 Sekunde sein. Je stärker die Vergrößerung, desto stärker wirkt sich jedes Händezittern aus.

Links mit, rechts ohne Bildstabilisator: Ein moderner optischer oder mechanischer Verwacklungsschutz leistet bessere Dienste als das elektronische Pendant.
Bei zu langen Belichtungszeiten gerät das Bild unscharf (rechts). Hohe Zoomstufen erfordern kürzere Blichtungszeiten.

Der Grund liegt darin, dass sich bei hohen Zoomstufen und dem damit verbundenen, kleineren Bildwinkel zittrige Hände viel stärker auswirken. Die Faustregel stammt allerdings noch aus der Zeit der analogen Fotografie, in der es in Kameras noch keine Bildstabilisatoren gab. Heutzutage lässt sich der Wert – abhängig von der Qualität des Verwacklungsschutzes – gut und gerne halbieren oder vierteln. Selbstverständlich hängt die Obergrenze aber auch von den Fotografenhänden und dem Koffeingehalt im Blut ab.

Auch bei Feuerwerk eignen sich lange Verschlusszeiten, um mehr von den Effekten aufs Bild zu bekommen. Links ist die Verschlusszeit 1/5 Sekunde gewählt, rechts sind es acht Sekunden
Auch bei Feuerwerk eignen sich lange Verschlusszeiten, um mehr von den Effekten aufs Bild zu bekommen. Links ist die Verschlusszeit 1/5 Sekunde gewählt, rechts sind es acht Sekunden (Fotos: morgueFile/schick links, CBS Interactive rechts).

Nicht nur bei Nacht, sondern auch bei Tag kann eine lange Belichtungszeit sinnvoll sein. Um bei einem Wasserfall nicht jeden Tropfen einzeln abzubilden, sondern einen weich fließenden Eindruck zu erzeugen, eignen sich lange Verschlusszeiten ebenfalls. Das gleiche gilt für die Scheinwerfer vorbeifahrender Autos, für Menschenmassen, die sich hektisch bewegen, und für Hagelkörner oder im Sturm wehende Bäume.

Links ist die Belichtungszeit auf 1/50 eingestellt, rechts auf 8 Sekunden. Der Unterschied ist enorm.
Links ist die Belichtungszeit auf 1/50 eingestellt, rechts auf 8 Sekunden. Der Unterschied ist enorm (Fotos: morgueFile/click links, morgueFile/stuarta0 rechts).

Im Regelfall zeigen Kameras die gewählte Verschlusszeit und Blende an, sobald der Fotograf durch Antippen des Auslösers auf das Motiv fokussiert hat. Die Belichtungszeit lässt sich in den manuellen Modi der Kamera einstellen. Diese sind üblicherweise auf dem Moduswahlschalter mit einem „M“ für Manuell oder einem „S“ für Speed gekennzeichnet. Gibt es diese Aufnahmefunktionen nicht, so sorgt entweder ein passendes Szenenprogramm oder eine niedrige ISO-Empfindlichkeit für längere Verschlusszeiten.

Bei diesem Beispiel beträgt die Verschlusszeit 1/20 Sekunde. Rechts daneben zeigt die Kamera die Blende F3,5 an.
Bei diesem Beispiel beträgt die Verschlusszeit 1/20 Sekunde.

Fazit

Die perfekten Einstellungen für ein Foto gibt es nicht. Daher lohnt es sich, das gleiche Motiv mit verschiedenen Parametern zu fotografieren und die Ergebnisse später am Bildschirm zu vergleichen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41531317/cnet-fotokurs-so-klappt-s-mit-automatiken-und-belichtungszeit/