Sony Alpha DSLR-A450: blitzschnelle Einsteiger-Spiegelreflex für Actionfotografen

von Stefan Möllenhoff am , 19:01 Uhr

Pro
  • ausgezeichnetes Rauschverhalten
  • kurze Auslöseverzögerung
  • hohe Serienbildgeschwindigkeit
  • HDR-Automatik
Con
  • kein Videomodus
  • unpräzise Farbwiedergabe
  • keine Abblendtaste
Hersteller: Sony Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,8 von 10 Punkte
Fazit:

Die Sony Alpha DSLR-A450 ist schneller als ihre ähnlich teuren Konkurrenten und bringt bei hohen ISO-Empfindlichkeiten eine erstaunlich wenig Bildrauschen aufs Foto. Leider ist die Farbwiedergabe alles andere als präzise, und das Design fällt stellenweise etwas unpraktisch aus.

14,2 Megapixel, sieben Bilder pro Sekunde und Empfindlichkeiten bis ISO 12.800 – nach Lektüre ihres Datenblatts klingt die Sony Alpha DSLR-A450 nach einer rund 1000 Euro teuren Mittelklasse-Spiegelreflexkamera. Die Anschaffungskosten fallen mit 450 Euro für das Gehäuse allerdings überraschend gering aus. Wir haben getestet, ob die Digicam ihrem Datenblatt gerecht wird und wo es Abstriche hinzunehmen gibt.

Kein Hersteller bringt Jahr für Jahr mehr Spiegelreflexkameras auf den Markt als Sony [1]. Während sich Canon und Nikon üblicherweise mit drei bis vier Modellen zufriedengeben, sind es bei Sony gut und gerne schonmal neun Stück. Alleine im Preisbereich zwischen 290 und 610 Euro tummeln sich sechs Geräte. Die Sony Alpha DSLR-A450 steht von unten gesehen an vierter Stelle in der Skala. Unter ihr befinden sich die drei Einsteiger-Knipsen A230, A330 und A380, darüber stehen die fortgeschritteneren Modelle A500 und A550. Potenzielle Käufer haben die Qual der Wahl.

Design

In puncto Optik ist die Sony Alpha DSLR-A450 deutlich näher an den größeren als an den kleineren Schwestern angesiedelt. Das Gehäuse ist zwar ein Stück sperriger, liegt dafür aber auch deutlich besser in der Hand als beim günstigeren Trio. Das Gehäuse fühlt sich erstaunlich leicht an und macht dem etwas billigen Plastik-Feeling zum Trotz einen soliden Eindruck. Knarzen und Knarren? Fehlanzeige.

Insgesamt wirkt das Design der Kamera etwas unausgegoren. Der Moduswahlschalter beispielsweise quetscht sich auf einen kleinen Vorsprung links neben dem optischen Sucher. Rechts dagegen gibt es eine etwa fünfmal so große Fläche, auf der lediglich vier kleine Tasten für Live-View, Dynamikbereichserweiterung/HDR-Automatik, Serienbildmodus und ISO-Empfindlichkeit sitzen. Bei den beiden größeren Schwestern A500 und A550 findet sich hier noch ein zusätzlicher Schieber, der die Leere etwas füllt.

Ungleichgewicht: Links quetscht sich das Modusrädchen neben den Sucher, die vier kleinen Tasten wirken rechts dagegen fast etwas verloren.
Ungleichgewicht: Links quetscht sich das Modusrädchen neben den Sucher, die vier kleinen Tasten wirken rechts dagegen fast etwas verloren.

Auch die Rückseite hat der Hersteller etwas abgespeckt und erfreulicherweise die überflüssige Taste für den digitalen Zoom über Bord geworfen. Überraschungen gibt es hier keine. Die Fn-Taste rechts neben dem 2,7 Zoll großen Display holt die wichtigsten Aufnahmeparameter auf den Bildschirm. Zu jedem einzelnen Punkt bietet die DSLR eine Kurzerklärung an, bei der ISO-Empfindlichkeit beispielsweise Einstellung der Lichtempfindlichkeit: je größer die Zahl, desto kürzer die Verschlusszeit. Der Menu-Button oberhalb der Anzeige führt in die tiefergreifenden Einstellungen der Kamera.

Der optische Sucher fällt bei der A450 etwas größer aus als bei den beiden älteren Schwestern A500 und A550. Das ist in erster Linie auf die fehlende Enhanced-Quick-AF-Live-View-Funktion zurückzuführen. Bei den 500er-Modellen setzt Sony auf einen zusätzlichen Fokus-Sensor, der das Scharfstellen im Live-View-Betrieb beschleunigt. Der ansich recht angenehmen Größe zum Trotz überzeugt der Sucher nicht. Die Fokuspunkte sind zwar klar und deutlich zu erkennen, blinken aber viel zu dunkel auf, wenn sie eine korrekte Fokussierung anzeigen. Beim Fotografieren von hellen Motiven ist es praktisch unmöglich, zu sehen, worauf die Kamera scharfgestellt hat.

So sauber sieht man das Display selten - aufgrund der Positionierung des Suchers berührt man es beim Fotografieren ständig mit der Backe.
So sauber sieht man das Display selten – aufgrund der Positionierung des Suchers berührt man es beim Fotografieren ständig mit der Backe.

Die Spiegelreflex bietet zwar – um das kurz vorwegzunehmen – eine hervorragende Leistung bei hohen Empfindlichkeiten, doch der Umgang mit den ISO-Werten gestaltet sich als unnötig umständlich. Die Taste auf der Oberseite für die Empfindlichkeitswahl ist zu weit hinten, um sie bequem mit dem Zeigefinger zu erreichen. Ohne Umgreifen geht es nicht. Außerdem zeigt die DSLR den ISO-Wert nicht im Sucher an. Wer mit ISO-Automatik fotografiert, hat keine Ahnung, welche Einstellung die Kamera nutzt. Auf dem Display ist der Parameter übrigens auch nicht zu sehen. Stattdessen zeigt die Kamera eher überflüssige Informationen im Sucher an – etwa, wie die Chancen stehen, ein unverwackeltes Bild zu schießen, oder den Fokusmodus.

Nicht nur beim optischen Sucher, sondern auch beim Bildschirm gibt es Unterschiede zwischen A450, A500 und A550. Die beiden 500er setzen auf ein beweglich aufgehängtes 3-Zoll-Display, die Anzeige der A450 ist starr und misst lediglich 2,7 Zoll. Obwohl der Klappmechanismus fehlt, steht der Bildschirm allerdings ein Stück auf der Kamera heraus. Dadurch berührt ihn der Fotograf beim Blick durch den optischen Sucher unweigerlich mit der Backe. So ist es praktisch unmöglich, die Anzeige sauberzuhalten.

Ausstattung

Hersteller Sony Sony Sony
Modell Alpha DSLR-A450 Alpha DSLR-A500 Alpha DSLR-A550
Preis (nur Gehäuse) 440 Euro 490 Euro 610 Euro
Bildsensor CMOS (23,6 x 15,8 mm) CMOS (23,6 x 15,8 mm) CMOS (23,6 x 15,8 mm)
Auflösung 14,2 Megapixel 12,3 Megapixel 14,2 Megapixel
Empfindlichkeiten ISO 200 – 12.800 ISO 200 – 12.800 ISO 200 – 12.800
Verschlusszeiten 1/4000 bis 30 s 1/4000 bis 30 s 1/4000 bis 30 s
Autofokus 9 Punkte 9 Punkte 9 Punkte
Serienbildmodus 5 fps 5 fps 5 fps
Belichtungsmessung 40 Segmente 40 Segmente 40 Segmente
Videomodus nein nein nein
Display 2,7 Zoll (fest) 3,0 Zoll (schwenkbar) 3,0 Zoll (schwenkbar)
Live View ja ja ja
Sucherbildausschnitt 95 Prozent 95 Prozent 95 Prozent
Akkulaufzeit 1050 Fotos 1000 Fotos 950 Fotos
Abmessungen 13,7 x 10,4 x 8,1 cm 13,7 x 10,4 x 8,4 cm 13,7 x 10,4 x 8,4 cm
Gewicht 520 g 597 g 599 g

7,0 Bilder pro Sekunde – ein schier unglaublicher Wert für eine nicht einmal 500 Euro teure Spiegelreflexkamera. Doch Sony mogelt hier ein bisschen, denn diese Geschwindigkeit erreicht die A450 nur im Modus „Bildfolgezeitpriorität“. Das bedeutet, dass die Kamera Fokus und Belichtung nach dem ersten geschossenen Foto nicht mehr anpasst. Somit eignet sich der Vollgas-Betrieb nur für Aufnahmeszenarien, in denen sich weder die Helligkeit noch der Abstand zum Motiv ändern. Der „klassische“ Serienbildmodus ist mit 5 fps unabhängig davon sehr großzügig dimensioniert.

Die HDR-Automatik profitiert ebenfalls von der Geschwindigkeit. Das Feature schießt zwei Bilder in schneller Folge mit unterschiedlichen Belichtungszeiten und kombiniert diese zu einer Aufnahme mit verbessertem Kontrast. Da Belichtung und Fokus hier nicht angepasst werden müssen, braucht die A450 im Test gerade einmal 1/10 Sekunde, um die zwei Fotos aufzunehmen. Die kamerainterne Bildverarbeitug gleicht es zudem zuverlässig aus, sollten die beiden Teilaufnahmen etwas gegeneinander verschoben sein. Der Abstand zwischen den beiden Einzelbildern lässt sich auf bis zu drei Belichtungsstufen aufdrehen. Leider speichert die Kamera nur das HDR-Bild, und nicht die zwei Teilfotos, ab. Außerdem nimmt das Zusammenrechnen knapp drei Sekunden in Anspruch.

Hersteller Sony Nikon Canon
Modell Alpha DSLR-A450 D90 EOS 50D
Preis (nur Gehäuse) 440 Euro 625 Euro 710 Euro
Bildsensor CMOS (23,6 x 15,8 mm) CMOS (23,6 x 15,8 mm) CMOS (22,3 x 14,9 mm)
Auflösung 14,2 Megapixel 12,3 Megapixel 15,1 Megapixel
Empfindlichkeiten ISO 200 – 12.800 ISO 100 – 3200 ISO 100 – 12.800
Verschlusszeiten 1/4000 bis 30 s 1/4000 bis 30 s 1/8000 bis 30 s
Autofokus 9 Punkte 11 Punkte 9 Punkte
Serienbildmodus 5 fps 4,5 fps 6,3 fps
Belichtungsmessung 40 Segmente 420-Pixel-3D-Farbmatrix 35 Zonen
Videomodus nein 1280 x 720 @ 24 fps nein
Display 2,7 Zoll (fest) 3 Zoll (fest) 3 Zoll (fest)
Live View ja ja ja
Sucherbildausschnitt 95 Prozent 96 Prozent 95 Prozent
Akkulaufzeit 1050 Fotos 850 Fotos 640 Fotos
Abmessungen 13,7 x 10,4 x 8,1 cm 13,2 x 10,3 x 7,7 cm 14,6 x 10,8 x 7,4 cm
Gewicht 520 g 620 g 730 g

Leistung

Sonys Alpha DSLR-A450 legt in unserem Geschwindigkeitstest eine flotte Leistung hin. Nach dem Betätigen des Einschalters dauert es gerade einmal 0,3 Sekunden, bis das erste Foto im Kasten ist. Zwischen jeder weiteren JPEG-Aufnahme vergehen 0,25 Sekunden, beim RAW-Format sind es 0,3 Sekunden. Mit zugeschaltetem Blitz genehmigt sich die Spiegelreflex eine Auszeit von einer glatten Sekunde zwischen den Fotos.

Die Auslöseverzögerung ist mit 0,25 Sekunden bei guten Lichtverhältnissen exzellent. Auch der Wert von 0,7 Sekunden bei Motiven mit niedrigen Kontrasten kann sich sehen lassen. Im „gewöhnlichen“ Serienbildmodus schafft die Kamera 5,2 Fotos pro Sekunde. Im Vollgasbetrieb messen wir exakt die versprochenen 7,0 fps.

Der sogenannte Eye-Start-Autofokus beschleunigt die ohnehin guten Reaktionszeiten der Kamera zusätlich. Ist das Feature aktiviert, fokussiert die Kamera auch ohne Antippen des Auslösers, sobald der Fotograf das Gehäuse ans Auge hält.

Bildqualität

Die Bildqualität der A450 ist ein zweischneidiges Schwert. Das Rauschverhalten bei hohen ISO-Empfindlichkeiten ist schlicht und ergreifend bemerkenswert. Die niedrigste Einstellung beträgt ISO 200. Niedriger geht es leider nicht – damit ist Tageslichtaufnahmen mit gewollt langen Belichtungszeiten ein Limit gesetzt. Bei ISO 200 sind die Fotos sehr sauber und frei von Artefakten. Mit ISO 400 und ISO 800 geschossene Fotos weisen eine unauffällige Körnung auf, wobei ISO 800 jedoch bereits einige Feinheiten vernichtet. Erst bei ISO 1600 macht sich ein sichtbares Bildrauschen auf den Aufnahmen breit. Dafür bleiben interessanterweise mehr Details als bei ISO 800 erhalten.

Zwischen ISO 1600 und ISO 3200 ist der Unterschied nicht sonderlich groß, lediglich die Körnung der Fotos nimmt etwas zu, und es treten ein paar leichte Farbflecken auf. Bei ISO 6400 und ISO 12.800 schließlich macht sich ein deutliches Farbrauschen breit. ISO 12.800 bringt zudem starke Artefakte auf die Fotos. Für eine nicht einmal 500 Euro teure Kamera ist die Bildqualität dennoch erstaunlich gut.

Die Alpha DSLR-A450 bietet eine ganze Reihe von verschiedenen Farbprofilen, Kreativmodi genannt. Sony spielt hier leider mit verdeckten Karten und macht den Fotografen das Leben unnötig schwer. Ab Werk sind die Einstellungen für Schärfe, Kontrast und Sättigung der einzelnen Presets auf „0“ gesetzt. So ist es nicht möglich, herauszufinden, was die Kamera eigentlich mit den Bildern anstellt. Einen wirklich neutral arbeitenden Modus gibt es nicht – selbst in der Einstellung Standard wirken die Farben übersättigt. Hässlich sehen die Fotos dennoch keinesfalls aus, aber sie entsprechen schlicht und ergreifend nicht ganz der Realität.

Fazit

Die Sony Alpha DSLR-A450 ist für ihre Preisklasse unglaublich schnell und bietet eine Bildqualität bei hohen ISO-Empfindlichkeiten, die manch eine doppelt so teure Kamera vor Neid erblassen lässt. Allerdings eignet sich die unpräzise Farbwiedergabe nicht für Fotografen, die es bei den Bildern sehr genau nehmen. Wer sich an den etwas realitätsfremden Farben nicht stört und einfach nur knallharte Action aufs Bild bannen möchte, hat hier genau die richtige Kamera gefunden.

Geschwindigkeit (in Sekunden)
(kürzere Balken bedeuten bessere Leistung)

Zeit bis zur ersten Aufnahme   
Zeit zwischen zwei Fotos (RAW)   
Auslöseverzögerung (Zwielicht)   
Auslöseverzögerung (Tageslicht)   
Nikon D5000 [3]

0.2 
0.5 
0.7 
0.3 
Sony Alpha DSLR-A550 [4]

0.4 
0.8 
0.7 
0.3 
Canon EOS 50D

0.2 
0.3 
0.9 
0.4 
Sony Alpha DSLR-A450

0.3 
0.3 
0.7 
0.3 
Nikon D90 [5]

0.2 
0.6 
0.9 
0.4 

Serienbildgeschwindigkeit (in Fotos pro Sekunde)
(längere Balken bedeuten bessere Leistung)
Canon EOS 50D

6 
Sony Alpha DSLR-A450

5.2 
Nikon D90 [5]

4 
Nikon D5000 [3]

4 

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41531346/sony-alpha-dslr-a450-blitzschnelle-einsteiger-spiegelreflex-fuer-actionfotografen/

URLs in this post:

[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] Beispielfotos: die Bildqualität der Sony Alpha DSLR-A450: https://www.cnet.de/41531347/beispielfotos-die-bildqualitaet-der-sony-alpha-dslr-a450/?pid=1#sid=41531346

[3] Nikon D5000: https://www.cnet.de/tests/digicam/41003894/nikon+d5000+hd_video_dslr+mit+schwenk_display+im+test.htm

[4] Sony Alpha DSLR-A550: https://www.cnet.de/tests/digicam/41528021/testbericht/sony+alpha+dslr_a550+schnelle+dslr+fuer+live_view_fans.htm

[5] Nikon D90: https://www.cnet.de/tests/digicam/39199498/nikon+d90+erste+dslr_+die+hd_videos+in+1280+x+720+aufnimmt.htm