Harman Kardon Go + Play Micro: mobiles 60-Watt-Soundsystem mit iPod-Dock

von Donald Bell und Stefan Möllenhoff am , 14:19 Uhr

Pro
  • abgefahrenes Design
  • Videoausgang
  • Fernbedienung
Con
  • kein UKW-Radio
  • zu wenig Leistung
  • teuer
Hersteller: Harman/Kardon Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: GUT 6,7 von 10 Punkte
Fazit:

Mit dem Go + Play Micro haucht Harman Kardon seinem Premium-iPhone-Dock neues Leben ein. Doch das geschrumpfte System lässt den durchschlagenden Bass vermissen, der uns beim Vorgänger so begeisterte.

Ein Ghettoblaster ist mehr, als nur eine Möglichkeit, Musik zu hören. Er ist ein Statement an die Welt, sich von flachbrüstigen Mini-Lautsprechern und windigen Kopfhörern zu verabschieden. Das 2006 von Harman Kardon vorgestellte Go + Play verwandelt iPhone- und iPod-Besitzer binnen Sekunden in ein öffentliches Ärgernis. Vier Jahre nach erstmaligem Betreten der Tanzfläche kommt das Go + Play in der Micro-Ausführung zurück – mit kleinerem Gehäuse und größeren Anschaffungskosten.

Die traurige Wahrheit ist allerdings, dass die Schrumpfkur im Wesentlichen den Klang und die Ausstattung betrifft. Ein paar Verbesserungen gibt es zwar ebenfalls, und alles in allem ist auch das Go + Play Micro ein gutes tragbares Audiosystem. Doch an die glorreichen Tage seines Vorgängers [1] kommt es leider nicht heran.

Design

Das Go + Play Micro steht seinem Vorgänger in Sachen Optik in nichts nach: Das Gehäuse wirkt, als käme es aus einer anderen Welt. Die Hardware versteckt sich unter einem mattschwarzen, sehr solide wirkenden Kunststoffkleid. Lautsprechergitter, Tasten und Standfüße aus polierten Aluminium setzen Akzente.

Das auffälligste Designelemente ist allerdings der Tragegriff, der einen Bogen über die gesamte Länge des kleinen Krachmacheres spannt. Der Metallgriff sieht nicht nur schick aus, sondern liegt mit einem Durchmesser von 2,5 Zentimetern auch ausgezeichnet in der Hand. Sehr sinnvoll angesichts des Gesamtgewichts von knapp vier Kilogramm.

Beim „großen“ Go + Play liegt der iPod beziehungsweise das iPhone horziontal unter dem Tragegriff. Das Display ist dadurch nur von der Seite zu erkennen. Beim Micro ist die gesamte Oberseite leicht gekippt, wodurch auch der Apple [2]-Player geneigt im Dock steht. Dank verstellbarer Abstandsschraube passt sich das Soundsystem an jeden Apple-Player an. Lediglich iPhones mit Schutzhüllen sind zu breit für die Dock-Aufnahme.

iPhone und iPod Touch passen nur in das Dock, wenn sie nicht in einer Schutzhülle stecken.
iPhone und iPod Touch passen nur in das Dock, wenn sie nicht in einer Schutzhülle stecken.

Auf der Rückseite des Go + Play befindet sich das Batteriefach, das acht C-Zellen aufnimmt – zusätzliches Gewicht beim mobilen Einsatz: ein gutes halbes Kilogramm. Außerdem bringt Harman Kardon hier noch USB-Port, Netzteilanschluss, Videoausgang und AUX-Eingang unter. Für das praktische Fernbedienungsfach hat der Hersteller leider keinen Platz mehr gefunden. Nicht so tragisch, denn anstelle der schicken Funkfernbedienung des Vorgängers liegt jetzt eine ohnehin zu vernachlässigende Infrarot-Zappe im Karton. Ansich ist eine Fernbedienung zwar gerenell ein Plus, doch angesichts der mit rund 300 Euro nicht gerade niedrigen Anschaffungskosten hätten wir uns etwas mehr erwartet.

Ausstattung

Für ein tragbares Lautsprechersystem ist das Go + Play Micro sehr ordentlich ausgestattet – jedoch mit etwas ungewöhnlichen Features. Ein UKW-Radio gibt es beispielsweise ebenso wenig wie einen Equalizer. Stattdessen stehen ein Composite-Videoausgang oder ein Durchschleif-USB-Port zum Synchronisieren mit dem Rechner zur Verfügung. An sich sind das zwei wirklich praktische Funktionen, für den mobilen Einsatz spielen sie allerdings eher keine Rolle.

Das mitgelieferte Netzteil und der zusätzlichen Audio-Eingang fallen eher in die Kategorie „erwartete Features“. Die mitgelieferte Fernbedienung ist zwar weder so schick noch so reaktiv wie die des Vorgängers, doch immerhin eignet sie sich, um durch die Menüs auf dem iPod zu blättern, zwischen Titeln hin- und herzuspringen oder die Lautstärke anzupassen. Eine Ein/Aus-Taste gibt es auf der Fingerverlängerung allerdings nicht.

Die Anschlüsse auf der Rückseite des Go + Play Micro sind mit Gummiabdeckungen vor Spritzwasser geschützt.
Die Anschlüsse auf der Rückseite des Go + Play Micro sind mit Gummiabdeckungen vor Spritzwasser geschützt.

Leistung

Einem Teil der Käuferschaft dürfte das abgefahrene Design alleine schon 300 Euro wert sein. Der Rest allerdings wird vermutlich auch einen dem Preis angemessenen Sound erwarten. Das Go + Play Micro gehört sicherlich zu den klanglich besser aufgestellen mobilen Soundsystemen. Der Subwoofer im Boden des Gehäuses bietet eine weitreichende Abdeckung bei den tiefen Frequenzen. Die vier Hochtöner, die zu allen Seiten aus dem Gehäuse blicken, werfen so kristallklare Details durch den Raum, wie es nur wenige Konkurrenten schaffen.

Dennoch gibt es ein paar Konkurrenten, die das Go + Play Micro überflügeln. Das fast 100 Euro günstigere Altec Lansing Mix bietet beispielsweise ein UKW-Radio, ein Fach für die Fernbedienung, einen Equalizer, gleich zwei AUX-Eingänge und nimmt auch iPhones mit Schutzhülle auf. Es sieht zwar nicht so schick aus wie das Harman-Kardon-System, aber wer das Hauptaugenmerk auf Features legt, ist hier besser aufgehoben. In puncto Sound steht das Mix dem Harman-Kardon-System in nichts nach.

Unser größter Kritikpunkt am Go + Play Micro betrifft allerdings immer noch den Klang. Das erste Go + Play hat uns mit 120 Watt Power schlicht und ergreifend aus den Latschen gehauen. Das Micro arbeitet mit der halben Leistung – mit nicht halb so eindrucksvollem Ergebnis.

Ruhigere Lieder, wie Susana Bacas [3] Resbalosas oder Crystalized von der Band The XX [4], wirken lauter als dichte Rock-Titel oder elektronische Musik. Insbesondere die Bässe erzielen deutlich mehr Wirkung. Ob das unser subjektiver Höreindruck ist oder ob Harman Kardons DSP-Prozessoren daran Schuld sind, können wir nicht mit Sicherheit sagen. Laut Bedienungsanleitung setzt das Go + Play Micro zwei Mechanismen zur Klangverbesserung ein: COE (computer-optimized equalization, computeroptimierte Angleichung) und OCT (optimized compression topology, optimierte Kompressionsstruktur). Möglicherweise rührt daher die festgestellte Diskrepanz bei der Durchschlagskraft verschiedener Musikrichtungen.

Mit einer Ladung Energie in Form von acht frischen Babyzellen schafft das Go + Play Micro 18 Stunden dauerhafte Musikwiedergabe.

Fazit

Das Harman Kardon Go + Play Micro sieht unverschämt stylisch aus und liefert einen sehr ordentlichen und detaillierten Klang. Im Gegensatz zu seinem älteren Bruder fehlt dem Sprößling aber der gewisse Bums und damit ein wenig die Partytauglichkeit. Wer nicht darauf aus ist, die Inneneinrichtung der Nachbarschaft per Schallwellen neu zu ordnen, und ohne abgefahrenes Design nicht leben kann, ist beim Micro genau richtig. In Sachen Bass führt allerdings kein Weg am älteren Go + Play [5] vorbei.

Spezifikationen

  • Peripherie-Typ - iPod-/iPhone-Dock
  • Kommunikation - Dock

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41531451/harman-kardon-go-play-micro-mobiles-60-watt-soundsystem-mit-ipod-dock/

URLs in this post:

[1] seines Vorgängers: https://www.cnet.de/tests/mp3/41500878/testbericht/harman+kardon+go+play+tragbarer+lautsprecher+fuers+iphone.htm

[2] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[3] Susana Bacas: http://de.wikipedia.org/wiki/Susana_Baca

[4] The XX: http://de.wikipedia.org/wiki/The_xx

[5] Go + Play: https://www.cnet.de/tests/mp3/41500878/harman+kardon+go+play+tragbarer+lautsprecher+fuers+iphone.htm