Canon IXUS 130: solide, unspektakuläre Ultrakompaktkamera

von Joshua Goldman und Stefan Möllenhoff am , 15:04 Uhr

Pro
  • schlankes Gehäuse
  • hübsches Design
  • günstig
Con
  • keine großartigen Verbesserungen im Vergleich zum Vorgänger
Hersteller: Canon Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: GUT 7,4 von 10 Punkte
Fazit:

Die Canon IXUS 130 IS ist eine schicke Ultrakompaktkamera. Während die Bildqualität überzeugt, gehören Ausstattung und Geschwindigkeit eher in die Vergangenheit.

Mit der IXUS 130 stellt uns Canon vor ein Rätsel: Die schicke, superschlanke Digicam ist zu ihrer Vorgängerin IXUS 120 IS nahezu identisch. Sie bringt das gleiche 28-Millimeter-Objektiv mit vierfachem optischen Zoom und ebenfalls ein 2,7 Zoll großes Display mit. Die auffälligste Veränderung betrifft die Auflösung, die nun 14 anstelle von 12 Megapixeln beträgt. Entgegen aller Vermutungen sorgt das Upgrad allerdings nicht für eine Verbesserung der Bildqualität.

Abgesehen von der höheren Auflösung hat Canon der IXUS 130 ein paar zusätzliche Selbstauslöser- und Aufnahmemodi spendiert. Abgefahrene Ausstattungsmerkmale sucht man allerdings vergebens, und Geschwindigkeit sowie Akkulaufzeit liegen nur im Durchschnitt. Solide, aber nicht außergewöhnlich – das trifft es wohl am besten. Denn trotz der mangelnden Innovation ist die kleine IXUS immer noch eine der besten unter den Ultrakompakten. Wer nicht gerade knallharte Action und superhelle Nachtfotos schießen möchte, macht mit der rund 200 Euro teuren Digicam nichts falsch.

Design

Die IXUS 130 ist klein – sehr klein. Mit 9,2 mal 5,6 mal 1,8 Zentimetern besitzt sie in etwa die Abmessungen einer Packung Taschentücher und fühlt sich in jeder Hosentasche pudelwohl. Jedenfalls, wenn sie sich den Platz nicht mit einem Schlüssel teilen muss, denn das wahlweise in Silber, Orange, Schwarz oder Pink erhältliche Gehäuse ist anfällig gegenüber Kratzern. Das gleiche gilt auch für den Bildschirm.

Die ausfahrbaren Linsenelemente sind farblich an das Gehäuse angepasst. Das verleiht der IXUS 130 eine stimmigere Optik.
Die ausfahrbaren Linsenelemente sind farblich an das Gehäuse angepasst. Das verleiht der IXUS 130 eine stimmigere Optik.

Ihrer kleinen Abmessungen zum Trotz lässt sich die IXUS 130 auch mit großen Händen mühelos bedienen. Sämtliche Tasten schließen bündig mit dem Gehäuse ab, was der Digicam ein sehr schicke Optik verleiht. Allerdings bereitet uns das Vier-Wege-Pad rechts neben dem Display im Test gelegentlich Kopfschmerzen. Bei dem Versuch, Belichtung, Selbstauslöser, Blitz oder Makromodus zu konfigurieren, drücken wir häufig auf die mittig gelegene Func/Set-Taste. Auch der Schalter zum Wechseln des Aufnahmemodus und der Zoomschieber fallen sehr klein aus. Wer sich für die kleine Canon interessiert, sollte sie vor dem Kauf zumindest einmal im Laden in die Hand nehmen.

Abgesehen von Form und Größe geben die verschiedenen Knöpfe und Schalter keine Rätsel auf. Der Func/Set-Button zeigt die wichtigsten Aufnahmeparameter auf dem Display an. Alle weiteren Kameraeinstellungen verbergen sich im Hauptmenü, das die Menu-Taste auf den Schirm holt. Auf Wunsch zeigt die Digicam hilfreiche Tipps zu den verschiedenen Einstellungen und Aufnahmemodi an.

Die Bedienung gibt auch Einsteigern in die Welt der digitalen Fotografie keine Rätsel auf.
Die Bedienung gibt auch Einsteigern in die Welt der digitalen Fotografie keine Rätsel auf.

Die Verbindung zur Außenwelt stellt die IXUS 130 wahlweise per HDMI- oder per kombiniertem Mini-USB-/AV-Port her. Die Anschlüsse verbergen sich unter einer kleinen Klappe rechts oben am Gehäuse. Die Fächer für Akku und Speicherkarte sitzen auf der Unterseite der Kamera. Leider lässt sich der Akku nicht im Gerät selbst laden.

Ausstattung

Hersteller Canon Nikon Sony [1]
Modell IXUS 130 Coolpix S640 [2] Cyber-shot DSC-WX1 [3]
Preis 200 Euro 190 Euro 215 Euro
Bildsensor 1/2,3-Zoll-CCD 1/2,3-Zoll-CCD 1/2,4-Zoll-Exmor-R-CMOS
Auflösung 14 Megapixel 12 Megapixel 10 Megapixel
Optischer Zoom 4-fach 5-fach 5-fach
Brennweitenbereich 28 – 112 mm 28 – 140 mm 24 – 120 mm
Lichtstärke F2,8 – F5,9 F2,7 – F6,6 F2,4 – F5,9
Bildstabilisator optisch optisch optisch
Empfindlichkeiten ISO 80 – 6400 ISO 100 – 6400 ISO 160 – 3200
Max. Fotoauflösung 4320 x 3240 Pixel 4000 x 3000 Pixel 3648 x 2736 Pixel
Max. Videoauflösung 1280 x 720 Pixel @ 30 fps 640 x 480 Pixel @ 30 fps 1280 x 720 Pixel @ 30 fps
Display 2,7 Zoll 2,7 Zoll 2,7 Zoll
Speichermedien SD, SDHC, SDXC, MMC SD, SDHC Memory Stick
Stromversorgung Lithium-Ionen-Akku Lithium-Ionen-Akku Lithium-Ionen-Akku
Akkulaufzeit (CIPA) 230 Fotos 270 Fotos 350 Fotos
Abmessungen 9,2 x 5,6 x 1,8 cm 9,1 x 5,5 x 2,1 cm 9,1 x 5,2 x 2,0 cm
Gewicht 133 g 110 g 120 g

Abgesehen von Canons Smart-Auto-Funktion, die zuverlässig das zum Motiv passendste Szenenprogramm auswählt, hat die IXUS 130 kaum spektakuläre Features zu bieten. Der Aufnahmemodi-Schieber auf der Rückseite bietet drei Einstellungen: Automatik, Videomodus und Fotomodus. Der Fotomodus gewährt dem Fotografen den größten kreativen Freiraum. Sowohl die ISO-Empfindlichkeit als auch das Szenenprogramm lassen sich hier frei bestimmen. Es stehen unter anderem Presets für Porträt, Nachtaufnahme, Kinder und Haustiere, Innenaufnahme sowie ein Panorama-Assistent zur Verfügung.

Außerdem gibt es noch eine Smart-Shutter-Option, die die Kamera auslöst, sobald die Elektronik ein lächelndes Gesicht erkennt. Auf Wunsch schießt die Digicam auch ein Foto, sobald das Fotomodel vor der Linse zwinkert oder eine neue Person auf dem Bild auftaucht. Sämtliche Modi funktionieren in der Praxis überraschend gut.

Mit einer Dicke von 17,8 Millimetern ist die Canon IXUS 130 schlanker als eine Packung Taschentücher.
Mit einer Dicke von 17,8 Millimetern ist die Canon IXUS 130 schlanker als eine Packung Taschentücher.

Neben den beiden kreativen Standard-Modi von Canon – Farbakzent und Farbwechsel – bringen die diesjährigen Modelle ein paar neue Tricks mit. Einer davon hört auf den Namen Miniature Effekt. Er zeichnet Fotos am oberen sowie unteren Bildrand weich und dreht Kontrast sowie Sättigung nach oben. Dadurch wirken insbesondere von erhabenen Positionen geschossene Fotos wie Aufnahmen von kleinen Modellen – jedenfalls in der Theorie. In der Praxis kommt der Effekt nicht an die Bildwirkung des Vorbilds Tilt-und-Shift-Fotografie [4] heran.

Der Fish-eye-Effekt verzerrt – wie der Name schon verrät – das Bild wie ein Fischaugenobjektiv [5]. Die Dramatik von seinem optischen Pendant erreicht die Softwarelösung allerdings bei Weitem nicht.

Leistung

Klein, leicht, aber leider nicht besonders schnell. In Sachen Aufnahmegeschwindigkeit bewegt sich die IXUS 130 im Mittelfeld der Kompaktkameras. Bis sie aus dem Tiefschlaf erwacht und das erste Bild im Kasten ist, vergehen 1,5 Sekunden. Die Verschnaufpause zu jeder weiteren Aufnahme beträgt zähe 2,7 Sekunden – mit zugeschaltetem Blitz sind es sogar knapp 5 Sekunden. Mit 0,5 Sekunden bei guten und 0,7 Sekunden bei schlechten Lichtverhältnissen geht die Auslöseverzögerung durchaus in Ordnung.

Der Serienbildmodus verfügt über keine Begrenzung, was die Zahl der Aufnahmen angeht, ist dafür mit 0,8 Bildern pro Sekunde allerdings auch nicht sonderlich schnell. Damit eignet die Kompakte vornehmlich für unbewegte Motive wie Portraits und Landschaften; für Actionfotos ist sie zu langsam.

Bildqualität

Ultrakompakte Kameras liefern meistens unterhalb von ISO 200 die beste Bildqualität. Die IXUS 130 macht hier keine Ausnahme. Bei guten Lichtverhältnissen und entsprechend niedrigen Empfindlichkeiten sind sowohl Farben als auch Details ausgezeichnet. Mit steigenden ISO-Werten gehen zwar zunehmend Feinheiten verloren und die Fotos wirken deutlich weicher, aber dennoch sind die Bilder bis hin zu ISO 1600 durchaus noch brauchbar. Bis einschließlich ISO 800 bleiben die Farben angenehm konsistent. Oberhalb treten eine leichte Verschiebung sowie gelbe Farbflecken auf.

Canons Low-Light-Modus reduziert die Auflösung von 14 auf 3,5 Megapixel und setzt auf Empfindlichkeiten zwischen ISO 400 und 6400. Die Ergebnisse sehen wie erwartet körnig aus und sind mit gelblichen Flecken übersäht. Aber immerhin, die Kamera liefert bei schlechten Lichtverhältnissen überhaupt noch ein Foto – besser als nichts. Wie die Aufnahmen vieler aktueller 14-Megapixel-Digicams wirken auch die Fotos der IXUS 130 bei voller Vergrößerung weich und etwas unnatürlich. Wer sich angesichts der hohen Auflösung gigantische Freiheiten bei der Wahl des Bildausschnitts erhofft, wird eine Enttäuschung erleben.

Die Farbwiedergabe der Canon ist erfreulich präzise. Bei Tageslicht sind die Ergebnisse ausgezeichnet. Innenaufnahmen mit automatischem Weißabgleich wirken jedoch einen Tick zu warm. Hier empfiehlt sich wahlweise das Kunstlicht- oder das Fluoreszenz-Preset. Die Ausleuchtung der Fotos ist sehr gut, in hellen Bildbereichen gehen allerdings – wie bei dieser Kameraklasse typisch – recht schnell Details verloren.

Im Weitwinkel bringt das Objektiv eine leichte asymmetrische Tonnenverzerrung mit, die sich vornehmlich auf die linke Bildhälfte konzentriert. Die Mittenschärfe der Optik ist ausgezeichnet, allerdings lässt die Detailwiedergabe nach links hin auch etwas nach. Bei voller Ausnutzung des optischen Zooms stellen wir keine kissenförmige Deformation fest. An Übergängen mit hohen Helligkeitsunterschieden finden sich leichte violette Farbsäume. Allerdings machen sich diese chromatischen Aberrationen nur bei starken Vergrößerungen bemerkbar.

Die Qualität der 720p-Videos steht mit der von günstigen HD-Pocket-Camcordern auf einer Stufe. Bei schnellen Bewegungen wirken die Filmchen schnell etwas wackelig. Der optische Zoom funktioniert während der Aufnahme leider nicht.

Fazit

Die größte Enttäuschung bei der Canon IXUS 130 stellt der geringe Unterschied zum Vorgängermodell IXUS 120 IS [7] dar. Die zwei zusätzlichen Megapixel verbessern die Bildqualität nicht, die Aufnahmegeschwindigkeit hat sich nicht gesteigert, es gibt keine aufregenden neuen Features und die Akkulaufzeit kann immer noch nicht begeistern. Wer eine schicke und einfach zu bedienende Ultrakompakte sucht, die außerdem noch sehr ordentliche Fotos liefert, ist hier genau richtig. Für Actionfotografen eignet sich die Digicam allerdings nicht.

Geschwindigkeit (in Sekunden)
(kürzere Balken bedeuten bessere Leistung)

Zeit bis zur ersten Aufnahme   
Zeit zwischen zwei Aufnahmen (mit Blitz)   
Zeit zwischen zwei Aufnahmen (ohne Blitz)   
Auslöseverzögerung (Zwielicht)   
Auslöseverzögerung (Tageslicht)   
Panasonic Lumix DMC-FP8 [8]

1.7 
2.4 
1.9 
0.6 
0.4 
Samsung ST550 [9]

1.5 
2.6 
2 
0.7 
0.5 
Nikon Coolpix S640 [2]

1 
2.7 
2.4 
0.8 
0.4 
Canon IXUS 130

1.5 
4.9 
2.7 
0.7 
0.5 
Canon IXUS 120 IS [7]

1.4 
6.2 
2.9 
0.9 
0.6 

Serienbildgeschwindigkeit (in Fotos pro Sekunde)
(längere Balken bedeuten bessere Leistung)
Samsung ST550 [9]

0.9 
Canon IXUS 130

0.8 
Canon IXUS 120 IS [7]

0.6 

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] Coolpix S640: https://www.cnet.de/tests/digicam/41528804/testbericht/nikon+coolpix+s640+schicke+flunder+mit+fuenffachzoom.htm

[3] Cyber-shot DSC-WX1: https://www.cnet.de/tests/digicam/41515258/testbericht/sony+cyber_shot+dsc_wx1+digicam+fuer+10+fotos+pro+sekunde.htm

[4] Tilt-und-Shift-Fotografie: http://de.wikipedia.org/wiki/Tilt-und-Shift-Objektiv

[5] Fischaugenobjektiv: http://de.wikipedia.org/wiki/Fischaugenobjektiv

[6] Beispielfotos: die Bildqualität der Canon IXUS 130: https://www.cnet.de/41531539/beispielfotos-die-bildqualitaet-der-canon-ixus-130/?pid=1#sid=41531531

[7] IXUS 120 IS: https://www.cnet.de/tests/digicam/41502911/testbericht/canon+ixus+120+is+traege+kompaktkamera+fuer+tolle+fotos.htm

[8] Panasonic Lumix DMC-FP8: https://www.cnet.de/tests/digicam/41523202/testbericht/panasonic+lumix+dmc_fp8+schnelle+superkompaktkamera.htm

[9] Samsung ST550: https://www.cnet.de/tests/digicam/41516581/testbericht/samsung+st550+innovative+kompaktkamera+mit+zwei+displays.htm