Palm Pixi Plus im Test: schickes WebOS-Smartphone mit schwacher CPU

von Flora Graham und Stefan Möllenhoff am , 17:55 Uhr

Pro
  • helles, kontrastreiches Display
  • reaktiver Touchscreen
  • QWERTZ-Tastatur
  • durchdachtes Interface
  • kombiniert Adressbuch mit Social Networks
  • WLAN, HSDPA, Bluetooth und GPS
Con
  • gelegentlich sehr langsam
  • kleines Keyboard
  • kurze Akkulaufzeit
  • kein microSD-Kartenslot
  • leerer App Store
Hersteller: Palm Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,2 von 10 Punkte
Fazit:

Palm bringt im Pixi Plus alle Ausstattungsmerkmale unter, die man von einem topaktuellen Smartphone erwartet. Außerdem überzeugen die intuitive Benutzeroberfläche und das schicke, schlanke Gehäuse. Leider reagiert das Handy gelegentlich sehr langsam, und in Palms App Store herrscht gähnende Leere.

Das Palm Pixi Plus hat zwar einen niedlichen Namen, sieht aber wie eine Mischung aus BlackBerry-QWERTZ-Knochen und Geheimagent im Frack aus: nach Hightech, aber trotzdem minimalistisch-edel und aalglatt. Das vollwertige QWERTZ-Keyboard, der farbenfrohe Touchscreen und das ausgezeichnete Interface machen das Pixi Plus zu einem verlockenden Angebot für alle mobilen Vieltipper, die auf der Suche nach einem Smartphone sind. Was das Handy in der Praxis leistet, zeigt dieser Testbericht.

Zur Ankündigung auf der CES [1] 2009 brachte das Palm Pre [2] frischen Wind in die Smartphone [3]-Ringkämpfe zwischen iPhone [4] und Android [5]. Das multitaskingfähige Betriebssystem, die flotte Oberfläche und das QWERTZ-Keyboard, das der Hersteller irgendwie in dem Gehäuse unterbringt, sorgten für eine Welle der Begeisterung. Allerdings sind die Wassermassen erst mit halbjähriger Verspätung nach Deutschland geschwappt und haben auf dem langen Weg deutlich an Kraft eingebüßt. Hierzulande war das Gerät dann schließlich nicht nur zu spät, sondern auch zu teuer.

Das Pixi Plus ist günstiger und früher am Start: Es steht noch diesen Monat bei Vodafone [6] und O2 [7] für 399 respektive 389 Euro ohne Vertrag in den Regalen. Mit Vertrag ist es bei Vodafone für 49 Euro im Monat erhältlich. Bei der Konkurrenz gibt es das Pixi Plus für eine Anzahlung von 29 Euro und 24 Monatsraten von 15 Euro in der My-Handy-Option.

Design

Im Gegensatz zum Pre ist das Pixi Plus kein Slider-Handy. Stattdessen kommt es im Candybar-Format. Nachdem der Slide-Mechanismus beim ersten WebOS-Handy nach wenigen Wochen ausgeleiert war und das Smartphone mit seinen scharfen Kanten auch zum Käseschneiden [8] taugte, stört uns das überhaupt nicht. Dem geringeren Preis zum Trotz fühlt sich das Pixi Plus solider verarbeitet an und liegt dank der griffigen Beschichtung auf der Rückseite besser in der Hand.

Für das Palm Pixi stehen jede Menge Wechselcover zur Verfügung, darunter auch abgefahrenere Ausführungen wie diese.
Für das Palm Pixi stehen jede Menge Wechselcover zur Verfügung, darunter auch abgefahrenere Ausführungen wie diese.

Um Platz für das Keyboard zu schaffen, hat Palm den Bildschirm des Pixi auf 2,6 Zoll geschrumpft. Es bleibt zwar insgesamt weniger Platz für Webseiten und Apps, doch dank der mit 400 mal 320 Pixel recht hohen Auflösung stellt das Handy Inhalte gestochen scharf dar.

Obwohl die Tasten sehr klein ausfallen, kommen wir mit dem Keyboard recht gut zurecht. Die Knöpfe stehen nach oben hervor und bestätigen jeden Druck mit einem satten Klicken. Mit Wurstfingern gesegnete Vieltipper könnten allerdings in Schwierigkeiten geraten.

Unterhalb des Touchscreens befindet sich ein berührungsempfindlicher Bereich, der mittels Gestensteuerung als Home-, Zurück- und Menü-Button herhält. Das klingt etwas verwirrend, doch nach ein paar Stunden Übung geht das Konzept in Fleisch und Blut über. Die Animationen, die jeden Fingerstreich begleiten, helfen dabei enorm.

WebOS-Interface

WebOS stellt alle derzeit laufenden Anwendungen als kleine Spielkarten mit abgerundeten Ecken auf dem Homescreen dar. Ein Fingertipp auf eines der Vorschaubildchen maximiert es, ein Wisch nach oben entsorgt das zugehörige Programm wieder. Sämtliche Apps finden sich in einem übersichtlichen Menü. Außerdem erlaubt es das Interface, vier Gesten festzulegen, die ein beliebiges Kommando ausführen und überall auf dem Smartphone funktionieren.

Das Interface führt Accounts von Outlook, Facebook, LinkedIn, Yahoo und Google [9] in einer einzigen Kontaktzentrale zusammen. Hier finden sich sämtliche Kalendereinträge, E-Mails, Kontakte und dergleichen. Das kennen wir auch von Android [10]-Smartphones von HTC [11] und Motorola, und beim Pixi Plus funktioniert die Kommunikation mindestens genauso gut.

Das Palm Pixi Plus ist gerade einmal 10,9 Millimeter dick.
Das Palm Pixi Plus ist gerade einmal 10,9 Millimeter dick.

Dank kapazitivem Touchscreen unterstützt das Palm Pixi Multitoucheingaben. Das Vergrößern und Verkleinern von Landkarten, Fotos oder Webseiten funktioniert ganz einfach mittels Spreizen oder Zusammenziehen von zwei Fingern.

Leider kann der Prozessor des Palm Pixi Plus nicht immer mit den Anforderungen von WebOS mithalten. Gelegentlich reagiert das Smartphone sehr träge. Beim Starten von Apps kommt es zu mehrsekündigen Verzögerungen. Solange wir es nicht eilig haben und gemächlich auf dem Touchscreen tippen, gibt es keine Probleme. Lassen wir die Fingerspitzen tanzen, kommt die CPU schnell ins Rudern. Dann braucht das Handy eine kleine Pause zum Durchschnaufen. Leider gerät das Pixi Plus schon ins Schwimmen, wenn lediglich Adressbuch, Browser und Musik-Player gleichzeitig geöffnet sind.

Kommunikation

Dank des QWERTZ-Keyboards eignet sich das Pixi Plus perfekt für Vielschreiber. Das Smartphone ist in sozialen Netzwerken zuhause und kommt auch mit verschiedenen E-Mail-Accounts gleichzeitig einwandfrei zurecht. Dank Push-Unterstützung treffen neue Nachrichten sofort ein, und nicht erst, wenn sich der Posteingang synchronisiert.

Im App Catalog von Palm herrscht im Vergleich zum App Store von Apple [12] oder dem Android Market [13] gähnende Leere. Es stehen ein paar Programme für Facebook, Twitter und diverse andere soziale Netzwerke zur Verfügung. Der Webbrowser strotz zwar nicht vor Features, arbeitet aber ausgezeichnet. Die Kommunikation mit dem Internet funktioniert im Test sowohl via WLAN als auch per HSDPA einwandfrei.

Multimedia

Dank ansprechendem Displays, 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse und 8 GByte Speicherkapazität eignet sich das Pixi Plus für Musik- und Videofans. Einen Speicherkartenslot vermissen wir allerdings schmerzlich. Das Übertragen der Mediendatenbank auf das Palm-Handy geht schnell und einfach von der Hand. Die meisten Musikprogramme unterstützen das Smartphone – MediaMonkey leistet im Test ganze Arbeit.

Der Musik-Player ist hübsch designt und einfach zu benutzen, bietet allerdings kaum Extras. Zur Lautstärkeregelung stehen mechanische Tasten an der Seite des Gehäuses und auf der Fernbedienung der mitgelieferten Freisprecheinrichtung zur Verfügung. Wenn die Tastensperre aktiv ist, zeigt das Pixi Plus einen Mini-Player auf dem Display an. Wer nur schnell zum nächsten Song springen möchte, muss sich erfreulicherweise nicht erst durch die Menüs wühlen.

Auf der Rückseite befinden sich die Linse der 2-Megapixel-Kamera und die Foto-LED.
Auf der Rückseite befinden sich die Linse der 2-Megapixel-Kamera und die Foto-LED.

Die Kamera des Palm Pixi Plus schießt 2-Megapixel-Fotos und zeichnet Videos auf. Nachteulen freuen sich über die Foto-LED. Wer den Umweg über den PC scheut, kann abgedrehte Videos mit einer einfachen Software auch auf dem Smartphone selbst zusammenschneiden und anschließend direkt auf Facebook und YouTube hochladen oder per E-Mail und MMS verbreiten. HD-Qualität darf man zwar nicht erwarten, aber schlecht sind die Clips nicht.

Akkulaufzeit

Wie der ältere Bruder Pre fällt auch das Pixi Plus etwas kurzatmig aus. Immerhin gibt der Hersteller keine Fantasie-Laufzeiten an, sondern warnt seine Kunden davor, dass das Smartphone vermutlich tagtäglich ans Stromnetz muss. Da ist das Touchstone-Dock praktisch, das das Palm-Gerät drahtlos per Induktion auflädt. Leider ist die Station nicht im Lieferumfang enthalten und kostet 60 Euro.

Ein Magnet hält das Palm Pixi Plus auf der Touchstone-Ladestation in Position.
Ein Magnet hält das Palm Pixi Plus auf der Touchstone-Ladestation in Position.

Alternativ lässt sich der Pixi Plus auch mittels handelsüblichem Micro-USB-Kabel betanken. Leider ist die Abdeckung der Buchse nicht ganz leicht zu öffnen. Jedes Mal, wenn wir mit der Klappe kämpfen, denken wir an die gesparten 60 Euro, und schon ist alles halb so schlimm.

Fazit

In puncto Interface ist das Pixi Plus dem Palm Pre sehr ähnlich. Aufgrund des kleineren Displays und der langsameren CPU steht das Smartphone allerdings nicht auf einer Stufe mit dem iPhone oder dem HTC Desire [14]. Mit dem niedrigeren Preis greift es allerdings auch eher das BlackBerry Curve 8520 [15] an, und gewinnt den direkten Vergleich dank Touchscreen, besserem Browser und durchdachterer Oberfläche. Wer auf die QWERTZ-Tastatur verzichten kann, erhält beim HTC Legend [16] allerdings ein größeres Display und einen leistungsfähigeren Prozessor für’s gleiche Geld.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41532211/palm-pixi-plus-im-test-schickes-webos-smartphone-mit-schwacher-cpu/

URLs in this post:

[1] CES: http://www.cnet.de/themen/ces-2014/

[2] Palm Pre: https://www.cnet.de/tests/handy/41004971/testbericht/page/12/im+test+palm+pre+innovatives+webos_+aber+kein+iphone_killer.htm

[3] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[4] iPhone: https://www.cnet.de/tests/handy/41005474/testbericht/neues+iphone+3g+s+im+test+schneller_+besser_+cooler.htm

[5] Android: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/kaufberatung/41529074/von+guenstig+bis+edel+uebersicht+ueber+alle+android_smartphones.htm

[6] Vodafone: http://shop.vodafone.de/Shop/privat/handys/mkey-1020-propid-prod624307/palm-pixi-plus.html

[7] O2: http://www.o2online.de/handys/Marken/Palm/PalmR-PixiTM-Plus.html

[8] Käseschneiden: http://www.youtube.com/watch?v=Qocp-1HvFc8

[9] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[10] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[11] HTC: http://www.cnet.de/unternehmen/htc/

[12] App Store von Apple: https://www.cnet.de/praxis/mobile/41525059/die+50+besten+iphone_apps+diese+tools+bereichern+apples+mobile+begleiter.htm

[13] Android Market: https://www.cnet.de/praxis/mobile/41525645/die+50+besten+android_apps+so+wird+das+google_handy+unverzichtbar.htm

[14] HTC Desire: https://www.cnet.de/tests/handy/41529873/testbericht/htc+desire+im+test+vollgas_androide+mit+3_7_zoll_amoled_display.htm

[15] BlackBerry Curve 8520: https://www.cnet.de/tests/handy/41501154/rim+blackberry+curve+8520+tolles+business_smartphone.htm

[16] HTC Legend: https://www.cnet.de/tests/handy/41528723/schon+getestet+htc+legend+android_phone+im+alu_gehaeuse.htm