Billige iPad-Alternative im Test: Das taugt das 80-Euro-Tablet Eken M001

von Daniel Schraeder am , 17:24 Uhr

Pro
  • spottbillig
  • USB-Kabel passt auch ans iPhone
Con
  • miese Leistung
  • resistives, spiegelndes Touchscreen-Display
  • fragwürdige Garantie- und Gewährleistung
  • geringer Qualitätseindruck
  • kein Android Market
Hersteller: Eken Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: AUSREICHEND 4,5 von 10 Punkte
Fazit:

Für den Preis des günstigsten iPads gibt es gleich sechs M100 - es wäre also naiv zu glauben, die gleiche Leistung zu bekommen. Das Eken sieht nicht gut aus, ist nicht schnell, und der Market-Zugang fehlt. Aber immerhin: Es funktioniert, und mit ein paar Tuning-Maßnahmen wird es zumindest benutzbar.

Ein China-iPad für 80 Euro? Inklusive Versand aus Fernost? Und dann auch noch mit dem coolen Google-Android-Betriebssystem? Das klingt ja fast zu gut um wahr zu sein, denken wir uns, und schlagen direkt zu. Wir ersteigern ein Eken M001 bei eBay, nicht einmal eine Woche später trifft es ein. Wir haben das Billig-Tablet auf Herz und Nieren getestet.

Vor sechs Tagen wendet sich CNET-Leser Philipp S. an die Redaktion. Er hat auf eBay ein extrem billiges Tablet entdeckt, einen Slate, einen UMPC oder wie auch immer man es nennen mag, kurz: eine Alternative zum teuren iPad. Auf dem Gerät läuft Android [1], das Google [2]-Handybetriebssystem mit eigenem App Store namens Market und Zugang zu zehntausenden Programmen und Spielen. Zum Surfen auf dem Sofa möchte er es benutzen, und seiner Freundin zum Spielen zur Verfügung stellen, damit er sein iPhone auch mal wieder selbst in die Hand bekommt. „Kann das etwas taugen?“, möchte er wissen, und schickt uns den eBay-Link. Tatsächlich: Ein Tablet mit 7-Zoll-Touchscreen und WLAN, das für unter 70 Euro den Besitzer wechselt. Direktversand aus China, inklusive Porto gut 80 Euro. Und das ist kein Einzelstück: Dutzende der Android-Tablets stehen zum Kauf bereit, bei manchen sind Hersteller und Produktbezeichnung angegeben, bei anderen nicht. Wir ersteigern ein Gerät – und eine Woche später liegt es in der Redaktion.

Design

Wir fangen bei der Versandverpackung an. Normalerweise ist das ja nicht spannend, aber bei einem Direktimport kann man ja mal etwas ausholen. Von außen sieht unser Tablet aus wie eine ganz normale Testgeräte-Anlieferung: eine DHL-Plastikhülle. Im Inneren wird es schon spannender. Die nächste Schicht besteht aus einer hässlich-grünen Papiertüte, hat etwas von einem Geschenk. Der Grund dürfte wohl der Zoll sein, denn Geschenke sind zollfrei – Warenbestellungen hingegen nicht. Unsere Verpackung wurde nicht geöffnet. Im Inneren befindet sich eine Rechnung über 16 Euro, was den Versandkosten entspricht, die Ware ist eindeutig als „Sample“ deklariert. Wir haben inzwischen Kontakt zum Zoll aufgenommen, um zu klären, ob wir noch Gebühren zahlen müssen.

Die eigentliche Geräteverpackung ist auf erstaunlich hohem Niveau. Vor einiger Zeit haben wir iPhone-Nachbauten aus China importiert, die von Grund auf schlecht waren – und mit mehr haben wir nicht gerechnet. Doch weit gefehlt, hochwertiger Karton kommt zum Einsatz, ordentlich bedruckt, Magnete halten den Deckel in Position. Im Inneren liegt das eigentliche Tablet, sauber eingepackt in Schaumstofffolie, das Display mit einer Schutzfolie beklebt. Unterhalb befindet sich das Zubehör – ein USB-Kabel (das auch ans iPhone passt), ein Steckernetzteil mit europäischem Anschluss, ein Stylus zur Touch-Bedienung und ein Handbuch – das wir aber gleich wieder zurücklegen, denn es ist mit chinesischen Schriftzeichen bedruckt.

Wir nehmen das Tablet in die Hand. Es fühlt sich nach Kunststoff an – kein Wunder, wir haben auch nichts anderes erwartet. Die Oberseite besteht aus glänzend-weißen Plastik mit ein paar Tasten, die Unterseite ist mattweiß.

Allerdings erleben wir beim ersten Blick auf die Oberseite auch gleich die erste Enttäuschung: Der Touchscreen besteht aus einer Kunststofffolie. Das ist der Beweis für die Vermutung, die wir nicht wahrhaben wollten. Hier kommt ein resistiver Touchscreen zum Einsatz, also einer, der auf Druck reagiert und nicht auf Berührung. Damit stirbt das letzte bisschen Hoffnung auf flotte Wisch- und Wuschbewegungen und auf Multitouch und den Zweifingerzoom. Aber gut – das Gerät kostet halt nur 68 Euro.

Wenn man das Gerät wie ein Handy im Hochformat hält, gibt es unten ein Vierwege-Steuerkreuz mit mittiger Taste. Es dient aber nicht der typischen Navigation durch die Menüs, sondern wurde umfunktioniert. Die obere Taste holt das Kontext-Menü, unten ist der Homebutton, links ist ein Minuszeichen, rechts ein Pluszeichen. Die übliche Android-Bedienung. Rechts vom Steuerkreuz sitzt ein Ein-Aus-Taster, darunter befinden sich drei LEDs für WLAN, Akku und Einschaltzustand.

Auf der Unterseite des Eken-Tablets finden wir eine 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse. Daneben sitzt ein kleines Loch, hinter dem sich das Mikrofon verbirgt, rechts davon ist die Ladebuchse angebracht. Danach folgt ein Anschluss, den wir kennen: Der Hersteller verbaut hier einen iPod-Dock-Connector! Da passt das mitgelieferte USB-Kabel rein. Rechts davon gibt es noch einen weiteren Slot, der SD-Speicherkarten aufnimmt.

Die Unterseite hat eine Aussparung für den Lautsprecher und ein kleines Loch, hinter dem sich der Reset-Taster verbirgt. Ansonsten gibt es keine Steuerelemente an diesem Tablet.

Das Gehäuse misst 11,9 mal 20,6 Zentimeter und ist 13 Millimeter dick.

Ausstattung

Das zentrale Element des M001 ist sein 7-Zoll-Touchscreen-Display. Die Anzeige löst 800 mal 480 Bildpunkte auf – gar nicht schlecht. Aktuelle Handys, darunter etwa das Samsung [4] Wave oder das HTC [5] Desire, haben die gleiche Anzahl an Bildpunkten. Dafür aber nur in etwa die Hälfte der Display-Diagonalen, wirken also deutlich schärfer im direkten Vergleich. Doch die Anzeige beim M001 ist – für den Preis – erstaunlich gut. Leider trägt die Folie des resistiven Touchscreens ihren Teil dazu bei, dass sie sich nicht immer gut ablesen lässt: Sie spiegelt.

UMTS, GPS oder Bluetooth gibt es nicht. Immerhin, WLAN ist an Bord – und laut Verpackung sogar nach dem aktuellen N-Standard. Die Hand würden wir dafür allerdings nicht ins Feuer legen. Denn laut Verpackung sind auch 2 GByte Speicher eingebaut, laut Android-Systeminfo stehen dem User aber nur 80 MByte zur Verfügung. 1,92 GByte für das System? So viel belegt nicht einmal die neueste Android-Version samt umfangreichen Erweiterungen im User-Interface bei den neuesten Smartphones. Diese Info können wir wohl als übertrieben ablegen.

Aber das scheint wohl üblich zu sein. Unsere Import-Fake-iPhones sollten auch mit Kameras ausgestattet sein, die mehrere Megapixel auflösen, Bilder sind aber immer nur in VGA-Auflösung auf der Speicherkarte gelandet. Demnach ist ein gewisses Misstrauen angebracht. Deswegen schrauben wir den M001 auch gleich einmal auf und entlarven die nächste Lüge: Laut Aufdruck kommen Stereo-Lautsprecher zum Einsatz. Im Inneren befindet sich aber nur ein einzelnes Lautsprecherchen, das über zwei Kabel mit der Platine verbunden ist. Mono nennt man das.

Ansonsten an Bord: Akku, 128 MByte RAM, 600-MHz-Prozessor.

Leistung

Wir schalten das Tablet an. Und tatsächlich, es bootet Android, der Vorgang sieht eigentlich so aus, als würden wir ein Smartphone [6] anschmeißen. Besonders flott fährt das M001 nicht hoch, aber nach kurzem sehen wir den Android-Willkommensbildschirm! Press Menu to unlock.

Wir drücken – und warten. Vorbei. Alle Hoffnungen, Gedanken, Vorstellungen. Die Oberfläche ruckelt, als würde ein veraltetes Windows Mobile auf einem noch viel veralteteren Handy zum Einsatz kommen. Die tollen Swipe-Bewegungen von Android verkommen zu Ruckelarien, gleichzeitig wird das Gerät gut warm. Aber gut – wer iPad-ähnliche Leistungen zu einem Bruchteil des Preises erwartet, dürfte wohl auch etwas naiv sein.

Ein Tipp auf einen Pfeil rechts in der Mitte öffnet das Applikationsmenü. Normalerweise kann man es auch mit einer tollen Geste herausziehen, aber da ist zunächst der resistive Touchscreen ein Spielverderber – denn man muss ganz schön drücken, am besten mit dem Fingernagel. Und aaaaaaallesssss isssst viiiiiel zuuuuuuuu laaaaaaangsaaaaaam. Wir gehen in die Einstellungen. Hey, die Android-Menüs sind sogar erstaunlich flott, das hätten wir gar nicht gedacht. Ein paar Fingertipps später ist die Oberfläche auf deutsch eingestellt. Die Übersetzung kommt dabei nicht von den chinesischen Entwicklern, die scheinbar böswillig zu wenig RAM in das eigentlich gar nicht mal so blöde M001 eingebaut haben, sondern von Google – genauso wie die Menüstruktur. Dementsprechend hat dieser Slate nichts mit den China-iPhones zu tun – die Dialoge sind verständlich, die Bedienung logisch. Wie beim Handy eben (beim Herunterfahren zeigt das Gerät übrigens an: „Das Telefon wird heruntergefahren“).

Wir richten WLAN ein. Alles klappt, wie es soll. Wir starten den Browser, öffnen ein paar Webseiten. Es funktioniert. Aber es ruckelt. Extrem – so macht das keinen Spaß.

Also werfen wir mal einen Blick in den Android Market. Vielleicht hilft ja ein Task Manager, unnötige Applikationen, die im Hintergrund laufen, zu beenden, und sorgt zumindest für eine minimale Beschleunigung. Aber was ist das? Es gibt keinen Market! Wo sind sie denn nun, die zehntausenden Programme?

Im Menü finden wir ein Icon, das an einen Market erinnert. Aber es ist chinesisch beschriftet. Ein Tipp darauf bringt uns auch nicht weiter, wir verstehen nur Bahnhof. Das Programm will offensichtlich etwas von uns wissen, ein Passwortfeld ist da, und noch ein paar andere Eingabemöglichkeiten. Wir spielen, versuchen, probieren – und geben auf. Hier kommen wir nicht weiter.

Software und Tuning

So, wie es aus der Schachtel kommt, ist das M001 ein funktionierender Tablet. Mit Betonung auf „funktionierend“. Er startet, zeigt ein Bild, öffnet den Browser, surft im Netz. Aber Spaß macht das nicht. Wir geben aber noch nicht auf und recherchieren – es kann doch nicht sein, dass nur wir das Gerät für zu langsam halten?

Erst schauen wir noch mal zu eBay. Neben den diversen chinesischen Versendern finden wir auch ein paar vereinzelte Geräte, die schon in Deutschland sind. Allesamt sind sie funktionstüchtig und wurden nur zum „Funktionstest“ ausgepackt und gleich wieder eingepackt. Die Verkäufer „benötigen sie doch nicht“ oder wollen dann doch ein richtiges iPad. Das unterstreicht unsere Theorie: Das Tablet ist unbenutzbar lahm.

Wir surfen noch etwas, suchen, lesen Erfahrungsberichte und Forenbeiträge. Und stolpern über Slatedroid. Hier finden sich offensichtlich findige Fans des M001 zusammen, tunen, basteln, beratschlagen. Einer hat einen USB-Hub eingelötet und mehr Speicher, es gibt Experimente mit größeren RAM-Bausteinen, GPS-Empfängern, Bluetooth. Und es gibt etwas, das schon Android-Handys beschleunigt: Custom ROMs.

Dabei fassen private Entwickler die sogenannten Stock ROMs, also die Firmware des Herstellers, an und optimieren. Sie lassen alles weg, was nicht unbedingt nötig ist, aktualisieren Systemteile, Treiber und konfigurieren um. All das sorgt für Beschleunigung und Zusatzfeatures. Wir laden das Slatedroid Custom ROM herunter, ein RAR-Archiv, und entpacken es auf dem Computer. Im Inneren liegen ein paar Dateien und ein Ordner. All das muss ins Hauptverzeichnis einer SD-Karte, die kommt in den entsprechenden Slot am Slate, danach wird das Android-Tablet neugestartet und installiert die neue Firmware. Das dauert ein paar Minuten, bis das Gerät den Nutzer auffordert, die Karte wieder zu entfernen. Dann startet es neu.

Der Bootvorgang ist genau so lahm wie eh und je. Die Oberfläche sieht flotter aus, hat jetzt fünf statt drei Homescreens, und das Wischen klappt jetzt sogar halbwegs flott. Auch das Apps-Menü geht verlässlich auf. Wirklich schnell ist das Tablet immer noch nicht, aber deutlich schneller als vorher. Surfen funktioniert auch besser. So richtig Spaß macht es immer noch nicht, dafür ruckelt der Browser beim Scrollen zu stark. Aber es reicht, um auf dem Sofa Nachrichten zu lesen.

Auch eine Art Market gibt es nun, einen App-Store, der zwar primär chinesischsprachige Apps und Spiele enthält, aber auch ein paar englische. Alternativ surft man mit dem Gerät auf SlideMe.org und lädt dort über einen Link auf der rechten Seite SAM herunter – den SlideMe Android Market. Hier gibt es zwar nur ein paar hundert Programme und Games und keine tausenden wie im Google-Marktplatz, aber immerhin.

Fazit

Wer das Eken M001 ersteigert und ein hochwertiges, flottes, attraktives Internet-Tablet erwartet, wird mit Sicherheit enttäuscht sein. Das Gerät wirkt billig und ist geradezu unfassbar langsam. Wer aber auf der Suche nach einem Gadget ist und gelegentlich mal Geld für unnötige Elektronik-Spielereien ausgibt, kann durchaus zuschlagen. Für den Preis von sechs bis acht Cocktails oder drei Kinobesuchen mit der Freundin (ohne Popcorn) gibt es einen Touchscreen-Slate mit offenem Betriebssystem, WLAN und Webbrowser, der sich an Hard- und Software prima tunen lässt. Auch dann ist das Eken zwar noch lang kein iPad, aber immerhin – es funktioniert. Unser Leser Philipp S. wird das M001 wohl kaum seiner Freundin als iPhone-Ersatz andrehen können.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[2] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[3] China-iPad für 68 Euro: erster Blick auf das Eken M001: https://www.cnet.de/41532695/china-ipad-fuer-68-euro-erster-blick-auf-das-eken-m001/?pid=1#sid=41532755

[4] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[5] HTC: http://www.cnet.de/unternehmen/htc/

[6] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/