Panasonic HDC-TM700: Full-HD-Camcorder für Nachteulen im Test

von Lori Grunin und Stefan Möllenhoff am , 14:51 Uhr

Pro
  • sehr gute Bildqualität bei schlechten Lichtverhältnissen
  • viele manuelle Einstellungsmöglichkeiten
  • 1080/50p-Aufnahmemodus
  • starker Akku
Con
  • kleines, niedrig auflösendes Display
  • mäßiger elektronischer Sucher
  • vergleichsweise schlechte Fotoqualität
Hersteller: Panasonic Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,9 von 10 Punkte
Fazit:

Der Panasonic HDC-TM700 bietet insbesondere bei schwierigen Lichtverhältnissen eine bessere Videoqualität als die Konkurrenz. Außerdem überzeugen die zahlreichen manuellen Einstellungsmöglichkeiten. Beim Nachfolger würden wir uns allerdings ein besseres Display wünschen.

Panasonic ist der einzige Camcorder-Hersteller, der anstelle von einem gleich drei Bildsensoren in seinen Videokameras verbaut. Ein Prisma teilt das einfallende Licht und leitet es zu den lichtempfindlichen Chips weiter, die auf jeweils eine der drei Grundfarben spezialisiert sind. Die Bildverarbeitung fügt die Informationen wieder zu einem Video zusammen. In der Vergangenheit sorgte das für eine ausgezeichnete Bildqualität – insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen. Wie sich das neueste Modell namens TM700 schlägt, zeigt dieser Testbericht.

Mit Anschaffungskosten von 940 Euro reißt der Panasonic HDC-TM700 zwar ein enormes Loch ins Budget, ist für einen Full-HD-Camcorder mit vollen manuellen Einstellungsmöglichkeiten und elektronischem Sucher dennoch vergleichsweise günstig. Bei den Konkurrenzmodellen von Sony [1] und Canon legen Käufer mindestens 150 Euro mehr auf den Tresen.

Design und Ausstattung

Der TM700 sieht seinem Vorgänger TM300 zum Verwechseln ähnlich, was in diesem Fall positiv ist. Er liegt ähnlich gut in der Hand, wofür in erster Linie das hinten leicht nach oben geschwungene Gehäuse verantwortlich ist. Dadurch sind Zoomschieber und Foto-Auslöser sehr gut zu erreichen. Wie die meisten Konkurrenten schaltet er sich ein, sobald der Kameramann das Display ausklappt. Zusätzlich gibt es in der Mulde unter dem Bildschirm noch einen Ein/Aus-Button.

In der Displaymulde sitzen außerdem AV-, Mini-HDMI- und kombinierter Komponenten-Ausgang, USB-Port sowie SDXC-Kartenslot. Das Layout ist etwas unpraktisch, da der Camcorder immer mit ausgeklapptem Bildschirm in der Gegend herumfliegt, wenn er am Fernseher oder Computer angeschlossen ist. Darüber hinaus befindet sich hier auch ein Schieber, der den Akku entriegelt. Wer den Stromspeicher aus dem Camcorder nehmen möchte, schaltet ihn allerdings beim Öffnen des Display ein.

Sämtliche Anschlüsse des TM700 befinden sich in der Mulde unterhalb des Displays. Das ist in der Praxis nicht immer sinnvoll. [2]
Sämtliche Anschlüsse des TM700 befinden sich in der Mulde unterhalb des Displays. Das ist in der Praxis nicht immer sinnvoll.

Unter der Anzeige gibt es außerdem einen Knopf, der direkt in den 1080/50p-Videomodus wechselt. Die aufgezeichneten Clips lassen sich einwandfrei mit VLC, ArcSoft TotalMedia Theater und Splash Lite wiedergeben, allerdings treten sowohl auf 32- als auch auf 64-Bit-Rechnern Ruckler beim Abspielen auf. Adobe Premiere CS5 kommt ebenfalls mit den Daten zurecht.

Auf der rechten Seite befindet sich ein Rädchen, das zwischen Foto-, Video- und Wiedergabemodus wechselt. Hier bringt der Hersteller außerdem den Zubehörschuh unter – er sitzt nicht, wie üblich, auf der Oberseite des Gehäuses. Dieser Platz ist für das Mikrofon reserviert, das 5.1-Surround-Sound aufzeichnet, was angesichts der geringen räumlichen Trennung allerdings nur von zweifelhaftem Nutzen ist. Immerhin stehen zahlreiche Einstellungen für die Tonaufnahme zur Verfügung – inklusive Level und automatischer Gain-Anpassung.

Oben auf dem TM700 gibt es eine Taste die zwischen der intelligenten Automatik und dem manuellen Aufnahmemodus wechselt. Rechts neben der Linse platziert Panasonic einen Button zum Konfigurieren von Fokus, Weißabgleich, Belichtungszeit und Blende. Das Blättern durch die Parameter und das Einstellen der Werte geschieht mit dem Einstellring, der das Objektiv umgibt. Alternativ lassen sich die Optionen auch via Touchscreen anpassen. Wenn die Konfiguration nicht aktiv ist, dient der Ring zum Zoomen.

Es ist schnell zu erkennen, wo Panasonic gespart hat, um den TM700 günstiger anzubieten als Sony den direkten Konkurrenten HDR-CX550: Das Display ist kleiner und löst deutlich weniger Bildpunkte auf. Im Gegenzug ist dafür das Gehäuse auch etwas kleiner geraten. Als einer von wenigen seiner Gattung bringt der TM700 noch mechanische Tasten auf dem Rahmen um den Bildschirm mit. Das ist positiv zu vermerken, da „echte“ Knöpfe eine schnellere Bedienung ermöglichen als berührungsempfindliche Displays.

Der Bildschirm fällt mit 3,0 Zoll kleiner aus als die 3,5-Zoll-Anzeigen der direkten Konkurrenten von Canon und Sony. Dafür gibt es mechanische Bedienelemente unter dem Display. [3]
Der Bildschirm fällt mit 3,0 Zoll kleiner aus als die 3,5-Zoll-Anzeigen der direkten Konkurrenten von Canon und Sony. Dafür gibt es mechanische Bedienelemente unter dem Display.

Der geringen Größe und Auflösung zum Trotz ist die Anzeige dennoch recht gut. Auch bei direkter Sonneneinstrahlung lässt sich noch etwas erkennen. Beim manuellen Anpassen von Blende und Belichtungszeit hilft der Luminanz-Pegel, also der Wert für die Bildhelligkeit. Auf Wunsch markiert der Camcorder beim händischen Fokussieren den Bildbereich, auf den gerade scharfgestellt ist.

Im Großen und Ganzen ist das Bedieninterface gut konzipiert. Die wichtigsten Einstellungen stehen sofort zur Verfügung, und das Display reagiert gut auf Fingereingaben. Allerdings wirkt der kleine Bildschirm mit den zahlreichen Messwerten und Einstellungsmöglichkeiten schnell überfrachtet. Die etwas klobigen Icons sehen auf der niedrig auflösenden Anzeige außerdem nicht gerade hübsch aus.

Hersteller Canon JVC Panasonic Sony
Modell Legria HF S21 Everio GZ-HM1 HDC-TM700 Handycam HDR-XR550VE [4]
Preis 1080 Euro 1020 Euro 940 Euro 1185 Euro
Bildsensor CMOS, 1/2,6 Zoll BSI-CMOS, 1/2,3 Zoll 3CMOS, 1/4,1 Zoll BSI-CMOS, 1/2,88 Zoll
Auflösung 9 Megapixel 10 Megapixel 3 Megapixel 6 Megapixel
Optischer Zoom 10-fach 10-fach 12-fach 10-fach
Brennweitenbereich 43,5 – 435 mm 48,3 – 483 mm 35 – 420 mm 29,8 – 298 mm
Blendenzahlen F1,8 – F3,0 F2,8 – F4,5 F1,5 – F2,8 F1,8 – F3,4
Integrierter Speicher 64 GByte 64 GByte 32 GByte 240 GByte
Speichertyp Flash Flash Flash Festplatte
Unterstützte Speicherkarten SD, SDHC SD, SDHC SD, SDHC, SDXC SD, SDHC, SDXC
Max. Videoauflösung 1080/60i 1080/60i 1080/50p 1080/60i
Max. Bitrate 24 MBit/s 24 MBit/s 28 MBit/s 24 MBit/s
Videocodec AVCHD MPEG-4 MPEG-4/AVCHD AVCHD
Manuelle Blende/ Belichtungszeit ja/ja ja/ja ja/ja ja/ja
Integriertes Mikrofon 2 Kanäle 2 Kanäle 5.1 Kanäle 5.1 Kanäle
Display 3,5 Zoll, 921.000 Pixel 2,8 Zoll, 207.000 Pixel 3,0 Zoll, 230.400 Pixel 3,5 Zoll, 921.000 Pixel
Touchscreen ja nein nein ja
Sucher 0,27 Zoll, 123.000 Pixel nein 0,27 Zoll, 123.000 Pixel 0,2 Zoll, 201.000 Pixel
Abmessungen 14,8 x 7,5 x 7,4 cm 13,5 x 7,2 x 6,7 cm 13,8 x 6,9 x 6,6 cm 14,3 x 7,4 x 7,0 cm
Gewicht 480 g 400 g 380 g 510 g

Neben den zahlreichen manuellen Aufnahmeoptionen bietet der TM700 einen Aktiv-Modus für den Bildstabilisator. Dieser korrigiert nicht nur feines Händezittern, sondern auch gröbere Bewegungen, die beispielsweise auftreten, wenn der Kameramann mit dem Camcorder läuft. Darüber hinaus sind auch ein paar Automatikmodi wie intelligenter Kontrast und intelligente Belichtung an Bord. Außerdem gibt es eine Gesichtserkennung, die ebenso arbeitet wie bei den Panasonic-Digicams. Sie merkt sich bis zu sechs Personen mit Namen, Priorität (für Fokus und Belichtung) und versieht sie auf Wunsch mit einem individuellen Fokusicon. Eine vollständige Auflistung aller Funktionen hält das Handbuch des Herstellers [5] bereit.

Oben auf dem Gehäuse befindet sich das 5.1-Mikrofon. Der Zubehörschuh muss dafür an die rechte Seite der Videokamera weichen. [6]
Oben auf dem Gehäuse befindet sich das 5.1-Mikrofon. Der Zubehörschuh muss dafür an die rechte Seite der Videokamera weichen.

Leistung

Der Autofokus des TM700 arbeitet sehr ordentlich. Gelegentlich kann sich der Camcorder nicht entscheiden, was Hintergrund und was Motiv ist. Der Verfolgungs-AF behält bewegte Motive jedoch zuverlässig im Visier.

Die Videoqualität ist ziemlich gut. Wie bei den meisten Full-HD-Modellen sehen die Aufnahmen auf einem hochauflösenden Fernseher deutlich besser aus als auf dem Rechner. Bei schlechten Lichtverhältnissen lässt der Panasonic-Camcorder seine Konkurrenten deutlich hinter sich. Die Videos weisen hier weniger Rauschen und gesättigtere Farben auf. Die Belichtungsmessung liefert außerdem – insbesondere bei Gegenlichtaufnahmen – zuverlässigere Ergebnisse. In hellen Bildbereichen gehen jedoch verhältnismäßig schnell Details verloren.

Die 50p-Clips sehen deutlich besser aus als die 60i-Filmchen. Insbesondere die Ecken von bewegten Objekten wirken spürbar schärfer. An Übergängen mit hohen Kontrasten treten praktisch keine Farbsäume auf, doch dafür sind leichte Artefakte sichtbar. Als Standardeinstellung für die Auflösung wählt Panasonic 1920 mal 1080 Pixel mit 13 MBit pro Sekunde. Canon und Sony wählen hier unverständlicherweise 1440 mal 1080 Bildpunkte.

Panasonic setzt auf drei Chips anstelle von einem Bildsensor. Dennoch fällt die Gesamt-Pixelzahl niedriger aus als bei den Konkurrenten von Sony und Canon. Das wiederum sorgt für eine schlechtere Bildqualität. Der Ton des TM700 klingt dafür wärmer und voller als bei den Rivalen. Der Windfilter leistet gute Dienste. Bei der Akkulaufzeit lässt der TM700 seine Konkurrenten hinter sich. Der mitgelieferte Stromspeicher fasst 1250 mAh. Bei Canon gibt es lediglich 890, bei Sony 980 mAh.

Fazit

Wer häufig bei schlechten Lichtverhältnissen filmt, sollte den TM700 definitiv ganz oben auf den Wunschzettel für einen neuen Full-HD-Camcorder schreiben. Außerdem überzeugt der Panasonic mit zahlreichen manuellen Einstellungsmöglichkeiten. Lediglich das niedrig auflösende Display und die mäßige Fotoqualität trüben das ansonsten hervorragende Gesamtbild. Vielfilmer sollten sich den rund 120 Euro teureren HDD-Bruder HS700 ansehen, der 240 GByte Festplattenspeicherplatz mitbringt.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41532966/panasonic_hdc_tm700_seite.jpg

[3] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41532966/panasonic_hdc_tm700_hinten.jpg

[4] Handycam HDR-XR550VE: https://www.cnet.de/tests/camcorder/41532564/sony+handycam+hdr_xr550ve+im+test+full_hd_camcorder+mit+gps.htm

[5] Handbuch des Herstellers: http://dlc.panasonic-europe-service.com/EUDocs/GetDoc.aspx?did=189273&fmt=PDF&lang=de&src=3

[6] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41532966/panasonic_hdc_tm700_oben.jpg

[7] Panasonic HDC-TM700: Bedienung und Bildqualität: https://www.cnet.de/41532969/panasonic-hdc-tm700-bedienung-und-bildqualitaet/?pid=1#sid=41532966