Canon Legria HF S21 im Test: Full-HD-Camcorder mit gigantischer Ausstattung

von Lori Grunin und Stefan Möllenhoff am , 15:01 Uhr

Pro
  • viele manuelle Einstellungsmöglichkeiten
  • zwei SDHC-Kartenslots
  • praktisches Design
Con
  • gewöhnungsbedürftige Touchscreen-Menüs
  • kurze Akkulaufzeit
  • keine SDXC-Unterstützung
  • teuer
Hersteller: Canon Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,0 von 10 Punkte
Fazit:

Der Legria HF S21 bietet eine sehr gute Videoqualität sowie zahlreiche Profi-Features und detaillierte manuelle Einstellungsmöglichkeiten. Dafür müssen Kameramänner bei Canon allerdings auch mehr Geld auf den Tisch legen als bei den direkten Konkurrenten.

Full-HD-Auflösung, volle manuelle Einstellungsmöglichkeiten, zwei SD-Kartenslots und zehnfacher optischer Zoom – der gigantischen Ausstattungliste zum Trotz sind knapp 1100 Euro ein heftiger Batzen Geld für einen Camcorder. Für wen sich die enormen Anschaffungskosten lohnen, zeigt dieser Testbericht.

Canon hat dieses Jahr drei eng verwandte Camcorder auf den Markt gebracht: den HF S20, den HF S21 und den HF S200. Wir haben das teuerste Modell, den HF S21 unter die Lupe genommen. Im Gegensatz zu seinen Geschwistern bietet er einen elektronischen Sucher. Mit an Bord sind außerdem 64 GByte Speicherkapazität und gleich zwei Slots für SD- und SDHC-Karten.

Design und Ausstattung

Die HF-S2-Modelle gehören zu den Schwergewichten unter den Full-HD-Camcordern. Dennoch liegen sie gut in der Hand und passen in größere Jackentaschen. Wie seine Geschwister hat auch der HF S21 auf der Oberseite ein paar kleine gummierte Stellen, die für besseren Halt sorgen. Anstelle einer Iris oder einer Kappe verdecken zwei Lider die Linse, wenn der Camcorder gerade nicht in Gebrauch ist. Das ist prinzipiell kein Nachteil, doch leider klappern die beiden Kunststoffhälften im geschlossenen Zustand gegeneinander. Die Qualität der resultierenden Videos beeinträchtigt das natürlich nicht, doch bei einem über 1000 Euro teuren Camcorder hätten wir mehr erwartet.

In der Mulde unter dem Display bringt Canon Tasten zum Wechseln zwischen Aufnahme und Wiedergabe sowie für die Video-Snapshot-Funktion unter, die einen Vier-Sekunden-Clip einfängt. Außerdem finden sich hier zwei SD-Kartenslots. Ob Canon so die mangelnde SDXC-Unterstützung kompensiert? Wie dem auch sei, die Kartenleser kommen auch mit EyeFi-Speichermedien zurecht, die die aufgenommenen Clips drahtlos via WLAN zum PC schicken.

Hinter einer Schiebeabdeckung verbergen sich Kopfhörerbuchse, Composite- und Component-Ausgang sowie Anschluss für eine Fernbedienung. Der Port für den Kopfhörer ist hier etwas fehl am Platz, denn das Display ist im ausgeklappten Zustand immer eingeschaltet. Wer beim Filmen den elektronischen Sucher und Kopfhörer nutzt, muss den Bildschirm mitlaufen lassen und wird dafür mit geringerer Akkulaufzeit bestraft.

Unpraktisch: Wer beim Filmen den Ton via Kopfhörer kontrollieren möchte, muss das Display geöffnet lassen. [1]
Unpraktisch: Wer beim Filmen den Ton via Kopfhörer kontrollieren möchte, muss das Display geöffnet lassen.

Auf dem Rahmen um das Display sitzt eine mit zwei Funktionen belegte Taste. Während der Videoaufnahme aktiviert beziehungsweise deaktiviert sie den Powered-IS-Bildstabilisator, im Wiedergabe-Modus dient sie zum drahtlosen Übertragen von Clips.

Oben auf dem HF S21 finden sich wie üblich Ein/Aus-Schalter, Fotoauflöser und Zoomschieber sowie ein paar Status-LEDs. Weiter vorne in Richtung Objektiv sitzen Zubehörschuh und Pop-up-Blitz, der auch als Videoleuchte dient. Rechts und links neben der Linse platziert Canon die beiden Stereomikrofone, darunter gibt es eine Mikrofonbuchse.

Die rechte Seite des Camcorders beherbergt einen kleinen Schalter zum Wechseln zwischen Automatik- und manuellem Modus sowie eine Klappe, hinter der sich Mini-HDMI-Ausgang und USB-Port verstecken. Wie bei älteren Canon-Videokameras ist die Handschlaufe im Weg, wenn man hier Kabel anstecken möchte.

Auf der Rückseite befindet sich das Akkufach. Es ist definitiv für größere Stromspeicher als die mitgelieferte Ausführung ausgelegt, die recht verloren aussieht. Wir empfehlen potenziellen HF-S21-Käufern die BP-827-Batterie, die 2700 mAh anstelle der mageren 890 mAh des mitgelieferten BP-808 bietet. Im Test geht dem Standard-Akku nach weniger als einer Stunde der Saft aus.

Hersteller Canon JVC Panasonic Sony [2]
Modell Legria HF S21 Everio GZ-HM1 HDC-TM700 Handycam HDR-XR550VE [3]
Preis 1080 Euro 1020 Euro 940 Euro 1185 Euro
Bildsensor CMOS, 1/2,6 Zoll BSI-CMOS, 1/2,3 Zoll 3CMOS, 1/4,1 Zoll BSI-CMOS, 1/2,88 Zoll
Auflösung 9 Megapixel 10 Megapixel 3 Megapixel 6 Megapixel
Optischer Zoom 10-fach 10-fach 12-fach 10-fach
Brennweitenbereich 43,5 – 435 mm 48,3 – 483 mm 35 – 420 mm 29,8 – 298 mm
Blendenzahlen F1,8 – F3,0 F2,8 – F4,5 F1,5 – F2,8 F1,8 – F3,4
Integrierter Speicher 64 GByte 64 GByte 32 GByte 240 GByte
Speichertyp Flash Flash Flash Festplatte
Unterstützte Speicherkarten SD, SDHC SD, SDHC SD, SDHC, SDXC SD, SDHC, SDXC
Max. Videoauflösung 1080/60i 1080/60i 1080/50p 1080/60i
Max. Bitrate 24 MBit/s 24 MBit/s 28 MBit/s 24 MBit/s
Videocodec AVCHD MPEG-4 MPEG-4/AVCHD AVCHD
Manuelle Blende/ Belichtungszeit ja/ja ja/ja ja/ja ja/ja
Integriertes Mikrofon 2 Kanäle 2 Kanäle 5.1 Kanäle 5.1 Kanäle
Display 3,5 Zoll, 921.000 Pixel 2,8 Zoll, 207.000 Pixel 3,0 Zoll, 230.400 Pixel 3,5 Zoll, 921.000 Pixel
Touchscreen ja nein nein ja
Sucher 0,27 Zoll, 123.000 Pixel nein 0,27 Zoll, 123.000 Pixel 0,2 Zoll, 201.000 Pixel
Abmessungen 14,8 x 7,5 x 7,4 cm 13,5 x 7,2 x 6,7 cm 13,8 x 6,9 x 6,6 cm 14,3 x 7,4 x 7,0 cm
Gewicht 480 g 400 g 380 g 510 g

Das Einstellrädchen rechts unterhalb der Linse funktioniert sehr ähnlich wie das Sony-Pendant, das etwa beim XR550VE [3] Verwendung findet. Hält der Anwender die mittig auf dem Drehelement platzierte Taste gedrückt, kann er zwischen den Optionen Manueller Fokus, Belichtungsausgleich, Blende, Belichtungszeit, Mikrofon-Pegel und Gain Control Limit wählen. Nach dem Loslassen dient das Rädchen zum Konfigurieren der gewählten Einstellung. Sämtliche Parameter lassen sich auch über das Touchscreen-Interface anpassen.

Ein Fingertipp auf das Func.-Icon holt die am häufigsten benutzten Optionen auf den Schirm. Eine Ebene weiter unten findet sich das vollständige Menü. Erfreulicherweise bietet der HF S21 nicht nur eine komplett manuelle Aufnahmefunktion, sondern auch die Modi Blenden- und Verschlusspriorität. Dabei wählt der Kameramann Werte zwischen F1,8 und F8,0 für die Blende beziehungsweise zwischen 1/8 und 1/2000 Sekunde für die Verschlusszeit, und der Camcorder passt Belichtung respektive Blende entsprechend an. Das gibt es nur bei wenigen Prosumer-Modellen.

Außerdem sind Canons Cine-Modus zum Anpassen von Farbe und Gamma sowie ein 24p-Modus an Bord. Allerdings zeichnet der Camcorder sämtliches Videomaterial als 60i auf. Weitere High-End-Features sind x.v.Farbmodus, 70- und 100-IRE-Zebraanzeige sowie Farbbalken und Testton. Wer mehr als zwei Audiokanäle aufzeichnen möchte, kann auch ein Surround-Mikrofon anschließen. Bei der Fotoaufnahme sind Belichtungsmessung und Serienbildmodus anpassbar. Eine Liste aller Features hält das Handbuch bereit.

Leistung

Dank des hochauflösenden 3,5-Zoll-Touchscreens und der großzügig dimensionierten Tastenfelder ist das Interface leicht zu bedienen. Das Display lässt sich auch bei direkter Sonneneinstrahlung noch gut ablesen, reflektiert allerdings bei ungünstigen Betrachtungswinkeln recht stark. Das Menüsystem selbst baut Canon stellenweise leider unlogisch auf. So befindet sich beispielsweise der Scrollbalken zum Durchforsten der Einstellungen auf der rechten Seite. Beim Blättern verdeckt die Hand also den Bildschirm. Außerdem fließen die Menüs wie bei aktuellen Touchscreen-Smartphones weiter, wenn man sie einmal mit dem Finger anschubst. Im Test schießen wir häufig über den gewünschten Parameter heraus oder wählen die falsche Option aus. Wer den HF S21 in Betracht zieht, sollte ihn definitiv vor dem Kauf im Laden ausprobieren.

Zwar ist der elektronische Sucher des HF S21 nicht sonderlich hochauflösend, aber immer noch besser als gar nichts. Zum manuellen Scharfstellen eignet sich das dargestellte Bild selbst nicht, doch die mittels Kantenerkennung arbeitende Fokushilfe leistet gute Dienste. Das Anpassen des Dioptrienausgleichs ist nicht ganz einfach – im Idealfall müssen hier Finger und Auge am gleichen Ort zur gleichen Zeit sein. Glücklicherweise verstellt man den Dioptrienwert nicht jeden Tag.

Der optische Zoom lässt sich sehr flüssig bedienen. Es ist kein Problem, eine Brennweitenveränderung mit konstanter Geschwindigkeit durchzuführen. Der Autofokus stellt leider recht häufig auf den Hintergrund scharf, selbst wenn das eigentliche Motiv im Vordergrund einen großen Teil des Bilds einnimmt. Insbesondere bei starken Vergrößerungen vertut sich der HF S21 oft. Sobald der Camcorder jedoch einmal das korrekte Ziel anvisiert hat, bleibt er dabei. Die mangelnde Präzision ist wohl der Preis, den Käufer für die eindrucksvolle Geschwindigkeit des Autofokus zahlen müssen. Tempo und Genauigkeit lassen sich auch bei der Konkurrenz nicht miteinander vereinbaren.

Wie die aktuellen Sony-Camcorder zeichnet der Canon HF S21 ab Werk mit der zweitniedrigsten Videoqualität auf: 1440 mal 1080 Pixel bei 7 MBit pro Sekunde. Die resultierenden Clips sehen dann eher nach einer 400-Euro-Videokamera und nicht nach einem über 1000 Euro teuren Modell aus. Wieso sich die beiden Hersteller für diese Konfiguration entscheiden, ist uns schleierhaft. Full-HD-Clips mit maximaler 24-Mbit-pro-Sekunde-Qualität bringen viele Rechner an ihre Grenzen. Eine reibungslose Wiedergabe erzielen wir mit der zweitbesten Einstellung, Full-HD mit 17 MBit pro Sekunde.

Eigenen Angaben zufolge hat Canon den Sensor für bessere Videos bei schlechten Lichtverhältnissen angepasst. Der überarbeitete Digic-DV-III-Bildprozessor soll außerdem Blau- und Violetttöne besser wiedergeben. Und tatsächlich, Himmelsaufnahmen wirken stimmiger als bei den Vorgängern. Abgesehen von dunklen Rot- und Pinktönen fängt der HF S21 Farben sehr präzise und ansprechend ein. Bei Nachtaufnahmen liefert der Canon-Camcorder hellere Videos als die Sony-Konkurrenten, bringt dafür aber auch mehr Rauschen auf die Clips als die Modelle von Sony und Panasonic. Trotzdem stellen wir im Vergleich zu den Vorgängermodellen eine spürbare Verbesserung fest. Der vom Stereo-Mikrofon aufgezeichnete Klang ist sehr gut.

Standbilder wirken zwar etwas künstlich, sehen aber besser aus als die Fotos, die die niedrig auflösenden Sensoren von Sonys und Canons Full-HD-Camcordern liefern. Die Bilder, die der Camcorder parallel zur Videoaufnahme schießt, sind deutlich verrauschter als die im dedizierten Fotomodus eingefangenen.

Fazit

Sowohl Hobby-Kameramänner als auch Profis, die nach einer kompakten Ergänzung suchen, finden in dem Canon Legria HF S21 einen soliden Begleiter. Wer allerdings auf Feinheiten wie die sehr niedrigen Verschlusszeiten bei der manuellen Bedienung und auf verschiedene Zebrastreifen-Level verzichten kann, findet bei der Konkurrenz günstigere Alternativen. Der HF S21 ist zwar teurer als seine Geschwister HF S20 und HF S200, die auf den elektronischen Sucher verzichten. Dennoch reißen die Canon-Camcorder allesamt ein größeres Loch in den Geldbeutel, als die Konkurrenten von Sony und Panasonic.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41533111/canon-legria-hf-s21-im-test-full-hd-camcorder-mit-gigantischer-ausstattung/

URLs in this post:

[1] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41533111/canon_legria_hf_s21_display.jpg

[2] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[3] Handycam HDR-XR550VE: https://www.cnet.de/tests/camcorder/41532564/sony+handycam+hdr_xr550ve+im+test+full_hd_camcorder+mit+gps.htm

[4] Canon Legria HF S21: Bedienung und Bildqualität: https://www.cnet.de/41533129/canon-legria-hf-s21-bedienung-und-bildqualitaet/?pid=1#sid=41533111