Sony Handycam HDR-CX550VE im Test: GPS-Camcorder mit Touchscreen

von Lori Grunin und Stefan Möllenhoff am , 15:12 Uhr

Pro
  • manuelle Einstellungsmöglichkeiten
  • Geotagging mit GPS
  • zuverlässiger Autofokus
Con
  • umständliche Bedienung
  • kein Windfilter, keine Audioeinstellungen
  • teuer
Hersteller: Sony Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,9 von 10 Punkte
Fazit:

Mit Anschaffungskosten von 1100 Euro bietet der Sony Handycam HDR-CX550 ein besseres Preisleistungsverhältnis als sein 100 Euro teurerer HDD-Bruder XR550. Im Großen und Ganzen überzeugt der CX550, doch die Videos könnten etwas schärfer und das Interface etwas übersichtlicher gestaltet sein.

Im Vergleich zu den Vorgängern hat Sony bei seiner aktuellen Camcorder-Serie in puncto Optik kaum etwas geändert. Die zwei aktuellen Topmodelle des japanischen Herstellers hören auf die Namen Handycam HDR-CX550VE und HDR-XR550VE. Ersteres bringt einen 64-GByte-Flash-Speicher, zweiteres eine 240 GByte große Festplatte mit. Dieser Testbericht behandelt den günstigeren CX550VE und basiert auf den Erfahrungen, die wir mit dem XR550VE gemacht haben.

1100 Euro für eine Videokamera – das ist ein ganzer Haufen Geld. Sony [1] rechtfertigt die enormen Anschaffungskosten mit 64 GByte Flash-Speicher im kompakten Gehäuse, hochwertiger G-Linse [2], 3,5-Zoll-Display, optischem Sucher, manuellen Einstellungsmöglichkeiten für Blende und Belichtungszeit, GPS-Receiver sowie Mikrofon- und Kopfhörerbuchse.

Design

Das Gehäuse des CX550VE fühlt sich hochwertig an. Kameramänner mit sehr großen Händen sollten sich den etwas massiveren Bruder XR550VE ansehen: Die Festplatte sorgt hier für zusätzlichen Speck auf den Hüften und einen besseren Sitz in der Hand. Sämtliche Abdeckungen der Anschlüsse machen einen soliden Eindruck. Ein Schiebeverschluss auf der Oberseite schützt den Zubehörschuh, rechts und links neben dem Objektiv sitzen Mikrofon- und Kopfhörerbuchse – ebenfalls hinter Schiebetürchen. Unter der rückseitigen Aufnahmetaste befinden sich AV-Ausgang und Netzanschluss hinter zwei kleinen Klappen, und unter dem Bildschirm gibt es Mini-HDMI- und USB-Port. Mit der Position des HD-Videoausgangs und des PC-Anschlusses sind wir nicht ganz glücklich: Sind hier Kabel angesteckt, muss die Videokamera mit geöffnetem Display herumliegen.

Der Standard-Akku ist mit seinen 1030 mAh etwas schwach auf der Brust. Im Zubehör bietet Sony einen Stromspeicher mit doppelter Kapazität an.
Der Standard-Akku ist mit seinen 1030 mAh etwas schwach auf der Brust. Im Zubehör bietet Sony einen Stromspeicher mit doppelter Kapazität an.

Auf der Vorderseite des Gehäuses befindet sich das dicke Objektiv inklusive automatisch schließender und öffnender Linsenabdeckung. Der Blitz sitzt weiter oben; unterhalb der Optik bringt Sony einen manuellen Einstellring unter. Mittig in dem Rädchen befindet sich eine Taste, mit der der Nutzer festlegt, welchen Aufnahmeparameter der Einstellring ändert – beispielsweise Fokus, Belichtung, Blende, Verschlusszeit oder Weißabgleich. Das Bedienelement erlaubt eine präzise Steuerung, allerdings ist das Ein-Tasten-Konzept für diejenigen, die viel an den Parametern schrauben, etwas zu frickelig.

Ebenfalls an der Front sitzt das Fünf-Kanal-Mikrofon. Aufgrund der räumlichen Enge ist allerdings keine besonders gute akustische Trennung möglich. Hier wäre uns ein sauber getrenntes Stereomikrofon lieber gewesen. Immerhin, es steht ein Mikrofoneingang zum Anschluss externer Tonquellen zur Verfügung. Leider ist – abgesehen von den Leveleinstellungen Normal und Low – keine Konfiguration der Audioaufnahme möglich.

Der elektronische Sucher auf der Rückseite bietet eine bessere Auflösung als die Sehhilfe des Vorgängers und die der meisten Konkurrenten, ist jedoch recht klein. Zwar enttäuscht die niedrige Vergrößerung etwas, doch wenn wir die Wahl zwischen Größe und Auflösung haben, bevorzugen wir die höhere Auflösung.

Apropos Auflösung: Das 3,5 Zoll große Display zeigt 640 mal 480 Bildpunkte (921.000 Pixel) an und überzeugt auch bei direkter Sonneneinstrahlung mit scharfer Darstellung. Das manuelle Fokussieren ist allerdings weder auf dem Bildschirm noch im elektronischen Sucher einfach. Einen automatischen Zoom beim Scharfstellen bietet der CX550 nicht. Das Handbuch empfiehlt: Reinzoomen, Fokussieren, Herauszoomen.

In der Displaymulde befinden sich Tasten für Infrarot-Nachtaufnahme, intelligente Automatik, Wiedergabe und direktes Brennen auf DVD. Außerdem gibt es hier einen Schieber zum Aktivieren beziehungsweise Deaktivieren des GPS-Receivers sowie einen manuellen Ein/Aus-Schalter. Der Camcorder startet allerdings auch selbsttätig, sobald der Anwender den Bildschirm ausklappt oder den Sucher herauszieht.

Der Zoomschieber befindet sich direkt unter dem rechten Zeigefinger. Noch weiter hinten sitzt der winige Fotoauslöser, der sich blind nur schwierig ertasten lässt. Das Bedienelement für den Zoom fühlt sich präzise an: Es stellt kein Problem dar, den Vergrößerungsfaktor mit einer konstanten Geschwindigkeit anzupassen. Unmittelbar links vom elektronischen Sucher bringt Sony den Modusschalter zum Wechseln zwischen Video- und Fotoaufnahme unter.

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Unmittelbar hinter dem Zoomschieber sitzt ein winzig kleiner Fotoauslöser. Die maximale Auflösung für Standbilder beträgt 12 Millionen Pixel, allerdings erreicht der CX550VE diesen Wert nur durch Interpolation.

Ein Druck auf den Menübutton auf dem LCD holt das frei zusammenstellbare My Menu auf den Bildschirm. Hinter Show Others verbirgt sich jedoch ein ellenlange Liste mit den restlichen Optionen. Immerhin gibt es virtuelle Pfeiltasten, die das Blättern beschleunigen.

Ausstattung

Hersteller Canon JVC Panasonic Sony
Modell Legria HF S21 Everio GZ-HM1 HDC-TM700 Handycam HDR-CX550VE
Preis 1080 Euro 1020 Euro 940 Euro 1100 Euro
Bildsensor CMOS, 1/2,6 Zoll BSI-CMOS, 1/2,3 Zoll 3CMOS, 1/4,1 Zoll BSI-CMOS, 1/2,88 Zoll
Auflösung 9 Megapixel 10 Megapixel 3 Megapixel 6 Megapixel
Optischer Zoom 10-fach 10-fach 12-fach 10-fach
Brennweitenbereich 43,5 – 435 mm 48,3 – 483 mm 35 – 420 mm 29,8 – 298 mm
Blendenzahlen F1,8 – F3,0 F2,8 – F4,5 F1,5 – F2,8 F1,8 – F3,4
Integrierter Speicher 64 GByte 64 GByte 32 GByte 64 GByte
Speichertyp Flash Flash Flash Flash
Unterstützte Speicherkarten SD, SDHC SD, SDHC SD, SDHC, SDXC SD, SDHC, SDXC
Max. Videoauflösung 1080/60i 1080/60i 1080/50p 1080/60i
Max. Bitrate 24 MBit/s 24 MBit/s 28 MBit/s 24 MBit/s
Videocodec AVCHD MPEG-4 MPEG-4/AVCHD AVCHD
Manuelle Blende/ Belichtungszeit ja/ja ja/ja ja/ja ja/ja
Integriertes Mikrofon 2 Kanäle 2 Kanäle 5.1 Kanäle 5.1 Kanäle
Display 3,5 Zoll, 921.000 Pixel 2,8 Zoll, 207.000 Pixel 3,0 Zoll, 230.400 Pixel 3,5 Zoll, 921.000 Pixel
Touchscreen ja nein nein ja
Sucher 0,27 Zoll, 123.000 Pixel nein 0,27 Zoll, 123.000 Pixel 0,2 Zoll, 201.000 Pixel
Abmessungen 14,8 x 7,5 x 7,4 cm 13,5 x 7,2 x 6,7 cm 13,8 x 6,9 x 6,6 cm 14,3 x 7,4 x 6,6 cm
Gewicht 480 g 400 g 380 g 440 g

Wie alle Sony-Camcorder mit dem Zusatz „VE“ im Namen, bringen sowohl der CX550VE als auch der XR550VE einen GPS-Receiver mit. Sie versehen nicht nur Fotos, sondern auch Videos mit Ortsinformationen. Für Bewegtbilder gibt es allerdings noch keinen Geotagging-Standard. Die GPS-Daten lassen sich daher ausschließlich auf dem Camcorder und mit Hilfe der mitgelieferten Software einsehen.

In Großstadt-Häuserschluchten steht der CX550VE in Sachen GPS-Empfang allerdings auf verlorenem Posten. Wenn wir uns nicht bewegen, schafft es der Camcorder nach rund zehn Minuten, sich zu orientieren. Mit ausreichend freier Sicht auf den Himmel sollte der Empfang jedoch kein Problem darstellen. Eine vollständige Liste der Funktionen des CX550VE findet sich im Handbuch [3].

Unter dem Display verbergen sich jede Menge Tasten, darunter auch ein Schieber, der den GPS-Receiver deaktiviert beziehungsweise aktiviert. [4]
Unter dem Display verbergen sich jede Menge Tasten, darunter auch ein Schieber, der den GPS-Receiver deaktiviert beziehungsweise aktiviert.

Leistung

Das Autofokus-System leistet deutlich bessere Dienste als die der Konkurrenz. Zwar passt sich der Fokus nicht gar so schnell neuen Gegebenheiten an wie der von Panasonic und Canon, doch was die Treffsicherheit angeht, ist Sony ungeschlagen. Der Camcorder erkennt zuverlässig das Objekt der Begierde im Motiv und stellt darauf scharf. Auch die Naheinstellgrenze ist ungewöhnlich niedrig.

Die Fokusgeschwindigkeit fällt lediglich bei Kameraschwenks auf, aber den Preis zahlen wir gerne für die Präzision. Sollte der Autofokus einmal nicht das erwünschte Ziel treffen, hilft Tap-to-Focus weiter: Der Camcorder stellt auf die Stelle scharf, auf die der Kameramann auf dem berührungsempfindlichen Bildschirm tippt. In der Praxis benötigen wir das Feature meistens, wenn wir sehr kleine Gegenstände oder etwas durch einen Zaun hindurch filmen möchten – hier ist der Bildschirm jedoch nicht präzise genug, um unsere Fingerkommandos in die Tat umzusetzen.

Der optische Bildstabilisator leistet auch bei voller Ausnutzung des zehnfachen optischen Zooms gute Dienste. Die Akkulaufzeit des CX550VE ist vermutlich seine größte Schwachstelle. In der Praxis hält der Stromspeicher gerade einmal eine Stunde durch. Erschreckenderweise ist er damit immer noch besser als viele Konkurrenten. Mehr Power gibt’s mit dem NP-FV70-Akku aus dem Zubehörprogramm des Herstellers – Anschaffungskosten: knapp 100 Euro.

Für einen Full-HD-Camcorder ist die Videoqualität ausgezeichnet. Bei der Betrachtung auf dem Computer sehen die Videos allerdings nicht mehr ganz so gestochen scharf aus wie die der Vorgänger. Am Bildsensor hat Sony nichts verändert, die G-Optik bietet allerdings einen stärkeren Weitwinkel. An Übergängen mit hohen Kontrasten treten ein paar Farbsäume auf. Die Clips sehen sehr lebendig, gesättigt und realitätsnah aus. Der Dynamikbereich ist ebenfalls überzeugend. In hellen und dunklen Bildbereichen gehen verhältnismäßig wenige Details verloren. Bei sehr stark variierenden Motiven, etwa einem Springbrunnen, sehen Feinheiten jedoch gelegentlich etwas matschig aus. Es lohnt sich, die höchste Bitrate zu wählen. Die Videos weisen einen deutlich besseren Kontrast auf. Umso erstaunlicher ist es, dass der Camcorder mit den Werkseinstellungen 1440 mal 1080 Pixel mit nur 9 MBit pro Sekunde aufzeichnet.

Im Vergleich mit anderen Ein-Chip-Camcordern schlägt sich der CX550VE bei schlechten Lichtverhältnissen gut. Das Rauschen hält sich stark in Grenzen, und auch die Bildschärfe bleibt weitgehend erhalten. Nur Panasonics Drei-Chip-High-End-Modelle liefern noch bessere Farben und weniger Bildfehler. Die folgende Fotostrecke zeigt, wie sich das Festplattenmodell XR550VE in puncto Bildqualität schlägt. Die Ergebnisse sind auf einem Niveau mit denen des CX550VE, da bei beiden Geräten der gleiche Bildsensor und die gleiche Optik zum Einsatz kommen.

Sonys Low-Lux-Feature macht einen intelligenteren Eindruck als die meisten Nachtmodi. Es dreht die Empfindlichkeit nur dann nach oben, wenn es wirklich notwendig ist. Es treten außerdem keine durch zu niedrige Verschlusszeiten hervorgerufenen Artefakte auf. Im Test haben wir allerdings das Problem, dass sich der Weißabgleich beim Einzoomen in ein Motiv anpasst, und beim Herauszoomen in dieser Einstellung hängenbleibt.

Leider übertreibt Sony bei den Angaben für die Fotoauflösung maßlos. Der Camcorder skaliert die nativen 6-Megapixel-Bilder auf 12 Megapixel hoch. Bei kleinen Bildgrößen sehen die Aufnahmen recht ordentlich aus, eine volle Vergrößerung zeigt allerdings einen grauenhaften Interpolationsmatsch. Mit auf sechs Millionen Bildpunkte begrenzter Auflösung eignen sich die Fotos jedoch einwandfrei für Ausdrucke im DIN-A4-Format.

Fazit

Zugegeben, für 1100 Euro hätten wir uns eine bessere Bildqualität bei schlechten Lichtverhältnissen, etwas mehr Bildschärfe und ein intuitiveres Interface gewünscht. Aber trotzdem schlägt sich der HDR-CX550VE im Vergleich zur Konkurrenz sehr gut. Wer mehr Speicherkapazität wünscht und sich nicht an den leicht gewachsenen Abmessungen stört, sollte den rund 70 Euro teureren XR550VE mit 240-GByte-Festplatte ebenfalls in Betracht ziehen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41533362/sony-handycam-hdr-cx550ve-im-test-gps-camcorder-mit-touchscreen/

URLs in this post:

[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] hochwertiger G-Linse: http://de.wikipedia.org/wiki/Sony_%CE%B1#Objektive

[3] Handbuch: http://www.sony.de/product/cam-high-definition-on-memory-stick/hdr-cx550ve#pageType=manual

[4] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41532564/sony_handycam_hdr-xr550ve_seite.jpg

[5] Sony Handycam HDR-XR550VE: Bildqualität und Bedienung: https://www.cnet.de/41532566/sony-handycam-hdr-xr550ve-bildqualitaet-und-bedienung/?pid=1#sid=41533362