Schon im Test: Prepaid-Android-Smartphone Vodafone 845

von Daniel Schraeder am , 17:17 Uhr

Pro
  • extrem günstig
  • hervorragende Ausstattung inklusive GPS, WLAN und Kamera
  • Android 2.1 mit Zugang zu zehntausenden Apps via Market
  • optisches Trackpad
  • kostenlose Navigation (Off-Board, Internet-Zugang nötig)
Con
  • resistiver Touchscreen reagiert nur auf Druck
  • geringe Display-Auflösung
  • sieht nicht besonders hochwertig aus
Hersteller: Vodafone Listenpreis: 130 Euro mit Prepaid-Karte
ZDNet TESTURTEIL: GUT 7,2 von 10 Punkte
Fazit:

Wer auf der Suche nach einem Design-Handy zum Schnäppchenpreis ist, sollte einen großen Bogen um das Vodafone 845 machen - denn das ist wohl das Einzige, was es nicht ist. Fans von Technik, Apps und Internet bekommen aber bei keinem anderen Handy ähnlich viel fürs Geld.

Mit dem Vodafone 845 bringt der Netzbetreiber ein Android-Smartphone mit allen Schikanen – inklusive GPS, WLAN, HSDPA, Kamera, Bluetooth und Touchscreen – zum absoluten Schnäppchenpreis. Mit Prepaid-Karte wird das Gerät ab nächster Woche gerade einmal 130 Euro kosten, wer es zu einem günstigen Vertrag wählt, bekommt es für einen Euro. Aber irgendwo muss der Hersteller doch gespart haben, oder? Wir haben das 845 schon ausführlich getestet.

Das erste Smartphone [1] mit Android [2] führte T-Mobile in Deutschland ein. Der Punkt für das erste Prepaid-Smartphone mit dem dem Google [3]-Betriebsystem geht an den düsseldorfer Konkurrenten Vodafone. Bereits für 130 Euro wird das Vodafone 845 inklusive Prepaid-Karte ab dem 21.6. zu haben sein. Die Ausstattungsliste ist lang und vollständig – Grund genug, um das Gerät ausführlich zu testen.

Design

Zugegeben: Einen Schönheitspreis gewinnt dieses Handy mit Sicherheit nicht. Es wirkt langweilig, vielleicht sogar etwas spießig und knarzt bereits, als wir es zum ersten Mal aus dem Karton nehmen. Die Gedanken in unserem Kopf sind klar: Okay, was bitte schön haben wir eigentlich für den Preis erwartet?

Aber schon eine Minute später sieht es schon wieder besser aus. Wir haben dem 845 den Akku eingepflanzt – und das unschöne Knarzen ist vorbei. Auch das Gewicht stimmt nun; das Smartphone liegt gut in der Hand.

Wer von oben auf das Gerät blickt, sieht zunächst das zentrale Element – das 2,8 Zoll große Display. Es ist mit einem normalen LCD-Panel ausgestattet und löst 320 mal 240 Pixel auf. Im Vergleich zu deutlich teureren Smartphones ist das nicht viel, aber es ist okay. Texte und Bilder erscheinen ausreichend scharf, und Webseiten lassen sich akzeptabel lesen. Zugegeben: Das hier ist weder ein iPhone 4 noch ein HTC [4] Desire. Aber es kostet eben auch nur einen Bruchteil von den Über-Smartphones, und andere Geräte in diesem Preisbereich haben auch keine schärferen Anzeigen.

Der Touchscreen arbeitet nach der resistiven Technik. Dabei befindet sich zwangsläufig eine Kunststofffolie über dem Display, die leider deutlich empfindlicher gegenüber Kratzer ist als kapazitive Touchscreens, die eine Scheibe aus echtem Glas einsetzen können. Außerdem reagieren resistive Touchscreens auf Druck und nicht auf Berührung. Die coolen Wisch-Gesten, um etwa den Android-Homescreen zu wechseln, sollte man hier also besser mit dem Fingernagel als mit der Fingerspitze durchführen. So verlieren sie etwas an Coolness, aber wenn man sich daran gewöhnt hat, kommt man gut damit zurecht. Apropos: Auch die tollen Multitouch-Gesten wie der Zwei-Finger-Zoom funktionieren bei den resistiven Touchscreens grundsätzlich nicht.

Unterhalb der eigentlichen Anzeige befinden sich fünf Bedienelemente: Abheben, Kontext-Menü, Touchpad, Home und Zurück kombiniert auf einem Knopf sowie Auflegen. Uns hat vor Allem die Anwesenheit des optischen Touchpads in diesem Preisbereich gewundert. Wer deutlich mehr Geld auf den Tisch legt, bekommt es beispielsweise bei den aktuellen Blackberrys. Unterm Strich funktioniert dieser Sensor wie ein Trackball, aber ohne bewegliche Teile: Durch Überstreifen mit dem Finger scrollt man über Webseiten, durch Text oder Menüs. Ein Druck auf das optische Pad funktioniert wie eine OK-Taste.

Rundherum zieht sich ein Rahmen in Metall-Look. Er ist aus recht stabilem Kunststoff gefertigt und glänzend gräulich lackiert. Das verleiht eine gewisse Wertigkeit.

Auf der rechten Geräteseite befindet sich ein silberner Wippschalter zur Regelung der Lautstärke. Ganz oben sitzt ein viereckiger Ein-Aus-Lock-Taster, der im gleichen Silberton gehalten ist. Links daneben ist der Entriegelungsmechanismus für den Akkudeckel angebracht. Die linke Geräteseite ist „nackt“, unten finden wir eine 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse zum Anschluss von Standard-Kopfhörern sowie die Micro-USB-Buchse zum Laden und zum Kopieren von Fotos, Videos, Musik & Co. vor.

Die Rückseite ist aus schwarzem Plastik gefertigt. Es ist leicht silbern gesprenkelt, was die optische Anmutung etwas verbessert – doch die Materialauswahl verrät auf den ersten Blick, dass dieses Smartphone dem untersten Preisbereich zugehörig ist. Der silberne Vodafone-Schriftzug hat bereits nach einer Woche Testeinsatz etwas gelitten. Oben in der Mitte sitzt die Linse der 3,2-Megapixel-Kamera, eine Foto-LED gibt es nicht.

Ausstattung

Nachdem das Vodafone 845 im ersten Kapitel des Testberichts einige Schelte kassieren musste, kommen wir nun zur absoluten Stärke des Prepaid-Androiden. Das Datenblatt ist lang und enthält Stichwörter, die Technik-Fans das Wasser im Munde zusammen laufen lassen. Selbst die erste Generation des iPhones war deutlich schlechter ausgestattet.

Für den schnellen Internet-Zugang unterwegs steht UMTS samt Download-Turbo HSDPA zur Verfügung, der Webseiten, Fotos oder Youtube-Videos mit maximal 7,2 MBit/s aus dem Äther zieht. Alternativ geht es via WLAN nach 802.11b und g zu Hause, bei Freunden oder im Fast-Food-Restaurant gratis online.

Zum Dateiaustausch und für die Freisprecheinrichtung ist Bluetooth integriert, zur Ortsbestimmung gibt es einen GPS-Empfänger. Wer die neueste Version von Google Maps installiert, bekommt damit gleich eine vollwertige Navigationslösung kostenlos ins Haus. Das Kartenmaterial ist dabei allerdings nicht im Handy gespeichert, sondern liegt auf den Google-Servern – zum Navigieren muss also eine Internet-Verbindung über UMTS aufgebaut werden. Zu den Kosten im Vodafone-Prepaid-Paket kommen wir später.

Auf der Rückseite befindet sich die Linse der 3,2-Megapixel-Kamera. Sie ist weder mit Foto-LED noch mit Xenon-Blitz ausgestattet – dementsprechend verrauscht werden die Fotos auch in dunklen Umgebungen. Wer hingegen bei Tageslicht – auch wenn es stark bewölkt ist – knipst, bekommt recht ansehnliche Bilder zu Gesicht. Allerdings sollte man ruhige Finger haben und nicht allzu actionreiche Szenen favorisieren, denn ansonsten verwackeln die Fotos schnell. Und wer die Bilder auf einem hochauflösenden PC-Monitor betrachtet, stellt beim Zoomen fest, dass es an Details mangelt. Aber genug gemeckert, schließlich ist das Vodafone 845 ein echtes Smartphone und kein Foto-Handy.

Der interne Speicher ist mit knapp 150 MByte ausreichend bemessen. Zwar gibt es einen microSD-Speicherkartenslot, aber Apps lassen sich bei Android 2.1 nur im internen ROM installieren. Die SD-Karte bietet sich nur für Fotos, Videos, Musik und Anwendungsdaten wie Kartenmaterial oder Level von Spielen an. Wer viele Programme installiert, kommt hier früher oder später an die Grenzen des 845 – aber für den üblichen Einsatz reichts. Und gehen die Ressourcen doch zur Neige, muss man eben durchgespielte Games wieder löschen – über den Market lassen sie sich ja immer wieder laden.

Ebenfalls an Bord ist ein UKW-Radio, das wie bei den meisten Handys üblich, die Kabel des mitgelieferten Headsets als Antenne benutzt.

Software

Auf dem vom chinesischen Mobilfunkausrüster Huawei hergestellten Smartphone läuft das Google-Betriebssystem Android in der (fast) aktuellen Version 2.1. Dementsprechend ist viel installiert, was wir schon von anderen, deutlich teureren Smartphones her kennen.

So gibt es einen wirklich guten Webbrowser, der auf dem 845 etwas unter dem fehlenden Multitouch und unter der geringen Display-Auflösung leidet. Man muss häufiger mal zoomen und scrollen, aber gerade Mobilwebseiten lassen sich dennoch hervorragend lesen. Auch auf „normalen“ Seiten findet man sich gut zurecht.

Außerdem an Bord ist die Lite-Version von Documents to Go, die das Betrachten von Office-Dateien in den Formaten Word, Excel und Powerpoint ermöglicht. Wer die Dokumente auch bearbeiten möchte, kann über den Market die Pro-Version erstehen.

Darüber hinaus gibt es Clients für Google Mail, Exchange und andere Postfächer, Kalender, den Messenger Google Talk, Google Maps (nach kostenlosem Update inklusive Navigation), Taschenrechner, Youtube-Client – und für alles andere den Market. Dabei handelt es sich um das Pendant zu Apples App Store. Auch für die Android-Plattform stehen inzwischen zehntausende Apps und Games zur Verfügung – von Instant Messengern über Clients für Facebook, Twitter & Co, Fußball-WM-Anwendungen, sowie Location Based Services bis hin zu MMORPGs und so weiter.

Die Oberfläche ist eine Anpassung vom Android-Standard. Sie hat standardmäßig sieben Homescreens zu bieten, die der Anwender nach Belieben mit Verknüpfungen zu Programmen und Kontakten, aber auch mit Widgets wie Uhren, Bilderrahmen oder Facebook-Statusupdates anpassen kann. Und wenn der Platz auf den sieben Screens ausgeht, lassen sich neue per Drag & Drop einfügen – sogar nach oben und unten.

Auf dem virtuellen Tastenfeld tippt es sich akzeptabel. Es gibt ein QWERTZ- und ein Telefon-Tastaturen-Layout, bei dem eine T9-ähnliche Eingabehilfe zur Verfügung steht. Im Querformat ist das QWERTZ-Feld brauchbar, im Hochformat sollte man hingegen unbedingt zum Ziffernblock greifen – denn ansonsten sind regelmäßige und frustrierende Vertipper unvermeidlich. Das Umschalten zwischen Hoch- und Querformat erfolgt automatisch.

Leistung

Zugegeben, im Vergleich zu anderen Android-Handys mangelt es dem Prepaid-Smartphone vielleicht etwas an der nötigen Power. Wenn viele Applikationen gleichzeitig laufen und den mit 128 MByte äußerst knappen Arbeitsspeicher belegen, wird die Bedienung zäh. Spätestens, wenn die Menüs und Homescreens anfangen zu ruckeln, sollte der Nutzer mit einer kostenlosen App wie dem Advanced Task Killer, der über den Market erhältlich ist, laufende Prozesse beenden, damit das Handy wieder Spaß macht.

Auch bei anspruchsvolleren Anwendungen kommt das Vodafone 845 schnell an seine Grenzen. Testweise haben wir beispielsweise das 3D-Action-Game Speedx 3D [6] installiert. Wenn Musik und Sound aktiv sind, ist es vor Ruckeln unspielbar – und selbst mit abgeschalteten Optionen und heruntergeregelter Geschwindigkeit macht es auf Grund von Rucklern und Grafikfehlern keinen Spaß.

Das testweise installierte 2D-Strategie- und Geschicklichkeitsspiel Farm Frenzy hingegen läuft problemlos und sorgt für Kurzweil. Das gilt auch für die meisten anderen Apps, die in unseren Tests allesamt funktionieren. Nur, wenn wirklich 3D- oder Rechenleistung gefragt ist, kommt die Hardware an ihre Grenzen.

Die Akkulaufzeit gibt Vodafone mit 400 Stunden Standby im UMTS-Netz respektive 8,3 Stunden Dauertelefonat an. Die Werte sind wie üblich ein gutes Stück von der Praxis entfernt und vor allem bei Smartphones extrem von der Nutzung abhängig. Wer sich per WLAN mit dem Internet verbindet, über GPS die Position speichert, Fotos schießt, per Messenger chattet oder die Navi-Anwendung startet, saugt den mit 1200 mAh Stunden durchschinttlich bemessenen Akku auch problemlos in ein paar Stunden leer. Wer unterwegs auf Internet und GPS verzichtet und nur gelegentlich zum Tippen von SMS oder für einen Mini-Anruf vom Typ „Ich bin gleich da“ zum Handy greift, kommt mit einer Akkuladung gut zwei Tage hin. Wer hingegen permanent in die Wikipedia schaut, seine Position via Latitude an seine Freunde überträgt und den MP3-Player nutzt, muss den Akku täglich laden.

Tarif

Wenn das erste Android-Handy im Prepaid-Paket auf den Markt kommt, widmen wir uns ausnahmsweise im Testbericht auch dem Tarif – denn Android lebt von seiner Internet-Verbindung. Egal, ob man Facebook oder Twitter nutzt, Wikipedia, Googe Maps, die kostenlose Navigation, Qype oder Aloqa, die Wettervorhersage oder Latitude: „Ohne Online“ geht hier nichts. Zwar kann man die Verbindung über das Handynetz in den Einstellungen deaktivieren und sich kostenlos in bekannte WLANs einloggen, aber das ist nicht der Luxus einer permanenten Internet-Verbindung auf dem Handy.

Und das Wörtchen „Luxus“ ist hier fast wörtlich zu verstehen. Derzeit gibt es bei Vodafone nämlich nur einen Internet-Tarif fürs Handy, der auf den Namen CallYa Open End Internet hört. Er kostet monatlich absolut bezahlbare 2,49 Euro Grundgebühr, aber bei der Internet-Verbindung langt der Netzbetreiber deutlich stärker zu: Die erste Datenverbindung pro Kalendertag schlägt mit 99 Cent zu Buche, alle weiteren sind kostenlos. Bis zum nächsten Tag. Wer also täglich nur einmal einen Blick zu Facebook riskiert, hat am Monatsende 32,19 Euro weniger Guthaben auf seinem Prepaid-Konto – und bekommt dafür gerade einmal 200 MByte Datenvolumen mit voller Geschwindigkeit. Zum Vergleich: Bei O2 kostet eine Monatsflatrate mit 5 GByte Volumen 25 Euro. Messenger wie Skype oder ICQ sind bei Vodafone übrigens offiziell verboten.

Die übrigen Kosten liegen im gehobenen Prepaid-Bereich. Eine Gespächsminute kostet 29 Cent, wobei Telefonate zu Vodafone und ins Festnetz unabhängig von ihrer Länge 29 Cent kosten.

Übrigens: Der Tarif geht nicht in die Wertung des Smartphones ein.

Fazit

Das Vodafone 845 ist weder das schönste, noch das schnellste, noch das günstigste Handy auf diesem Planeten – aber es ist ja auch kein Handy, sondern ein echtes Smartphone. Damit ist das Preis-Leistungsverhältnis wirklich hervorragend. Für einen Euro mit Vertrag respektive 130 Euro mit Prepaid-Karte gibt es das volle Android-Programm inklusive Navi-Software, Webbrowser, Youtube, Facebook, Apps & Co. Abstriche machen muss man dabei lediglich bei Display und Geschwindigkeit, aber andere Handys in diesem Preisbereich schneiden in diesen Punkten auch nicht besser ab.

Jetzt fehlt nur noch ein günstigerer Internet-Tarif für die Prepaid-Karte zum vollen Glück – denn für eine Grundgebühr von gut 30 Euro gibt es woanders deutlich mehr.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41533431/schon-im-test-prepaid-android-smartphone-vodafone-845/

URLs in this post:

[1] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[2] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[3] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[4] HTC: http://www.cnet.de/unternehmen/htc/

[5] Die besten 100 Apps für Googles Smartphone-Betriebssystem Android: https://www.cnet.de/41525644/die-besten-100-apps-fuer-googles-smartphone-betriebssystem-android/?pid=1#sid=41533431

[6] Speedx 3D: https://www.cnet.de/blogs/mobile/android-app/41530124/speedx+3d+geschwindigkeitsrausch+auf+dem+android_handy.htm