Ausführlicher Testbericht: Das neue iPhone 4 ist da!

von Daniel Schraeder, Kent German und Stefan Möllenhoff am , 18:00 Uhr

Pro
  • hohe Leistung und schnelle Reaktionen
  • hervorragendes, hochauflösendes Display
  • attraktives Design
  • gute Kamera
  • erstklassige Bedienung
  • praktische neue Funktionen
Con
  • Multitasking nur mit Einschränkungen
  • limitierte Ordner auf dem Homescreen
  • extrem teuer
  • SIM-Lock
  • unzeitgemäße Tarife
Hersteller: Apple Listenpreis: 1 bis 399 Euro mit Vertrag
ZDNet TESTURTEIL: EXZELLENT 8,6 von 10 Punkte
Fazit:

Mit dem iPhone 4 beweist Apple, dass das Unternehmen ein starker Spieler im umkämpften Smartphone-Markt ist. Es ist kein Handy für jeden, und die extrem teuren Tarife sorgen für einen faden Beigeschmack. Aber unterm Strich bleibt das iPhone sexy, extrem gut ausgestattet, hervorragend zu bedienen und schnell - und ist damit eines der besten Smartphones, die es gibt.

Heute ist der Verkaufsstart des neuen iPhone 4 – mit besserem Display, höherer Leistung, überragender Kamera und so weiter. Einige der alten Apple-Haken hat der Hersteller inzwischen behoben – es gibt jetzt Multitasking, Foto-LED und ein neues Mail-Programm. Andere Haken bleiben, etwa die extrem teuren T-Mobile-Tarife und SIM-Lock. Wir haben getestet, ob das neue iPhone auch neben den aktuellen Android-Handys das beste Smartphone aller Zeiten ist.

Neues Design, besseres Display, schnellerer Prozessor, hochauflösendere Kamera und ein paar Zusatzfunktionen – das ist das Rezept, mit dem Apple [1] sein iPhone noch besser machen will. Gleichzeitig sind es Zutaten zur größten Änderung seit der Einführung des vorletzten iPhone 3G. Außerdem gibt es ein neues Betriebssystem, das das lang erwartete Multitasking mitbringt, einen Buchshop im iTunes-Stil integriert und dutzende kleinerer Verbesserungen mitbringt.

Die Kombination aus den beiden Neuigkeiten ist ein attraktives Smartphone [2], das nicht nur für große Augen sorgt – sondern zumindest eine kleine Revolution auslöst. Das iPhone 4 sieht im Vergleich zu seinem Vorgänger extrem gut aus, fühlt sich deutlich hochwertiger an, und die Bedienung ist der Wahnsinn: Es ist viel schneller, das Display zaubert ein Grinsen in das Gesicht des Nutzers, und die neuen Funktionen sollten diversen Apple-Gegnern erneut Argumente nehmen.

Aber es ist auch nicht alles Gold, was glänzt. Das Multitasking ist kein echtes Multitasking, die Videotelefonie von iPhone zu iPhone und nur über WLAN ein schlechter Witz – und über die frechen T-Mobile-Verträge mit Grund- und Gesprächsgebühren jenseits von Gut und Böse sowie fiesen Haken im Kleingedruckten braucht man wohl kein Wort mehr zu verlieren.

Also stellt sich – mal wieder – die Frage: Sollte man dieses Handy kaufen? Echte Apple-Fans dürften die Antwort bereits kennen. Sie haben das Gerät sicherlich schon vorbestellt. Wer aber nicht im Apfel-Universum zu Hause ist, sollte nicht blind zuschlagen. Denn die Zeit, zu der das iPhone das definitiv beste Smartphone auf diesem Planeten war, ist vorbei. Viele gute und inzwischen tatsächlich konkurrenzfähige Alternativen buhlen um die Gunst der Kunden, und wer sich die Handschellen von iTunes, Apple und T-Mobile nicht anlegen lassen möchte, bekommt woanders ähnlich viel für deutlich weniger Geld.

In Deutschland ist das iPhone 4 exklusiv und mit SIM-Lock bei T-Mobile zu haben. Je nach Vertrag kostet es zwischen 1 und knapp 400 Euro, dazu kommen Grundgebühren in Höhe von 25 bis 120 Euro.

Design

Während sich das iPhone 3G nur marginal von seinem Vorgänger unterscheidet und das iPhone 3GS komplett identisch zum 3G ist, setzt die Optik der vierten Generation echte Maßstäbe. Hässlich sind die ersten Generationen bei Weitem nicht, aber es ist wie bei Autos: So toll eine Kiste auch aussieht, sobald man einmal den Nachfolger auf der Straße gesehen hat, wirkt sie total veraltet.

Auch die Rückseite besteht nun aus Glas.
Auch die Rückseite besteht nun aus Glas.

Die Vorder- und Rückseite des iPhone 4 bestehen komplett aus Glas. Die Oberflächen sind plan und glatt, und ein Rahmen aus Edelstahl zieht sich um das Gehäuse. Damit wirkt es zwar etwas eckig und eintönig, aber irgendwie sieht es auch sauber, steril, hochwertig und edel aus. Apple-mäßig eben. In der Praxis fällt auf Anhieb auf, dass das Handy nun flach auf dem Tisch liegt – und nicht, wie die zweite und dritte Generation mit abgerundeter Rückseite, wie ein Steh-auf-Männchen hin- und hertaumelt. Das neue iPhone ist in Schwarz und in Weiß zu haben, wobei die weiße Variante bei T-Mobile derzeit nicht lieferbar ist.

Aber so schön das edle Material auch ist – es hat Nachteile. Trotz seiner fettabweisenden Beschichtung sieht es immer etwas siffig aus – Fingerabdrücke, Regentropfen, etwas Staub auf dem Tisch, und schon war’s das mit dem attraktiven Look. Auch bei der Langzeithaltbarkeit müssen wir wohl die Augen offen halten. Zwar mag Glas weniger kratzempfindlich sein als Kunststoff, aber bei Sand und Steinen ist es auch vorbei. Außerdem gibt es nun gleich zwei Seiten, die splittern können – und die überstehenden Kanten könnten abplatzen, wenn man an der Tischkante oder dem Türrahmen hängenbleibt. Immerhin sind die Kanten von einer dünnen Schicht aus weichem Kunststoff überzogen und unsere Test-Abstürze auf Teppichboden hat das iPhone 4 problemlos überlebt.

Die Abmessungen des Gehäuses sind mit denen des 3GS nahezu identisch. Allerdings hat das Gerät abgenommen – es ist nun um 25 Prozent dünner als das 3GS. Im direkten Vergleich wirkt es ein Stück kleiner. Laut Steve Jobs ist das iPhone 4 das dünnste Smartphone überhaupt, aber die Entwicklung geht schnell vonstatten – und sollte dieser Titel stimmen, ist er sicherlich nicht von langer Dauer. Außerdem ist das Gerät nun etwas schwerer als die Modelle 3G und 3GS, es wiegt in etwa so viel wie die allererste Version. Das höhere Gewicht dürfte dem stärkeren Akku im Inneren zuzurechnen sein.

Bedienelemente

Auf den zweiten Blick fallen die technischen Neuerungen auf. Es gibt eine zweite Kamera auf der Vorderseite, einen LED-Blitz neben der Linse der Digicam auf der Rückseite und ein zweites Mikrofon auf der Oberseite, das für die Active Noise Reduction zuständig ist – also für das Ausblenden von Umgebungsgeräuschen. Die übrigen Schalter und Taster kennen wir schon. Aus dem ehemaligen Wippschalter zur Regelung der Lautstärke sind nun zwei einzelne Knöpfe geworden – das ist aber eher ein Vorteil als ein Nachteil, da sie sich leichter ertasten lassen. Über der Lautstärkeregelung befindet sich der bekannte Lautlos-Schalter.

Die vierte iPhone-Generation fühlt sich scharfkantiger, aber auch wertiger an als ihre Vorläufer.
Die vierte iPhone-Generation fühlt sich scharfkantiger, aber auch wertiger an als ihre Vorläufer.

Der SIM-Kartenslot ist nun von der Oberseite auf die rechte Seite gewandert. Wie beim iPad setzt Apple nun auch beim iPhone die neuen microSIMs ein. Die kleineren Chipkarten sollen mehr Platz für den Akku lassen – das klingt doch eigentlich ganz gut.

Die übrigen Elemente behalten ihre Plätze. Home-Button, Dock-Connector, Klinkenbuchse, Einschalter – alles ist da, wo wir es erwarten. Ebenfalls haben wir uns inzwischen daran gewöhnt, dass man den Akku nicht selbst tauschen kann. Besser wird das dadurch nicht.

Im Lieferumfang ist ein extrem kleiner Ladeadapter enthalten, der gerade einmal so groß ist wie eine Euro-Steckdose. Dazu gibt es einen USB-Adapter und die typischen Apple-Kopfhörer mit integriertem Mikrofon.

Display

Die neue Anzeige stellt einen Rekord unter den Smartphones auf. Sie hat eine Auflösung von 960 mal 640 Pixeln (326 dpi) – das ist die vierfache Anzahl an Bildpunkten im Vergleich zu den Vorgängern. Die Diagonale ist mit 3,5 Zoll gleich geblieben. Auf die neue OLED-Technik setzt Apple zwar nicht, aber es kommt ein IPS-Panel zum Einsatz – das kennen wir schon vom iPad. Es hat einen hohen Kontrast von 800:1, nahezu perfekte Blickwinkel und eine tolle Farbwiedergabe. Damit kann es durchaus mit den AMOLED-Displays von aktuellen Android [3]-Smartphones konkurrieren.

Die Antenne ist im Gehäuserahmen aus Edelstahl integriert.
Die Antenne ist im Gehäuserahmen aus Edelstahl integriert.

Normalerweise bezeichnen wir wirklich gute Displays als „gestochen scharf“, „hervorragend“ oder „farbenfroh“ – aber das reicht für die iPhone-4-Anzeige nicht aus. Sie ist einfach nahe an der Perfektion, egal, ob man Text, Grafiken, Bilder oder Videos betrachtet, im Dunklen wie im Hellen. Und selbst unsere Kollegen mit Adleraugen sind nicht mehr in der Lage, hier einzelne Bildpunkte zu erkennen. Alles sieht aus wie gedruckt. Wer ein 3GS daneben hält, sieht einen Unterschied wie Tag und Nacht – die alte Anzeige kann dagegen komplett einpacken.

Naürlich gibt es Sensoren für Umgebungslicht, Annäherung und Beschleunigung. In diesem Bereich bemerken wir keine Unterschiede zu früheren Versionen.

Multitasking

Das iPhone beherrscht schon seit eh und je Multitasking. Allerdings gilt das nur für native Programme wie den Musikplayer. Mit iOS 4 arbeiten nun auch endlich mehrere Third-Party-Apps gleichzeitig. Eine doppelte Betätigung des Home-Buttons ruft den Task-Manager auf. Hier sind sämtliche gerade laufenden Anwendungen aufgeführt. Reichen die maximal vier angezeigten Icons nicht aus, um alle aktiven Apps darzustellen, blättert der Anwender mittels horizontalem Fingerwisch.

Ein Doppelklick auf den Home-Button bringt den Task-Manager aufs Display.
Ein Doppelklick auf den Home-Button bringt den Task-Manager aufs Display.

Der Task-Mananger könnte kaum einfacher funktionieren. Um ein im Hintergrund laufendes Programm aufzurufen, reicht ein einfacher Tipp auf das zugehörige Icon. Um eine App zu beenden, hält der Anwender den Finger einfach auf das Symbol und klickt kurz darauf auf das kleine Schließen-Icon in der linken oberen Ecke. Die zuletzt benutzten Anwendungen finden sich auf der linken Seite des Multitasking-Menüs, ältere sortiert Apple nach rechts.

Aber funktioniert das alles auch wirklich? Apples Multitasking arbeitet nämlich etwas anders als bei der Konkurrenz. Statt jeder laufenden Anwendung gleichezeitig Zugriff auf die Hardware-Ressourcen des Smartphones zu geben, lässt iOS 4 lediglich sieben verschiedene Dienste zu. Zudem friert das Betriebssystem die Hintergrund-Programme einfach ein und minimiert damit die Auswirkungen auf Performance und Akku.

An Diensten erlaubt Apple diverse Audio-Player, VoIP-Services, GPS-Tools, Push- und lokale Benachrichtigungen, Task-Completions und schnellen App-Wechsel. Am wichtigsten sind die beiden zuletztgenannten Services. Task-Completion bedeutet, dass eine gerade rechnende App einfach im Hintergrund verschwindet und sich erst dann wieder meldet, wenn sie mit ihrer Aufgabe fertig ist. Der schnelle App-Wechsel versetzt minimierte Anwendungen einfach in den Winterschlaf und reanimiert sie exakt an derselben Stelle, sobald der Anwender sie wieder öffnet.

Im Internet gab es diverse Aufschreie, dass iOS 4 ja nun gar kein „echtes“ Multitasking böte. „Unvollständig“ trifft es wohl eher. Zwar lässt sich nicht jedes x-beliebige Programm im Hintergrund betreiben – Twitter-Feeds bringen sich beispielsweise nicht auf den aktuellen Stand, sobald sie minimiert sind – doch es gibt immer noch eine Reihe von Diensten, die gleichzeitig laufen.

Das ist nicht der erste Fall, dass Apple länger als die Konkurrenz gebraucht hat, um ein bestimmtes Feature umzusetzen. Doch dafür stimmt die Benutzbarkeit dann auch. Wir haben mit keinerlei Abstürzen oder Rucklern zu kämpfen. Und auch die Akkulaufzeit scheint nicht unter dem Multitasking zu leiden. Nachdem ein Doppelklick auf den Home-Button jetzt den Taskmanager aufruft, steht diese „Tastenkombination“ nicht mehr für andere Zwecke zur Verfügung. Ein kleiner Preis, finden wir.

Homescreen

Apps gehören zum iPhone wie PS ins Auto. Und auch hier gilt: je mehr, desto besser. Allerdings haben wir die Schnauze voll davon, durch zig überladene Homescreens blättern zu müssen, bis wir die gewünschte Anwendung gefunden haben. Glücklicherweise lassen sich die installierten Programme nun endlich auch in Verzeichnissen organisieren.

Dank Verzeichnissen lässt sich der Homescreen nun endlich gehörig entrümpeln.
Dank Verzeichnissen lässt sich der Homescreen nun endlich gehörig entrümpeln.

Nach einem langen Druck auf den Homescreen beginnen die Icons, zu zappeln. Wenn man nun ein Symbol mit dem Finger auf ein anderes verschiebt, legt das iPhone einen Ordner an, in dem sich die beiden Apps befinden. Auf dem Homescreen zeigen die Verzeichnisse anhand von Thumbnails an, was in ihnen steckt. Es lassen sich beliebig viele Ordner anlegen, und die Namen sind ebenfalls frei bestimmbar. Die Zahl der Icons in einem Folder ist jedoch auf zwölf beschränkt.

E-Mail und Business

Das iPhone war schon seit eh und je eine Mail-Maschine. Allerdings nervte das zwangsläufig händische Hin- und Herschalten zwischen mehreren E-Mail-Accounts. iOS 4 bietet nun einen gemeinsamen Posteingang, der sich hinter dem Mail-Icon auf dem Homescreen versteckt. Außerdem kommt das iPhone 4 mit mehreren Exchange-Accounts gleichzeitig zurecht, erlaubt eine Thread-Darstellung von Mail-Konversationen, verkleinert Fotos auf Wunsch vor dem Versenden und öffnet Dateianhänge mit einer beliebigen App. Mails lassen sich nun außerdem auch direkt aus den Suchergebnissen löschen.

An der virtuellen Tastatur hat sich im Vergleich zum 3GS nichts verändert.
An der virtuellen Tastatur hat sich im Vergleich zum 3GS nichts verändert.

Business-Nutzer werden sich über Features wie bessere Schutzmechanismen für sensible Daten, mobiles Gerätemanagement, Unterstützung für Exchange 2010 sowie SSL VPN von Juniper und Cisco freuen. Außerdem ist es nun möglich, Apps über WLAN zu übertragen.

Anpassbarer Homescreen

Ein frei konfigurierbarer Startbildschirm war relativ weit unten auf unserem Wunschzettel für ein neues iPhone. Apple schafft es jedoch auch hier, uns positiv zu überraschen. Sicherlich, mit einer Third-Party-App ließ sich der langweilige schwarze Hintergrund auch früher schon aufpeppen. Aber jetzt geht’s eben ab Werk. In den Einstellungen gibt es dafür nun eine Wallpaper-Option, bei der Nutzer wahlweise eines der mitgelieferten Hintergrundbildchen oder ein mit der Kamera geschossenes Foto auswählen. Das Wallpaper lässt sich wahlweise für den Homescreen, für den Lockscreen oder für beide setzen.

Wie gewohnt funktioniert der Homescreen-Tausch intuitiv. Allerdings hat die Sache einen Haken: Sobald man den schwarzen Hintergrund einmal geändert hat, kommt er nie wieder zurück. Zwar lässt er sich mit einem Foto von einer schwarzen Wand oder dem Nachthimmel ersetzen, aber das ist einfach nicht das Gleiche. Ach ja, und ein paar der alten Wallpaper gibt’s jetzt nicht mehr. Apple gibt, und Apple nimmt.

Rechtschreibkorrektur

Das iPhone hat schon seit eh und je eine Rechtschreibkorrektur an Bord, die bereits während des Tippens vermeintliche Verschreiber ausmerzt. Wir konnten uns nie so wirklich damit anfreunden und freuen uns über die verbesserte Fehlerkorrektur, die Wörter einfach nur rot unterringelt, die sie nicht kennt. Bei Vertippern und unbekannten Wörtern schlägt iOS 4 dann eine Reihe von Alternativen vor. Hier könnte die Auswahl jedoch ruhig größer sein. Dem Fehlerteufel rückt Apple sowohl beim Tippen von E-Mails als auch von Textnachrichten zu Leibe.

Suchen

Die vierte Version des iPhone-Betriebssystems bringt ein paar neue Suchfunktionen mit. Beginnt man beispielsweise mit der URL-Eingabe in Safari, so zeigt der Browser nicht nur den Seitentitel, sondern die gesamte Adresse an. Die allgemeine Suche spuckt sowohl Internet- und Wikipedia-Ergebnisse als auch Treffer aus dem Telefonspeicher aus. Zu guter Letzt gibt es noch eine SMS-Suche, die genauso funktioniert wie ihr Pendant bei den E-Mails.

Konnektivität

Mit iOS 4 erhält das iPhone die WLAN-Verbindung zum Hotspot auch dann aufrecht, wenn es sich im Standby-Modus befindet. Das ist zwar praktisch, dürfte jedoch zu Lasten der Akkulaufzeit gehen. Dank Wake-on-Wireless wacht das Smartphone außerdem aus dem Standby-Modus auf, sobald es ein Netzsignal empfängt. Zudem unterstützt das Apple-Handy nun auch Bluetooth-Tastaturen.

Weitere Neuerungen

Wie die vorherigen Updates bringt auch iOS 4 eine Vielzahl kleiner Verbesserungen mit. Das Taschenrechner-Icon hat sich beispielsweise verändert, Apps lassen sich nun verschenken, es stehen größere Schriftarten für Schwersichtige zur Verfügung, und das „Sie-befinden-sich-hier“-Icon von Google [4] Maps sieht anders aus. Außerdem gibt es jetzt einen Kalender nur für Geburtstage.

iPod-Player

Mit dem iPhone 4 zeigt Apple mal wieder eindrucksvoll, dass mobile Unterhaltung ein wichtiger Punkt ist. Hier können die Konkurrenten nach wie vor nicht mithalten. Das Design des iPod-Players hat sich zwar prinzipiell nicht verändert, aber es gibt ein paar kleine nützliche Verbesserungen. So lassen sich Playlisten nun auch unterwegs einfach zusammenklicken – ohne iTunes. Ganz links im Multitasking-Menü gibt es außerdem Steuerelemente für den Musikplayer und um die automatische Displayrotation zu sperren.

Kamera

Der vergleichsweise niedrigen Auflösung zum Trotz war die Kamera der iPhones schon immer recht brauchbar, konnte aber in puncto Aufnahmefunktionen nicht ganz überzeugen. Nicht so beim iPhone 4: Die Auflösung beträgt 5 Megapixel, und es gibt einen LED-Blitz sowie einen fünffachen digitalen Zoom. Als Sensor kommt außerdem ein rückseitig belichteter CMOS-Chip zum Einsatz. Das ermöglicht die Aufnahme von hochauflösenden 720p-Videos mit 30 Bildern pro Sekunde. Einstellungsmöglichkeiten wie Belichtungsausgleich, Farbanpassung und dergleichen vermissen wir allerdings immer noch.

Alter Hut, aber neu bei Apple: Die Kamera-App bietet einen digitalen Zoom.
Alter Hut, aber neu bei Apple: Die Kamera-App bietet einen digitalen Zoom.

Am Kamerainterface selbst hat sich zum iPhone 3GS praktisch nichts verändert. Am Displayrand sitzen nach wie vor Auslöser, Foto/Video-Umschalter und Verknüpfung zum Fotoalbum. Neu hinzugekommen ist eine Schaltfläche für die Foto-LED, die sich wahlweise automatisch oder immer aktiviert. Gegenüber gibt einen Button der zwischen rück- und frontseitiger Kamera umschaltet. Die Digicam auf der Vorderseite ist nicht nur für Videotelefonate, sondern auch für Selbstportraits praktisch. Zwar berauscht die Qualität nicht gerade, angesichts der VGA-Auflösung stellt das jedoch auch keine Überraschung da.

Neben der Linse der Kamera befindet sich eine Foto-LED.
Neben der Linse der Kamera befindet sich eine Foto-LED.

Um den fünffachen Zoom zu aktivieren, tippt der Anwender in der Kamera-App einfach auf das Display, und schon erscheint eine Zoom-Leiste. Vergrößern und Verkleinern geschieht mittels Fingerwisch. Nachdem der Zoom jedoch digital ist, bedeutet jede Vergrößerung eine abnehmende Bildqualität. Das Tap-to-Focus-Feature funktioniert sowohl bei der Foto- als auch bei der Videoaufnahme.

Die Qualität der Kamera hat sich merklich verbessert. Das iPhone 4 schießt sehr schöne Fotos mit lebendigen und natürlichen Farben. Rauschen tritt nicht auf, und der Autofokus funktioniert zuverlässig. Die helle LED-Leuchte bringt ebenfalls eine deutliche Verbesserung mit sich. Wie üblich sehen mit Blitz geschossene Bilder etwas ausgeblichen aus, aber immer noch besser als eine schwarze Aufnahme. Die Auslöseverzögerung ist kaum noch vorhanden und somit deutlich kürzer als bei den vorherigen Apple-Handys.

Die 5-Megapixel-Kamera des iPhone 4 schießt sehr schöne Fotos.
Die 5-Megapixel-Kamera des iPhone 4 schießt sehr schöne Fotos.

Auch die Videoqualität beeindruckt. Mangels optischem oder mechanischem Bildstabilisator muss man das Smartphone zwar wirklich ruhig halten, doch dafür treten keine Verpixelungen und Artefakte auf. Mit bewegten Objekten kommt die Camcorder-Funktion ebenfalls gut zurecht. Der Ton ist mit dem Bild synchron. Auch die integrierte App zum Bearbeiten der Clips ist einfach und intuitiv zu bedienen.

FaceTime

Leider haben wir derzeit nur ein iPhone 4 zum Testen, und können FaceTime-Videochats daher nicht ausprobieren. Innerhalb der nächsten Stunden erwarten wir jedoch ein zweites Device und werden von unseren Erfahrungen berichten.

Aber alleine die Spezifikationen wirken schon vielversprechend. Die Videogespräche funktionieren sowohl im Hoch- als auch im Querformat und nutzen wahlweise die Front- oder die Rückkamera. FaceTime lässt sich direkt aus dem Anrufmenü starten – der Download einer zusätzlichen App ist nicht notwendig.

Derzeit funktionieren die Videogespräche allerdings nur dann, wenn das iPhone via WLAN mit dem Internet verbunden ist. Angesichts der übertragenen Datenmengen ist das allerdings vermutlich gar nicht so verkehrt. Steve Jobs zufolge verhandelt Apple jedoch mit diversen Netzanbietern, mehr Details verrät der Apple-Frontmann derzeit aber nicht.

Bewegungssensor

Das iPhone 4 setzt mit dem Drei-Achsen-Gyroskop noch eins auf den Kompass des iPhone 3GS oben drauf. Neben Bewegungen in alle sechs Raumrichtungen registriert das Smartphone nun auch Roll-Nick-Gier-Winkel [5] – wie beim Flugzeug. Wir sind gespannt, inwieweit Spiele von der verbesserten Genauigkeit profitieren werden.

Prozessor

Unter der Haube des iPhone 4 werkelt dieselbe ARM-Cortex-A8-CPU, die auch das iPad befeuert. Dem Prozessor stehen 512 MByte Arbeitsspeicher zur Seite. In den ersten Tests reagiert Apples neuestes Smartphone ein ganzes Stück schneller als das 3GS. Menüdialoge und Anwendungen öffnen sich quasi sofort. Und wie bereits erwähnt, geschieht auch das Wechseln zwischen Apps und das Aufnehmen von Fotos praktisch verzögerungsfrei.

Akkulaufzeit

Der stärkere Stromspeicher des iPhone 4 verspricht eine bessere Akkulaufzeit. Laut Apple sind sieben Stunden Gesprächszeit, sechs Stunden Surfen via UMTS, zehn Stunden Surfen via WLAN und 300 Stunden Standby möglich. In den ersten Tests macht der Akku einen guten Eindruck. Nach fünf Stunden stapaziöser Dauerbenutzung ist immer noch ordentlich Kapazität vorhanden. Detaillierte Ergebnisse gibt es demnächst aus den CNET-Testlabors.

Fazit

Es wurde Zeit für ein neues iPhone – denn aktuelle Android-Smartphones wie das HTC [6] Desire, das Samsung [7] Galaxy S oder das Google Nexus One haben das 3GS schon in diversen Punkten eingeholt. Mit der vierten Generation setzt Apple wieder Maßstäbe. Die Verarbeitung ist hervorragend, die Optik gefällt, das Display ist Wahnsinn, die weiteren Neuerungen entweder auch endlich vorhanden (Multitasking) oder überzeugend (BSI-Sensor der Kamera). Was bleibt, sind die üblichen Kritikpunkte: Bindung an iTunes und T-Mobile, SIM-Lock, nicht austauschbarer Akku, unerhörte Preise. Apple-Fans mit dem notwendigen Kleingeld können sofort zuschlagen. Bedenkenträger sollten unbedingt auch die Alternativen sichten – denn viele der Funktionen des iPhone 4 gibt es woanders für deutlich weniger Geld.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41533866/ausfuehrlicher-testbericht-das-neue-iphone-4-ist-da/

URLs in this post:

[1] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[2] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[3] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[4] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[5] Roll-Nick-Gier-Winkel: http://de.wikipedia.org/wiki/Roll-Nick-Gier-Winkel

[6] HTC: http://www.cnet.de/unternehmen/htc/

[7] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/