HDX Bone: multitalentierter Mini-Media-Streamer mit Plattenschacht und Android

von Ian Morris und Pascal Poschenrieder am , 12:43 Uhr

Pro
  • portabel
  • integrierter Festplattenschacht
  • unterstützt viele Video-Codecs
  • gute Bild- und Tonqualität
  • erlaubt Android-OS-Installation
Con
  • billige Fernbedienung
  • fummeliger Festplatteneinbau
Hersteller: HDX Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,0 von 10 Punkte
Fazit:

Der portable Media-Streamer HDX Bone ist ein tolles Gerät. Er spielt jegliche Mediendateien ab, die wir ihm vorlegen, und bietet Platz für eine Festplatte die ihn zum tragbaren USB-Speichermedium macht. Außerdem streamt das Gerät Fotos, Filme und Musik von Netzwerkspeichern. Der Zugriff funktioniert via Samba, wodurch sämtliche DLNA-Probleme umgangen werden. Die Einrichtung des Samba-Zugriffs ist allerdings etwas kompliziert. Dennoch bietet der HDX Bone sehr viel für sein Geld.

Das Thema Media-Streaming löst bei Kennern Stirnrunzeln aus. Der Grund: Der verkorkste DLNA-Standard und eine unzureichende Codec-Unterstützung sorgen bei den meisten Geräten für reichlich Probleme. Der Bone von HDX soll damit aufräumen – und das, obwohl er lediglich so groß wie eine USB-Festplatte ist und auch nicht viel mehr kostet. Wir haben getestet, ob das gelingt.

Während Filme vor etwa 5 Jahren noch fast ausschließlich mittels DVDs und VHS-Kassetten auf den TV-Schirm gelangten, rücken DVD und sogar Blu-ray-Disc heute zunehmend in den Hintergrund. Online-Videotheken und andere Internet-Quellen ersetzen die optischen Medien langsam aber sicher vollständig. Das Problem daran: Während man eine Disc einfach in den Player legt und eine Taste drückt, stehen der Wiedergabe der meist auf dem Rechner gelagerten Inhalte aus dem Netz deutlich mehr Hürden im Weg. Media-Streamer greifen mittels Netzwerk auf die Dateien zu und geben sie via Videoausgang an den Fernseher weiter.

HDX, eine Marke des chinesischen Konzerns HD Digitech [1], hat sich auf derartige Media-Streamer spezialisiert. In der Vergangenheit haben wir bereits das Modell BD-1 [2] des Herstellers getestet, das mit sich exzellent geschlagen hat. Nun ist mit dem HDX Bone die portable Variante des Streamers in unserem Testlabor eingetroffen. Trotz der geringen Größe gibt er das Videosignal in der Full-HD-Auflösung 1080p [3] aus und bietet Platz für eine Festplatte. Derzeit ist das Gerät ausschließlich direkt beim Hersteller [4] in China erhältlich. Dadurch kommen zum eigentlich geringen Preis von 119 Dollar noch etwa 40 Euro Transportkosten hinzu, wodurch insgesamt rund 140 Euro fällig werden.

Design

Nach dem Auspacken des Bone fällt uns als erstes seine Größe auf. Für einen Media-Streamer mit Festplattenschacht ist das Gerät wirklich winzig. Mit 13,2 mal 8,6 mal 1,7 Zentimetern hat es gerade einmal die Abmessungen einer gewöhnlichen, externen Festplatte. Trotzdem finden sich hinten am Gehäuse neben einem Mini-USB-Anschluss auch vollwertiger HDMI [5]-Port, Netzwerk-Schnittstelle, Stromanschluss und Composite-AV [6]-Ausgang – letzterer in Form einer Klinkenbuchse. Um das Composite-Signal zum Fernseher zu übertragen, ist ein Adapter notwendig, der sich im Lieferumfang befindet. Da es sich aber ohnehin um einen 1080p-Media-Streamer handelt, ergibt die Ausgabe mittels dreier Cinch-Kabel in schlechter Qualität und mit SD-Auflösung ohnehin wenig Sinn.

Trotz seiner geringen Größe hat der HDX Bone alle Anschlüsse an Bord, die wir uns bei einem Full-HD-Streamer wünschen. [7]
Trotz seiner geringen Größe hat der HDX Bone alle Anschlüsse an Bord, die wir uns bei einem Full-HD-Streamer wünschen.

An der Front des Bone sitzt ein kleines Fenster, hinter dem sich ein Infrarot-Sensor befindet. Er empfängt die Signale der mitgelieferten Fernbedienung und quittiert Befehle mit einer roten Leuchtdiode. Außerdem fallen hier zwei kleine Schrauben auf. Wer sie löst, kann die Front des Gehäuses abnehmen. Dahinter befindet sich ein Laufwerksschacht für 2,5-Zoll-Laptop-Festplatten mit SATA [8]-Anschluss. Das Einbauen einer HDD klappt einfach und problemlos. Lediglich das Fixieren der Platte ist etwas aufwändig, da sie direkt auf die Hauptplatine des Bone geschraubt wird.

Android [9]-OS

Auf dem Bone läuft – zumindest wahlweise – das Google [10] Smartphone [11]-Betriebssystem Android. Wir sind uns nicht sicher, was wir davon halten sollen. Schließlich handelt es sich hier um einen Media-Streamer und nicht um ein Handy. Eines ist aber klar: Android hat jede Menge Potential und bringt zukünftig wahrscheinlich sehr viele coole Funktionen auf den Bone. Wer das OS nutzen möchte, muss allerdings gezwungenermaßen eine Platte in den Knochen einbauen.

Um Android zu installieren, ist zunächst der Download der aktuellen Firmware-Version von der HDX-Website [12] nötig. Als nächstes muss das ebenfalls dort erhältliche Android-Paket auf die Festplatte des Rechners. Danach entpacken wir die geladenen Dateien und platzieren sie im Root-Verzeichnis eines USB-Sticks. Diesen stecken wir nun mittels mitgeliefertem Adapter an den USB-Port des Bone an und installieren als zunächst das Firmware-Update. Danach wählen wir im Onscreen-Menü des Streamers Install Android. Daraufhin formatiert die Software die Festplatte und erstellt zwei Partitionen – eine mit Android-OS und eine für Multimediadaten.

Doch was bringt Android auf dem Bone? Leider nicht viel – zumindest momentan. Viele Apps funktionieren nicht, da sie entweder GSM- oder UMTS-Handware benötigen oder einen Touchscreen erfordern. Immerhin: Das Surfen im Internet klappt. Auch das installieren von manuell auf dem Bone abgelegten Apps klappt. Letzteres ist besonders wichtig, da Google nur lizenzierten Geräten den Zugriff auf den Market erlaubt – und der HDX Bone ist nicht lizenziert.

Im Endeffekt nutzen wir das Android-Feature nicht viel, und wenn, dann fast ausschließlich zum Surfen. Aber immerhin, es stört nicht. Zum Ansehen von Videos eignet sich das Standard-Interface des Bone allerdings deutlich besser – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt.

Formate und Codecs

Laut HDX spielt der Bone einfach alles ab. Das können wir zwar nur zu 99 Prozent bestätigen, die wichtigen Formate laufen aber definitiv. MKV [13]-Container stellen keinerlei Probleme dar, und AVI [14]-Dateien mit MPEG-4 [15]-Videos funktionieren ebenfalls bestens. Auch mit ISO-DVD-Images [16] kommt der Knochen zurecht. Gleiches gilt für MP3-Musik und sogar für Flash-Videos. Auch mit dem Dekodieren von 1080p-Videos mit sehr hoher Bitrate und DTS [17]-Surround-Sound hat der Kasten keinerlei Schwierigkeiten.

Auch die Audioverarbeitung lässt keine Wünsche offen. Der Downmix von Dolby Digital [18]– und DTS-Tonspuren ist ebenso möglich wie der der High-Definition-Varianten DTS-HD [19] MA, DTS-HD HR und Dolby TrueHD [20]. Außerdem beherrscht der Bone neben MP3s auch die Dateitypen AAC [21], FLAC [22], OGG [23] und viele weitere.

Fotos bringt der Media-Streamer ebenfalls auf den Schirm. Dabei unterstützt der Player im Gegensatz zu vielen Alternativen und den in TV-Geräten integrierten Playern nicht nur JPEG-Dateien, sondern auch verlustfreie PNG [24]– oder BMP [25]-Files.

Portable Festplatte

Der Bone sieht nicht nur so aus und ist so groß wie eine portabel Festplatte, er verhält sich auch so. Wer eine Laptop-Festplatte einbaut, kann die kleine Box einfach an einen USB-Port eines PCs anschließen und Dateien auf den Datenträger schieben – eben genauso wie bei einer normalen Platte.

Das ist ein äußerst praktisches Feature, wenn man sich unterwegs ein paar Dateien vom Freund kopieren möchte. Dann ist es nämlich nicht einmal nötig, das Netzteil des Bone mitzuschleppen, da das Gerät seinen Strom in diesem Modus aus der USB-Buchse zieht. Wer also gerade auf der Suche nach einer USB-Festplatte ist, sollte sich den Knochen definitiv genauer ansehen. Er eignet sich schließlich nicht nur als normaler Datenspeicher, sondern gibt die auf der Platte gespeicherten Multimediadateien direkt mittels HDMI-Verbindung auf dem Fernseher wieder – und das für nur rund 100 Euro Aufpreis.

Bild- und Tonqualität

Der Bone gibt Videos in 1080p-Auflösung aus – inklusive verlustfreiem Sound. Jede Datei, die wir wiedergeben, sieht atemberaubend aus. Die Qualität liegt auf dem Niveau deutlich größerer und teurere Media-Streamer wie dem Popcorn Hour C-200 [26].

Wir sehen uns einige SD- und einige HD-Clips der Star-Trek-Filme an. Der Bone beeindruckt uns sowohl bei normalem als auch bei hoch auflösendem Material mit einer tollen Bildschärfe und fantastischen Details. Der Sound überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie und löst in Verbindung mit unserem Onkyo-Receiver und Monitor-Audio-Lautsprechern Gänsehaut-Feeling aus. MP3-Musik klingt ebenfalls absolut überragend. Auch das Benutzer-Interface für die Musikwiedergabe gefällt. Es zeigt einen hübschen Bildschirm mit ID3-Informationen wie Song-Name und Künstler.

Fummelige Fernbedienung

Die mitgelieferte Fernbedienung kann unsere Herzen nicht für sich gewinnen. Das kleine Gerät mit einigen wenigen Tasten auf seiner Oberfläche ist zwar durch seine kleinen Abmessungen gut für den mobilen Einsatz geeignet, im Wohnzimmer nerven die fummeligen Tasten aber gewaltig – und bringen uns immer wieder zur Weißglut.

Die winzige Fernbedienung ist zwar sehr portabel, dafür treibt sie Anwender hin und wieder in den Wahnsinn. [27]
Die winzige Fernbedienung ist zwar sehr portabel, dafür treibt sie Anwender hin und wieder in den Wahnsinn.

Einfache Aufgaben wie das Vorspulen von Videos klappen zwar noch halbwegs schmerzfrei, doch auch hier folgt die Zappe bereits hin und wieder nicht unseren Befehlen. So passiert es immer wieder, dass der Bone anstatt den Clip zu spulen einfach zum nächsten springt. Hier ist uns die Fernbedienung des Popcorn Hour C-200 [26] mit ihren großen Tasten und den vielen Shortcuts schon deutlich lieber. Um unterwegs schnell eine Präsentation zu starten oder im Hotelzimmer für Unterhaltung zu sorgen, eignet sich die des Knochens aber wunderbar.

Fehlende Features

Obwohl der Bone via Ethernet-Schnittstelle auf Netzwerkspeicher und -rechner zugreift, bietet er ab Werk keine Internet-TV-Streaming-Dienste. Allerdings finden wir das nicht weiter schlimm. Schließlich gibt es ohnehin nicht allzuviele kostenlose Inhalte mit echtem Nutzwert, und außerdem klappt der Zugriff auf Youtube & Co. ja mittels Android-OS.

Fazit

Der HDX Bone beeindruckt uns wie kein anderer Media-Streamer zuvor. Er eignet sich perfekt als portables Speichergerät mit Mehrwert und enttäuscht auch Langzeit-Nutzer nicht. Lediglich die fummelige Fernbedienung dürfte einigen Filmfans etwas auf die Nerven gehen. Allerdings lässt sie sich einfach durch eine anlernbare Universal-Zappe ersetzen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41534161/hdx-bone-multitalentierter-mini-media-streamer-mit-plattenschacht-und-android/

URLs in this post:

[1] HD Digitech: http://hdx1080.com/about-networked-media-tank/17-who-is-hd-digitech

[2] BD-1: https://www.cnet.de/tests/entertainment/41526304/hdx+bd_1+toller+mediastreamer+mit+kinderkrankheiten.htm

[3] 1080p: http://de.wikipedia.org/wiki/1080p

[4] direkt beim Hersteller: http://www.hdx1080.com/where-to-buy/hdx-web-shop?page=shop.product_details&flypage=flypage.ilvm_blue.tpl&category_id=1&product_id=5&vmcchk=1

[5] HDMI: http://de.wikipedia.org/wiki/High_Definition_Multimedia_Interface

[6] Composite-AV: http://de.wikipedia.org/wiki/Composite_Video

[7] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41534161/1007_hdx-bone_03.jpg

[8] SATA: http://de.wikipedia.org/wiki/Serial_ATA

[9] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[10] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[11] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[12] HDX-Website: http://www.hdx1080.com/download/cat_view/61-hdx-bone-

[13] MKV: http://de.wikipedia.org/wiki/Matroska

[14] AVI: http://de.wikipedia.org/wiki/Audio_Video_Interleave

[15] MPEG-4: http://de.wikipedia.org/wiki/MPEG-4

[16] ISO-DVD-Images: http://de.wikipedia.org/wiki/ISO-Abbild

[17] DTS: http://de.wikipedia.org/wiki/DTS

[18] Dolby Digital: http://de.wikipedia.org/wiki/Dolby_Digital

[19] DTS-HD: http://de.wikipedia.org/wiki/DTS-HD

[20] Dolby TrueHD: http://de.wikipedia.org/wiki/Dolby_TrueHD

[21] AAC: http://de.wikipedia.org/wiki/Advanced_Audio_Coding

[22] FLAC: http://de.wikipedia.org/wiki/Free_Lossless_Audio_Codec

[23] OGG: http://de.wikipedia.org/wiki/Ogg

[24] PNG: http://de.wikipedia.org/wiki/Png

[25] BMP: http://de.wikipedia.org/wiki/Windows_Bitmap

[26] Popcorn Hour C-200: https://www.cnet.de/tests/entertainment/41526368/popcorn+hour+c_200+der+beste+media_streamer.htm

[27] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41534161/1007_hdx-bone_05.jpg