Vivitek H1085: günstiger Beamer mit gutem HD-Bild und toller Ausstattung

von Alex Jennings und Pascal Poschenrieder am , 13:30 Uhr

Pro
  • sehr gute Bildqualität für den Preis
  • einfach Bedienung
  • bietet alle wichtigen Anschlüsse
Con
  • Regenbogeneffekt
  • Bild ruckelt etwas
  • lautes Betriebsgeräusch bei hoher Lampenhelligkeit
  • leichtes Bildrauschen in dunklen Szenen
Hersteller: Vivitek Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,9 von 10 Punkte
Fazit:

Für einen rund 1200 Euro teuren Full-HD-Beamer bietet der H1085 von Vivitek ein außergewöhnlich gutes Bild. Allerdings müssen Käufer trotzdem kleine Qualitätsabstriche wie einen leichten Regenbogeneffekt und etwas Bildruckeln akzeptieren. Wer aber nicht gleich ein halbes Vermögen für einen Projektor ausgeben möchte, den er ohnehin nur hin und wieder einmal nutzt, sollte sich den H1085 definitiv genauer ansehen.

Die Fußball-WM auf dem Fernseher anzusehen, ist ja ganz nett, für die Endspiele muss aber einfach ein HD-Beamer her. Schließlich ist nur dann jedes Detail richtig zu erkennen und die Stimmung wirklich bombastisch. Wer dieser Meinung ist, muss aber nicht gleich ein Vermögen ausgeben. Der Full-HD-Projektor H1085 von Vivitek ist mit 1220 Euro ein echtes Schnäppchen. Wir haben das Gerät ausführlich getestet.

Wer an Beamer denkt, dem fallen Hersteller wie Sony [1], Benq, Epson und vielleicht noch Optoma ein. Der Name Vivitek ist aber den wenigsten ein Begriff. Doch Vivitek ist nicht irgend eine kleine Firma, die erst seit kurzem Projektoren baut. Der Konzern gehört zu den größten in diesem Segment. Allerdings hat er seine Hardware bis vor wenigen Monaten fast ausschließlich als Zulieferer für andere Hersteller unter die Leute gebracht. Doch damit ist jetzt Schluss. Ab sofort konkurriert Vivitek direkt mit den bekannten Marken und verkauft seine Geräte selbst. Das erste Modell, das unser Testlabor erreicht, ist der H1085. Der Full-HD [2]-Beamer setzt auf die DLP-Technologie [3] und kostet rund 1220 Euro.

Design

Der H1085 sieht nicht wie ein Projektor aus, der nur etwa 1200 Euro kostet. Sein Gehäuse mit Klavierlackoptik besteht zwar aus Plastik, macht aber einen erstaunlich soliden Eindruck. Außerdem ist es angenehm geschwungen designt. Wir hätten bei diesem Preis eher einen lieblosen Kunststoffkasten erwartet und sind positiv überrascht.

Als wir einen Blick auf das Anschluss-Panel werfen, erstaunt uns der H1085 noch mehr. Der Beamer bietet gleich zwei HDMI [4]-Ports, einen D-Sub-VGA [5]-Anschluss, einen 12-Volt-Trigger-Port zum Ansteuern einer motorisierten Leinwand und sogar eine RS-232C-Schnittstelle für die Integration in ein Home-Entertainment-Kontrollsystem. Die letzteren beiden Anschlüsse sind bei Geräten für weniger als 2000 Euro eine echte Seltenheit. Hinzu kommen die Standard-Ports für Composite-Video [6], S-Video [7] und Component-Video [8] sowie eine USB-Buchse und Audio-Anschlüsse.

Ausstattung

Die Sound-Schnittstellen versorgen die integrierten Lautsprecher mit Signalen. Wie bei vielen günstigen Modellen sind die Treiber allerdings sehr schwach und sind nicht für den Heimkinoeinsatz zu gebrauchen. Außerdem sorgt die Positionierung der Boxen im Beamer dafür, dass der Sound genau aus der falschen Richtung kommt, nämlich von hinten und nicht von der Leinwand. Beim Public-Viewing im eigenen Garten [9] ist das allerdings nicht so schlimm und erspart ein Aufstellen zusätzlicher Lautsprecher. Auch für den mobilen Einsatz bei Freunden oder Meetings stellen sich die Boxen durchaus als praktisch heraus.

Das Aufstellen und Ausrichten des Beamers ist leider etwas kompliziert. Dem H1085 fehlt optisches Lensshift [10], wodurch für das Positionieren des Bildes auf der Leinwand ein Verschieben des Beamers selbst notwendig ist. Bei einem Preis von 1200 Euro ist es jedoch kein Wunder, dass dieses Feature fehlt. Irgendwo musste der Hersteller die Sparschraube ja ansetzen, und dann lieber bei einer so selten benötigten Funktion als bei der Bildqualität. Um das Manko auszugleichen, integriert Vivitek ein automatisches Keystone-Korrektursystem, das die Trapezform des Bildes nach dem Aufstellen zuverlässig korrigiert.

Wer im Onscreen-Menü eines der drei Presets wählt, findet sich in einer erstaunlich langen Liste mit Einstellungen wieder. Darunter sind ein Farbmanagement-System, das ein Regeln von Helligkeit, Ton und Sättigung der sechs Grundfarben ermöglicht. Besonders nützlich sind auch die Gamma-Justierung und die Hautfarben-Anpassung.

Die Optionen des H1085 sind sogar so flexibel, dass das Gerät die Kalibrierung durch einen Experten der Imaging Science Foundation (ISF [11]) unterstützt. Wer sich so einen Profi nach Hause bestellt, zahlt zwar rund 200 Euro, bekommt dafür aber perfekt auf den Aufstellungsort angepasste Einstellungen. Das ISF-Feature ist bei 1200-Euro-Fernsehern zwar bereits recht häufig vorhanden, bei einem Projektor in dieser Preisklasse findet man es aber so gut wie nie.

Leistung

Wir kalibrieren unser Testgerät selbst. Das Anpassen des Bildes klappt vergleichsweise schnell und einfach. Als wir danach einen Film in unseren Blu-ray-Player legen, haut uns der H1085 wirklich vom Hocker. Für einen Beamer in dieser Preisklasse sind die Schwarzwerte außergewöhnlich tief. Das Bild leidet so gut wie gar nicht unter einem Grauschleier.

Die Farbdarstellung ist satt, und HD-Bilder sehen gestochen scharf aus – sogar schärfer als beim kürzlich von uns getesteten und deutlich teureren Modell PT-AE4000 [12] von Panasonic. Allerdings sind in dunklen Szenen etwas weniger Details vorhanden als beim 2100-Euro-Projektor. Dennoch wirkt die Darstellung deutlich feiner und strukturierter, als wir es bei einem so günstigen Modell erwartet hätten.

Die Sache hat aber einen Haken: Der H1085 erreicht diese Qualität durch Kompromisse. Er nutzt die DLP-Technik, die zwar für bessere Schwarzwerte sorgt, dafür aber andere Probleme mit sich bringt. Eines davon ist ein sichtbarer Regenbogeneffekt [13] an Übergängen mit großen Kontrasten oder um helle, schnell bewegte Objekte. Er wird durch das schnell drehende Farbrad [14] im Inneren des Beamers erzeugt und fällt besonders im peripheren Blickfeld auf. Einige Zuseher stört er sehr stark, anderen fällt er hingegen kaum auf. Daher sollte jeder vor dem Kauf testen, wie empfindlich er gegenüber dem Effekt ist. Das funktioniert mit jedem DLP-Projektor, den der Geizmarkt um die Ecke gerade im Angebot hat. Beim H1085 fällt das Problem nämlich nur vergleichsweise schwach auf.

Wer den Vivitek-Beamer primär zum Ansehen der Endspiele der Fußball-WM kauft, sollte sich außerdem darüber im klaren sein, dass das Gerät schnell geschossene Bälle oder sprintende Spieler leicht ruckelig darstellt. Hinzu kommt eine andere, DLP-typische Schwäche: Bildrauschen in dunklen Szenen. Glücklicherweise fällt auch dieses Problem nur in einigen seltenen Fällen stark auf.

Deutlich störender finden wir das laute Betriebsgeräusch. Wer den H1085 mit maximaler Lampenhelligkeit betreibt, hat das Gefühl, neben einem Düsenjet zu sitzen. Daher empfehlen wir, das Leuchtmittel immer mit niedriger Einstellung laufen zu lassen. Dann hört man nicht allzu viel vom Projektor, und zudem hält die Lampe dann deutlich länger. Wer aber bei Tageslicht fernsehen möchte, kommt aber einfach nicht um das laute Rauschen des Lüfters herum.

Fazit

Anfangs haben wir nicht viel vom Vivitek H1085 erwartet. Doch dann hat uns der Full-HD-Beamer für 1220 Euro positiv überrascht. Die Ausstattung ist außergewöhnlich gut, und das Bild sieht sehr ordentlich aus. Zwar hat der Projektor ein paar kleine Schwächen, über diese können wir aber problemlos hinwegsehen. Wer sich hin und wieder einen Film auf der großen Leinwand ansehen möchte, und dafür nicht gleich 2000 Euro auf den Tisch legen will, ist mit dem H1085 sehr gut beraten.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41534200/vivitek-h1085-guenstiger-beamer-mit-gutem-hd-bild-und-toller-ausstattung/

URLs in this post:

[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] Full-HD: http://de.wikipedia.org/wiki/1080p

[3] DLP-Technologie: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/trends-technik/39189858/von+lcd+bis+dlp+wie+heimkino_projektoren+funktionieren.htm

[4] HDMI: http://de.wikipedia.org/wiki/High_Definition_Multimedia_Interface

[5] D-Sub-VGA: http://de.wikipedia.org/wiki/VGA_%28Anschluss%29

[6] Composite-Video: http://de.wikipedia.org/wiki/Composite_Video

[7] S-Video: http://de.wikipedia.org/wiki/S-Video

[8] Component-Video: http://de.wikipedia.org/wiki/Component-Video

[9] Public-Viewing im eigenen Garten: https://www.cnet.de/praxis/wochenend/41533222/public_viewing+im+eigenbau+fussball+ueberall+auf+der+grossen+leinwand+geniessen.htm

[10] Lensshift: http://de.wikipedia.org/wiki/Lensshift

[11] ISF: http://www.imagingscience.com/

[12] PT-AE4000: https://www.cnet.de/tests/tv/41533859/panasonic+pt_ae4000+toller+full_hd_beamer+mit+reichlich+einstellungen.htm

[13] Regenbogeneffekt: http://de.wikipedia.org/wiki/Regenbogeneffekt

[14] Farbrad: http://de.wikipedia.org/wiki/Digital_Light_Processing#Ein-Chip-Technologie