JVC Everio GZ-HM300: billiger Full-HD-Camcorder mit zu kleinem Bildsensor

von Lori Grunin und Stefan Möllenhoff am , 14:42 Uhr

Pro
  • ordentliches Autofokussystem
  • kompaktes Gehäuse
Con
  • schwache Videoqualität
  • kein optischer Bildstabilisator
Hersteller: JVC Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: BEFRIEDIGEND 6,2 von 10 Punkte
Fazit:

Der JVC Everio GZ-HM300 ist für einen Full-HD-Camcorder zwar spottbillig, doch die Bildqualität kann beim besten Willen nicht überzeugen. Schuld daran ist in erster Linie der winzige und zu niedrig auflösende Bildsensor.

Canon, Panasonic, Sony & Co. haben allesamt Full-HD-Camcorder für über 1000 Euro im Angebot. Jetzt kommt JVC daher und bietet mit dem GZ-HM300 neben 1920 mal 1080 Bildpunkten einen 20-fachen optischen Zoom für nicht einmal 300 Euro an. Klingt zu schön, um wahr zu sein. Ob es das auch ist, zeigt der Testbericht.

1920 mal 1080 Pixel – einmal für 1000 und einmal für 300 Euro. Wofür geht die Preisdifferenz von 700 Euro drauf, beziehungsweise: Was fehlt dem HM300? Da wären beispielsweise ein Bildstabilisator oder ein hochauflösendes Display. Außerdem löst der winzige Bildsensor mit 1,37 Megapixeln nicht hoch genug auf, um Full-HD-Videos nativ einzufangen. Folglich interpoliert der JVC-Camcorder, was zu Lasten der Qualität geht. Wo keine Informationen sind, kann der Camcorder schließlich auch keine erzeugen – unterm Strich kommt Matsch dabei heraus.

Design

JVCs Einsteiger-HD-Camcorder punktet mit seinen Abmessungen. Mit 11,0 mal 6,2 mal 5,2 Zentimetern ist er ungefähr so groß wie drei übereinandergelegte Packungen Taschentücher. Das Gehäuse besteht vornehmlich aus glänzendem Plastik, fühlt sich aber dennoch recht hochwertig an.

Unten an dem Camcorder befindet sich ein Türchen, hinter dem zwei SDHC-Kartenslots sitzen. Den USB-Anschluss bringt JVC zusammen mit dem Netzanschluss oberhalb des Akkus an. Auf der Oberseite des Gehäuses gibt es einen Zoomschieber und einen Fotoauslöser.

Der Großteil des restlichen Bedienelemente versteckt sich in der Mulde unter dem Display: Upload, Ein/Aus, Wiedergabe und Foto/Videomodus. Der Power-Button dient auch dazu, die auf dem Bildschirm dargestellten Informationen anzupassen – und den Camcorder dabei gelegentlich versehentlich abzuschalten.

Auf der Oberseite des Gehäuses befinden sich Zoom-Schieber und Fotoauslöser. Die Auflösung der Standbilder beträgt maximal 2 Megapixel - und auch hier interpoliert der HM300. [1]
Auf der Oberseite des Gehäuses befinden sich Zoom-Schieber und Fotoauslöser. Die Auflösung der Standbilder beträgt maximal 2 Megapixel – und auch hier interpoliert der HM300.

Auf dem Rahmen um das Display sitzen eine Reihe von Touch-Tasten. Ok und Menü sind fix, die restlichen Schaltflächen ändern ihre Funktion je nach Konzext. Zum Blättern durch Listen dient ein berührungsempfindlicher Streifen links von der Anzeige, der aufleuchtet, wenn man ihn benutzt. Das sieht zwar schick aus und schindet auf den ersten Blick Eindruck, erweist sich in der Praxis aufgrund der mangelnden Präzision allerdings als wenig praktisch. Wir schießen häufig übers Ziel heraus.

Ausstattung

Beim Funktionsumfang gibt es keine großen Überraschungen. Die erwähnenswertesten Punkte umfassen Gesichtserkennung, Zeitraffervideo, Aufnahmestart mittels Bewegungserkennung und die Möglichkeit, aufgezeichnete Clips zu kategorisieren.

Leider kann keines dieser Features den fehlenden optischen Bildstabilisator wiedergutmachen. Auf seiner Webseite spricht JVC von „hochwertigem“ und „verbessertem Bildstabilisator“. Erst beim Blick ins Handbuch wird klar, dass der Verwacklungsschutz ausschließlich digital arbeitet. In der Praxis ist das weniger effizient als eine optische oder mechanische Lösung und kostet zudem Bildqualität. Und genau hier hat der HM300 keinen Spielraum, denn der winzige Sensor löst ohnehin nicht ausreichend Bildpunkte auf, um Full-HD-Auflösung ohne Interpolation zu stemmen.

Dubios: Der Ein/Aus-Schalter dient auch dazu, durch verschiedene Display-Modi zu wechseln. Wir schalten den Camcorder versehentlich bei dem Versuch aus, die auf dem Bildschirm angezeigten Informationen anzupassen. [2]
Dubios: Der Ein/Aus-Schalter dient auch dazu, durch verschiedene Display-Modi zu wechseln. Wir schalten den Camcorder versehentlich bei dem Versuch aus, die auf dem Bildschirm angezeigten Informationen anzupassen.

Immerhin: Der Autofokus arbeitet ziemlich gut und stellt recht zuverlässig und schnell auf das Objekt der Begierde scharf. Der 1400 mAh starke Akku ist ebenfalls großzügig dimensioniert und hält im Test 60 bis 90 Minuten Dauerfilmen durch.

Leistung

Kommen wir zur Videoqualität. Klar, für rund 300 Euro sind die Erwartungen nicht hoch. Der Bildsensor ist mit einer Diagonale von 1/5,8 Zoll winzig klein. Er bietet eine Fläche von rund 4,5 Quadratmillimetern. Zum Vergleich: Eine Kompaktkamera kommt auf mindestens 40 und eine Einsteiger-DSLR auf rund 330 Quadratmillimeter. Selbst der Sensor im iPhone 4 ist mit 15,5 Quadratmillimetern um Welten größer als der des HM300. Je mehr Fläche für eintreffendes Licht zur Verfügung steht, desto geringere Ausleseempfindlichkeiten sind möglich, und desto besser ist die Bildqualität.

Hinzu kommt, dass sich der Bereich auf dem Bildsensor, der ausgelesen wird, bei hohen Zoomstufen verkleinert. Nur so erreicht der Hersteller den beworbenen 20-fachen optischen Zoom. Das ist zwar bei einem extrem hochauflösenden Chip nicht schön, aber bei weitem nicht so problematisch. Der HM300 dagegen drosselt die effekte Auflösung beim Einsatz der optischen Zooms auf bis zu 750.000 Pixel. Um daraus Full-HD-Videos mit 2 Megapixeln zu machen, muss kräftig interpoliert werden. Das wiederum geht auf Kosten der Bildqualität.

Betrachtet man die Full-HD-Videos nicht in voller Auflösung, sondern etwa auf 50 Prozent verkleinert, sehen sie recht ordentlich und scharf aus. Bei der 1:1-Wiedergabe allerdings wirken die Clips sehr weich. Unscharfe Bildbereiche und Ecken wirken unschön verschmiert. Ein billigerer SD-Camcorder liefert ähnliche Ergebnisse.

Das Objektiv bringt vergleichsweise starke Farbsäume aufs Bild. Neben ausgeprägten violetten Rändern treten auch Störungen in Gelb, Blau und Grün auf. Immerhin sehen die Farben recht ordentlich aus. Wie viele günstige Camcorder bietet auch das JVC-Modell keinen besonders hohen Dynamikbereich. In hellen Bildbereichen kommt es zur Überbelichtung. Bei schlechten Lichtverhältnissen gelingen die Videos noch erstaunlich ordentlich – jedenfalls, solange man sie nicht in maximaler Vergrößerung betrachtet.

Sieht schick aus, ist aber zu unpräzise: Links neben dem Display befindet sich ein berührungsempfindlicher Streifen, der zum Blättern durch die Menüs dient. [4]
Sieht schick aus, ist aber zu unpräzise: Links neben dem Display befindet sich ein berührungsempfindlicher Streifen, der zum Blättern durch die Menüs dient.

Der aufgezeichnete Ton geht in Ordnung. Die Mikrofone scheinen den Klang wenig gerichtet einzufangen. Zudem sind sie aufgrund der Platzierung neben dem Objektiv recht anfällig für Windgeräusche. Der digitale Windfilter ist überfordert. Abgesehen davon ist der Sound klar, aber etwas blechern.

Fazit

Sicherlich: Mit knapp 300 Euro ist der HM300 für einen Full-HD-Camcorder extrem günstig. Die Qualität der aufgezeichneten Videos ist allerdings nicht unbedingt besser als die von SD-Videokameras, die für noch weniger Geld den Besitzer wechseln. Wer ein wenig mehr Geld auf den Tresen legt, bekommt einen „echten“ Full-HD-Camcorder – beispielsweise den Panasonic HDC-HS60 [5] für knapp 500 Euro.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41534691/jvc_everio_gz-hm300_oben.jpg

[2] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41534691/jvc_everio_gz-hm300_seite.jpg

[3] JVC Everio GZ-HM300: Bedienung und Bildqualität: https://www.cnet.de/41534706/jvc-everio-gz-hm300-bedienung-und-bildqualitaet/?pid=1#sid=41534691

[4] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41534691/jvc_everio_gz-hm300_hinten.jpg

[5] Panasonic HDC-HS60: https://www.cnet.de/tests/camcorder/41534213/panasonic+hdc_hs60+im+test+guenstiger+full_hd_camcorder+mit+25_fach_zoom.htm