Sony Bravia KDL60LX905: 3D-Fernseher für Sport-, aber nicht für Film-Fans

von Pascal Poschenrieder und Ty Pendlebury am , 14:30 Uhr

Pro
  • riesiger Bildschirm
  • 3D-Sportsendungen sehen fantastisch aus
  • schlichtes, flaches Design
  • integrierte HD-Tuner
  • Online-Features
Con
  • kein überzeugendes Bild bei Filmen
  • schwacher Sound
  • hoher Preis
Hersteller: Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,6 von 10 Punkte
Fazit:

Wer nach einem riesigen und stylischen 3D-Fernseher zum Ansehen von Sportsendungen sucht, ist mit dem Bravia KDL-60LX905 von Sony gut beraten. Außerdem bietet der TV gute Online-Funktionen. Das Bild bei Filmen überzeugt uns allerdings ebenso wenig wie der schwache Klang der integrierten Lautsprecher. Obendrein ist das Modell mit rund 4200 Euro auch noch ausgesprochen teuer.

Mit seinem Bravia KDL-60LX905 verkauft Sony einen 3D-Fernseher der Extraklasse – zumindest, wenn man dem Datenblatt glaubt. Es verspricht ein gigantisches Bild, viele Extras wie Online-Funktionen und HD-Tuner und obendrein eine Bilddiagonale von 60 Zoll. Doch das hat seinen Preis: Mit 4200 Euro gehört der TV zu den teuersten Modellen auf dem Markt. Wir haben getestet, ob der LX905 seinen Preis mit Qualität rechtfertigt.

Für all diejenigen, die es tatsächlich noch nicht wissen: 3D ist der neueste Schrei fürs Heimkino. Nachdem Hersteller wie Sony [1] ihre neuen Produkte für den dreidimensionalen Filmgenuss derart stark bewerben, ist das derzeit aber auch kaum zu übersehen. So hat Sony beispielsweise mehrere Spiele der Fußball-WM in 3D aufgezeichnet.

Derzeit hat der Konzern aber nicht nur Kameras [2] für die dritte Dimension im Einsatz, er bietet auch drei verschiedene 3D-Fernseher-Baureihen an. Die Serie LX905 steht an der Spitze – und ist in zwei Kino-würdigen Größen erhältlich: 52 und 60 Zoll. Die Fernseher sind noch nicht im freien Handel erhältlich. Allerdings hatten unsere australischen Kollegen bereits die Möglichkeit, ein Vorseriengerät der 60-Zoll-Version Bravia KDL-60LX905 genau unter die Lupe zu nehmen.

Design

Wie bei Apple [3] und LG [4] stehen auch bei Sony rahmenlose Displays ganz hoch im Kurs. Wie das zuletzt von uns getestete Modell KDL-46NX705 [5] kommt auch der KDL-60LX905 im Monolith getauften Look. Das gesamte Gehäuse ist klavierlackschwarz und kantig. Die Front besteht aus einer einzigen, großen Glasscheibe. Sie reicht über den Screen hinaus und bedeckt auch den Rahmen, wodurch die komplette Vorderseite im ausgeschalteten Zustand wie eine glänzende, schwarze Platte aussieht. Lediglich am unteren Rand weicht Sony von diesem Design ab und bringt eine dünne, silberne Leiste an.

Sony bleibt seinem Monolith-Look treu: Im ausgeschalteten Zustand sieht der KDL-60LX905 wie eine großes, klavierlackschwarzes Designelement aus. [6]
Sony bleibt seinem Monolith-Look treu: Im ausgeschalteten Zustand sieht der KDL-60LX905 wie eine großes, klavierlackschwarzes Designelement aus.

Als wir den LX905 aus seinem Karton heben, stellen wir fest, dass er einer der schwersten Fernseher ist, den wir je auf den Tisch unseres Testlabors gestemmt haben. Mit Standfuß wiegt das Monster sage und schreibe 49,8 Kilogramm. Wer also alleine wohnt, sollte zum Aufstellen dieses Riesen mindestens einen, besser zwei Freunde einladen.

Die mitgelieferte Fernbedienung kennen wir bereits vom NX705. Sie ist sehr gut durchdacht, sieht aber etwas ungewöhnlich aus. Dank ihres geschwungenen Gehäuses liegt sie gut in der Hand. Die Knöpfe bieten eine gute Rückmeldung, obwohl sie in die halbmondförmige Oberseite eingelassen sind. Besonders außergewöhnlich ist der zweite Ausschalter auf der Rückseite. Er erinnert etwas an die alten Sony-Zappen mit zwei Seiten – eine für Anfänger und eine für Experten.

Ausstattung

Wie bereits erwähnt besitzt unser Testgerät des LX905 einen 60-Zoll-Bildschirm. Als Hintergrundbeleuchtung des LCDs kommt ein im Rahmen verbautes LED-System zum Einsatz. Diese Edge-LED genannte Technik hat im Vergleich zu einer Hinterleuchtung hinter dem Panel einen entscheidenden Vorteil: Sie erlaubt sehr dünne Gehäuse, im Fall des LX905 eine Dicke von nur 6,4 Zentimeter. Dennoch bevorzugen wir die Full-LED-Lösung mit segmentweise dimmenden Leuchtdioden hinter dem Panel, da sie bessere Kontraste, tiefere Schwarzwerte und leuchtendere Farben bietet.

Das Haupt-Kaufargument für den Sony ist vermutlich aber nicht die LED-Technologie, sondern seine 3D-Fähigkeit. Im Gegensatz zu den Baureihen HX805 und HX905 handelt es sich beim LX905 nicht um einen 3D-fähigen Fernseher, der mit Hilfe von optionalem Zubehör Filme dreidimensional darstellt. Stattdessen hat er bereits alles notwendige an Bord – inklusive zweier 3D-Brillen. So braucht es lediglich einen passenden Player, und das Heimkino für die dritte Dimension ist startklar. Abspielgeräte wie der BDP-S470 [7] oder der BD-C6900 [8] sind im Vergleich zum Fernseher zwar echte Schnäppchen, dennoch sollte man den Kaufpreis von rund 300 Euro von Anfang an einplanen.

Sport-Fans, die auf baldige TV-Übertragungen in 3D hoffen, werden sich über das im Sony integrierte Motionflow 200Hz freuen. Das bewährte System berechnet Zwischenbilder und sorgt dadurch für eine Vervierfachung der Bildrate. Das sorgt bei auch bei hart geschossenen Bällen für eine scharfe Darstellung und verhindert Ruckler bei Kameraschwenks.

In Sachen Anschlüsse steht der Sony ebenfalls gut da. Er hat insgesamt vier HDMI [9]-Ports an Bord. Zwei davon sitzen an der Seite des Gehäuses, die anderen hinten. Außerdem gibt es einen Component-Video [10]– und zwei Composite-Video [11]-Eingänge. Eine VGA [12]-Schnittstelle ist ebenfalls vorhanden. Schade finden wir, dass der Hersteller lediglich einen USB-Port integriert. Viele Konkurrenten bieten zwei oder mehr, was beim heute erhältlichen Zubehör wie USB-Tastaturen, Skype-Kameras und vor allem Speichersticks und Festplatten auch nötig ist.

Dafür verbindet sich der LX905 – wie mittlerweile viele Fernseher – mit dem Internet. Allerdings verfügt er im Gegensatz zu den meisten seiner Rivalen über integriertes WLAN. Dadurch entfällt das Verlegen lästiger Kabel. Über das Netzwerk greift der Fernseher auf DLNA [13]-Streams von Computern oder NAS-Laufwerken zu – und auf Sonys Online-Plattform Bravia Internet Video [14].

Letztere bietet Zugriff auf Inhalte von Tagesschau, Eurosport, Deutsche Welle und den Berliner Philharmonikern. Außerdem ist Sony Partner des DFB, wodurch auch Qualifikationsspiele der A-Nationalmannschaft, Spielanalysen und Interviews aus Südafrika verfügbar sind. Zudem bringt der LX905 das Angebot Fifa World Cup Kollektion auf den Schirm. Es enthält Videoinhalte zu den letzten Weltmeisterschaften der letzten 76 Jahre, Dokumentationen rund um das Thema Fußball und vieles mehr. Das Ansehen von Youtube- und Dailymotion-Clips ist ebenfalls möglich.

Im Vergleich zu anderen Ländern hinkt das hiesige Angebot dennoch meilenweit hinterher. In England finden sich im Sony-Portal beispielsweise mehrere Online-Videotheken für das Streamen kompletter Spielfilme. In Deutschland ist so etwas derzeit LG beispielsweise beim Plasma 50PK760 [15] mit seinem Maxdome-Angebot vorbehalten.

Immerhin sind hierzulande wenigstens alle Sony-Internet-Widgets an Bord. Die kleinen Programme liefern Echtzeit-Updates von Websites wie Twitter und Facebook. Auch das Anzeigen von Flickr-Fotos, Wetter-Nachrichten und Finanz-Infos klappt.

Um zu den Inhalten zu gelangen, müssen Anwender durch das Xross-Media-Bar-Menü navigieren. Das von der Playstation 3 [16] bekannte System ermöglicht auch unerfahrenen Anwendern ein einfaches Zurechtfinden in den Optionen. Es besteht aus einer horizontalen Leiste mit Menüpunkten wie Einstellungen, Videos und Kanäle, aus denen beim Auswählen eine vertikale Leiste mit Unterpunkten ausklappt.

Leistung

Mit der Ausstattung des LX905 versucht Sony, den hohen Preis des Fernsehers zu rechtfertigen. Doch das alleine nützt in unseren Augen nichts. Für so viel Geld muss auch das Bild unglaublich gut sein. Allerdings lässt uns der Test des NX705 [17] hoffen. Der Fernseher liefert das mit Abstand beste Bild aller Sony-TVs, die wir in den letzten Jahren getestet haben. Und da der LX905 schließlich mehr als zweimal so viel kostet, sind wir guter Hoffnung.

Da die 3D-Darstellung das mit Abstand Interessanteste am LX905 ist, testen wir den TV als erstes mit dreidimensionalem Material. Unsere australischen Kollegen haben das Glück, dass in ihrem Heimatland bereits einige TV-Sendungen in 3D übertragen werden. Das gilt unter anderem für lokale Sportevents. Die Darstellung der Übertragungen wirkt sehr beeindruckend. Das Bild hat eine große Tiefe, wodurch man wirklich das Gefühl hat, direkt beim Geschehen dabei zu sein. Das Ergebnis ist ein viel intensiveres Fernseh-Erlebnis als bei zweidimensionalem Material. Die Brillen stören den TV-Genuss nicht, obwohl sie im eingeschalteten Zustand grün blinken. Das stört erst, wenn mehrere Zuseher direkt nebeneinander sitzen und alle ein grünes Blinken im Augenwinkel sehen.

Wir stellen deutlich weniger Crosstalk-Probleme, also die Bildung von Doppelbildern, fest, als bei Filmen von 3D-Blu-rays. Dennoch ist auch das dreidimensionale Fernsehbild nicht ganz frei von den so genannten Geisterbildern. Der Grund dafür ist die zu lange Reaktionszeit von LC-Displays. Wenn die 3D-Brille von einem Auge auf das andere wechselt, leuchtet am TV das Bild des einen Auges immer noch etwas nach. Wer sich an diesem Effekt stark stört, muss zu einem Plasma wie dem TX-P50VT20E [18] von Panasonic greifen. Hier tritt das Problem aufgrund der rund 1000 mal kürzeren Umschaltzeiten und einem Nebensignalreduzierungssystem nicht auf.

Neben den lokalen Sportsendungen sehen sich unsere australischen Kollegen auch ein Spiel der Fußball-WM in 3D an. Allerdings ist die Qualität hier weitaus schlechter. Das Bild enthält weniger Details und zeigt mehr Doppelbild-Effekte. Außerdem klagen mehrere Zuseher über Kopfschmerzen, an denen nicht nur die Vuvuzelas schuld sind.

Als nächstes muss sich der LX905 mit 3D-Spielen beweisen. Wir legen Wipeout in das Laufwerk der Playstation 3, das seit dem kürzlich erschienenen Update [19] 3D-fähig ist. Unsere Konsole erkennt sofort, dass ein 3D-Fernseher angeschlossen ist und wechselt automatisch in den richtigen Modus. Wipeout ist seit dem Update deutlich besser spielbar als zuvor, die dreidimensionale Darstellung lässt allerdings zu wünschen übrig. Das Headup-Display sitzt viel zu weit vorne, und es treten haufenweise Geisterbilder auf, was sekundenschnelle Reaktionen nahezu unmöglich macht. Wir glauben, dass sich 3D deutlich besser für Rollen- oder Strategiespiele eignet, da dort weniger schnelle Bewegungen auftreten, die für die störenden Effekte verantwortlich sind.

Beim Spielen fällt uns auf, dass die 3D-Darstellung sehr blickwinkelabhängig ist. Wer sich hinlegt, oder nur den Kopf etwas zur Seite neigt, bekommt keinen 3D-Effekt mehr zu sehen. Man muss perfekt gerade vorm Display sitzen, damit die dreidimensionale Darstellung funktioniert. Hinzu kommt, dass die maximalen Blickwinkel des LX905 recht gering sind. Wer etwas seitlich auf den Fernseher blickt, bemerkt schnell eine Unschärfe im Bild und eine massive Verschiebung der Farben.

Doch genug zu 3D, jetzt legen wir einige Blu-rays und DVDs ein. Das Bild ist akzeptabel, kommt allerdings nicht an das eines Plasmas heran. Zwar sind viele Feinheiten zu erkennen, und auch die Bildverarbeitung überzeugt, indem sie SD-Material mit guter Qualität auf den Schirm bringt. Die Farben wirken aber nicht so eindringlich wie beim TX-P50VT20E, und auch die Schwarzwerte kommen bei weitem nicht an die des Panasonic heran, wodurch das Bild deutlich flacher wirkt. Außerdem stellen wir bei 24p-Material ein leichtes Ruckeln fest, obwohl der LX905 dank einer Unterstützung für die Kino-Wiederholrate damit eigentlich keine Probleme haben sollte.

Dafür hat der LX905 nur wenig Schwierigkeiten mit der Hintergrundbeleuchtung. Bei vielen seiner Rivalen mit Edge-LED-Technologie sind an den Rändern des Displays helle Flecken zu sehen. Beim Sony treten sie nur bei sehr dunklen Szenen auf – und auch dann nur schwach. Vom Ausgrauen des Bildes bei steigenden Blickwinkeln bleibt aber auch dieser LCD-TV nicht verschont.

Der Sound der integrierten Lautsprecher enttäuscht uns. Er ist deutlich schlechter als bei anderen Sony-Geräten wie dem NX705. Dialoge sind zwar klar und deutlich zu verstehen, Soundtracks oder Effekte kommen aber nicht glaubwürdig herüber. Das ist besonders bei einem Kaufpreis von 4200 Euro peinlich. Wer so viel Geld für den Fernseher ausgibt, will nicht gleich noch einmal in die Tasche langen und ein Soundsystem erstehen.

Fazit

Bei Filmen kann uns der Bravia KDL-60LX905 nicht überzeugen. Dafür ist er ein wahres Monster bei der Darstellung von Sportsendungen – besonders, wenn diese dreidimensional übertragen werden. Natürlich könnte man 4200 Euro auch einfach in einen 3D-fähigen Projektor mit deutlich größerem Bild investieren, dieser wird aber nie eine so helle und klare Darstellung bieten. Alles in allem sind wir trotzdem der Meinung, dass der TV seinen hohen Preis nicht ausreichend rechtfertigt. Bei Panasonic oder Samsung [20] gibt es vergleichbare Geräte eben einfach deutlich günstiger.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41534741/sony-bravia-kdl60lx905-3d-fernseher-fuer-sport-aber-nicht-fuer-film-fans/

URLs in this post:

[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] Kameras: https://www.cnet.de/tests/digicam/41531875/sony+nex_5+im+test+geschwindigkeit+und+rauschen+top_+farbwiedergabe+flop.htm

[3] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[4] LG: http://www.cnet.de/unternehmen/lg/

[5] KDL-46NX705: https://www.cnet.de/tests/tv/41533046/sony+bravia+kdl_46nx705+schicker+lcd_tv+mit+guter+ausstattung+und+hohem+preis.htm

[6] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41534741/1007_sony-bravia-kdl-60lx905_02.jpg

[7] BDP-S470: https://www.cnet.de/blogs/preisradar/41533480/3d_blu_ray_player+sony+bdp_s470+bei+elektrotech+fuer+185+euro.htm

[8] BD-C6900: https://www.cnet.de/tests/entertainment/41533436/samsung+bd_c6900+schicker+3d_blu_ray_player+mit+vielen+extras.htm

[9] HDMI: http://de.wikipedia.org/wiki/High_Definition_Multimedia_Interface

[10] Component-Video: http://de.wikipedia.org/wiki/Component-Video

[11] Composite-Video: http://de.wikipedia.org/wiki/Composite_Video

[12] VGA: http://de.wikipedia.org/wiki/VGA_%28Anschluss%29

[13] DLNA: https://www.cnet.de/praxis/tv-gaming/41515883/dlna+so+loesen+filmfans+die+probleme+beim+multimedia_netzwerkstreaming.htm

[14] Bravia Internet Video: http://www.sony.de/hub/1237477744026/sony-internet-tv?campaignId=12003135&s_kwcid=bravia%20internet%20video|4355379470

[15] 50PK760: https://www.cnet.de/tests/tv/41530904/lg+50pk760+50_zoll_plasma+mit+tollem+bild+und+maxdome_film_streaming.htm

[16] Playstation 3: https://www.cnet.de/tests/entertainment/41501733/sony+playstation+3+slim+neues+design_+alte+ausstattung.htm

[17] Test des NX705: https://www.cnet.de/tests/tv/41533046/testbericht/page/2/sony+bravia+kdl_46nx705+schicker+lcd_tv+mit+guter+ausstattung+und+hohem+preis.htm

[18] TX-P50VT20E: https://www.cnet.de/galerie/41533685/panasonic+viera+tx_p50vt20e+3d_funktionen.htm

[19] kürzlich erschienenen Update: https://www.cnet.de/blogs/alpha/tv/41533174/playstation+3+ab+heute+ist+das+3d_update+verfuegbar.htm

[20] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/