Sony Handycam HDR-CX155: günstiger Full-HD-Camcorder für Einsteiger im Test

von Lori Grunin und Stefan Möllenhoff am , 18:39 Uhr

Pro
  • kompaktes Gehäuse
  • schneller Fokus
  • günstig
Con
  • mäßige Videoqualität
  • starke Probleme mit Lens-Flares
Hersteller: Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: GUT 6,7 von 10 Punkte
Fazit:

Mit dem kleinen Gehäuse und den günstigen Anschaffungskosten klingt Sonys HDR-CX155 nach einem verlockenden Angebot. Das Versprechen, ein ausgewachsener Full-HD-Camcorder zu sein, erfüllt die Handycam allerdings nicht ganz - die teureren Geschwister liefern eine deutlich bessere Videoqualität.

Mit seinem Handycam-Trio CX115, CX116 und CX155 bietet Sony drei günstige Full-HD-Camcorder an. Die Modelle unterscheiden sich lediglich in Sachen integrierter Speicher. In genannter Reihenfolge bringen sie keinen, 8 GByte beziehungsweise 16 GByte Flash-Memory mit. Während die beiden kleinen derzeit für rund 385 Euro in diversen Preisvergleichsdiensten gelistet sind, schlägt der CX155 mit rund 450 Euro zu Buche. Wir haben das 16-GByte-Modell HDR-CX155 ausführlich getestet.

Sonys Camcorder-Portfolio wirkt auf den ersten Blick etwas verwirrend: Der CX155 mit 25-fach-Zoom kostet 450 Euro, der CX550 mir 10-facher Vergrößerung beinahe das Dreifache. Full-HD bieten beide, beim teureren Modell gibt’s etwas mehr Speicher (64 GByte) und noch GPS obendrauf. Aber wohin fließt die restliche Preisdifferenz?

Ein entscheidender Punkt ist der Bildsensor: Während er beim CX155 1/4 Zoll misst, ist der lichtempfindliche Chip der CX550 1/2,9 Zoll groß. Je mehr Fläche der CMOS-Chip zur Verfügung stellt, desto besser ist die Bildqualität – insbesondere bei spärlicher Beleuchtung macht sich das bemerkbar. Ein größerer Sensor erschwert jedoch auch die Konstruktion der Optiken. Während sich der 25-fach-Zoom beim CX155 unkompliziert realisieren lässt, muss sich der CX550 mit 10-fach zufriedengeben.

Design

Mit 10,6 mal 5,6 mal 5,0 Zentimetern passt der kleine CX155 bequem in die Jackentasche. Das Gewicht von 210 Gramm dürfte ebenfalls keinen Kameramann in Schlagseite bringen – wenn er nicht gerade Mr. Burns heißt. Der Camcorder liegt gut in kleinen und mittelgroßen Händen. Wer riesige Pranken hat, dürfte sich mit dem XR155 wohler fühlen. Er ist mit dem CX155 weitgehend identisch, bringt aber eine Festplatte mit und weist an der rechten Gehäuseoberseite einen Buckel auf, unter dem das Laufwerk sitzt.

Das 2,7-Zoll-Display ist zwar nicht besonders groß, bei einem Camcorder dieses Formats stellt das aber keine Überraschung dar. Bei direkter Sonneneinstrahlung ist es nicht besonders gut abzulesen. Die zahlreichen Fingerabdrücke auf dem Touchscreen sorgen nicht gerade für Besserung. In der Mulde unter dem Bildschirm finden sich Tasten für direktes Brennen auf DVD, Wiedergabe und intelligente Automatik sowie Ein/Aus-Schalter.

Unangenehmer Nebeneffekt von Touchscreens: Bei direkter Sonneneinstrahlung lässt sich fast nichts mehr erkennen, da sie chronisch mit Fingerabdrücken übersät sind. [1]
Unangenehmer Nebeneffekt von Touchscreens: Bei direkter Sonneneinstrahlung lässt sich fast nichts mehr erkennen, da sie chronisch mit Fingerabdrücken übersät sind.

Auf dem Rahmen um die Anzeige gibt es keine mechanischen Tasten. Stattdessen bringt Sony [2] auf dem Touchscreen vergleichsweise viele virtuelle Buttons unter. Die bereits erwähnte Bildschirmgröße trägt nicht gerade zur Übersichtlichkeit bei. Grundsätzlich haben wir nichts dagegen, Geräte mittels berührungsempfindlichem Display zu steuern. Eine Ausnahme stellt der optische Zoom dar – für präzise Brennweitenveränderungen reagiert er zu träge. Auf der anderen Seite bietet der Touchscreen ein paar Vorzüge wie Touch-to-Focus.

In der Displaymulde sitzt außerdem eine Klappe, hinter der sich USB- und Mini-HDMI-Anschluss verbergen. Rechts neben dem Objektiv befindet sich ein Schieber, der die integrierte Linsenabdeckung öffnet beziehungsweise schließt. Der Speicherkartenslot nimmt wahlweise SD- und Memory-Stick-Medien auf. Sony versteckt ihn hinter einer Klappe auf der Unterseite des Gehäuses. Steht der Camcorder auf einem Stativ, lässt er sich nicht erreichen. Wer also ewig lange Videosequenzen vom Stativ einfangen möchte, sollte möglicherweise doch zum XR155 greifen, der 120 GByte Festplattenspeicher bietet.

USB- und Mini-HDMI-Anschluss befinden sich in der Mulde unter dem Display. Der Speicherkarten-Slot sitzt dagegen auf der Unterseite des Camcorders. [3]
USB- und Mini-HDMI-Anschluss befinden sich in der Mulde unter dem Display. Der Speicherkarten-Slot sitzt dagegen auf der Unterseite des Camcorders.

Auf der Oberseite des Gehäuses sitzt ein Zoomschieber. Er fühlt sich sehr gut an und ermöglicht auch langsame Zooms mit konstanter Geschwindigkeit. Wie gewöhnlich befindet sich das Stereo-Mikrofon auf der Vorderseite des Camcorders direkt unterhalb der Linse.

Das Hauptmenü zeigt sechs Schaltflächen an – welche das sind, lässt sich frei definieren. Ein Werkzeugkasten-Symbol führt den Anwender ins komplette Menüsystem, dass sich in Optionen für Video-, Foto- und Wiedergabemodus untergliedert. Das ist an sich zwar sehr logisch, doch leider sind die Listen stellenweise sehr lang und sorgen für Scrollorgien.

Ausstattung

Ausgewöhnliche Ausstattungsmerkmale sucht man vergeblich. Am spektakulärsten wären da noch Gesichts- und Lächelerkennung sowie eine Handvoll Szenenprogramme. An sich ist das nicht negativ zu verbuchen – außer einem Windfilter ist eigentlich alles Wichtige an Bord. Im Gegensatz zu seinen Highend-Kollegen bietet der CX155 ein Stereo- anstelle eines 5.1-Mikrofons. Kein großer Verlust, denn aufgrund der Nähe der Einzelmikros ist die Kanaltrennung eh praktisch nicht vorhanden.

Außerdem gibt es noch einen Zeitlupen-Modus, der einen drei Sekunden langen Augenblick als Zwölf-Sekunden-Clip festhält – also mit einem Viertel der Geschwindigkeit. Um die Zeitlupenfilmchen zu speichern, genehmigt sich der Camcorder allerdings eine recht lange Verschnaufpause.

Der Zoom-Schieber auf der Oberseite lässt sich sehr gut bedienen - ganz im Gegensatz zu seinem Pendant auf dem Touchscreen. [4]
Der Zoom-Schieber auf der Oberseite lässt sich sehr gut bedienen – ganz im Gegensatz zu seinem Pendant auf dem Touchscreen.

Leistung & Bildqualität

Mit der maximalen Qualität von 24 MBit pro Sekunde passen etwa fünf Minuten Videomaterial auf 1 GByte Speicherkapazität. Im 17-MBit-pro-Sekunde-Modus sind es immerhin knapp 6 Minuten. Die Standardeinstellung für die Auflösung steht übrigens auf 1440 mal 1080 Bildpunkten bei 9 MBit pro Sekunde. Wir haben keine Ahnung, was Sony geritten hat, dass sie diese suboptimale Pseudo-Full-HD-Einstellung wählen. Wir empfehlen die Einstellung 1920 mal 1080 Pixel bei 17 MBit pro Sekunde – die meisten Systeme dürften die Clips dann problemlos wiedergeben.

Unabhängig vom Wiedergabegerät wirken die Filmchen allerdings auch bei hoher Aufnahmequalität weich und weisen zahlreiche Artefakte an Ecken und Kanten auf – teils in Form vom Lichthöfen, teils in Form von Verwischungen. Die Bildfehler bleiben auch bei maximaler Bitrate bestehen. Farbwiedergabe und Belichtung sind ziemlich gut. Bei schlechten Lichtverhältnissen gedrehte Videos können aber nicht überzeugen – sie gelingen weich, verschmiert und verrauscht. Für diese Preisklasse ist das aber nicht ungewöhnlich.

Der Autofokus ist erfreulich flott unterwegs. Allerdings scheint das Objektiv keine besonders hochwertige Beschichtung mitzubringen: Die Optik hat bei Sonnenlicht mit starken Lens-Flare-Effekten zu kämpfen. Der Bildstabilisator leistet auch bei hohen Brennweiten noch gute Dienste.

Fazit

Angesichts der günstigen Anschaffungskosten bietet der Sony CX155 eine ordentliche Leistung fürs Geld. Wer mit der Hälfte des integrierten Speichers auskommt, erhält beim CX116 mit 8 GByte integriertem Speicher allerdings ein besseres Preisleistungsverhältnis – der kleine Bruder kostet rund 380 anstelle von 450 Euro.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41534761/sony-handycam-hdr-cx155-guenstiger-full-hd-camcorder-fuer-einsteiger-im-test/

URLs in this post:

[1] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41534761/sony_handycam_hdr-cx155_hinten.jpg

[2] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[3] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41534761/sony_handycam_hdr-cx155_seite.jpg

[4] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41534761/sony_handycam_hdr-cx155_oben.jpg