Günstig, aber lahm: Android-Smartphone LG GT540 Optimus im Test

von Daniel Schraeder am , 14:30 Uhr

Pro
  • günstig
  • in verschiedenen Farben erhältlich
  • kompakt
  • Klinkenbuchse zum Anschluss von Standard-Kopfhörern
Con
  • kleiner, resistiver Touchscreen
  • mäßige Verarbeitungsqualität
  • lahm
  • kommt mit Android 1.6 (Update ist angekündigt)
Hersteller: LG Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: BEFRIEDIGEND 6,0 von 10 Punkte
Fazit:

Das LG GT540 erweitert die Auswahl für Smartphone-Käufer, die nicht viel Geld ausgeben möchten, aber trotzdem alle Vorteile der Android-Plattform inklusive einer großen Auswahl an Apps ausnutzen möchten. Das Vergnügen wird allerdings durch das mäßige Touchscreen-Display und die schwache Performance getrübt.

Mit dem GT540 Optimus bringt LG ein gut ausgestattetes Android-Smartphone für unter 200 Euro auf den Markt. GPS, WLAN, Bluetooth und UMTS sind drin, außerdem ein Display mit einer für diese Preisklasse hohen Auflösung. Abstriche müssen Käufer beim Touchscreen und bei der Geschwindigkeit machen. Wir haben das neue Handy bereits ausführlich getestet.

In dieser Woche kommentierte ein Leser bei einem Handy-Test: „Ehrlich gesagt verstehe ich ohnehin nicht, warum überhaupt noch proprietäre Betriebssysteme verwendet werden.“ Eine sinnvolle Frage, denn mit dem Google [1]-Betriebssystem Android [2] gibt es ein modernes, attraktives Stück Software, das die Hardware-Hersteller ohne teure Lizenzkosten auf ihren Geräten einsetzen können. Der Käufer profitiert von einem App Store, der demnächst schon 100.000 Programme beinhalten wird, von einer logischen Bedienung und von einem gigantischen Funktionsumfang, den die meisten „normalen“ Handys nicht zu bieten haben. Das Problem: Der Großteil der Android-Smartphones ist sündhaft teuer. Die Königsklasse gibt es für 400 Euro aufwärts [3]. Aber auch am anderen Ende des Marktes findet sich langsam eine immer größer werdende Anzahl an Google-Handys ein. LG [4] schließt sich dem an – und hat nun mit dem GT540 Optimus ein Gerät im Programm, das für 180 bis 200 Euro den Besitzer wechselt.

Design

Auf den ersten Blick wird klar: Dieses Smartphone [5] richtet sich nicht an Manager. Spätestens, wenn man das rosafarbene Modell entdeckt, ist die Botschaft eindeutig: LG sucht junge Käufer. Das GT540 ist in Weiß, Schwarz, Rosa und Silber zu haben. Während das knallige Modell uns an den Barbie-Ferrari erinnert, wirken die anderen, dezenteren Modelle deutlich massentauglicher. Austauschbar ist das farbige Cover übrigens nicht.

Das Optimus misst 10,9 mal 5,5 Zentimeter und ist knapp 1,3 Zentimeter dick. Damit wirkt es relativ kompakt. Unsere Waage zeigt 116 Gramm an – nicht viel im Vergleich. Das ist wohl der Vorteil, den das Gehäuse aus Plastik und das Kunststoff-Glas überm Display mitbringen. Der Nachteil: Besonders hochwertig und stabil wirkt das Gerät nicht. Einen Kratztest brauchen wir bei der Anzeige gar nicht erst durchführen – Schraubenzieher, Messer, Schlüssel & Co. werden hier sofort dauerhafte Spuren hinterlassen. Der mäßige Qualitätseindruck zieht sich durch. Beim Schütteln des Geräts klappern die seitlichen Abdeckungen, und die Knöpfe unterm Display wirken billig und unpräzise. Noch dazu zieht das Plastikgehäuse Fingerabdrücke und Dreck an.

Besonders hübsch ist das LG auch nicht. Aber wir bleiben fair, es ist auch nicht besonders hässlich und durchaus vorzeigbar. Aber eben kein LG Mini [6] – die Koreaner könnten, wenn sie wollten. Das GT540 ist bei der Draufsicht rechteckig, aber die Kanten oben und unten sind oval. Geschmackssache.

Auf den ersten Blick wirkt das 3-Zoll-Display etwas klein. Im Vergleich ist es das gar nicht mal; der Eindruck entsteht durch den vergleichsweise dicken Rahmen, der sich rund um das Gerät zieht. Oberhalb der Anzeige ist das LG-Logo zu sehen, unterhalb gibt es fünf Tasten, die in zwei Reihen angeordnet sind. Die oberen beiden, Menü und Zurück, sind berührungssensitiv, die unteren drei, Anrufen, Home und Auflegen, sind mechanisch ausgeführt und sehen aus wie ein durchsichtiger Plastikstreifen.

Ganz oben hat der Hersteller eine 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse angebracht. Der zugehörige Lautstärkeregler findet sich am linken Geräterand. Rechts ist eine Micro-USB-Buchse montiert, außerdem zwei weitere Tasten – Suchen und der Kameraauslöser.

Unterhalb des Akkudeckels findet sich der microSD-Speicherkartenslot. Den Akku muss man nicht entfernen, um die Karte zu tauschen. Wer Datenverlust verhindern will, sollte den Speicher aber vor dem Entfernen im Einstellungs-Menü abmelden – so wie bei allen Android-Phones.

Ausstattung

Trotz des vergleichsweise günstigen Preises gibt es Android-typisch eine ordentliche Ausstattung. Ins Internet geht es Mobil über UMTS und HSDPA und zu Hause, bei Freunden oder im Starbucks über WLAN. Der Austausch von Dateien sowie die Kommunikation mit Headsets und Freisprecheinrichtungen erfolgt über Bluetooth, und GPS sorgt für die Positionsbestimmung. Wer einen Datentarif hat, kann damit sogar die kostenlose Android-Navigation nutzen, ansonsten gibt es Navi-Programme inkusive Kartenmaterieal ab gut 20 Euro im Market.

Apropos, selbstverständlich sind alle üblichen Google-Merkmale vorhanden. Es gibt Zugriff auf Google Mail, Maps und den Market mit einer gigantischen Auswahl an Apps und Spielen. LG hat die Oberfläche an einigen Stellen angepasst – so finden sich auf dem Homescreen beispielsweise permanente Verknüpfungen zum Telefon und der SMS-Applikation. Außerdem sieht das Menü mit den Verknüpfungen zu installierten Programmen anders aus als sonst. Wer sich damit nicht anfreunden kann, schaltet das LG-Interface einfach ab und nutzt dann den Android-Standard.

Wer das Optimus jetzt kauft, bekommt es mit der nicht mehr sonderlich aktuellen Betriebssystem-Version 1.6. Ein Update auf 2.1 ist laut LG aber bereits in Arbeit. Es fügt neue Funktionen wie Exchange-Synchronisierung sowie einen neuen Browser und diverse weitere Verbesserungen hinzu.

Die drei Zoll große Anzeige löst 320 mal 480 Pixel auf – und damit doppelt so viel wie die meisten anderen günstigen Android-Smartphones, darunter das noch mal um 60 Euro günstigere Vodafone 845 [7]. Das schafft Platz und Ordnung auf dem Homescreen, der so deutlich mehr Verknüpfungen und Widgets aufnimmt; außerdem sieht das Bild schärfer aus.

Leider spart der Hersteller aber am Touchscreen. Wie bei den anderen Einsteiger-Androiden kommt hier ein resistiver Sensor zum Einsatz, der nur auf Druck, aber nicht auf Berührung reagiert – das wäre bei kapazitiven Touchscreens der Fall. Das erschwert die Bedienung ein bisschen, da man für die coolen Wisch-Gesten richtig drücken muss. Auch das Tippen auf der virtuellen Tastatur geht nicht so locker von der Hand, und Multitouch inklusive Zwei-Finger-Zoom ist technisch bedingt nicht möglich. Und wo wir schon mal dabei sind: Auch die Tastatur selbst ist zu klein. Man wird wohl schnell vom QWERTZ-Tastenfeld auf die Ziffern-Anzeige wechseln. Vieltipper sollten sich am besten direkt nach einer Alternative umsehen.

Klar, irgendwo muss LG ja sparen. Aber der Touchscreen ist das falsche Ende, denn das ansonsten so tolle Android-Betriebssystem mit seiner Gesten- und Wischsteuerung wirkt hier etwas Fehl am Platze. Wer Android ansonsten nur von höherwertigen Smartphones mit Kapazitiv-Touchscreen her kennt, wird enttäuscht sein.

Auch an anderer Stelle haben die Koreaner noch gespart. Die Schlagwörter wie GPS, UMTS oder WLAN dürfen natürlich nicht im Datenblatt fehlen, aber auf einen Helligkeitssensor achtet ja ohnehin niemand. Stimmt. Es sei denn, er fehlt. Denn so muss man die Displaybeleuchtung selbst regeln, und das sogar ziemlich häufig. Denn wer die Anzeige immer auf Vollgas laufen lässt, reduziert die Akkulaufzeit maßgeblich – und wer sie permanent dimmt, erkennt nichts mehr, wenn er das Haus verlässt. Immerhin gibt es ein Widget, dass sich auf dem Homescreen platzieren lässt, um die Helligkeit flott umzuschalten.

Außerdem fehlt beim GT540 der Annäherungssensor. Wenn man das Handy zum Telefonieren an den Kopf hält, bleibt das Display also zunächst an. Da das resistive Touchscreen-Display aber ohnehin nicht empfindlich genug ist, um auf die Haut der Backe zu reagieren, stört das nicht. Schon eher schade ist, dass das Smartphone beim Gesprächsende das Display nicht automatisch wieder einschaltet. Aber auch daran gewöhnt man sich. Und irgendwie muss sich der verhältnismäßig günstige Preis ja zusammensetzen.

Auf der Rückseite befindet sich die Linse der 3-Megapixel-Kamera. Blitz oder Foto-LED stehen ihr nicht zur Verfügung. Die Fotos geraten recht ordentlich, wirken maximal etwas zu weichgezeichnet. Fans von vielen Einstellungsmöglichkeiten kommen bei der Kamera auf ihre Kosten.

Leistung

Auch in diesem Abschnitt spüren wir den günstigen Preis. Im Inneren des Optimus werkelt ein 600 MHz schneller Qualcomm-Prozessor, dem 256 MByte RAM zur Seite stehen. Eigentlich gar nicht so schlecht – aber unterm Strich dennoch zu wenig. Speziell beim Wechseln zwischen verschiedenen Apps geht dem LG schnell die Kraft aus. In der Praxis hilft hier ein Taskmanager, der regelmäßig geöffnete Programme schließt und somit für freien Arbeitsspeicher sorgt. Ein entsprechendes Tool hat LG wohlwissend vorinstalliert. Der Nutzer kann geöffnete Programme von Hand schließen, aber auch einstellen, dass der TasKiller alle noch laufenden Programme beim Abschalten des Displays beenden soll. Das ist zwar eine Lösung für das Problem, weniger versierte Nutzer dürften davon aber dennoch nur wenig begeistert sein.

Die Akkulaufzeit ist ordentlich. Mit einer Akkuladung hält das Optimus in unserem Test etwa 1,5 Tage durch – inklusive automatischem E-Mail-Abruf, Synchronisation des Google-Kontos, der Nutzung von Social Networks sowie einigen Gesprächen. In der Praxis wird man das Gerät dann aber wohl doch – wie im übrigen alle Smartphones mit dieser Ausstattung – täglich anschließen. Denn wenn das LG keine zwei Tage komplett durchhält, ist das Risiko, nachmittags mit leerem Akku zu „stranden“, einfach zu hoch.

Die Sprachqualität ist gut. Verbindungsabbrüche oder ähnliche Probkeme hatten wir nicht. Weniger wichtig: Videotelefonie funktioniert mangels Front-Kamera nicht.

Fazit

Wer auf der Suche nach einem vergleichsweise günstigen Handy ist, aber alle Vorteile eines modernen Smartphones inklusive App Store nutzen möchte, ist beim GT540 gar nicht so falsch aufgehoben. Hier gibt es deutlich mehr Funktionen als bei einem „normalen“ Touchscreen-Handy im vergleichbaren Preisbereich.

Man sollte sich aber bewusst sein, dass man einen Kompromiss eingeht – beispielsweise aufgrund der verhältnismäßig lahmen Reaktionen oder aufgrund des resistiven Touchscreens. Andere Geräte in dieser Preisklasse sind zwar auch nicht besser, aber für nicht viel mehr Geld gibt es beispielsweise auch das HTC Magic [8]. Das hat zwar schon zwei Jahre auf dem Buckel, ist aber immerhin mit kapazitivem Touchscreen ausgestattet.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41534802/guenstig-aber-lahm-android-smartphone-lg-gt540-optimus-im-test/

URLs in this post:

[1] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[2] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[3] Die Königsklasse gibt es für 400 Euro aufwärts: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/kaufberatung/41534744/die+ueber_androiden+im+vergleich+google_smartphones+ab+3_5+zoll.htm

[4] LG: http://www.cnet.de/unternehmen/lg/

[5] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[6] LG Mini: https://www.cnet.de/tests/handy/41530910/schon+im+test+touchscreen_handy+lg+mini+gd880.htm

[7] Vodafone 845: https://www.cnet.de/tests/handy/41533431/schon+im+test+prepaid_android_smartphone+vodafone+845.htm

[8] HTC Magic: https://www.cnet.de/tests/handy/41003354/htc+magic+android_smartphone+von+vodafone+mit+vollausstattung.htm