Autos richtig fotografieren: bessere Verkaufschancen mit tollen Bildern

von Stefan Möllenhoff am , 17:01 Uhr

Das alte Auto hat ausgedient. Egal, ob der TÜV hoffnungslos abgelaufen ist oder einfach mehr Platz oder Leistung gefordert sind, die Kiste muss weg – und noch möglichst viel Geld in die Kasse spülen. Heutzutage verkauft man Autos allerdings nicht mehr per fotoloser Zeitungsannonce, sondern im Internet. Bebildert und optisch so ansprechend wie möglich, versteht sich. Wir zeigen, wie man Autos richtig fotografiert.

Eines hat sich nicht verändert: Beim Blättern durch die Verkaufsanzeigen gibt es keine Möglichkeit, herauszufinden, in was für einem technischen Zustand das Auto wirklich ist. Aber was früher gut klang und heute gut aussieht, das muss gut sein. Und hat damit bessere Chancen, einen Interessenten zu finden. Damals schlossen potenzielle Käufer von der Qualität des Textes auf die Qualität des Angebots, heute sind die Bilder als Entscheidungskriterium hinzugekommen.

Putzen und polieren

Sieht ein Auto gepflegt aus, gehen Interessenten automatisch davon aus, dass der Wagen auch dementsprechend behandelt wurde. Und nicht zum Driften auf holprigen Wiesen missbraucht oder mit Affenzahn über Feldwege geprügelt wurde. Darum gilt ganz klar: Bevor man auch nur ans Fotografieren denkt, sollte das Auto etwas aufbereitet werden. Fürs Außenkleid ist die Waschstraße wohl der bequemste Weg, ansonsten leisten auch Autoshampoo und ein Bürstenaufsatz [1] für den Gartenschlauch gute Dienste.

Wenn das Auto so dreckig ist, dass man Gemälde in die Heckscheibe kritzeln kann, wird's Zeit für eine Wäsche.
Wenn das Auto so dreckig ist, dass man Gemälde in die Heckscheibe kritzeln kann, wird’s Zeit für eine Wäsche (Fotos: CNET.com)

Beim Innenraum muss man selbst Hand anlegen. Staubsauger, Innenraum-Reiniger, Polster- beziehungsweise Lederreiniger – und so weiter. Außerdem sollte das Auto entrümpelt werden: Ein Baseballschläger auf dem Beifahrersitz, Kondome in der Mittelkonsole oder Kekskrümel auf der Rückbank sind nichts, was potenzielle Käufer sehen wollen.

Vorbereitung

Extrem viele Fotos auf Mobile [2], Autoscout [3] & Co. zeigen den Verkaufsgegenstand auf einem Parkplatz inmitten von dutzenden anderen Autos. Hier besteht erstens gar keine Möglichkeit, einen geeigneten Blickwinkel zu finden, und zweitens wird der Interessent von tonnenweise buntem Blech abgelenkt. Auch farbige Spiegelungen auf dem mühsam auf Hochglanz gebrachten Lack lassen sich hier kaum vermeiden. Eine geeignete Fotolocation muss her.

Ein ruhiger Hintergrund lenkt das Auge des Betrachters auf das Auto.
Ein ruhiger Hintergrund lenkt das Auge des Betrachters auf das Auto.

Einen per se optimalen Ort zum Fotografieren gibt es nicht. In welchem Umfeld das Auto abgelichtet wird, hängt in erste Linie vom Auto selbst ab. Während ein grüner Jaguar in der Naturkulisse regelrecht untergeht, kann der Waldrand für den weißen Polo genau die richtige Kulisse sein. Und ein Sportwagen sieht im Industriegebiet richtig schick aus, ein Oldtimer wirkt inmitten von futuristisch wirkenden Baukränen aber völlig fehl am Platze. Eines gilt jedoch immer: Der Hintergrund muss ruhig und möglichst Einfarbig sein und sollte nicht vom Auto ablenken.

Neben dem Ort spielt auch die Zeit eine wichtige Rolle. Auch wenn es auf den ersten Blick so aussehen mag: Die Mittagszeit an einem strahlenden Sonnentag ist ungünstig für schöne Aufnahmen. Das Licht ist viel zu hart und sorgt für unschöne Schatten sowie Reflexionen. Am besten eignen sich die ersten und letzten hellen Stunden des Tages mit warmem und weichem Licht. Zur Not tut es auch ein bewölkter Tag.

Bevor es losgeht, sollte der Akku der Kamera voll aufgeladen sein und vor allem die Speicherkarte Platz für massig Fotos bieten. Denn es ist immer noch besser, später dutzende Bilder auszusortieren als sich über nicht geknipste Aufnahmen zu ärgern.

Auf den Blickwinkel kommt es an

Nicht nur bei Menschen, sondern auch bei Autos ist der erste Eindruck entscheidend. Auf den Übersichtsseiten ist lediglich das Startbild zu sehen – wirkt der Wagen hier nach Schrott, wird er gar nicht erst angeklickt. Darum konzentrieren wir erst einmal auf das Hauptbild, das wir schräg von vorne aufnehmen.

Ruhiger, interessanter Hintergrund: Check. Weiches Licht am Abend: Check. Kamera: Check. Und trotzdem sieht das Auto nach dem Abdrücken wie ein deformierter Fußball aus. Wo ist das Problem? Die allermeisten Fotos auf Autoscout & Co. sind aus viel zu kurzer Distanz aufgenommen. Im Weitwinkel werden gerade Linien zu Kurven, und selbst der kantigste Sportwagen sieht nach Ente aus. Ordentlich Zoom muss her.

Eine größere Entfernung vom Auto und ein stärkerer Zoom - also eine größere Brennweite - bedeuten, dass weniger vom Hintergrund auf dem Foto landet (grüner Punkt).
Eine größere Entfernung vom Auto und ein stärkerer Zoom – also eine größere Brennweite – bedeuten, dass weniger vom Hintergrund auf dem Foto landet (grüner Punkt).

Ein gigantisches Teleobjektiv braucht man zwar nicht, aber 80 Millimeter Brennweite sollten es schon sein. Das entspricht in etwa der maximalen Vergrößerungsstufe einer Kompaktkamera mit Dreifach-Zoom. Der Abstand zum Auto beträgt hier dann – je nachdem ob Smart oder S-Klasse – fünf bis zehn Meter. Ein weiterer Vorteil der Distanz ist, dass ein kleinerer Ausschnitt von der Umgebung auf dem Foto landet. Das macht es deutlich einfacher, einen geeigneten Hintergrund zu finden.

Kaum zu glauben, aber Kamerahöhe und Fotorichtung sind genau gleich. Im 29-Millimeter-Weitwinkel (links) sieht das Auto ziemlich aufgebläht aus. Mit 88 Millimetern Brennweite dagegen sind die Linien entzerrt.
Kaum zu glauben, aber Kamerahöhe und Fotorichtung sind genau gleich. Im 29-Millimeter-Weitwinkel (links) sieht das Auto ziemlich aufgebläht aus. Mit 88 Millimetern Brennweite im Kleinbildäquivalent dagegen sind die Linien entzerrt.

Außerdem sollte man nicht gegen, sondern mit der Sonne fotografieren. Schräge Blickwinkel, bei denen der Betrachter zwei Seiten vom Auto sieht, eignen sich ebenfalls besser als Frontalaufnahmen. Damit sowohl Front und Motorhaube als auch Seitenpartie ordentlich ausgeleuchtet sind, sollte der Blinker in Richtung Sonne zeigen. Achja: Im Idealfall wirft der Fotograf keinen Schatten auf das Auto. Aber mit dem empfohlenen Abstand sollte das ohnehin kein Problem sein.

Mehr Zoom, weniger Hintergrund: Mit hoher Brennweite (rechts) bekommen wir das Metalltor mühelos hinter das Auto. Umgeparkt haben wir zwischen den beiden Fotos nicht.
Mehr Zoom, weniger Hintergrund: Mit hoher Brennweite (rechts) bekommen wir das Metalltor mühelos hinter das Auto. Umgeparkt haben wir zwischen den beiden Fotos nicht.

Was den Aufnahmewinkel angeht, empfehlen wir, etwas in Richtung Froschperspektive zu gehen. Die Wahrheit liegt zwischen der Radnabe und den Fenstern – ist das Dach auf dem Foto zu sehen, wirkt die Karre wie ein Spielzeugauto. Landet der Unterboden auf dem Bild, war’s zu tief. Der potenzielle Käufer soll ja nicht den Eindruck bekommen, gleich überfahren zu werden. Experimentieren zahlt sich hier aus.

Um das Auto etwas dynamischer wirken zu lassen, schlagen wir die Lenkung so ein, dass die Seite vom Rad zum Betrachter zeigt. Sprich, fotografieren wir schräg von der Fahrerseite aus, so steht die Lenkung komplett nach rechts gedreht. Das sieht nicht nur sportlicher aus, sondern zeigt dem Interessenten auch gleich die Felge. Und schon ist unser Titelbild im Kasten.

Ist die Lenkung eingeschlagen, wirkt das Foto dynamischer.
Ist die Lenkung eingeschlagen, wirkt das Foto dynamischer.

Fürs zweite Foto wählen wir eine Ansicht von schräg hinten. Um fürs richtige Licht zu sorgen, wenden wir das Auto auf der Stelle – es gelten die gleichen Spielregeln wie zuvor. Für die weiteren Aufnahmen eignen sich eine Seitenansicht, eine Frontalansicht sowie ein paar Fotos von interessanten Details.

Fotos von feinen Details - ganz gleich, ob Faszinierendes oder Sonderausstattung - machen das Angebot interessanter.
Fotos von feinen Details – ganz gleich, ob Faszinierendes oder Sonderausstattung – machen das Angebot interessanter.

Bildbearbeitung

Von allzu drastischer Bildbearbeitung in Photoshop & Co. sollte man natürlich absehen. Der digitale Beulendoktor wird spätestens beim Besichtigungstermin entlarvt – Klonstempel und Konsorten sind tabu! Um noch vor der Probefahrt enttäuschte Gesichter zu vermeiden, sollte man auch Dellen und Kratzer abfotografieren.

Was jedoch nichts schaden kann, sind Korrekturen von Sättigung, Kontrast, Schärfe und dergleichen. Hier gilt aber auch: Weniger ist manchmal mehr, das Auto soll schick und nicht wie ein Gemälde von Dalí [4] aussehen.

Mit Bildbearbeitungsprogrammen lassen sich Details und Kontraste etwas betonen. Links ist das Original zu sehen, rechts das überarbeitete Bild.
Mit Bildbearbeitungsprogrammen lassen sich Details und Kontraste etwas betonen. Links ist das Original zu sehen, rechts das überarbeitete Bild.

Um die Kontraste und Details hervorzuheben, legen wir in einem Bildbearbeitungsprogramm eine neue Ebene an und kopieren das komplette Foto hinein. Die obere Ebene stellen wir auf Schwarzweiß um, und wählen einen geeigneten Überblendungsmodus. Das unten abgebildete Beispiel haben wir in Paint.NET bearbeitet und als Effekt Leuchten gewählt. In Adobe Photoshop erzielt man mit Weiches Licht gute Ergebnisse.

Paint.NET
Paint.NET ist kostenlos und bietet zahlreiche Möglichkeiten zur Bildbearbeitung.

Aus Datenschutzgründen empfehlen wir zu guter Letzt noch, das Kennzeichen unkenntlich zu machen. Wir nehmen im Bildbearbeitungsprogramm die Pipette, saugen die mehr oder weniger weiße Farbe vom Nummernschild auf und übermalen die schwarzen Buchstaben mit dem Pinsel. Fertig ist die Laube.

Fazit

Beachtet man ein paar Kleinigkeiten und knipst zur rechten Zeit am rechten Ort, wirkt das Auto gleich viel attraktiver. Die richtigen Fotos ziehen auf Autoscout24, Mobile & Co. mehr potenzielle Käufer an und sorgen damit für bessere Verkaufspreise. Der Aufwand lohnt sich auf alle Fälle.

Natürlich gelten unsere Tipps auch für schicke Bilder vom neuen Flitzer. Hier darf man sich bei der Bildbearbeitung ruhig etwas mehr spielen und kräftig experimentieren. Kombinationen aus mehreren Ebenen mit verschiedenen Überblendungsmethoden und Effektfiltern ergeben faszinierende Ergebnisse. Wer auf spektakuläre Bilder steht, der sollte sich die HDR-Fotografie [5] mal näher ansehen. Die Technik sorgt bei Autos für beeindruckende Resultate.

Sind die Fotos nicht für Autoscout & Co. gedacht, darf man in puncto Bildbearbeitung ordentlich Gas geben.
Sind die Fotos nicht für Autoscout & Co. gedacht, darf man in puncto Bildbearbeitung ordentlich Gas geben.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41535209/autos-richtig-fotografieren-bessere-verkaufschancen-mit-tollen-bildern/

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[1] Bürstenaufsatz: http://www.amazon.de/Gardena-5574-U-5574-20-Cleansystem-Handwaschb%C3%BCrste/dp/B0013BBTUA/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=diy&qid=1279881715&sr=1-2

[2] Mobile: http://www.mobile.de/home/index.html

[3] Autoscout: http://www.autoscout24.de/

[4] Dalí: http://de.wikipedia.org/wiki/Salvador_Dal%C3%AD

[5] HDR-Fotografie: https://www.cnet.de/videos/praxis/41529789/hdr_fotografie+perfekt+ausgeleuchtete+aufnahmen.htm