Nintendo 3DS: portable Spielkonsole mit 3D-Darstellung ohne Brille

von Luke Westaway und Pascal Poschenrieder am , 14:40 Uhr

Seit diesem Jahr stellen einige Fernseher Filme dreidimensional dar. Wer ein entsprechendes Gerät kauft, muss für den 3D-Effekt nicht mehr ins Kino gehen, sondern kann ihn zu Hause auf der Couch erleben. Nächstes Jahr soll 3D sogar mobil werden. Mit der Nintendo 3DS kommt Anfang 2011 die erste portable Spielkonsole mit 3D-Display auf den Markt. Wir hatten bereits die Möglichkeit, das Gerät auszuprobieren.

Wer die letzten sechs Monate nicht gerade einsam und abgeschirmt von jeglichen Informationen im Regenwald Schmetterlinge beobachtet hat, wird mit ziemlicher Sicherheit schon etwas von Nintendos neuer portabler Spielkonsole gehört haben. Die 3DS [1] ist die Nachfolgerin der erfolgreichen Modelle DS [2] und DSi [3] und bietet ein vollkommen neues Feature, das es bisher so noch nie gab: eine mobile 3D-Darstellung von Games ohne Brille oder andere Hilfsmittel. Unsere britischen Kollegen haben die 3DS in die Finger bekommen und sich einen ersten Eindruck vom Daddeln in der dritten Dimension gemacht.

Und die Aussichten sind rosig, denn auf den ersten Blick hinterlässt die 3DS einen sehr ausgereiften und guten Eindruck. Allerdings nennt Nintendo bisher noch keinen Preis. Es bleibt also nur zu hoffen, dass sich das 3D-Feature hier nicht genauso kräftig auf den Geldbeutel auswirkt, wie bei Blu-ray-Playern und Fernsehern. Das werden wir aber bald erfahren, denn die neue Konsole soll noch vor März 2011 erhältlich sein.

Neuerungen

Die 3DS hat in etwa die gleichen Abmessungen wie ihre Vorgängerinnen. Dennoch gibt es reichlich neue Features. Nach dem Aufklappen der Konsole tauchen wie gewohnt zwei Bildschirme auf. Der untere misst 3 Zoll (7,7 Zentimeter) und ist mit einem resistiven Touch-Panel versehen. Die Auflösung beträgt 320 mal 240 Pixel. Viel interessanter ist aber die obere Anzeige mit 3D-Darstellung. Nintendo hält sie im Breitbildformat. Die Diagonale beträgt 3,5 Zoll (8,9 Zentimeter). Außerdem löst sie mit 800 mal 240 Bildpunkten deutlich höher auf die Displays der alten Modelle.

Allerdings sind diese 800 Pixel in der Breite nicht überzubewerten. Da die Anzeige Bilder für das rechte und für das linke Auge liefern muss, bleiben für jedes der Sehorgane nur 400 Pixel, also die Hälfte, übrig. Das bedeutet, dass die endgültige Auflösung bei 400 mal 240 Bildpunkten liegt. Das ist aber immer noch deutlich mehr, als bei den Vorgängerinnen der 3DS.

3D ohne Brille

Nintendo hält sich mit der Veröffentlichung von Details zur Funktionsweise der 3D-Darstellung ohne Brille noch sehr stark zurück. Verständlich, schließlich möchte der Hersteller nicht, dass Konkurrenten die Technik kopieren und womöglich vergleichbare Geräte vor der 3DS auf den Markt bringen. Allerdings verwetten wir unser letztes Hemd darauf, dass die Haupt-Anzeige der Konsole mit einer Parallaxen-Barriere arbeitet – einer Deckschicht mit lauter kleinen vertikalen Schlitzen. Diese Schicht leitet je eine Pixelspalte an das eine Auge und die drauffolgende an das andere Auge weiter. Diese Technik wird beispielsweise auch bei Wackelbildern [4] genutzt.

Mit Hilfe des Reglers auf der rechten Seite des Gehäuses lässt sich die Tiefe der 3D-Darstellung stufenlos regeln. [5]
Mit Hilfe des Reglers auf der rechten Seite des Gehäuses lässt sich die Tiefe der 3D-Darstellung stufenlos regeln.

Der Nachteil dieser Technologie besteht darin, dass man seinen Kopf ruhig und in konstantem Abstand zum Display halten muss, damit der 3D-Effekt funktioniert. Im Test stellen wir aber fest, dass trotzdem zumindest ein geringer Bewegungsspielraum vorhanden ist. Erst wenn unser Kopf sich rund 5 Zentimeter nach rechts oder links bewegt, ist die Darstellung gestört. Das sollte gerade reichen, um auch während einer etwas holprigen Autofahrt noch Spiele in der dritten Dimension genießen zu können.

Darstellungstiefe

Alles in allem haben wir einen sehr positiven Eindruck vom 3D-Bildschirm. Der Effekt scheint komplett nahtlos und bietet eine erstaunliche Tiefe. Wir spielen Pilotwings Resort, einen Flugsimulator für die Konsole, und sind absolut überrascht, wie weit entfernt Sehenswürdigkeiten am Horizont erscheinen. Zwar beeindruckt uns der Effekt hier total, dafür überzeugt er bei Objekten, die aus dem Display herausstehen sollen, nicht hundertprozentig. In einigen Spielen funktioniert auch das recht ordentlich, die meisten Dinge ragen aber eher nach hinten in den Screen hinein.

Wir haben keine Probleme damit, Objekte irgendwo im dreidimensionalen Blickfeld zu fokussieren. Auch Kopfschmerzen oder ein Verlust der Tiefeneinschätzung in der Realität nach ausgiebigen Daddel-Sessions treten nicht auf. Das Spielen von 3D-Games auf der 3DS ist sehr komfortabel – besonders im Vergleich mit 3D-Fernsehern inklusive Brillen.

Auf der rechten Seite des oberen Gehäuseteils befindet sich ein Schieberegler zum Justieren der 3D-Tiefe des Displays. Das Herumspielen mit dem Bedienelement ist ein Erlebnis für sich. Die Tiefe nimmt scheinbar völlig übergangsfrei immer weiter ab, bis die Anzeige Bilder nur noch komplett zweidimensional darstellt. In der Praxis halten wir die Option zwar für ziemlich überflüssig, dennoch handelt es sich um ein willkommenes Feature, das besonders diejenigen freuen wird, denen der 3D-Effekt mit der Zeit zu überwältigend ist, oder die vielleicht doch leichte Probleme mit eventuellen Nebenwirkungen haben. Der Fakt, dass sich der 3D-Effekt so einfach und schnell und ohne ein Durchsuchen der Onscreen-Menüs abschalten lässt, zeigt, dass Nintendo ihn eher als optionales Features denn als Notwendigkeit sieht.

Dank überflüssiger Brillen fühlt sich der 3D-Effekt sehr befreiend an. Jeder der bereits einen Film auf einem 3D-Fernseher mit Sehhilfe angeschaut hat, weiß, wie störend diese Spezialausrüstung sein kann. Das Bild auf dem Schirm ist zwar recht ordentlich, dafür flackert die Realität rund um den Fernseher in den Winkeln des Sichtfelds mit 50 Hz vor sich hin. Zusätzlich treten häufig Reflexionen in den Brillengläsern auf.

Auch das von der 3D-Darstellung mit Hilfe von Brillen bekannte Ausbleichen des Bildes und besonders der Farben gibt es hier nicht. Der Effekt wird durch die LC-Panels der Sehhilfen hervorgerufen, die nacheinander rechtes und linkes Auge abdunkeln und so einen Teil der Helligkeit des Bildes herausfiltern. Die 3DS besitzt das hellste, schärfste und lebendigste 3D-Display, das wir bisher gesehen haben, und wir können es kaum noch erwarten, dass diese Technik zur Anzeige der dritten Dimension in die Welt der Heimkinos Einzug hält.

3D-Fotos

Die 3DS hat zwei Kameras an Bord. Sie sitzen auf oben auf dem Deckel des Gehäuses und schießen 3D-Fotos. Das Feature ist absolut beeindruckend. Während des Fotografierens und danach helfen einige Einstellungsmöglichkeiten dabei, die Ergebnisse ideal an den eigenen Geschmack anzupassen. Allerdings leidet die Fotografie mit der Konsole unter einem großen Problem. Nintendo hat die Kameras seiner portablen Konsole nicht verbessert. Sie lösen nach wie vor nur lächerliche 0,3 Megapixel auf. Der Hersteller hat stattdessen lediglich drei Digicams statt einer eingebaut. Zwei sitzen wie gesagt hinten und eine auf der Vorderseite über dem 3D-Screen.

Im Deckel der 3DS sitzen zwei Kameras, mit deren Hilfe die Konsole 3D-Fotos schießt. Allerdings lösen sie lediglich 0,3 Megapixel auf. [6]
Im Deckel der 3DS sitzen zwei Kameras, mit deren Hilfe die Konsole 3D-Fotos schießt. Allerdings lösen sie lediglich 0,3 Megapixel auf.

Dafür hat Nintendo der 3DS einen neuen, analogen Stick spendiert, der 360-Grad-Bewegungen erlaubt und das berühmte D-Pad nach unten verdrängt. Unserer Meinung nach handelt es sich hier um eine tolle Neuerung. Das Spielen mit dem Stick klappt sehr flüssig, exakt und komfortabel. Die Anti-Rutsch-Beschichtung sorgt dafür, dass unser Finger nicht von dem Pad rutscht, was bei der PSP [7] von Sony [8] ein Problem ist.

Filmwiedergabe

Unseren Quellen zufolge will Nintendo Filme auf auf die 3DS-Plattform bringen. Wir haben beim Hersteller nach Details gefragt, allerdings keine genauen Informationen erhalten. Nintendo wollte weder verraten, ob bereits eine Kommunikation mit Film-Studios stattgefunden hat, noch ob Filme mittels des eingebauten WLANs herunterladbar sein werden, oder ob es sie auf Speicherkarten zu kaufen gibt.

Ausblick

Am Anfang unseres Vorabtest standen wir der Nintendo 3DS noch etwas skeptisch gegenüber. Doch jetzt sind alle Zweifel ausgeräumt: Das 3D-Display funktioniert fantastisch, und auch in puncto Bedienung hat sich etwas getan. Natürlich hängt der Erfolg der Konsole letztendlich wie immer auch von den verfügbaren Spielen und von den Inhalten in Nintendos Market ab. Hardwareseitig hat die 3DS unserer Meinung nach aber schon gewonnen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41535448/nintendo-3ds-portable-spielkonsole-mit-3d-darstellung-ohne-brille/

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[1] 3DS: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/trends-technik/41533473/page/3/das+bringt+die+e3+microsoft+kinect_+nintendo+3ds+und+sonys+3d_spiele.htm

[2] DS: https://www.cnet.de/tests/entertainment/39144195/deutlich+verbessert+nintendo+ds+lite.htm

[3] DSi: https://www.cnet.de/tests/entertainment/41002656/schon+getestet+nintendo+dsi.htm

[4] Wackelbildern: http://de.wikipedia.org/wiki/Wackelbilder

[5] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41535448/1007_nintendo-3ds-preview_02.jpg

[6] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41535448/1007_nintendo-3ds-preview_01.jpg

[7] PSP: https://www.cnet.de/tests/entertainment/41503597/sony+psp+go+im+test+downloads+statt+umds.htm

[8] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/