3D-Techniken im Überblick: So funktionieren active Shutter, Polarisation & Co.

Tiefenwahrnemung ohne Brillen: Autostereoskopie

3D ohne lästige Brillen, das ist definitiv die Königsdisziplin und noch Zukunftsmusik. Nicht ganz, denn die dafür nötigen autostereoskopischen Display gibt es schon. Sie setzen auf zwei unterschiedliche Techniken. Die eine nutzt eine Kamera, die die Augen des Betrachters verfolgt und den Blickwinkel des dargestellten Bildes dementsprechend anpasst. Die andere arbeitet nach dem Prinzip von Wackelbildern. Über jeder Pixelspalte des Panels ist eine so genannte Parallaxenbarriere angebracht. Dabei handelt es sich um eine durchsichtige Schicht vor dem Panel, die mit Schlitzen versehen ist. Über jeweils zwei Pixelspalten befindet sich ein Schlitz. Er sorgt dafür, dass das eine Auge aus seinem Blickwinkel nur die erste Reihe an Bildpunkten, das andere nur die zweite sieht. Diese Technik findet beispielsweise bei der ab März nächsten Jahres erhältlichen Spielkonsole Nintendo 3DS Verwendung.

Wer von weiter links auf die Anzeige blickt, liest eine Zehn statt einer Neun ab. Nach diesem Prinzip funktionieren Parallaxen-Barrieren.
Wer von weiter links auf die Anzeige blickt, liest eine Zehn statt einer Neun ab. Nach diesem Prinzip funktionieren Parallaxen-Barrieren.

In Form von einer Lenticular-Linsenschicht gibt es noch eine zweite Methode einer Schicht, die das Licht von Pixeln gezielt in eine Richtung leitet. Hier kommen keine Schlitze, sondern Erhebungen zum Einsatz. Für professionelle Anwendungen findet eine Kombination aus Blickwinkelerfassung und Parallaxentechnik Verwendung. Dabei wird die Parallaxenschicht mit der Kopfbewegung mit verschoben, wodurch deutlich höhere Blickwinkel realisiert werden. Das Friedrich-Hertz-Institut der Frauenhofer-Stiftung hat mit dem Free2C_digital beispielsweise ein System entwickelt, das so funktioniert.

Dank Head-Tracking bieten die Free2C-digital-Display höhere Blickwinkel.
Dank Head-Tracking bieten die Free2C-digital-Display höhere Blickwinkel.

Das beste an der Autostereoskopie ist das Wegfallen lästiger Brillen. Außerdem gibt es hier Farbverälschungen genauso wenig wie Geisterbilder oder eine Abdunkelung des Bildes.

Doch leider sind Geräte auf Prallaxen-Basis gerade mit großen Diagonalen recht teuer. Hinzu kommt auch hier eine Halbierung der Pixelzahl. Um das zu kompensieren, besitzt die Nintendo 3DS beispielsweise einen Screen mit 800 mal 320 Bildpunkten, also 400 mal 320 Pixeln für jedes Auge. Um große TV-Geräte mit zweifacher Full-HD-Auflösung zu fertigen, ist ein enormer Aufwand nötig, der hohe Kosten verursacht.

Außerdem ist der Effekt stark blickwinkelabhängig. Wer seinen Kopf bei einem normalen Parallaxen-Display nur wenige Zentimeter zur Seite bewegt, zerstört den 3D-Effekt. Die Kombination mit der Augenverfolgung mittels Kamera sorgt zwar für höhere Winkel, ist aber noch teurer und beseitigt das Problem trotzdem nicht vollständig. Außerdem funktioniert sie nicht für beliebig viele Personen. Ein reines Augen-Tracking ohne Spezialdisplay sorgt zwar für dreidimensionale Blickwinkel, aber nicht für einen Tiefeneindruck.

Fazit

Die von uns getesteten 3D-Fernseher auf Basis der Shutter-Technik funktionieren allesamt bereits recht ordentlich. Perfekt ist der Tiefeneffekt aber noch lange nicht. Lästige Brillen und störende Nebeneffekte verhageln den Filmgenuss. Aber auch die Darstellung der dritten Dimension mittels Polarisation & Co. hat noch Probleme. Außerdem sind alle 3D-Geräte noch vergleichsweise teuer.

Das größte Problem ist jedoch nicht die Technik. Es fehlen schlichtweg die Inhalte. Derzeit gibt es nur eine Handvoll dreidimensionaler Filme auf Blu-ray, und von 3D-Fernsehübertragungen können wir zumindest in Deutschland momentan nur träumen. Daher sollten sich Filmfans derzeit lieber einen guten 2D-TV kaufen und noch warten. Wenn Sie dann wirklich mal die dritten Dimension genießen wollen, gibt es ja immer noch das Kino. Am besten klappt der Effekt aber, wenn man einfach vor die Tür geht, anstatt sich vor die Glotze zu setzen. Hier ist alles hochauflösend, dreidimensional und frei von störenden Nebeneffekten.

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