Canon HF M32: Videoqualität und Leistung sehr gut, Bedienung schlecht

von Lori Grunin und Stefan Möllenhoff am , 16:54 Uhr

Pro
  • ausgezeichnete Videos bei maximaler Bitrate
  • hochwertiges Objektiv
Con
  • unpraktisches Touchscreen-Interface
  • kurze Akkulaufzeit
  • ungünstige Werkseinstellungen
Hersteller: Canon Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,5 von 10 Punkte
Fazit:

Canons HF-M3x-Serie bietet eine sehr gute Mischung aus Ausstattung und Qualität für einen fairen Preis. Das Touchscreen-Interface sorgt allerdings immer wieder für Frust, und die Akkulaufzeit ist extrem kurz.

Canons letztjährige Einsteiger-HD-Camcorder der HF200-Serie haben uns positiv überrascht. Und die größten Stärken bleiben auch den Nachfolgern mit den Bezeichnungen HF M300, M30, M31 und M32 erhalten: Sie überzeugen, was Leistung und Videoqualität angeht. Alle weiteren Details zum Canon Legria HF M32 verrät der ausführliche Testbericht.

Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 999 Euro ist der HF M32 der teuerste Vertreter unter den vier Geschwistern. Dafür gibt es mit 64 GByte Flash-Memory aber auch den größten integrierten Speicher. Die günstigeren Modelle HF M31, M36 und M306 bringen 32, 16 beziehungsweise gar keinen Speicherplatz mit, kosten dafür mit 899, 749 und 699 Euro auch ein ganzes Stück weniger und sind ansonsten technisch identisch.

Design

Sämtliche Geräte der M-Serie sind ziemlich klein und leicht. Dennoch sind sie ausreichend dimensioniert, um auch in großen Händen noch sicher zu sitzen. Obwohl die Gehäuse aus Kunststoff bestehen, fühlen sie sich sehr hochwertig an.

Rechts auf der Oberseite des Camcorders befindet sich ein Schiebeschalter um Wechseln zwischen manuellem und automatischem Aufnahmemodus. Ein Umschalten ist über die Touchscreen-Menüs ebensowenig möglich, wie ein Konfigurieren der manuellen Parameter, wenn die Automatik gewählt ist. Immerhin merkt sich die Videokamera die Einstellungen, wenn man zwischen den beiden Modi wechselt.

Der Schiebeschalter auf der rechten Oberseite dient zum Wechseln zwischen manuellem und automatischem Modus.
Der Schiebeschalter auf der rechten Oberseite dient zum Wechseln zwischen manuellem und automatischem Modus.

Ganz oben auf dem M32 gibt es einen Zoomschieber und einen Fotoauslöser. Beide Bedienelemente lassen sich bequem mit dem Zeigefinger erreichen. Der Zoomschieber gefällt; es stellt kein Problem, eine Brennweitenveränderung mit konstanter Geschwindigkeit durchzuführen. Die einzige Taste auf der Rückseite des Camcorders dient zum Starten und Stoppen der Aufnahme. Links daneben befindet sich der mit 890 mAh ziemlich schlappe Akku. Der Stromspeicher schließt bündig mit dem Gehäuse ab. Das bedeutet, dass die stärkeren und damit auch größeren Batterien aus dem Zubehör nach hinten hervorstehen.

Auf dem Rahmen um das Display sitzt ein einziger Knopf, der im Aufnahmemodus den Power-IS-Bildstabilisator aktiviert und in der Wiedergabe das Herunterrechnen von Videos in niedrigere Auflösungen ermöglicht. In der Mulde unter dem Bildschirm befinden sich Tasten zum Umschalten zwischen Aufnahme und Wiedergabe und zum Ändern der auf dem Bildschirm dargestellten Optionen und sowie ein Schieber zum Lösen der Akkuverriegelung. Glücklicherweise schaltet sich der Camcorder nicht wie Panasonics aktuelle Modelle automatisch an, wenn man das Display ausklappt – sonst müsste man die Kamera erst wieder abschalten, um den Stromspeicher zu entfernen. Unter dem Bildschirm bringt Canon außerdem Speicherkartenslot sowie Mikrofon- und Kopfhörerbuchsen unter. Mini-HDMI-, USB- und Component-Anschluss finden sich auf der rechten Seite unter der Trageschlaufe.

Unter dem ausklappbaren Bildschirm findet sich eine Reihe von Tasten und Anschlüssen.
Unter dem ausklappbaren Bildschirm findet sich eine Reihe von Tasten und Anschlüssen.

Der HF M32 nutzt das gleiche Touchscreen-Interface wie seine anspruchsvolleren Geschwister. Das verheißt nichts Gutes, denn das bei den teureren Modellen schon frustrierende Interface macht auf den kleineren und träger reagierenden Displays der günstigeren Camcordern noch weniger Spaß. Da nutzt auch die beste Ausstattung nichts, wenn das Treffen der richtigen Schaltflächen die Nerven jedes mal auf die Zerreißprobe stellt.

Immerhin: Im Großen und Ganzen sind die Menüs übersichtlich strukturiert, und das Interface ist logisch aufgebaut. Die grauenhafte Umsetzung der Scrollbalken macht jedoch die gute Arbeit zunichte, die Canon beim Design geleistet hat. Die Scrollbalken sitzen nämlich auf der Innenseite des Displays. Wer durch längere Listen blättert, verdeckt den Inhalt mit der Hand und sieht nicht, wohin die Reise gerade geht.

Die Menüs sind zwar übersichtlich aufgebaut, aber die hakelige Touchscreen-Bedienung sorgt massiv für Frust.
Die Menüs sind zwar übersichtlich aufgebaut, aber die hakelige Touchscreen-Bedienung sorgt massiv für Frust.

Dass die Dialoge nach dem Anschubsen mit der Fingerspitze wie bei iPhone & Co. weiter scrollen, macht es zudem praktisch unmöglich, nur einen Eintrag weiterzublättern. Wir schießen ständig am Ziel vorbei. Im besten Fall hat man sich nach einer frustrierenden Einarbeitungsphase daran gewöhnt, im schlimmsten Fall treibt es einen in den Wahnsinn, und der 1000-Euro-Camcorder fliegt aus dem Fenster.

Ausstattung

Bei der Ausstattung gibt es keine revolutionären Neuerungen. Eine virtuelle Funktionstaste auf dem Display bringt die am häufigsten benutzten Einstellungen auf den Bildschirm. Ganz unten in dem Dialog findet sich eine Schaltfläche, die das vollständige Menü öffnet. Hier gibt es die üblichen Parameter wie Weißabgleich, Bildeffekte, Videoqualität und Standbildauflösung.

Neben einer eingeschränkten Programmautomatik bringt der Camcorder erfreulicherweise auch die beiden halbautomatischen Modi Blenden- und Belichtungspriorität mit. Für die Verschlusszeit stehen Werte zwischen 1/6 und 1/2000 Sekunde zur Verfügungen, für die Blende gibt es Öffnungsverhältnisse zwischen F1,8 und F8,0. Die Blendenpriorität gewährt dem Kameramann mehr Freiheiten bei der Wahl der Tiefenschärfe, als die meisten Konkurrenten in der Ultrakompakt-Klasse.

Canons Cine-Funktion zum Einstellen von Farbe und Gamma steht ebenso zur Verfügung wie ein 24F-Progressiv-Modus. Allerdings zeichnet der M32 immer mit 60 Halbbildern auf. Die Zoomgeschwindigkeit lässt sich wahlweise auf einen von drei festen Werten einstellen oder dynamisch regeln. Einen x.v.Color-Modus gibt es ebenfalls.

Leistung

Der Autofokus macht einen guten Job: Er hält zuverlässig Vorder- und Hintergrund auseinander und passt sich schnell an wechselnde Aufnahmeverhältnisse an. In den allermeisten Fällen nimmt der Camcorder Videos etwas zu dunkel auf. In sehr hellen Bildbereichen brennen die Details wie bei den meisten Consumer-Modellen dennoch aus.

Das 15-fach vergrößernde Objektiv bringt erfreulich wenige Farbsäume aufs Bild. Der optische Bildstabilisator leistet zuverlässige Dienste. Leider kann der Standard-Akku mit der ansonsten sehr guten Leistung nicht mithalten – er macht im Test bereits nach 45 Minuten schlapp. Das LC-Display ist im direkten Sonnenlicht nicht besonders gut ablesbar. Zudem ist die Bildschirmauflösung zu niedrig, um den Fokus wirklich beurteilen zu können. Die integrierten Mikrofone bieten eine gute Qualität, allerdings klingt der Ton einen Tick zu hell. Der Windfilter ist leider nicht besonders brauchbar.

In der maximalen Aufnahmequalität mit 24 MBit/s wirken die Clips ordentlich scharf. Sie weisen verhältnismäßig viele Details und wenig Artefakte auf. Die Videos sehen sehr farbenfroh aus, lediglich bei Violett- und Rottönen übertreibt es der M32 etwas. Mit auf 17 MBit/s reduzierter Bitrate treten bereits ein paar Kompressionsfehler auf. In der Werkseinstellung mit 1440 mal 1080 Bildpunkten und 7 MBit/s gelingen die Videos alles andere als gut: Sie sind sehr weich und voll von Kompressionsartefakten. Bei einem 200-Euro-Modell, dessen Videos ohnehin primär auf YouTube & Co. landen, wäre das verständlich. Aber nicht bei einem 1000-Euro-Camcorder.

Die Videoqualität bei schlechten Lichtergebnissen ist zufriedenstellend, aber nicht herausragend. Die Filmchen wirken etwas weich und verrauscht, sind aber nach wie vor gut ausgeleuchtet und weisen schöne Farben auf.

Fazit

Die Legria-HF-M-Serie von Canon kann mit der sehr ordentlichen Bildqualität und der guten Leistung problemlos mit der Konkurrenz in dieser Klasse mithalten. Das Touchscreen-Interface ist jedoch mehr frustrierend als hilfreich – wer hohe Ansprüche an die Bedienung stellt, sollte den Camcorder und seine berührungsempfindliche Oberfläche vor dem Kauf unbedingt ausprobieren. Angesichts der niedrigen Anschaffungskosten von Speicherkarten bietet der M306 von den vier Modellen der M-Serie das beste Preisleistungsverhältnis. Für die Differenz von 300 Euro zwischen dem günstigsten und dem teuersten Modell wechseln vier Klasse-4-SDHC-Karten mit 32 GByte den Besitzer.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Canon Legria HF M32: Bedienung und Bildqualität: https://www.cnet.de/41536167/canon-legria-hf-m32-bedienung-und-bildqualitaet/?pid=1#sid=41536164