Schon getestet: Navi-Smartphone Garmin-Asus Nüvifone A50 mit Android

von Daniel Schraeder am , 18:04 Uhr

Pro
  • wertige Materialauswahl
  • Android-Betriebssystem mit Zugang zum Market
  • großzügiger Lieferumfang
  • vorinstallierte Navigationslösung inklusive Kartenmaterial
Con
  • nur Android 1.6
  • Multitouch nicht in allen Anwendungen
  • fummeliger 4-Wege-Knopf
  • stark angepasstes, teilweise gewöhnungsbedürftiges User-Interface
Hersteller: Garmin-Asus Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,0 von 10 Punkte
Fazit:

Das Garmin-Asus Nüvifone A50 ist weder das beste Navigationssystem noch das beste Android-Smartphone auf dem Planeten. Aber es erledigt beide Aufgaben überdurchschnittlich gut - und ist somit ideal geeignet, wenn sowohl ein Navi- als auch ein Handy-Neukauf anstehen.

Vor Jahren schon hätte das Nüvifone ein iPhone-Killer werden sollen – als Touchscreen-Smartphone mit komplett integrierter Navigationslösung. Aber so, wie angekündigt, hat Garmin sein Navi-Handy nie auf den Markt gebracht. Seit kurzem hat nun O2 mit dem Nüvifone A50 ein Android-Smartphone im Angebot, das optisch und technisch stark an die früheren Ankündigungen erinnert. Wir haben es ausführlich getestet.

Ein Smartphone [1] als Navi? Das ist eigentlich nichts Besonderes mehr. Für alle wichtigen Handy-Betriebssysteme stehen vollwertige Navi-Lösungen zur Verfügung, GPS ist in den meisten Smartphones ohnehin standardmäßig integriert – und inzwischen gibt es von Google [2] und Navigon sogar komplett kostenlose Navigationsprogramme für Android [3] und das iPhone. Braucht man da überhaupt noch ein explizites Navi-Handy? Scheinbar schon, zumindest, wenn es nach den Strategen von Garmin-Asus geht, die mit ihrem Nüvifone A50 genau so ein Gerät auf den Markt gebracht haben.

Das A50 ist exklusiv bei O2 erhältlich und kostet dort 469 Euro ohne Vertrag beziehungsweise 49 Euro Anzahlung und 17,50 Euro monatlich bei der Null-Prozent-Finanzierung My Handy.

Design

Wir nehmen das Nüvifone aus seiner Verpackung und sind zunächst positiv überrascht. Nahezu die komplette Vorderseite ist von einer kratzresistenten Echtglasscheibe überzogen. Sie streckt sich vom oberen bis zum unteren Rand, über das Nüvifone-Logo, über das Display und über das Soft-Touch-Tastenfeld. Das Glas wird lediglich unten in der Mitte von einer viereckigen, chromumrandeten Aussparung unterbrochen, die als Vier-Wege-Taste dient.

Oben und unten kommt verchromter Kunststoff zum Einsatz. Außerdem zieht sich eine schlanke Chromleiste über die Seitenflächen. Sie sorgt für einen angenehmen Kontrast und wertet die Optik des Nüvifone auf. Oben in der Mitte befindet sich der Ein-Aus-Lock-Taster, unten in der Mitte die USB-Buchse zum Laden und zum Übertragen von Daten. Außergewöhnlich: Anstelle der inzwischen bei Handys üblichen Micro-USB-Buchse bedient sich der Hersteller hier einem Mini-USB-Anschluss. Aber da man von diesen Kabeln üblicherweise mehr im Einsatz hat als von den flacheren Brüdern, kann uns das nur recht sein.

Rechts am Rand finden sich noch drei Tasten in der Chromleiste. Oben sitzt der obligatorische Wipp-Schalter zur Regelung der Lautstärke, unten ein zweistufiger Auslöser für die integrierte 3-Megapixel-Kamera.

Die Rückseite besteht aus mattem, gummiertem Kunststoff. Das Material wirkt deutlich hochwertiger als beispielsweise beim Samsung [4] Galaxy S. In der Mitte sorgt ein Metallstreifen mit eingeprägtem Garmin-Asus-Logo wieder für die angenehmen optischen Akzente. In ihm befindet sich eine Aussparung für die Linse der Kamera. Foto-LED oder Blitz gibt es hier aber leider nicht – schade.

Erwähnenswert ist noch eine Kontaktfläche, die sich beim Blick auf die Rückseite am rechten Rand befindet. Über diesen Konnektor rastet das Nüvifone in die mitgelieferte KFZ-Halterung ein und wird gleichzeitig mit Strom versorgt. Das ist deutlich weniger fummelig als das ansonsten übliche Anstecken eines USB-Kabels, nachdem man das Handy in die Halterung eingedockt hat.

Bedienung

Wir schalten das A50 an – und bekommen eine Oberfläche zu sehen, die nichts mit dem zu tun hat, was wir bei einem Android-Smartphone erwarten. Stattdessen erinnert uns das Interface eher an die allerersten Bilder des im Januar 2008 vorgestellten Nüvifone.

Im oberen Bereich gibt es die von Android bekannte Notification Bar, die über Akkustatus, Verbindung und Uhrzeit informiert – und über alles andere, was noch angefallen ist. Verpasste Anrufe, neue E-Mails oder ungelesene SMS-Nachrichten beispielsweise. Wie bei Android üblich, lässt sie sich per Fingerwisch nach unten ziehen. Sympatisch – wir fühlen uns schon ansatzweise zu Hause.

Der Homescreen an sich besteht wiederum Android-untypisch aus lediglich einer Seite. Sie ist in zwei Teile unterteilt. Zwei Drittel des Displays werden dabei von nur drei großen Buttons eingenommen: Anruf, Zieleingabe und Karte. Damit stellt das Nüvifone direkt klar, dass es hier primär um Telefonieren und Navigieren geht. Das rechte Drittel beinhaltet alle weiteren mehr oder weniger wichtigen Apps, darunter Browser, Kontakte, SMS und Widgets. Widgets? Genau – die liegen beim Nüvifone nämlich nicht auf dem Homescreen, sondern tauchen erst auf, wenn man auf das entsprechende Icon tippt. Dann bekommen wir, schon eher typisch für die Google-Handys, gleich fünf horizontal per Fingerwisch scrollbare Seiten zu sehen, auf denen wir wie gehabt Mini-Programme platzieren können. Garmin-Asus hat neben den Android-Standard-Widgets auch noch ein eigenes dazu gepackt, das die zuletzt gestarteten Apps auflistet. Sonderlich groß ist die Widget-Auswahl übrigens nicht – aber im Android Market lassen sich ja problemlos weitere Mini-Programme herunterladen.

Wer Zugriff auf alle Apps des Navi-Handys haben möchte, wischt einmal von rechts nach links über den Homescreen. Mit dieser Geste verschiebt der Anwender die Leiste mit den häufig genutzten Anwendungen nach links und bekommt eine weitere Leiste zu sehen, in der sich alle anderen Programm-Icons finden. Das Umsortieren zwischen diesen beiden Listen ist kein Problem und erfolgt einfach per Drag&Drop. Ablegen von Icons auf dem „Homescreen“ mit den drei großen Symbolen ist aber nicht möglich.

Auch ansonsten hat der Hersteller hier massiv im System herumgedoktort. Sämtliche Menüs sind angepasst und überarbeitet – und häufig optisch aufgehübscht. Das ist nicht schlecht, wenn man sich noch nie vorher mit einem Android-Smartphone befasst hat. Umsteiger von einem anderen Androiden tun sich deswegen aber schwer, sich hier zurechtzufinden. Und manche ansonsten verfügbaren Menüpunkte, etwa die System-Informationen, gibt es einfach gar nicht.

Immerhin: Android-typisch kann man auch eine andere Oberfläche installieren, wenn man sich mit dem Bedienkonzept von Garmin-Asus so gar nicht anfreunden kann.

Navigation

Dafür gibt es aber eine Navi-Lösung, die sich von einem „normalen“ Garmin-Navi nicht unterscheidet. Nach dem Druck auf das entsprechende Icon auf dem Hauptmenü tauchen Icons auf, wie wir sie vom Hauptmenü eines Nüvis her kennen: POI, Zu Hause, Adresse, Lokale Suche und so weiter.

Auch bei der Adresseingabe findet man sich sofort zurecht. Allerdings sind die Schaltflächen hier im Vergleich zu denen im Hauptmenü deutlich kleiner. Beim Eintippen von Buchstaben erscheinen sofort Vorschläge, allerdings ist die Tastatur etwas im Weg – deswegen ist jeweils immer nur ein Eintrag zu sehen.

Die Routenführung selbst ist auf hohem Niveau. Wir bekommen die attraktive 3D-Ansicht präsentiert, und wenn wir uns orientieren möchten, schaltet das Navi-Programm sofort auf die klassische 2D-Perspektive um. Hier kann man problemlos scrollen und via Zwei-Finger-Multitouch zoomen (wenn man vom leichten Ruckeln absieht).

Besonders toll: Sämtliches fürs Auto nötige Zubehör, also Dock, Windschutzscheibenhalterung und Zigarettenanzünder-Stromadapter, ist im Lieferumfang enthalten. Außerdem freuen wir uns immer wieder über kleine, nette Extras. Darunter ist ein Tool, mit dem man die Sprachanweisungen selbst aufzeichnen kann und ein Feature, das beim Entfernen des Smartphones aus der Docking-Station im Auto die aktuelle Position als Parkplatz markiert.

Ausstattung

Das Display ist mit einer Diagonalen von 3,5 Zoll genauso groß wie das des iPhone 3GS. Mit einer Auflösung von 320 mal 480 Pixeln ist es auch hier auf dem gleichen Niveau. Verglichen mit dem aktuellen iPhone 4 oder den Android-Flaggschiffen Desire und Galaxy S von HTC [5] beziehungsweise Samsung könnte es zwar noch etwas hochauflösender und somit schärfer sein, aber einen Grund zur Beschwerde haben wir nicht. Die Anzeige ist angenehm hell und stellt hübsche Farben dar.

Der Touchscreen arbeitet kapazitiv und ist multitouchfähig. Leider macht das betagte Android 1.6 dem Nüvifone einen Strich durch die Rechnung: Sämtliche Standard-Programme von Google können in dieser Version mit mehr als einem Finger auf dem Display nichts anfangen. So ist also die Garmin-eigene Kartenanwendung multitouchfähig, Google Maps aber nicht. Immerhin hat der Hersteller auch den Browser und die Galerie-App gegen Alternativen ausgetauscht, die ebenfalls auf den Zwei-Finger-Zoom reagieren. Dennoch finden wir es schade, dass auf dem A50 kein aktuelles Android läuft. Zu Updates gibt es noch keine Aussage.

Zur übrigen Software-Ausstattung gehört alles, was bei Android Standard ist. MP3-Player, Youtube-Client, E-Mail – alles drin. Und alles, was an Apps noch fehlt, können Anwender über den Google-eigenen App Store Android Market direkt auf dem Handy nachladen. Dort sind inzwischen um die 100.000 Apps verzeichnet und es gibt fast nichts, was es nicht gibt.

Die Hardware ist typisch für die gehobene Smartphone-Klasse. UMTS, Quad-Band-GSM, HSPA, Bluetooth gibt es ebenso wie selbstverständloich GPS und darüber hinaus die Sensoren für Annäherung an den Kopf, automatische Helligkeitsregelung und Beschleunigung.

Leistung

Im Inneren werkelt ein 600 MHz schneller Prozessor, dem 256 MByte RAM zur Verfügung stehen. Damit ist das Gerät angenehm flott. Die Finger flutschen nur so durch die Menüs, und über Ruckler müssen wir uns nur selten beklagen. Ganz so flott wie die derzeitige Smartphone-Oberklasse mit ihren Gigahertz-Prozessoren ist das Nüvifone aber nicht. Für Applikationen stehen dem User knapp 150 MByte Speicher zur Verfügung, für Nutzerdaten nur 700 – 2,2 GByte werden durch das Europa-Kartenmaterial in Beschlag genommen. Wenn das für die Musiksammlung nicht reicht, hilft eine microSD-Karte weiter.

Telefonate klingen ordentlich – hier gibt es keinen Grund, sich zu beschweren. Allerdings ist der 1150 mAh starke Akku im Vergleich etwas schwachbrüstig. Unterm Strich ist das aber egal. Mit einer Ladung hält das Nüvifone A50 genauso wie alle anderen aktuellen Smartphones mit gehobener Ausstattung bei intensiver Nutzung etwa einen Tag durch – und muss ohnehin jeden Abend an die Steckdose.

Fazit

Das Garmin-Asus Nüvfone A50 sieht gut aus, fühlt sich hochwertig an, ist flott, sehr gut ausgestattet und nicht nur ein Smartphone, sondern auch ein vollwerdiges Navigationssystem. Wenn man sich auf die Suche nach einem reinen Smartphone macht, ist man mit den höher auflösenden Displays und schnelleren Prozessoren von HTC Desire oder Samsung Galaxy S besser beraten. In der Kombination mit einem Navi ist das A50 aber sicher ein guter Kauf.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41536203/schon-getestet-navi-smartphone-garmin-asus-nuevifone-a50-mit-android/

URLs in this post:

[1] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[2] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[3] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[4] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[5] HTC: http://www.cnet.de/unternehmen/htc/