Canon Legria HF R16: billiger Full-HD-Camcorder mit guter Ausstattung

von Lori Grunin und Stefan Möllenhoff am , 18:17 Uhr

Pro
  • Mikrofon- und Kopfhörerbuchse
  • unspektakuläres, aber praktisches Design
Con
  • enttäuschende Videos bei schlechten Lichtverhältnissen
  • niedrige Naheinstellgrenze
  • kurze Akkulaufzeit
Hersteller: Canon Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: GUT 7,3 von 10 Punkte
Fazit:

Der Canon Legria HF R16 überzeugt in puncto Bedienung und bringt Kopfhörer- und Mikrofonbuchsen mit. Allerdings ist die Videoqualität aufgrund des niedrig auflösenden Bildsensors eher enttäuschend.

Canons Einsteigermodelle in die Welt der Full-HD-Camcorder haben vergleichsweise viel fürs Geld zu bieten. Die Bedienung funktioniert hier beispielsweise flüssiger als bei den Touchscreen-Interfaces der teureren Modelle. Zudem gibt es – ebenfalls ungewöhnlich in dieser Preisklasse – einen Kopfhörer- und einen Mikrofonanschluss. Leider löst der Sensor nativ nur 1,6 Megapixel auf. Die Full-HD-Auflösung mit 1920 mal 1080 Bildpunkten erreicht der Camcorder durch Interpolation. Wie sich das beim Canon Legria HF R16 in der Praxis auswirkt, zeigt der Testbericht.

Die R-Serie von Canon setzt sich aus insgesamt drei Modellen zusammen: Legria HF R106, Legria HF R16 und Legria HF R18. Die Camcorder bringen in genannter Reihenfolge keinen, 8 beziehungsweise 32 GByte integrierten Flash-Speicher mit. Preisvergleichsdienste listen die Modelle derzeit für 305, 325 respektive 390 Euro. Wir haben den Legria HF R16 getestet.

Design und Ausstattung

Mit seinem einfachen, aber klar strukturierten Interface ist der Canon Legria HF R16 seinen teureren Geschwistern bei der Bedienung überlegen. Insbesondere die aktuellen Mittelklasse-Modelle der HF-M-Serie [1] leiden unter der hakeligen Touchscreen-Oberfläche. Die Einsteigergeräte verzichten glücklicherweise auf berührungsempfindliche Displays.

In der Mulde unter dem Bildschirm befindet sich eine Reihe von Tasten zum Wechseln zwischen Aufnahme- und Wiedergabemodus, zum Aufnehmen von zwei-, vier- oder achtsekündigen „Videoschnappschüssen“ sowie zum Umkonvertieren von HD- in SD-Material für den Upload ins Internet. Außerdem sitzen hier noch zwei Buttons zum Umschalten zwischen mehreren Wiedergabemodi und Displaydarstellungen.

Bei den Bedienelementen unter dem Bildschirm setzt Canon auf Membrantasten.
Bei den Bedienelementen unter dem Bildschirm setzt Canon auf Membrantasten.

Sämtliche Anschlüsse – Mini-HDMI, Component, Mikrofon und Kopfhörer – sitzen auf der Rückseite des Camcorders. Die Buchsen für Mikrofon und Kopfhörer sind in dieser Preisklasse eine äußerst willkommene Seltenheit. Das dürfte das Modell insbesondere für Blogger und rasende Reporter interessanter machen. Nachdem der R16 keinen Zubehörschuh mitbringt, gibt es allerdings keine Möglichkeit, ein externes Mikro am Gehäuse zu befestigen – jedenfalls ohne Zuhilfenahme von Montagekleber oder Gewebeklebeband.

Auf der Oberseite des HF R16 befinden sich ein großer Fotoauslöser und der Zoomschieber. Der Zoomschieber fühlt sich sehr gut an. Es ist problemlos möglich, beim Verändern der Brennweite eine konstante Zoomgeschwindigkeit beizubehalten.

Sämtliche Anschlüsse des Canon Legria HF R16 befinden sich auf der Rückseite. Erfreulicherweise verzichtet der Hersteller darauf, irgendwelche Buchsen in der Displaymulde unterzubringen.
Sämtliche Anschlüsse des Canon Legria HF R16 befinden sich auf der Rückseite. Erfreulicherweise verzichtet der Hersteller darauf, irgendwelche Buchsen in der Displaymulde unterzubringen.

Wie bereits gesagt, setzt Canon bei dem niedrig auflösenden Display glücklicherweise nicht auf einen Touchscreen. Stattdessen befindet sich auf dem Rahmen um den Bildschirm ein kleiner Joystick, mit dem sich der Kameramann durch die erfrischend unkomplizierten Menüs hangelt. Die Func-Taste unterhalb des Sticks bringt einen Dialog mit den wichtigsten Aufnahmeparametern auf den Bildschirm. Manuelle Einstellungsmöglichkeiten von Blende und Belichtungszeit gibt es nicht, stattdessen beschränkt sich der R16 auf Programm-, Cine- und Portrait-Modi. Außerdem gibt es Optionen zu Intervallaufnahme, Belichtungsausgleich, manuellem Fokus, Mikrofonpegel und Gesichtserkennung.

Hersteller Canon Canon Canon
Modell HF R106/R16/R18 HF M306/M36/M31/M32 [1] HF S200/S20/S21 [2]
Preis 305/325/390 Euro 455/500/610/835 Euro 690/790/980 Euro
Sensor 1/5,5-Zoll-CMOS 1/4-Zoll-CMOS 1/2,6-Zoll-CMOS
Effektive Auflösung (Video) 1,56 Megapixel 2,99 Megapixel 6,01 Megapixel
Effektive Auflösung (Foto) 1,73 Megapixel 3,31 Megapixel 8,02 Megapixel
Integrierter Speicher 0/8/32 GByte 0/8/32/64 GByte 0/32/64 GByte
Optischer Zoom 20-fach 15-fach 10-fach
Brennweitenbereich 40 – 800 mm 39,5 – 592,5 mm 43,5 – 435 mm
Bildstabilisator nur digital optisch optisch
Max. Videoqualität 1080i @ 24 MBit/s; MPEG-4 1080i @ 24 MBit/s; AVCHD 1080i @ 24 MBit/s; AVCHD
Blende/Verschluss manuell nein ja ja
Display 2,7 Zoll; 112.000 Pixel 2,7 Zoll; 211.000 Pixel 3,5 Zoll; 922.000 Pixel
Touchscreen nein ja ja
Sucher nein nein ja
Zubehörschuh nein ja ja
Abmessungen 12,4 x 6,4 x 6,0 cm 12,3 x 6,8 x 6,0 cm 14,0 x 7,5 x 7,4 cm
Gewicht 270 g 320 g 470 g

Leistung und Bildqualität

Die ersten digitalen Full-HD-Videokameras boten Sensoren mit einer Auflösung von 1440 mal 1080 Bildpunkten. Von diesen wurde das Video auf 1920 mal 1080 Pixel breitgewalzt. Canon macht es bei den Einsteigermodellen der R-Serie etwas besser und setzt auf 1664 mal 936 Pixel – also ebenfalls auf das 16:9-Format wie die Full-HD-Auflösung. Unserer Erfahrung nach ist für eine wirklich gute Videoqualität allerdings ein Sensor unumgänglich, der mindestens 2 Megapixel auflöst.

Beim Canon Legria HF R106 wird das Auflösungsdilemma dann allerdings noch etwas komplizierter. Der Camcorder verfügt über einen elektronischen Bildstabilisator, der den ausgelesenen Bereich auf dem Sensor verschiebt, um Verwacklungen zu kompensieren – dadurch reduziert sich die Auflösung im Dynamik-Modus auf bis zu 1,04 Megapixel. Ein optischer Verwacklungsschutz fehlt vollständig. Standardmäßig ist der Camcorder außerdem auf eine sehr niedrige Qualität eingestellt: 1440 mal 1080 Pixel bei 7 MBit pro Sekunde. Zum Vergleich: Die maximale Bitrate liegt mit 24 MBit/s fast dreimal höher.

Der ganzen Einschränkungen zum Trotz sehen die Videos des R16 besser aus, als wir es vermutet hätten. Zugegebenermaßen waren unsere Erwartungen allerdings auch ziemlich niedrig. Die Clips wirken zwar etwas weich, doch solange man keine rasante Action und bei guten Lichtverhältnissen filmt, belohnt der Camcorder mit schönen, angenehmen Farben und recht ordentlichen Details. Rote Farbtöne liegen allerdings ziemlich daneben.

Bei schnell bewegten Motiven fällt auf, dass dem Camcorder die Auflösung und die Datenverarbeitungspower fehlen, um mit dem Geschehen Schritt zu halten. Das Ergebnis sind tonnenweise Kompressionsartefakte. Diese treten beispielsweise bei Wasser auf, das aus einem Springbrunnen heraussprudelt. Auch Details wie Büsche und Bäume, die eher im Hintergrund liegen, wirken recht verschmiert.

Im Zwielicht können die Videos nicht mehr überzeugen. Die Kompressionsartefakte breiten sich aus, und es kommt ein deutliches Bildrauschen hinzu – selbst bei der höchsten Qualitätseinstellung. Das Ergebnis sind weiche, verschmierte und rauschende Clips.

Neben der Videoqualität bei schlechten Lichtverhältnissen enttäuscht außerdem die Akkulaufzeit. Nach lediglich 45 Minuten geht dem R16 der Saft aus. Unter dem kurzen Atem leiden allerdings alle aktuellen Canon-Camcorder, solange man sie nicht mit einem stärkeren Akku aus dem Zubehör aufstockt.

Beim Objektiv leistet Canon gute Dienste. Wir können im Test keinerlei Farbsäume beobachten. Zudem arbeitet der Autofokus bei guten Lichtverhältnissen flott und zuverlässig.

Mit dem Zoomschieber auf der Oberseite lässt sich die Brennweite erfreulich präzise verstellen. Auch das Halten einer konstanten Zoomgeschwindigkeit stellt kein Problem dar.
Mit dem Zoomschieber auf der Oberseite lässt sich die Brennweite erfreulich präzise verstellen. Auch das Halten einer konstanten Zoomgeschwindigkeit stellt kein Problem dar.

Die Modelle der R-Serie mit integriertem Speicher bieten die Möglichkeit, die aufgenommenen HD-Videos auf MPEG-2-Files mit Standard-Definition-Qualität herunterzurechnen. Außerdem unterstützt der R16 Relay-Recording. Das bedeutet, dass er automatisch weiter auf den integrierten Speicher aufnimmt, wenn die eingelegte SD-Karte voll ist – und andersherum.

Fazit

Wenn es in einer Camcorder-Serie ein Modell gibt, das ohne integriertem Memory kommt, dann bietet dieses für gewöhnlich das beste Preisleistungsverhältnis. SD-Karten kosten im Vergleich zum Upgrade auf den zusätzlichen integrierten Memory einfach deutlich weniger. Beim Canon Legria HF R16 sieht das anders aus: Das 8-GByte-Modell ist derzeit lediglich 20 Euro teurer als die speicherlose Ausführung R106.

Angesichts des niedrig auflösenden Sensors und der daraus resultierenden mäßigen Videoqualität können wir den Camcorder nur denjenigen empfehlen, die nicht auf Mikrofon- und Kopfhöreranschluss verzichten möchten. Wer mehr Wert auf die Bildqualität legt, sollte sich Panasonics Einsteiger-Modelle ansehen, beispielsweise den Panasonic HDC-HS60 [4].

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41536447/canon-legria-hf-r16-billiger-full-hd-camcorder-mit-guter-ausstattung/

URLs in this post:

[1] HF-M-Serie: https://www.cnet.de/tests/camcorder/41536164/canon+hf+m32+videoqualitaet+und+leistung+sehr+gut_+bedienung+schlecht.htm

[2] HF S200/S20/S21: https://www.cnet.de/tests/camcorder/41533111/canon+legria+hf+s21+im+test+full_hd_camcorder+mit+gigantischer+ausstattung.htm

[3] Canon Legria HF R16: Bedienung und Bildqualität: https://www.cnet.de/41536455/canon-legria-hf-r16-bedienung-und-bildqualitaet/?pid=1#sid=41536447

[4] Panasonic HDC-HS60: https://www.cnet.de/tests/camcorder/41534213/panasonic+hdc_hs60+im+test+guenstiger+full_hd_camcorder+mit+25_fach_zoom.htm