Walkman-Handy im Test: Sony Ericsson Zylo

von Daniel Schraeder und Flora Graham am , 16:44 Uhr

Pro
  • attraktives Design
  • wirkt sehr stabil
  • bekannte Bedienung, die keine Fragen aufwirft
  • schneller Internet-Zugang per HSPA
  • UKW-Radio
  • Speicherkartenslot
Con
  • weder Klinken- noch Micro-USB-Buchse
  • mäßige Ausstattung ohne WLAN und GPS
  • nicht zeitgemäßer Webbrowser
  • PlayNow Musikshop ist vergleichsweise teuer
Hersteller: Sony Ericsson Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: AUSREICHEND 5,0 von 10 Punkte
Fazit:

Das Sony Ericsson Zylo sieht nicht schlecht aus, wirkt aber in der Zeit der Android- und Touchscreen-Smartphones auch in Anbetracht des günstigen Preises etwas altmodisch. Deutlich schwerwiegender ist aber, dass der Hersteller einem MP3-Player-Handy keine Klinkenbuchse zum Anschluss von Standard-Kopfhörern spendiert hat.

Mit dem Zylo hat Sony Ericsson ein neues Handy seiner Walkman-Reihe auf den Markt gebracht. Das Telefon ist mit expliziten Tasten zum Steuern des MP3-Players ausgestattet und bringt einen schnellen Internet-Zugang per UMTS-Datenturbo HSPA für flotte Musikdownloads mit. Leider fehlen aber WLAN, GPS und Klinkenbuchse. Wie sich das Gerät in der Praxis schlägt, zeigt der Test.

Okay, es mag vielleicht etwas gemein sein – aber irgendwie wirkt das Zylo von Sony [1] Ericsson ein bisschen wie ein Ruf aus der Vergangenheit. Vor zwei Jahren wäre ein Walkman-Handy mit proprietärem Kopfhöreranschluss und ohne besondere Extras zumindest ansatzweise interessant gewesen. Aber heute? Heute legen wir nicht viel mehr Geld auf den Tisch und bekommen ein vollwertiges Android [2]-Smartphone [3], das als Navi, Terminplaner, Kalender, E-Mail-Maschine, Spielekonsole und so weiter dient – und nebenbei auch noch Musik abspielt.

Aber gut. Das war jetzt gemein, zumindest ansatzweise. Denn schlecht ist das Zylo sicher nicht. Es sieht ganz gut aus, wirkt äußerst solide und kann Einiges. Aber eben auch nichts Besonderes. Ihm fehlt der Kick.

Walkman ohne Klinkenbuchse

Die Botschaft des Herstellers ist deutlich: Das Zylo richtet sich an Musikfans. Deswegen darf das Handy auch das Walkman-Logo unterm Display und auf der Rückseite tragen. Aber es fehlt bereits an den Basics. Anstelle einer Klinkenbuchse befindet sich auf der rechten Geräteseite ein proprietärer Anschluss. Ohne Adapter kann man also keine anständigen Kophörer benutzen, sondern ist auf das vergleichsweise günstige, mitgelieferte Headset angewiesen. Das hätte es bei einem echten Walkman nie gegeben. Außerdem vermissen wir eine USB-Buchse, die das einfache Kopieren von Musik ermöglicht. So müsste man eigentlich immer ein Kabel mit dem Sony-Ericsson-eigenen Stecker mit sich herumschleppen, wenn man soundtechnisch Up-to-Date sein will. Immerhin gibt es einen microSD-Speicherkartenslot.

Auch PlayNow, dem Pendant zu Apples iTunes, fehlt die gewisse Würze. Oder besser: die gewisse Günstigkeit. Die Auswahl an Liedern ist zwar nicht schlecht, aber der Preis zu hoch. Ein einzelnes Lied schlägt mit 1,49 Euro zu Buche – 50 Prozent mehr als bei Apple [4]. Noch dazu erfolgt der Zugriff auf den PlayNow-Shop über den fummeligen Webbrowser des Handys. Eine einfache App wie beim iPhone gibt es hier nicht. Schade.

Aber man muss die Songs ja auch nicht im PlayNow-Shop kaufen – das Handy spielt ja auch einfache MP3-Dateien ab. Die Audioqualität geht durchaus in Ordnung. Der MP3-Player selbst sieht ganz witzig aus. Die Software zeigt eine Retro-Musikkassette an. Leider hat das Albencover in unseren Tests aber nicht immer so perfekt in den dafür vorgesehenen Platz gepasst.

Darüber hinaus gibt es noch ein paar weitere nette Features für Audiophile, die mit den genannten Einschränkungen leben können. TrackID beispielsweise nimmt über das Mikrofon Musik aus der Umgebung oder direkt über das integrierte UKW-Radio auf und ermittelt Künstler, Album und Tracknamen via Internet. Außerdem gibt es den Stereo-Bluetooth-Standard A2DP – wer also auf ein kabelloses Headset setzt, mag die Standard-Buchse gar nicht erst vermissen.

Soziale Netze

Auf dem Homescreen liegen ein paar Widgets, die aktuelle Fotos und Statusupdates aus den typischen sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter, Myspace & Co. darstellen. Während wir mit Facebook im Test keinerlei Probleme hatten, schaffte es das Twitter-Widget leider nicht, eine Verbindung aufzubauen. Außerdem ist die Bedienung ohne Touchscreen oder Trackball etwas mühseliger als bei den zugegebenermaßen teureren Konkurrenten.

Wer häufig chattet, sozialnetzwerkt oder E-Mailt, sollte sich vielleicht lieber für ein Handy mit vollwertiger QWERTZ-Tastatur entscheiden. Für gelegentliche SMS-Nachrichten genügt die Zifferntastatur des Zylos aber. Sie hat angenehm große Tasten sowie einen ausreichenden Abstand zwischen der obersten Tastenreihe und dem Slider, aber nur einen relativ kurzen Tastenhub.

Internet per HSPA

Leider hat Sony Ericsson dem Zylo kein WLAN spendiert. Die Verbindung ins Internet – und damit auch zum PlayNow-Musikshop – erfolgt hier ausschließlich über das Handynetz. Dank UMTS und Datenturbo HSPA geht das zwar extrem flott, kostet aber auch entsprechend, wenn man nicht gerade einen entsprechenden Tarif hat. Ganz so flott ist das Surfen im Browser allerdings erstaunlicherweise nicht. Trotz voller Netzanzeige.

Für die Unterhaltung unterwegs ist ein Youtube-Client vorinstalliert. Die App sieht gut aus und ist leicht zu bedienen. Leider wirken die Videos aber zu stark komprimiert und zeigen große Klötze und Artefakte bei der Wiedergabe.

Außerdem vermissen wir GPS. Zwar gibt es Google [5] Maps und die Möglichkeit des Geotaggings bei Fotos der 3,2-Megapixel-Kamera, aber die Positionsfindung erfolgt über die recht ungenaue, triangulare Peilung der Mobilfunkmasten. Apropos Kamera: Sie verfügt leider weder über einen Xenon-Blitz noch über eine Foto-LED. Dementsprechend gelingen ansehnliche Fotos auch nur in hellen Umgebungen.

Unabhängig von all der Kritik ist es aber noch mal an der Zeit, zu sagen: So schlecht ist das Gerät gar nicht. Es sieht attraktiv aus, wirkt hochwertig gefertigt und verfügt über einen grundsoliden, satt einrastenden Slider-Mechanismus.

Fazit

Wer nicht auf der Suche nach einem High-End-Touchscreen-Smarpthone ist, sondern auf Slider-Handys mit klassischer Zifferntastatur steht, kann bedenkenlos zuschlagen. Lediglich das Fehlen von Klinken- und USB-Buchse sind wahre Negativpunkte. Wenn das Gerät nicht im freien Handel, sondern mit Vertragsverlängerung gekauft wird, ist auch das W995 von Sony Ericsson [6] einen näheren Blick wert. Es ist zwar schon deutlich älter, aber auch deswegen zu ähnlichen Konditionen zu haben – und bringt WLAN und die begehrenswerte Klinkenbuchse mit.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[3] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[4] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[5] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[6] W995 von Sony Ericsson: https://www.cnet.de/tests/handy/41500024/daten/endlich+ein+ipod_ersatz+sony+ericsson+w995+walkman.htm