Sony Ericsson Xperia X8 im Test: günstiger Mittelklasse-Android mit Vollausstattung

von Daniel Schraeder am , 16:28 Uhr

Pro
  • günstig
  • gute Ausstattung
  • attraktives Design
  • liegt gut in der Hand
  • tolle Oberfläche
Con
  • veraltete Android-Version (1.6)
  • keine Multitouch-Unterstützung
  • Display-Scheibe aus Kunststoff
  • weder Blitz noch Foto-LED
Hersteller: Sony Ericsson Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,3 von 10 Punkte
Fazit:

Das Xperia X8 von Sony Ericsson ist ein Volltreffer: günstig, attraktiv, gut ausgestattet. Trotz des coolen, modernen Android-Betriebssystems mit seiner umfangreichen App-Auswahl über den Market wirkt das Gerät eher weniger wie ein freakiges Smartphone als wie ein attraktives Multimedia-Touchscreen-Handy. Das ist durchaus positiv gemeint - schließlich öffnet es einer neuen Zielgruppe sämtliche Möglichkeiten, die das Google-Handybetriebssystem zu bieten hat.

Nach den drei X10-Brüdern bringt Sony Ericsson mit dem Xperia X8 nun schon sein viertes Android-Handy auf den Markt. Die Ausstattungsliste ist komplett, das Design attraktiv und der Preis erstaunlich niedrig. Wir haben ausführlich getestet, ob und welche Abstriche Käufer im Vergleich zu deutlich teureren Android-Smartphones in Kauf nehmen müssen.

Würde man das Xperia X8 mit einem Auto vergleichen, wäre es vermutlich der neue Fiat 500. Klein, kultig, attraktiv, begehrenswert, gut ausgestattet. Nicht ganz so gut verarbeitet wie der Mini vielleicht, nicht ganz so viele technische Spielereien, nicht ganz so viele Extras. Dafür ein Stück günstiger. Aber dennoch cool, einfach ein Blickfänger im weitgehend tristen Auto-Alltag. Das X8 kommt derzeit zu Preisen um die 200 Euro ohne Vertrag in den Handel.

Design

Rein optisch wartet keinerlei Überraschung auf den potentiellen X8-Käufer. Das Gerät schmiegt sich perfekt in die Lücke zwischen seinen Brüdern X10 und X10 Mini ein – sowohl optisch als auch von der Größe her. Es misst 9,9 mal 5,4 Zentimeter und baut 1,5 Zentimeter hoch auf. Damit wirkt es im Vergleich zum HTC [1] Wildfire ähnlich bauchig wie seine Brüder.

Das zentrale Element ist der 3,0 Zoll große Touchscreen-Bildschirm. Mit einer Auflösung von 320 mal 480 Pixeln liegt er eine entscheidende Nuance oberhalb der Pixelzahl des kleinen Bruders X10 Mini (240 mal 320 Pixel). Damit umschifft es elegant einen unserer größten Kritikpunkte – hier ist die Anzeige ordentlich scharf. Sie löst keinen Wow-Effekt aus wie das Super-AMOLED-Display des Samsung Wave [2] zum Beispiel, aber sie ist gut.

Eigentlich schon fast typisch für die Xperia-Serie ist der Einsatz einer Plastik-Scheibe über der Anzeige. Schade – denn der weiche Kunststoff verkratzt trotz aller Beschichtungen einfach deutlich schneller als echtes Glas, das beispielsweise beim HTC Wildfire zum Einsatz kommt. Aber Glas ist eben schwerer als Plastik – und kostet mehr. Im Gegensatz zu den Xperia-Brüdern ist der Touchscreen des X8 allerdings nicht bündig in die Frontseite eingelassen, sondern einen knappen Millimeter nach innen versetzt. Das könnte Kratzer zumindest ansatzweise verhindern. Zusammen mit Kleingeld oder Schlüssel würden wir das Gerät dennoch keinesfalls in die Hosentasche stecken.

Ansonsten kennen wir die Front eigentlich schon von den anderen Xperias – auch wenn sie hier, im Vergleich zu X10 Mini und X10 Mini Pro, weiß ist. Oberhalb der Anzeige findet sich der Sony [3]-Ericsson-Schriftzug, darüber ein Schlitz, hinter dem sich der Lautsprecher verbirgt. Links vom Lautsprecher entdecken wir den Annäherungssensor, recht vom Lautsprecher sitzt der Helligkeitssensor. Unterm Display gibt es die drei Tasten, die alle Sony-Ericsson-Androiden zu bieten haben: Menü, Home und Zurück. Wie gehabt handelt es sich hierbei um Kunststoff im Chrom-Look.

Oben am X8 versteckt sich die obligatorische Micro-USB-Buchse zum Aufladen des Akkus und zum Übertragen von Daten hinter einer kleinen Kunststoffklappe. Sie wirkt extrem solide eingerastet – lange Fingernägel tun sich hier anfangs etwas schwer. Wer den Trick aber einmal raushat, bekommt den Deckel problemlos geöffnet. Rechts davon gibt es den Ein-Aus-Lock-Taster, ganz rechts eine 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse zum Anschluss von Standard-Kopfhörern. Sie ist noch erweitert um eine Buchse, die Kabelfernbedienungen aufnimmt.

Die linke Geräteseite ist komplett weiß und frei von jeglichen Elementen. Rechts gibt es den typischen Wippschalter zur Regelung der Lautstärke sowie den Auslöser der Kamera. Letzterer ist nur einstufig ausgeführt – eine erste Druckstufe zum Fokussieren der Linse gibt es nicht. Die Tasten sind ebenfalls aus Kunststoff im Chrom-Look.

Die Rückseite kommt uns ebenfalls schon von den Brüdern her bekannt vor. Es gibt drei auffällige Elemente, darunter die Linse der 3,2-Megapixel-Kamera, die ohne Blitz oder Foto-LED auskommen muss, das eingelassene Sony-Ericsson-Logo sowie einen Schlitz, unter dem sich der wie gehabt überdurchschnittlich kräftige Lautsprecher verbirgt.

Das Cover auf der Rückseite lässt sich gegen andersfarbige Varianten austauschen. Besonders beliebt scheinen hier übrigens Farbverläufe von und zu weiß zu sein – es sind Pink, Hellblau, Dunkelblau und Silber im Angebot. Neben der komplett weißen Standardschale sind zwei bunte Cover im Lieferumfang enthalten. Die Farben sind vom jeweiligen Provider abhängig.

Ausstattung

Neben den bereits erwähnten Elementen Touchscreen und Kamera hat das Xperia X8 alles an Bord, was zu einem anständigen Android [4]-Smartphone [5] gehört. Für (nahezu) weltweite Telefonie gibt es Quad-Band-GSM, für die schnelle Internet-Verbindung unterwegs UMTS samt Up- und Downloadturbo HSPA. Wer keinen Online-Tarif für sein Handy möchte, kann die Datenverbindung über den Provider per Fingertipp deaktivieren und ausschließlich auf die WLAN-Verbindung zurückgreifen, um zu Hause, bei Freunden oder im Coffee Shop zu surfen oder Apps aus dem Android Market herunterzuladen.

Selbstverständlich ist auch GPS integriert. Es dient der Positionsbestimmung, der Freigabe des aktuellen Orts über Latitude oder Glympse, wenn man das möchte, sowie der Navigation. Sony Ericsson hat gleich zwei Möglichkeiten der Routenführung vorgesehen. Wer über eine mobile Internet-Verbindung verfügt, kann sich kostenlos über die Google [6] Maps Navigation zum Ziel bringen lassen. Die Kartendaten liegen dabei auf den Google-Servern – abgesehen von den Kosten für die Übertragung der Daten ist dieser Dienst umsonst. Vorsicht ist allerdings geboten, wenn man das Land verlässt: Die Kosten für das (standardmäßig deaktivierte) Daten-Roaming sprengen schnell jeglichen realistischen Rechnungsrahmen. Alternativ steht die Wisepilot-Navigation zur Verfügung. Dabei handelt es sich um ein klassisches On-Board-Navi – das Kartenmaterial ist also auf dem Handy gespeichert. Wer das Programm zum ersten Mal nutzen möchte, muss es über das Internet aktivieren. Nach dem Ende einer Testphase muss man eine Lizenz kaufen, wenn an die Software weiter nutzen möchte.

Darüber hinaus hat der Hersteller Bluetooth und ein UKW-Radio mit RDS verbaut. Neben den bereits aufgezählten Sensoren für Helligkeit und Annäherung gibt es einen Beschleunigungsmesser, der den Displayinhalt automatisch mitdreht.

Im Auslieferungszustand stehen bei unserem Testgerät knapp 170 MByte interner Telefonspeicher zur Installation von Apps zur Verfügung. Das ist überdurchschnittlich viel, wer aber häufig und viele Programme herunterlädt, wird auch hier früher oder später an die Grenzen des Handys kommen. Schade: Die installierte und nicht mehr ganz aktuelle Android-Version 1.6 unterstützt nicht die Installation von Apps auf die microSD-Speicherkarte. Immerhin, ein Update auf Android 2.1 soll noch im Laufe des dritten Quartals folgen, aber auch hier ist die Installation von Apps nur im internen Speicher möglich. Wer das sogenannte Apps2SD nutzen möchte, benötigt mindestens Android 2.2. Apropos: Im Lieferumfang unseres X8 ist eine 2 GByte große Speicherkarte enthalten, die Musik, Videos, Fotos und Dokumente aufnimmt.

Praktisch: Die vorinstallierte App Backup & Restore sichert sämtliche Daten und Einstellungen per Fingertipp auf der Speicherkarte.

Äußerst schade ist der Verzicht auf den coolen Multitouch-Zoom. In einigen Anwendungen, etwa in der Galerie-Ansicht, versucht Sony Ericsson dieses Manko durch den Einsatz des beispielsweise von Samsung [7] bekannten One-Finger-Zooms auszugleichen. Der Nutzer tippt dabei mit dem Finger auf das Display, hält ihn gedrückt und schiebt ihn dann nach oben oder nach unten, um zu vergrößern oder zu verkleinern. Schade nur, dass das nicht in allen Apps funktioniert und man beispielsweise im Browser auf die nervigen virtuellen Plus- und Minustasten zurückgreifen muss. Der Multitouch-Zoom wird leider auch nicht nach dem Update auf Android 2.1 funktionieren.

Software

Sony Ericsson hat das Xperia X8 softwareseitig wie das X10 Mini und das X10 Mini Pro ausgestattet. Über Googles-Android-Betriebssystem liegt die von den kleinen Brüdern her bekannte UXP-Oberfläche. Sie gefällt uns hier wie dort sehr gut, auch wenn sie sich etwas von der typischen Android-Bedienung unterscheidet.

Anstelle der ansonsten üblichen drei bis sieben Homescreens, die der Nutzer frei mit Verknüpfungen, Bildern und Widgets anpassen kann, gibt es hier zunächst nur ein Widget zu sehen – standardmäßig ist das die Uhr. Wer mit dem Finger seitlich über das Display wischt, bekommt weitere Mini-Programme zu Gesicht, etwa das bereits bekannte Timescape, das die aktuellen Konversationen per SMS, E-Mail, Facebook & Co. auf einen Blick anzeigt, ein Google-Suchfeld oder den Energiemanager, der das Aktivieren und Abschalten von Stromfressern wie WLAN, Bluetooth oder GPS per Fingertipp erlaubt. Dabei belegt jedes Widget eine Seite. In den vier Ecken liegen Verknüpfungen zu den am häufigsten genutzten Programmen, die der Anwender selbst dort platzieren kann. Standardmäßig finden sich hier der SMS-Posteingang, der Mediaplayer, die Telefon-App und das Adressbuch.

Wer mit dem Finger nach oben über das Display wischt, lässt Widgets und Shortcuts verschwinden. Nun erscheint das klassische „Hauptmenü“, das sämtliche installierten Apps anzeigt. Neben den Android-Standards wie Youtube-Client, Webbrowser, Google Maps & Google Mail hat Sony Ericsson eine elektronische Bedienungsanleitung, eine Hand voll kleiner Spiele, einen MP3- und Videoplayer sowie die bekannte Musik-Identifikationssoftware TrackID vorinstalliert. Außerdem gibt es RoadSync zum Abgleich der Daten mit Exchange-Servern und eine einen praktischen Datenmonitor, der Nutzern von Tarifen mit geringem Inklusivvolumen den aktuellen Traffic-Verbrauch anzeigt.

Die Kommunikations- und Multimedia-Interfaces Mediascape und Timescape kennen wir schon von den anderen Xperia-Androiden. Vor allem für das Timescape-Widget gilt hier, dass es eher hübsch als praktisch ist – aber das dürfte der potentiellen Zielgruppe ja durchaus in den Kram passen.

Leistung

Um es auf den Punkt zu bringen: So ein Fiat 500 aka Sony Ericsson Xperia X8 schwimmt gut im Verkehr mit, prescht aber sicherlich nicht im Drift über die Nürburgring Nordschleife. Speziell beim Starten von Apps bemerken wir im direkten Vergleich mit den flotteren (und teureren) Androiden eine minimale Verzögerung nach dem Fingertipp auf das Icon. Auch beim Wechseln von Anwendungen dauert es hier einfach einen Tick länger, als wir es von der gehobeneren Android-Klasse her kennen. Wir würden das jetzt einfach mal als Turbo-Loch bezeichnen: Das X8 ist nicht wirklich lahm, und wenn es einmal läuft, dann läuft es flüssig. Wischbewegungen und Ein-Finger-Zooms in Bildern werden flott, verzögerungsfrei und angenehm flüssig umgesetzt. Aber beim Anfahren könnte es durchaus etwas flotter losgehen.

Die Kamera ist eine typische Schnappschusskamera. Sie kommt nicht an die Bildqualität ihres 8,1-Megapixel-Pendants [8] mit Foto-LED des großen Bruders X10 heran und ist einen Tick zu langsam: Wer die Hand nach dem Druck auf den Auslöser nicht noch ruhig hält, während das Display für ein, zwei Sekunden schwarz wird, muss sich über verwackelte Fotos ärgern. Außerdem ist die Position der Linse in der Praxis etwas ungünstig gewählt: Nur zu oft haben wir Anfangs einen Finger mit im Bild. Nach kurzer Zeit gewöhnt man sich aber daran und greift das Handy einfach anders. Nicht verwackelte Bilder in hellen Umgebungen sehen übrigens ganz ordentlich aus. Im Dunkeln kommt die Cam mangels Blitz und Foto-LED schnell an ihre Grenzen.

Beim Telefonieren mit dem Xperia X8 stellen wir keine Auffälligkeiten fest. Die Gesprächspartner auf beiden Seiten verstehen sich gut, Verbindungssabbrüche oder größere Tonstörungen, die eindeutig auf das Handy zurückzuführen sind, konnten wir nicht feststellen.

Die vom Hersteller angegebenen Akkulaufzeiten von 446 bis 476 Stunden im Standby (GSM / UMTS) respektive 4:45 bis 5:40 Stunden beim Dauertelefonat halten wir für reine Laborwerte. Unserer Erfahrung nach geht jedem aktuellen Smartphone in Abhängigkeit der Nutzung nach einem bis maximal zwei Tagen der Saft aus. Vor allem, wer häufig auf Stromfresser wie WLAN oder GPS zurückgreift, wird das Gerät wohl täglich laden müssen. Aber auch die automatische Synchronisation mit Facebook, Twitter und diversen E-Mail-Diensten zieht viel Energie. Der im Gegensatz zum X10 Mini austauschbare Akku hat beim X8 eine Kapazität von 1200 mAh – das ist eher überdurchschnittlich für ein Smartphone mit so kleiner Grundfläche, wird aber keine Wunder erbringen.

Fazit

Gar nicht schlecht, das Xperia X8. Es ist gut ausgestattet, wirkt abgesehen von der Kunststoff-Scheibe wertig verarbeitet, liegt gut in der Hand und kann unglaublich viel. In Anbetracht des günstigen Preises bleibt einem kaum etwas anderes übrig, als es zu kaufen, wenn man auf der Suche nach einem Touchscreen-Handy oder -Smartphone im Preisbereich bis 200 Euro ist. Die kleineren Mängel im Detail kann man dem Gerät in Anbetracht der ansonsten so hervorragenden Wertung durchaus verzeihen – eben wie beim Fiat 500.

Wer aber auf der Suche nach einem High-End-Smartphone ist, Wert auf Perfektion legt und auf Multitouch sowie flotte Reaktionen nicht verzichten möchte, muss wohl etwas mehr Geld auf den Tisch legen – und sich nach einem Mini umsehen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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URLs in this post:

[1] HTC: http://www.cnet.de/unternehmen/htc/

[2] Samsung Wave: https://www.cnet.de/tests/handy/41532249/schon_im_test_samsung_wave_s8500_mit_super_amoled_und_bada.htm

[3] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[4] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[5] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[6] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[7] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[8] Bildqualität ihres 8,1-Megapixel-Pendants: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/kaufberatung/41535871/smartphone_kameras_im_vergleich_iphone_vs__galaxy_s__htc_desire_co.htm