Angetestet: Android-Smartphone HTC Desire Z mit Tastatur

von Daniel Schraeder am , 19:17 Uhr

Das erste Android-Smartphone von HTC, und damit das erste Android-Smartphone überhaupt, hatte eine mechanische Tastatur. Seit der Vorstellung des G1 vor circa zwei Jahren hat der taiwanische Hersteller allerdings Abstand vom Tastenfeld genommen – bis jetzt. Gestern wurde das Desire Z vorgestellt. Wir hatten bereits die Möglichkeit, uns einen Prototypen näher anzusehen.

Zugegeben: Auch mit Hardware-Tastatur eignet sich ein Handy nicht, um Romane zu tippen. Aber wer häufiger Antworten auf E-Mails verfasst, regelmäßig seinen Facebook-Status aktualisiert, dreistellige Handy-Rechnungen mit SMS verursacht oder ein umfangreiches Notizbuch führt, fährt mit Tastatur einfach besser als mit Touchscreen-Tastenfeld.

Update: Wir haben inzwischen an anderer Stelle einen ausführlichen Testbericht des HTC Desire Z [1] veröffentlicht.

Das findet offensichtlich auch HTC [2] und hat gestern in London das Desire Z vorgestellt. Das Gerät soll bereits im Oktober in Deutschland auf den Markt kommen und für 549 Euro (unverbindliche Preisempfehlung) zu haben sein.

Design

Blickt man gerade von oben auf das Desire Z, wirkt es wie eine Mischung aus den zwei fast baugleichen Brüdern Google [3] Nexus One und HTC Desire. Bei allen drei Geräten kommt das gleiche 3,7-Zoll-Display mit einer Auflösung von 800 mal 480 Pixeln zum Einsatz. Das Desire Z hat unterhalb der Anzeige die vier Soft-Touch-Tasten des Nexus One und statt des dort verbauten Trackballs den optischen Sensor des Desire, der allerdings optisch aufgehübscht wurde und nun an das zentrale Steuerelement der aktuellen Blackberrys erinnert.

Die Displayscheibe ist aus kratzfestem Echtglas gefertigt, der Rahmen aus Metall – sobald man das Desire Z in die Hand nimmt, überzeugt die hohe Verarbeitungsqualität. Etwas ungewöhnlich finden wir die leichte Kante an der Stelle, wo Metall auf Glas trifft: Das Display ist minimal nach unten versetzt.

Auf der linken Geräteseite befindet sich der Wippschalter zur Regelung der Lautstärke, darunter sitzt die Micro-USB-Buchse zum Laden des Akkus. Die Position ist für HTC-Smartphones ungewöhnlich, aber nicht störend. Ganz oben sind der Ein-Aus-Taster und die 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse zum Anschluss von Standard-Kopfhörern angebracht. Auf der rechten Geräteseite befindet sich der zweistufige Auslöser der Kamera. Merkwürdig, dass er beim Business-Modell mit Tastatur vorhanden ist, aber beim ebenfalls gestern vorgestellten Desire HD [4] ohne Tastatur fehlt. Auf gleicher Höhe, aber auf der unteren Hälfte der Gehäuseschale, ist ein Schiebeschalter angebracht, der den Akkudeckel auf der Rückseite entriegelt. Der Mechanismus wirkt solide. Unten am Gerät gibt es lediglich ein kleines Loch, hinter dem sich das Mikrofon versteckt.

Der Rahmen der Rückseite ist aus gummiertem Kunststoff gefertigt – ähnlich wie beim „normalen“ HTC Desire. Die größte Fläche auf dem Rücken des Z nimmt aber der Akkudeckel aus Aluminium ein. Er macht einen Bogen um die Linse der 5-Megapixel-Kamera und die zugehörige Foto-LED. Design-Fans aus dem iPhone-Lager wird der Tastatur-Androide so ziemlich sicher nicht überzeugen, aber schlecht sieht das Gerät nicht aus.

Spannend wird es, wenn man das Gerät im Querformat vor sich legt. Irgendwo ist doch hier die Tastatur? Genau – natürlich unterm Display. Anstelle eines normalen Slider-Mechanismus setzt HTC aber auf eine neuartige Mechanik, die das Unternehmen Z-Hinge (hinge = Scharnier) nennt. Dabei schiebt man die Anzeige nicht vertikal nach oben. Wer den Daumen ansetzt und nach oben drückt, hebt das Display leicht an, während es nach hinten gleitet. Am Ende des Hebelwegs geht es wieder nach unten, bis die beiden Gehäusehälften wieder bündig aufeinander sitzen. Was kompliziert klingt und auf Bildern zerbrechlich wirkt, hinterlässt in der Praxis einen erstaunlich soliden Eindruck. Nach ein paar Versuchen trauen wir uns auch, den Prototypen mit mehr Schwung zu öffnen und zu schließen. Er gibt dabei Geräusche von sich, die klingen, als würde es ihm Spaß machen. Knarzen und Knacken gibt es ebenso wenig wie Spiel oder Klappern im Gebälk.

Die Tastatur selbst hat vier Tastenreihen. Die Ziffern sind also nicht als einzelne Knöpfe ausgeführt, sondern doppelt belegt. Als Material kommt sehr hartes Gummi oder gummierter Kunststoff zum Einsatz. Die Tasten selbst sind zwar nicht sonderlich groß, haben aber einen angenehmen Abstand. Beim Tippen müssen wir uns zunächst an den kurzen Hub gewöhnen. Nach kurzem tippt es sich aber ganz gut. Ein entgültiges Urteil können wir hier aber erst fällen, wenn uns ein entgültiges Testgerät vorliegt. Schön: Die Tastatur hat unten rechts neben der Shift-Taste zwei Buttons, die der Nutzer selbst belegen kann – etwa mit Verknüpfungen zu bestimmten Apps.

Ausstattung

Im Inneren des Desire Z ist alles verbaut, was wir bei einem hochwertigen Smartphone [5] erwarten. WLAN, GPS, UMTS, HSDPA, Bluetooth und Quad-Band-GSM sind da zu nennen. Wie beim neuen Flaggschiff-Bruder Desire HD gibt es den neuen WLAN-Standard 802.11n, aber nur Bluetooth 2.1 statt 3.0. Wirklich relevant ist das aber nicht.

Schon spannender ist der Prozessor, der zum Einsatz kommt. Er taktet „nur“ mit 800 MHz – wenig im Vergleich zur 1-GHz-CPU des alten Bruders HTC Desire. Zumindest auf dem Papier, denn hier kommt eine neue Generation des Snapdragon zum Einsatz. Testweise haben wir den Android [6]-Benchmark Quadrant auf den Prototypen aufgespielt. Das Ergebnis: Das Desire Z ist etwa gleich schnell wie das Desire. Der niedrigere Prozessortakt bedeutet also einen geringeren Energieverbrauch ohne spürbare Leistungseinbußen. Endgültig bewerten können wir aber auch diesen Punkt erst bei einem Testgerät mit finaler Firmware.

Dazu gibt es 512 MByte RAM – und damit etwas weniger als beim Desire. In der Praxis dürfte sich das aber kaum bemerkbar machen. Zur Installation von Apps stehen insgesamt 1,5 GByte Speicher zur Verfügung, von denen allerdings das Betriebssystem einen Teil abzwackt. Wer Fotos, Videos, Musik & Co. speichern möchte, muss das Z mit einer microSD-Speicherkarte ausstatten. Der Slot nimmt bis zu 32 GByte große Karten auf.

Die 5-Megapixel-Kamera hat eine LED-Fotoleuchte, die zumindest etwas Licht ins Dunkle bringt. Videos landen im HD-ready-Format 720p auf der Speicherkarte. Ein Radio gibt es nicht.

Software

Anmerkung der Redaktion: Dieser Absatz findet sich auch im Preview des HTC Desire HD, da die gleiche Software zum Einsatz kommt.

Vorinstalliert ist die aktuelle Android-Version 2.2. Zum Einsatz kommt natürlich das HTC-eigene Sense-Interface, das im Vergleich zum Desire nochmals etwas aufgebohrt wurde. Sonderlich groß sind die Unterschiede aber nicht – zumindest auf den ersten Blick. Wir würden es zumindest nicht als Revolution bezeichnen, dass die Plus-Taste, die bisher die sieben Homescreen-Seiten um Widgets, Verknüpfungen & Co. erweitert hat, nun „Personalisieren“ heißt und auch Zugriff auf die Klingeltoneinstellungen ermöglicht.

Unter der Sense-Haube hat sich hingegen einiges getan. Die neuen Modelle sind angebunden an den HTC-eigenen Online-Dienst HTCSense.com, der rechtzeitig zur Auslieferung der Geräte starten soll. Über den Dienst ist beispielsweise das Anfertigen von Komplett-Backups über das Internet möglich. Wer sein Desire HD mit abgeschalteten Klingelton verlegt hat, kann es über einen Klick auf der Webseite dennoch klingeln lassen, um es zu finden. Er kann die Position anzeigen, es bei Verlust sperren oder im Notfall komplett löschen – und so weiter. Hier sind diverse nette Extras verborgen, die bei anderen Business-Smartphones seit einiger Zeit selbstverständlich sind.

Besonders spannend finden wir den neuen, HTC-eigenen Kartendienst, der zusätzlich zu Google Maps installiert ist. Wer möchte, kann Kartenmaterial von verschiedenen Ländern über WLAN auf das Gerät laden und dann beispielsweise im Urlaub offline benutzen – und das kostenlos. So soll auch Scrollen und Zoomen auf der Karte flüssig und verzögerungsfrei ablaufen. Eine echte Navi-Software mit Sprachanweisungen ist aber nicht integriert. Einen solchen Dienst soll es später zwar auch geben, der wird aber nicht kostenfrei sein. Selbstverständlich ist die kostenlose, Google-eigene Navigationssoftware installiert. Sie funktioniert aber nur mit einer bestehenden Internet-Verbindung.

HTC hat außerdem DLNA integriert. Darüber ist es beispielsweise möglich, entsprechend ausgestattete Fernseher kabellos über WLAN mit Fotos oder Videoclips zu füttern. Wer noch keinen DLNA-kompatiblen HDTV zu Hause stehen hat, wird Ende dieses Jahres eine Box von HTC kaufen können.

Selbstverständlich gibt es Zugriff auf den Android-eigenen App Store namens Market. Hier stehen inzwischen über 100.000 Apps und Spiele zum Download bereit.

Vorläufiges Fazit

Der erste Eindruck des HTC Desire Z ist durchaus positiv. Das Gerät sieht gut aus, liegt gut in der Hand, ist trotz mechanischer Tastatur nicht klobig geraten und hervorragend ausgestattet. Darüber hinaus überzeugt Android 2.2 mit der attraktiven HTC-Sense-Oberfläche. Unterm Strich scheint das Google-Handy-Betriebssystem erwachsen geworden zu sein und wagt jetzt den Schritt in Richtung Business. Wie passend – so kurz vor der Einführung von Windows Mobile 7. Wir warten gespannt auf ein finales Testgerät, das in circa zwei Wochen auf unserem Schreibtisch stehen dürfte.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41537910/angetestet-android-smartphone-htc-desire-z-mit-tastatur/

URLs in this post:

[1] Testbericht des HTC Desire Z: https://www.cnet.de/tests/handy/41540437/schon_im_test_smartphone_htc_desire_z_mit_android_2_2_und_tastatur.htm

[2] HTC: http://www.cnet.de/unternehmen/htc/

[3] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[4] Desire HD: https://www.cnet.de/tests/handy/41537901/angetestet_so_gut_ist_das_neue_htc_desire_hd_wirklich.htm

[5] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[6] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[7] Hands on: Erster Blick auf das HTC Desire Z mit Android 2.2 und Tastatur: https://www.cnet.de/41537890/hands-on-erster-blick-auf-das-htc-desire-z-mit-android-2-2-und-tastatur/?pid=1#sid=41537910