DSLR-Fotokurs: Nachtaufnahmen mit und ohne Blitz

von Leonard Goh und Stefan Möllenhoff am , 17:06 Uhr

Bei schwierigen Lichtverhältnissen sind Spiegelreflexkameras ihren kompakten Geschwistern meilenweit überlegen. Vorausgesetzt, der Fotograf beachtet ein paar Punkte bei den Einstellungen an der Kamera und hat das richtige Zubehör im Gepäck. Dieser Artikel erklärt, worauf es bei Nachtaufnahmen ankommt.

Anfang des Jahres haben wir einen mehrteiligen Kompaktkamera-Fotokurs für Anfänger veröffentlicht, der sich mit Aspekten wie grundlegender Bildkomposition [1], Szenenprogrammen, Belichtungszeit [2], ISO-Empfindlichkeit und Blendenzahlen [3] auseinandersetzt. Jetzt richten wir uns an etwas fortgeschrittenere Fotografen: Bei diesem DSLR-Fotokurs dreht sich alles um Nachtaufnahmen. Mitte September ist übrigens der erste Teil [4] unseres fortgeschrittenen Fotokurses erschienen, der sich mit den Grundlagen von Systemkameras und deren Objektiven beschäftigt.

Fotografieren ohne Blitz und mit Stativ

Wenngleich Spiegelreflexkameras einen deutlich größeren Grenzbereich bei schwierigen Lichtverhältnissen bieten als Kompaktkameras – irgendwann ist Schluss mit dem freihändigen Fotografieren. Abhilfe schafft ein Stativ beziehungsweise eine feste Unterlage, auf der die Kamera steht. Bei Stativen ist darauf zu achten, dass sie das Gewicht der Kamera auch wirklich tragen können. Denn billige Klappstative für die Hosen- oder Jackentasche knicken unter der Last einer schweren DSLR leicht ein.

Beim Aufbauen eines Stativs gibt es zwei wichtige Punkte: Erstens sollte das Dreibein stabil auf dem Untergrund stehen und nicht beim nächsten Windstoß umfallen und so die sündhaft teure Kamera ruinieren. Zweitens empfiehlt es sich, das Stativ gerade auszurichten. So spart man es sich, das Foto später am Rechner drehen zu müssen und damit Bildqualität zu verschenken. Teurere Stative bieten ein Kugelkopf-Gelenk. Es erlaubt unabhängig vom Stand des Dreibeins eine Feinjustierung der Kamera. In dieser Klasse ist auch häufig eine Wasserwaage zu finden, mit dem sich die Ausrichtung überprüfen lässt. Ansonsten gibt es im Internet auch Mini-Wasserwaagen für den Zubehörschuh zu kaufen. Manche DSLRs bringen diese Funktion auch ab Werk mit, so beispielsweise die Nikon D7000 [5].

Nachdem das Stativ und die Kamera korrekt auf das Motiv ausgerichtet sind, geht es an die Konfiguration der Aufnahmeparameter. Für Nachtfotos eignen sich die Verschlusspriorität und der manuelle Modus. In beiden Programmen lässt sich die Belichtungszeit frei einstellen.

Der manuelle Modus ist auf dem Modusrädchen mit "M" benannt. Die Verschlusszeitpriorität heißt hier S, manche Hersteller verwenden auch die Bezeichnung "Tv".
Der manuelle Modus ist auf dem Modusrädchen mit „M“ benannt. Die Verschlusszeitpriorität heißt hier S, manche Hersteller verwenden auch die Bezeichnung „Tv“.

Verschlusszeit

Bei praktisch allen DSLRs und EVIL-Kameras gibt es ein Drehrädchen, das in den beiden genannten Aufnahmemodi die Verschlusszeit einstellt. Ist hinter der Belichtungszeit ein Anführungszeichen angezeigt, handelt es sich um einen Sekundenwert. 30″ bedeutet also 30 Sekunden. Manche Kameras zeigen hingegen 1/30 Sekunde einfach als 30 an.

Von links nach rechts mit 0,5, 5 und 10 Sekunden Belichtungszeit: Leider wackelt die Brücke, auf der wir stehen, recht stark. Daher sind die länger belichteten Aufnahmen trotz Stativ etwas verschwommen. [6]
Von links nach rechts mit 0,5, 5 und 10 Sekunden Belichtungszeit: Leider wackelt die Brücke, auf der wir stehen, recht stark. Daher sind die länger belichteten Aufnahmen trotz Stativ etwas verschwommen.

Je länger die DSLR den Verschluss öffnet und den Bildsensor belichtet, desto weicher erscheinen Bewegungen. Vorbeifahrende Autos werden zu langen Lichtspuren, angeleuchtete Springbrunnen zu Säulen aus Watte und so weiter.

Wir lassen uns den Grillspaß auch im Herbst nicht verderben und fotografieren links mit 1/100 und rechts mit 1/4 Sekunde. [7]
Wir lassen uns den Grillspaß auch im Herbst nicht verderben und fotografieren links mit 1/100 und rechts mit 1/4 Sekunde.

ISO-Empfindlichkeit

Der ISO-Wert bestimmt, mit welcher Empfindlichkeit der Sensor ausgelesen wird. Je höher die Zahl ist, desto kürzere Verschlusszeiten sind erforderlich. Die Empfindlichkeit sollte man so niedrig wie möglich halten. Denn ein mit ISO 100 geschossenes Foto rauscht praktisch gar nicht, eine ISO-3200-Aufnahme dagegen je nach Kamera mittelstark bis sehr stark. Nur wenn unbedingt für eine bestimmten Bildwirkung eine kürzere Verschlusszeit vonnöten ist, ergibt es Sinn, die Empfindlichkeit nach oben zu regeln.

Je höher die ISO-Empfindlichkeit, desto schlechter wird die Bildqualität. Dieses Bild zeigt, wie sich die Einsteiger-Spiegelreflex Sony Alpha DSLR-A230 bei steigenden ISO-Werten verhält.
Je höher die ISO-Empfindlichkeit, desto schlechter wird die Bildqualität. Dieses Bild zeigt, wie sich die Einsteiger-Spiegelreflex Sony [8] Alpha DSLR-A230 bei steigenden ISO-Werten verhält.

Blendenzahl

Zur Erinnerung: Der Blendenwert wird mit einem F gefolgt von einer ein- oder zweistelligen Zahl angegeben, also beispielsweise F1,8 oder F22. Je kleiner die Blendenzahl ist, desto weiter ist die Blende geöffnet und desto kürzere Verschlusszeiten reichen aus, um ein gut ausgeleuchtetes Foto zu erzielen. Allerdings sorgt eine offene Blende auch für eine geringe Tiefenschärfe, und bei Objektiven ist die Abbildungsleistung mit leicht geschlossener Iris besser als mit komplett geöffneter Linse. Nachdem die Verschlusszeit bei Verwendung eines Stativs praktisch keine Rolle spielt, darf für die Blende also ruhig ein etwas höhrer Wert gewählt werden, um von der Skyline ein möglichst scharfes Bild zu erzielen. Eine Ausnahme ist es natürlich, wenn man mit der Tiefenschärfe spielen möchte.

Links mit F16, rechts mit F1,2: Mit weit geöffneter Blende reduziert sich der scharf abgebildete Bereich auf wenige Zentimeter. [9]
Links mit F16, rechts mit F1,2: Mit weit geöffneter Blende reduziert sich der scharf abgebildete Bereich auf wenige Zentimeter.

Manueller Modus gegen Verschlusspriorität

Im Modus Verschlusszeitpriorität passt die Kamera die Blende automatisch so an, dass ein gut ausgeleuchtetes Bild im Kasten landet. Oder zumindest ein Bild, das die Kamera für gut ausgeleuchtet hält. Denn je nachdem, welche Belichtungsmessung aktiviert ist, können dunkle Flächen oder helle Lichter die Halbautomatik schon einmal gehörig in die Irre führen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, wählt den komplett manuellen Modus aus.

Damit der Fotograf nicht völlig im Dunkeln tappt, was die für das gewünschte Bild erforderlichen Aufnahmeparameter angeht, gibt es auf dem Display beziehungsweise im Sucher der Kamera eine Belichtungsanzeige. Sie ist zwar bei Nachtaufnahmen mit vielen dunklen Flächen und hellen Lichtern nicht unbedingt das Maß der Dinge, gibt aber zumindest schon einmal einen groben Anhaltspunkt. Bei den meisten Kameras ist die Belichtungsanzeige in Form eines Balkens ausgeführt, der von „-2“ über „0“ bis „+2“ reicht. „-2“ bedeutet, dass das Bild voraussichtlich zwei Blenden zu dunkel gerät – also die Kamera in der Halbautomatik eine viermal längere Verschlusszeit als die gegenwärtig gewählte einsetzen würde.

Die hell hervorgehobene Belichtungsanzeige lässt darauf schließen, ob das Foto mit den gewählten Einstellungen zu hell oder zu dunkel gelingen wird.
Die hell hervorgehobene Belichtungsanzeige lässt darauf schließen, ob das Foto mit den gewählten Einstellungen zu hell oder zu dunkel gelingen wird.

Im Zweifelsfall führt kein Weg daran vorbei, sich per Trial and Error an das gewünschte Ergebnis heranzutasten und eben gleich eine ganze Reihe von Aufnahmen zu schießen. Das bedeutet zwar mehr Gefrickel als bei einer Kompaktkamera-Automatik, doch dafür kommt am Ende auch genau das Bild heraus, das der Fotograf beim Druck auf den Auslöser im Kopf hatte.

Fotografieren

Auslöser drücken und fertig? Ganz so einfach geht’s leider nicht. Wenn die Kamera auf dem Stativ steht und der Fotograf den Auslöser betätigt, kommt es zu einem unvermeidlichen Wackler und damit zu unschönen Spuren oder Unschärfen auf den Fotos. Daher empfiehlt es sich, den Zwei-Sekunden-Selbstauslöser zu aktivieren. Dadurch besteht genug Zeit zwischen dem Abdrücken und der tatsächlichen Aufnahme, sodass mit keinen Störungen zu rechnen ist. Wer nicht ständig zwei Sekunden warten möchte, kann sich auch für kleines Geld einen Kabelfernauslöser kaufen.

Ein Kabelfernauslöser ist nicht nur zur Vermeidung von Verwacklern, sondern auch bei extrem langen Belichtungszeiten sinnvoll. Um beispielsweise die vorbeiziehenden Sterne als lange, bogenförmige Spuren abzubilden, sind Verschlusszeiten von mehreren Minuten notwendig. Und diese lassen sich nicht exakt an der Kamera einstellen, sondern im sogenannten Bulb-Modus erreichen: Die Kamera belichtet so lange, wie der Fotograf den Auslöser gedrückt hält. Oder so lange, wie der Timer an der Fernbedienung eingestellt ist; was die deutlich bequemere Lösung ist. Hier ist allerdings tatsächlich viel Geduld beim Herumprobieren gefragt. Denn im Bulb-Modus zeigt die Kamera logischerweise keine Vorschau dafür an, wie hell oder wie dunkel das Bild ausfallen wird.

Mit einem kleinen Trick lassen sich auch bei komplett unbewegten Objekten interessante Lichteffekte erzielen. Während die Kamera mehrere Sekunden lang belichtet, verändert der Kameramann durch Drehen am Objektiv die Brennweite.

Dreht man während des Fotografierens mit langen Belichtungszeiten am Zoom, landen interessante Lichtspuren auf dem Foto.
Dreht man während des Fotografierens mit langen Belichtungszeiten am Zoom, landen interessante Lichtspuren auf dem Foto.

Fotografieren mit Blitz

Wer versucht, im Halbdunkel Menschen zu fotografieren, wird mit langen Belichtungszeiten nicht weit kommen. Selbst wenn die Personen für das Foto posieren und halbwegs ruhighalten, liefern längere Verschlusszeiten als 1/40 oder 1/20 Sekunde kaum brauchbare Ergebnisse. Sprich: Ohne zusätzliche Beleuchtung ist hier nichts zu holen.

Bei Kompaktkameras ist der Fall einfach: Blitz einschalten, abdrücken, und in den meisten Fällen landet ein grelles, wenig ansehnliches Foto mit unschönen Schatten im Kasten. Auch der allergrößte Teil der DSLRs verfügt über einen integrierten Blitz. Die kleine Funzel reicht für Schnappschüsse, ist für anspruchsvolle Aufnahmen in der Regel aber nicht zu gebrauchen. Alle digitalen Spiegelreflex- und EVIL-Kameras sowie einige fortgeschrittene Kompaktkameras bieten einen Zubehörschuh. Hier lässt sich ein insbesondere bei Einsteigern unterschätztes fotografisches Werkzeug aufsetzen: Aufsteckblitze sind viel stärker als die integrierten Blitze und bieten zahlreiche Funktionen.

Aufbau von Aufsteckblitzen

So oder so ähnlich sehen die meisten Aufsteckblitze aus.
So oder so ähnlich sehen die meisten Aufsteckblitze aus.

Im Blitzkopf befindet sich die Birne, die den Lichtpuls erzeugt. Viele Modelle verfügen über einen dreh- und schwenkbaren Blitzkopf, der er ermöglicht, das Licht über andere Flächen auf das Motiv zu leiten. Dieses „Abprallen-lassen“ des Lichts wird als Bounchen bezeichnet. Das Gehäuse beherbergt die Batterien und die Bedienelemente für den Blitz. Über den Blitzschuh kommuniziert der Blitz mit der Kamera.

Manueller Modus gegen TTL

Die meisten Aufsteckblitze bieten die Möglichkeit, die Leistung in mehreren Stufen zu regeln. Üblicherweise werden die Intensitäten mit 1/1, 1/2, 1/4, 1/8 und so weiter angegeben. 1/4 bedeutet dann beispielsweise, dass der Blitz nur ein Viertel seiner vollen Power nutzt. Eine hohe Leistung bedeutet logischerweise viel Licht und damit eine hohe Reichweite. Bei niedrigen Leistungsstufen dagegen ist der Lichtpuls zwar schwächer, doch dafür braucht der Blitz weniger Zeit, um wieder einsatzbereit zu sein. Ein weiterer Vorteil ist, dass die gesamte Lichtmenge über einen kürzeren Zeitraum hinweg abgegeben wird. Bei Portraitfotos spielt das keine große Rolle, doch von Luftgewehrkugeln durchschossene Hühnereier [10] lassen sich nur mit 1/64 oder 1/128 im richtigen Moment scharf einfrieren.

Wer sich nicht vor jedem Foto mit den manuellen Einstellungen herumschlagen möchte, findet bei den meisten Blitzen auch einen TTL-Modus. TTL steht für Through the Lens, also „Durch die Linse“. Dabei sendet das Blitzgerät einen sogenannten Vorblitz aus. Die Belichtungssensoren in der Kamera erfassen, wie stark dieser Vorblitz das Motiv ausleuchtet und geben diese Informationen an den Aufsteckblitz weiter. Dieser weiß dann ganz genau, mit welcher Intensität er feuern muss und schießt den entsprechend dimensionierten Hauptblitz ab. Die beiden Blitze folgen so schnell aufeinander, dass man sie zumeist als einen einzigen Blitz wahrnimmt.

Für den Fall, dass der Blitz trotz TTL-Messung zu helle oder zu dunkle Ergebnisse liefert, ermöglicht die <i>Blitzbelichtungskorrektur</i> in der Kamera ein Anpassen der Intensität – üblicherweise in Drittel-Blendenstufen.“ title=“Für den Fall, dass der Blitz trotz TTL-Messung zu helle oder zu dunkle Ergebnisse liefert, ermöglicht die <i>Blitzbelichtungskorrektur</i> in der Kamera ein Anpassen der Intensität – üblicherweise in Drittel-Blendenstufen.“ ><br /><i>Für den Fall, dass der Blitz trotz TTL-Messung zu helle oder zu dunkle Ergebnisse liefert, ermöglicht die <i>Blitzbelichtungskorrektur</i> in der Kamera ein Anpassen der Intensität – üblicherweise in Drittel-Blendenstufen.</i></p>

<p style=Bouncen

Wenn der Fotograf den auf der Kamera installierten Blitz direkt auf sein Fotomodell feuern lässt, kommt es häufig zu harten und unschönen Schatten – bei Aufnahmen im Querformat beispielsweise unter der Nase und unter dem Kinn. Logisch – denn die Lichtquelle sitzt oberhalb des Objektivs. Das Bouncen ermöglicht es erstens, für diffuseres Licht also weicher auslaufende Schatten zu sorgen. Und zweitens lässt sich die Richtung des Lichts verändern. Wer den Blitzkopf beispielsweise nicht direkt auf das Motiv, sondern auf eine rechts davon befindliche Wand richtet, nutzt diese als Reflektor; und vergrößert gleichzeitig die Fläche der Lichtquelle. Und dann werden die Gesichtszüge nicht einfach „plattgeblitzt“, sondern durch das seitliche und weichere Licht vorteilhaft betont. Das gilt natürlich nicht nur beim Fotografieren von Personen, sondern allgemein.

Weiches gegen hartes Licht: Oben haben wir mit dem Blitz direkt auf das Auto geblitzt. Bei der unteren Aufnahme war der Blitzkopf in Richtung Decke gerichtet. [11]
Weiches gegen hartes Licht: Oben haben wir mit dem Blitz direkt auf das Auto geblitzt. Bei der unteren Aufnahme war der Blitzkopf in Richtung Decke gerichtet.

Dieses Bouncen hat allerdings einen Nachteil: Man braucht eine Wand neben dem Motiv. Und wenn diese nicht weiß, sondern beispielsweise rot ist, dann wird das fotografierte Objekt eben auch rot angestrahlt. Eine Möglichkeit ist es, diese Wand einfach „in klein“ mitzunehmen – in Form eines sogenannten Bouncers. Viele Blitzgeräte verfügen über einen integrierten Bouncer, der sich bei Bedarf herausziehen lässt. Alternativ besteht auch die Möglichkeit, einfach ein Stück weiße Pappe mit Gummiband am Blitzkopf zu befestigen.

Die Wand immer mit dabei: Ein Stück weiße Pappe und ein Gummiband sorgen für weicheres Licht.
Die Wand immer mit dabei: Ein Stück weiße Pappe und ein Gummiband sorgen für weicheres Licht.

Zwar hat die Reflektionsfläche so nicht die Größe einer Wand, eine merkliche Verbesserung ist aber festzustellen. Beim Fotografieren mit Bouncer wird der Blitz üblicherweise um 60 bis 90 Grad nach oben oder zur Seite geklappt. Aber wie bei vielen Aufnahmesituationen gilt auch hier: Übung und viel Herumprobieren macht den Meister.

Blitzkabel

Eine weitere Möglichkeit, „plattgeblitzte“ Gesichter oder Gegenstände zu verhindern, ist es, den Blitz von der Kamera herunterzunehmen. Für die Kommunikation zwischen Blitzgerät und Digicam sorgt dann ein Kabel. Wer die TTL-Messung nutzen möchte, sollte darauf achten, dass die Strippe das Feature unterstützt.

Ein Kabel wie dieses befreit den Blitz von der Notwendigkeit, auf dem Zubehörschuh der Kamera zu stecken.
Ein Kabel wie dieses befreit den Blitz von der Notwendigkeit, auf dem Zubehörschuh der Kamera zu stecken.

Selbst wenn man den Blitz beim Fotografieren nur am ausgestreckten Arm zur Seite hält, macht sich ein gewaltiger Unterschied bemerkbar. Durch die veränderte Lichtrichtung bekommen die Fotos schon fast einen Studio-ähnlichen Look, da das Motiv nur von einer Seite angeleuchtet wird. Alternativ gibt es auch Funk-Transmitter, die das Signal von der Kamera drahtlos an den Blitz weiterleiten. Wer mehr über diese Technik lesen möchte, findet hier einen Artikel zum Thema entfesseltes Blitzen [12]. Manche DSLRs bringen auch bereits einen integrierten Funkauslöser für kompatible Blitze mit.

Diffusor

Für weicheres Licht lässt sich auch mit sogenannten Diffusoren sorgen. Sie bestehen im Prinzip aus einer opaken oder mit kleinen Reflektoren versehenen Plastikkappe, die über den Blitzkopf gestülpt wird. Bei manchen Blitzen sind sie im Lieferumfang enthalten, für viele Geräte gibt es sie im Zubehör, und im Prinzip kann man sie auch in zwei Minuten selberbauen. Ein etwas zurechtgestutzter, trüber, weißer, rechteckiger Jogurt-Becher leistet gute Dienste.

Farbfolien

Mit Hilfe von Folien, auch Gels genannt, lässt sich die Farbe des Lichts verändern. Wer beispielsweise in einer grün ausgeleuchteten Fabrikhalle fotografiert und sein Motiv passend zum Umgebungslicht anstrahlen möchte, setzt einen grünen Farbfilter vor den Blitz. Aber auch bei weniger ausgefallenen Situationen leisten Folien gute Dienste. Ein orangener Filter sorgt beispielsweise dafür, dass bleiche Menschen eine gesündere Gesichtsfarbe bekommen.

Mit bunten Folien lässt sich die Farbe des ausgesandten Blitzes manipulieren.
Mit bunten Folien lässt sich die Farbe des ausgesandten Blitzes manipulieren.

Übrigens sollte man nicht unbedingt irgendwelche Bastelfolien aus dem Baumarkt vor die Blitzbirne kleben. Die hohe Lichtstärke könnte sie bei blitzintensiven Fotoshootings verbrennen. Rosco bietet speziell für diesen Zweck entwickelte Farbfilter an. Die sogenannte Strobist-Collection enthält 20 verschiedene Farbfilter in teilweise mehrfacher Ausführung und ist bereits für gut 13 Euro im Internet erhältlich [13] – eine Investition, die sich für jeden Nachtfotografen lohnt.

Blitzen bei Tageslicht

Nicht nur bei Nacht, sondern auch am hellichten Tag gibt es Situationen, in denen ein Blitz eine große Hilfe ist. Bei Gegenlicht beispielsweise ist das Fotomodel meist nur als schwarze Silhouette abgebildet. Einem sogenannter Füllblitz verfälscht die Darstellung des Hintergrunds nicht, hellt die zu schwach belichtete Freundin aber zusätzlich auf.

Links ohne, rechts mit zusätzlichem Füllblitz: Der Hydrant gerät ohne zusätzliche Beleuchtung viel zu dunkel. [14]
Links ohne, rechts mit zusätzlichem Füllblitz: Der Hydrant gerät ohne zusätzliche Beleuchtung viel zu dunkel.

Fazit

Wir haben auf den letzten Seiten eine ganze Reihe von Möglichkeiten und Techniken beschrieben, wie Fotografen auch bei schwierigen Lichtverhältnissen ansehnliche Bilder schießen. Ein Patentrezept für alle Nachtaufnahmen gibt es allerdings nicht, denn jede schwierige Aufnahmesituationen erfordert einen anderen Lösungsansatz. Daher hilft nur eines: Kamera, Blitz und Stativ einpacken und losziehen. Je mehr Fotos, desto mehr Übung – und genau diese macht ja bekanntlich den Meister.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41538563/dslr-fotokurs-nachtaufnahmen-mit-und-ohne-blitz/

URLs in this post:

[1] grundlegender Bildkomposition: https://www.cnet.de/praxis/wochenend/41530610/cnet_fotokurs_grundlagen_von_digicams__drittel_regel_und_perspektive.htm

[2] Szenenprogrammen, Belichtungszeit: https://www.cnet.de/praxis/wochenend/41531317/cnet_fotokurs_so_klappt_s_mit_automatiken_und_belichtungszeit.htm

[3] ISO-Empfindlichkeit und Blendenzahlen: https://www.cnet.de/praxis/wochenend/41531908/cnet_fotokurs_hell__scharf__rauschfrei_blendenzahlen_und_iso_werte_im_blick.htm

[4] erste Teil: https://www.cnet.de/praxis/wochenend/41537907/dslr_fotokurs_grundlagen_von_spiegelreflexkameras_und_objektiven.htm

[5] Nikon D7000: https://www.cnet.de/blogs/alpha/kameras/41537829/nikon_d7000_full_hd_video__iso_25_600__16_2_megapixel_und_6_fps_dauerfeuer.htm

[6] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41538563/dslr-fotokurs_2_lange_belichtung2.jpg

[7] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41538563/dslr-fotokurs_2_lange_vs_kurze_belichtung.jpg

[8] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[9] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41538563/dslr-fotokurs_2_offene_vs_geschlossene_blende.jpg

[10] Luftgewehrkugeln durchschossene Hühnereier: https://www.cnet.de/praxis/wochenend/41000123/kurzzeitfotografie_im_eigenbau_unglaubliche_bilder_fuer_15_euro.htm

[11] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41538563/dslr-fotokurs_2_direkter_vs_indirekter_blitz.jpg

[12] Artikel zum Thema entfesseltes Blitzen: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/trends-technik/41536510/entfesselt_blitzen_ueber_funk_immer_perfektes_licht_fuers_foto.htm

[13] 13 Euro im Internet erhältlich: http://www.ffl-rieger.de/shop/roscoleefolien/folienset/strobist-foliensammlung-rosco.php

[14] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41538563/dslr-fotokurs_2_fuellblitz.jpg