Erster Blick auf Logitech Revue: So sieht Google TV aus

von Daniel Schraeder und Matthew Moskovciak am , 17:53 Uhr

In dieser Woche hat Logitech seine Revue genannte Settop-Box vorgestellt – die Schnittstelle zwischen Fernseher und Internet, die Zugriff auf Google TV ermöglicht. Noch in diesem Monat soll der Dienst in den USA starten. Unsere Kollegen von CNET.com konnten bereits einen ersten Blick auf die Box und Google TV werfen.

Sony [1] bringt Fernseher mit integriertem Google [2]-TV-Client auf den Markt, die etwa 300 Dollar mehr kosten sollen als vergleichbare HD-TVs ohne Online-Funktionalität. Wer gerade keine TV-Neuanschaffung plant, bekommt die gleichen Möglichkeiten mit Logitech Revue. Passenderweise soll diese Box ebenfalls circa 300 Dollar kosten – das entspricht knapp 220 Euro. Die Markteinführung in Deutschland ist zwar noch in weiter Ferne, denn wie üblich hapert es an erster Stelle an den fehlenden Inhalten. Aber das ist kein Grund, sich nicht schon jetzt über die mögliche Zukunft der Familienunterhaltung am Samstagabend Gedanken zu machen.

Das kann Google TV

Beim eigenen TV-Dienst beschränkt sich das Unternehmen auf das, was es am besten kann: suchen – und vor allem finden. Primärer Bestandteil ist eine einfache Suchleiste, die sich bei Bedarf über das TV-Programm legt. Beim Eintippen von Begriffen durchsucht der Anbieter die aktuellen und künftigen Sendungen aller verfügbarer Stationen inklusive Pay- und Free-TV sowie diverse Online-Quellen inklusive Youtube und kostenlosen sowie kostenpflichtigen Streaming-Diensten. Die Idee dahinter ist einfach: Der Nutzer soll sich keine Gedanken darüber machen müssen, ob die aktuelle Folge seiner Lieblingssendung gerade läuft (und wenn ja, wo), oder von einem von vielen Portalen aus dem Netz gestreamt wird. Google findet’s einfach. Beziehungsweise – Stand heute noch nicht: Zum Zeitpunkt der Vorführung des Prototypen kennt die Suchmaschine ausschließlich das TV-Programm des amerikanischen Pay-TV-Anbieters Dish Network. Aber das soll sich noch ändern.

Google TV vereint das klassische Fernsehen, Pay-TV und On-Demand in einer Oberfläche.
Google TV vereint das klassische Fernsehen, Pay-TV und On-Demand in einer Oberfläche.

Deutlich interessanter dürften ohnehin die On-Demand-Streaming-Dienste sein, die den Nutzer unabhängig von der Tageszeit mit dem versorgen, was er gerade sehen möchte. Derzeit an Bord sind die Anbieter Netflix, Amazon VOD, Pandora, Napster und natürlich Youtube. Außerdem hat Google Verträge mit diversen amerikanischen TV-Sendern über deren On-Demand-Streaming-Angebote abgeschlossen – darunter TBS, TNT, CNN und HBO.

Außerdem sind eine Hand voll Apps vorinstalliert – darunter ein Twitter-Client und Nachrichtendienste. Früher oder später wird hier sicherlich auch ein Facebook-Client auftauchen. Im nächsten Jahr plant Google gar eine Schnittstelle zum Android [3] Marketplace – dann sollen sogar Android-Apps auf dem Fernseher laufen. Noch viel wichtiger: Entwickler können spezielle TV-Apps programmieren.

Der größte Unterschied zwischen Google-TV und seinen Wettbewerbern wie Apple [4] TV und den Online-Integrationen diverser HD-Fernseher und Blu-ray-Player ist die Unabhängigkeit von konkreten Inhalte-Anbietern: Google greift einfach auf alles zu, was sich im Web bewegt. Mit an Bord ist auch ein vollwertiger Webbrowser, der im Gegensatz zur Surfsoftware, die beispielsweise in einigen Philips-Fernsehern installiert ist, auch mit Flash 10.1 und HTML5-Videos zurechtkommt. Und damit sollte wirklich jede Art von bewegtem Bild, das sich im Internet finden lässt, auch ihren Weg auf den Fernseher finden.

Die tragische Betonung liegt in diesem Fall aber auf „sollte“. Denn zum Start fehlt bereits ein proprietärer, aber für den amerikanischen Markt besonders wichtiger On-Demand-Anbieter: Hulu.com. Der Chrome-Browser ist zwar durchaus in der Lage, die Hulu-Webseite und damit das gigantische Portfolio an Serien darzustellen, das sich hier verbirgt. Beim Druck auf den Play-Knopf bleibt das Bild aber Schwarz: Hulu blockiert die Google-TV-Box. Scheinbar verhandeln die beiden Unternehmen gerade über eine Zusammenarbeit – die unterm Strich in einem für den Nutzer kostenpflichtigen Zusatzabo enden könnte.

Logitech Revue: Die Google-TV-Box

Die Hardware selbst besteht aus zwei Teilen: der Set-Top-Box, also dem Receiver, der mit Internet-Anschluss und Fernseher verbunden ist, sowie aus einer kabellosen Tastatur.

Der Empfänger selbst ist vergleichsweise klein – aber ein gutes Stück größer als die neue Generation von Apple TV. Der einzige Video-Ausgang ist ein HDMI-Port auf der Rückseite. Wer noch keinen HDMI-kompatiblen AV-Receiver sein Eigen nennt, kann den Verstärker per optischem S/PDIF-Kabel anbinden. Dazu gibt es noch einen HDMI-Eingang, über den Kabel- oder Satellitenreceiver angebunden werden, zwei USB-Ports und Anschlüsse für einen Infrarot-Sender. Die Verbindung ins Internet wird wahlweise über die Netzwerkschnittstelle oder über WLAN nach dem neuesten Standard 802.11n hergestellt.

Die zwei HDMI-Ports auf der Rückseite des Revue sind Ein- und Ausgang: Der Kabel- oder Satellitenreceiver wird einfach durchgeschleift.
Die zwei HDMI-Ports auf der Rückseite des Revue sind Ein- und Ausgang: Der Kabel- oder Satellitenreceiver wird einfach durchgeschleift.

Apropos Infrarot-Sender: Auf der Vorderseite hat der Revue bereits entsprechende Dioden integriert. Damit imitiert die Box die Fernbedienungen der Sat- beziehungsweise Kabelreceiver so, wie es auch Multifunktionsfernbedienungen machen – und ist in der Lage, Programme umzuschalten. Man kann also die Google-TV-Box als einzigen Receiver nutzen, indem man andere Empfangsgeräte durchschleift – so wie früher beim Videorekorder. Damit legt die Box die Google-Suchleiste also über jedes Fernsehprogramm und ermöglicht Bild-in-Bild-Darstellung. Die Kontrolle über angeschlossene Geräte hat in jedem Fall der Revue: Man benötigt nur eine einzige Fernbedienung für Internet-Zugang, On-Demand-Dienste, Pay-TV und Free-TV. In der Praxis funktionieren solche Lösungen zwar häufig mehr schlecht als recht, aber wir werden demnächst testen, ob Logitech und Google mehr können als die Hersteller der meisten Multifunktionszappen.

Die mitgelieferte, kabellose Tastatur macht einen ordentlichen Eindruck. Eine großes Tastenfeld anstelle einer attraktiven Fernbedienung könnte in dem einen oder anderen Haushalt zwar sicherlich noch eine Diskussion auslösen und wirkt schon sehr geekig, aber hey, es ist Google TV – und es ist ja auch die allererste Version eines Clients. Mit Abmessungen von etwa 12,2 mal 34,8 Zentimetern und einer Dicke von knapp 2,4 Zentimetern ist das Keyboard zwar deutlich größer als jede noch so abgefahrene Universalfernbedienung, ist aber erfreulich leicht, liegt gut in der Hand und hinterlässt im ersten Test einen guten Eindruck. Neben der vollwertigen QWERTY-Tastatur finden sich hier die typischen Tasten eines Home-Entertainment-Systems inkusive Play, Pause, Lauter, Leiser und so weiter. Außerdem ist ein Touchpad in der oberen rechten Ecke integriert, mit dem sich ein Cursor steuern lässt – fast wie eine Maus.

Tastatur statt normaler Fernbedienung: Die Kommunikation erfolgt per Funk. Zusätzlich zum Tastenfeld gibt es Multimedia-Buttons und ein Touchpad.
Tastatur statt normaler Fernbedienung: Die Kommunikation erfolgt per Funk. Zusätzlich zum Tastenfeld gibt es Multimedia-Buttons und ein Touchpad.

Die kabellose Tastatur ist im Lieferumfang des Revue enthalten. Für circa 130 Dollar soll es optional noch eine kleinere Fernbedienung geben. Außerdem eignen sich Android-Smartphones oder das iPhone als Steuerelement für die Google-TV-App. Die Bedienung erfolgt dabei sowohl über virtuelle Tasten auf den Touchscreen-Displays der Smartphones als auch über Wischgesten.

Neben dem Zugriff auf das „normale“ Fernsehprogramm und diverse Online-Dienstleister greift der Revue auch auf Musik, Fotos und Videos zu, die auf DLNA-fähigen Netzwerkfestplatten oder Computern im Heimnetzwerk gespeichert sind. Eine gute Nachricht für Fans von diesen Lösungen: Ein Logitech-Mitarbeiter hat bestätigt, dass auch das für HD-Inhalte beliebte MKV-Format unterstützt wird.

Wer möchte, kann eine optionale Webcam anschließen, die Logitech für happige 150 Dollar verkaufen wird. So sollen Video-Konferenzen im Skype-Stil direkt im Wohnzimmer möglich sein.

Vorläufiges Fazit

Die kurze Vorstellung des Google-TV-Prototypen Logitech Revue war beeindruckend. Wie wir es von Google erwarten, stimmen Reaktionszeiten, Inhalte und Video-Qualität. So könnte das Fernsehen von Morgen aussehen.

Bis dahin bleibt aber noch einiges zu tun. Nicht nur, dass die Box mit einem Preis von 300 Dollar deutlich teurer ist als beispielsweise Apple TV. Hierzulande fehlt es noch an allem – vor allem an Inhalten und Anbietern. Wir warten gespannt auf die Vorstellung von Google TV in Deutschland.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41538932/erster-blick-auf-logitech-revue-so-sieht-google-tv-aus/

URLs in this post:

[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[3] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[4] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/