Schon im Test: Android-Tablet Samsung Galaxy Tab – besser als das iPad?

von Daniel Schraeder am , 18:06 Uhr

Pro
  • hervorragende Ausstattung inklusive GPS und HSPA
  • interessanter Formfaktor
  • wertige Verarbeitung
  • Software und Betriebssystem überzeugen
Con
  • Kunststoff-Rückseite dürfte schnell verkratzen
  • kein Standard-USB-Anschluss
  • ruckelt gelegentlich
  • zu teuer
Hersteller: Samsung Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,0 von 10 Punkte
Fazit:

Noch im Oktober wird Samsungs iPad-Konkurrent verfügbar sein: das Galaxy Tab. Das Gerät ist kleiner und besser ausgestattet als das Apple-Tablet, leider aber auch ähnlich teuer. Für eine affine Zielgruppe, die sich mehr mit der Technik und den Möglichkeiten, die das Android-Betriebssystem bietet, auseinandersetzt, könnte es dennoch der bessere Kauf sein.

Noch im Oktober kommt das zur IFA vorgestellte Android-Tablet von Samsung auf den Markt – das Galaxy Tab. Es ist knapp 3 Zoll kleiner als das iPad, mindestens so gut ausgestattet wie das Apple-Vorbild und wiegt nur etwa die Hälfte. Zum Einsatz kommt Googles Smartphone-Betriebssystem Android, das über den Market Zugriff auf mehr als 100.000 Apps ermöglicht. Wir haben die finale Version des Galaxy Tab ausführlich getestet. Ob es besser ist als das iPad, verrät der Testbericht.

Zumindest gefühlt gibt es einen ganz schönen Hype um dieses… ja, was ist es eigentlich? Ein übergroßes Mobiltelefon? Eine Art großer iPod Touch? Ein Tablet im iPad-Stil? Vermutlich etwas von allem, denn eine starke Beschränkung auf einen Anwendungszweck gibt es nicht. Mit dem Galaxy Tab kann man surfen, Videos sehen, Musik hören, spielen – und tatsächlich auch telefonieren.

Nachdem wir das Gerät Anfang September bereits in die Hand nehmen konnten, liegt nun ein finales Testgerät in der Redaktion. Wir haben das Samsung [1] Galaxy Tab P1000 bereits ausführlich getestet.

Design

Ausnahmsweise fangen wir jetzt nicht direkt beim Gerät an, sondern bereits bei seiner Verpackung – denn sie ist überraschend klein. In einem Karton dieser Größe wurden vor wenigen Jahren noch Mobiltelefone der Oberklasse ausgeliefert, in einer Zeit, in der Größe noch Wertigkeit und nicht Verschwendung hieß. Und jetzt soll hier ein Tablet eingepackt sein, ein iPad-Konkurrent, in einem Karton, der gerade einmal halb so groß ist wie die iPad-Verpackung? Sobald wir die weiße Pappkiste mit dem bunten Aufdruck (und der Schrift im Hologramm-Stil, Wertigkeit wird ja doch groß geschrieben) in die Hand nehmen, glauben wir es schon eher: Scheinbar ist hier ein Ziegelstein verpackt.

Wir öffnen also den Karton und erhaschen einen Blick auf das Galaxy Tab. An der Optik hat sich seit seiner Vorstellung im September nichts mehr geändert: Oben ist es schwarz, die komplette Oberfläche ist von einer Glasscheibe abgedeckt. Das Display misst 7 Zoll und ist damit ein gutes Stück kleiner als die iPad-Anzeige (9,7 Zoll) – der Unterschied ist in etwa so groß wie die Display-Diagonale eines Einsteiger-Smartphones. Der Rahmen rund um den Galaxy-Tab-Monitor ist etwa 1,5 Zentimeter breit. Eigentlich nicht viel, aber in Anbetracht des ansonsten so schlanken Gehäuses wirkt das etwas zu breit.

Unterhalb der Anzeige befinden sich vier Soft-Touch-Tasten (Menü, Home, Zurück und Suchen), die im Gegensatz zu denen des Galaxy S bei jeder Display-Berührung aufleuchten – so findet man sie auch im Dunkeln. Uns wären mechanische Tasten zwar lieber, weil man sie erfühlen kann und sie einen klar definierten Druckpunkt haben. Das verhindert versehentliches Aktivieren einer Schaltfläche, beispielsweise, wenn man das Tab im Querformat hält und spielt. Aber die Soft-Touch-Tasten lassen sich optisch einfach hübscher integrieren.

Überm Display befindet sich der dezente Samsung-Schriftzug. Rechts davon erhaschen wir zwei kleine Aussparungen unter der Glasscheibe: Hier sitzen der Helligkeitssensor und die zweite Kamera für Videotelefonate. Auf den bei Smartphones üblichen Näherungssensor, der Display und Touchscreen abschaltet, wenn man das Gerät ans Ohr hält, hat der Hersteller verzichtet – denn das Tablet hält man nicht am Ohr.

Rund um das Gerät zieht sich ein Rahmen aus schwarzem Kunststoff. Das Material wirkt solide und wertig. Auf Anhieb fällt es uns schwer, herauszufinden, ob es sich dabei tatsächlich um Plastik oder nicht doch um lackiertes Metall handelt. Oben im Rahmen ist eine 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse zum Anschluss des mitgelieferten Headsets sowie von Standard-Kopfhörern integriert. Die linke Geräteseite hat ein kleines Loch, hinter der sich das Mikrofon befindet, und ganz unten sitzen zwei Lautsprecher und ein proprietärer Dock-Anschluss ganz im iPad-Stil.

Über den Dock-Connecktor verbindet sich das Galaxy Tab mit dem mitgelieferten USB-Kabel sowie mit optionalem Zubehör wie einem Standfuß mit HDMI-Videoausgang oder Tastatur. Die Idee ist zwar nicht schlecht, aber der komplette Verzicht auf eine Standard-USB-Buchse, egal ob Mini oder Micro, ist mehr als nur schade. Ohne das spezielle Kabel lässt sich so nämlich noch nicht einmal der Akku des Tablets wieder aufladen. Samsung schiebt das auf den im Vergleich zu Smartphones deutlich stärkeren Akku, der beim Laden mit mehr Strom versorgt wird. Das Laden ist mit dem richtigen Kabel aber auch über die leistungsmäßig ohnehin etwas schwachbrüstige USB-Schnittstelle eines Computers möglich. Das dauert dann zwar länger als mit dem mitgelieferten Steckernetzteil, geht aber – und ist im Notfall eine tolle Alternative. Hier hat sich Samsung vielleicht etwas zu viel von Apple [2] abgeguckt.

Ganz anders aber präsentiert sich die rechte Gehäuseseite, von der Apple lernen kann. Von unten nach oben befinden sich hier der Ein-Austaster, ein Wippschalter zur Regelung der Lautstärke und zwei Slots, die hinter Kunststoff-Kappen verborgen sind. Das wirkt vielleicht nicht ganz so toll wie der Micro-SIM-Karten-Einschub beim iPad, aber dafür passen hier ganz normale SIM-Karten rein – und zwar in alle Galaxy Tabs, denn ein Modell ohne integriertes UMTS kommt nicht auf den Markt. Und vor allem gibt es hier auch einen Slot für microSD-Speicherkarten – und das trotz einer mit 16 GByte gar nicht mal so unerheblichen Standard-Speicherausstattung. Einen Schalter zum Deaktivieren des Beschleunigungssensors gibt es im Gegensatz zum iPad leider nicht. Die Funktion haben die Koreaner aber an prominenter Stelle per Software nachgebildet.

Die Rückseite ist komplett aus weißem Kunststoff gefertigt. Oben links befinden sich zwei runde Aussparungen für die Linse der 3,2-Megapixel-Kamera und die zugehörige Foto-LED. Mittig trägt das Gerät den Galaxy-Tab-Schriftzug in dezentem Grau, unten ist es noch mit Firlefanz bedruckt – CE-Logo, Recycling-Hinweis, IMEI-Nummer in Schrift- und Barcodeform, Seriennummer und so weiter. Etwas viel für unseren Geschmack, aber das muss wohl so sein.

Insgesamt ist das Galaxy Tab durchaus sympatisch. Faszinierenderweise gibt es aber kaum jemanden, der es einfach nur okay findet. Entweder mag man es, oder man hasst es. In unseren Tests mit Kollegen, Freunden und Verwandten hören wir „Es liegt besser in der Hand als das iPad“ und „Es liegt schlechter in der Hand“, „Es sieht billig aus“ und „Es sieht hochwertig aus“, „Es ist zu schwer“ und „Es ist angenehm leicht“. Das Samsung-Tablet polarisiert. „Es hat keinen Aha-Effekt wie das iPad“ auf der einen Seite und „Ich würde es dem iPad vorziehen“ auf der anderen. Fakt ist: Wer große Hände hat, kann das Tablet problemlos in einer Hand halten – im Gegensatz zum iPad. Und es wiegt nur etwas mehr als die Hälfte des Apple-Konkurrenten.

Fakt ist aber auch, dass das Design zumindest zwei kleinere Schwächen hat – nämlich dann, wenn man das Galaxy im Querformat hält. Dann deckt der Daumen nämlich gerne den Helligkeitssensor teilweise oder ganz ab, und die Display-Beleuchtung regelt ständig hin- und her – oder schaltet die Anzeige fast ganz dunkel. Da hilft nur manuelles Eingreifen, aber dazu später mehr. Auf der anderen Seite kommt man im Querformat gerne einmal in die Nähe einer Soft-Touch-Taste und beendet die Video- oder Angry-Bird-Session unfreiwillig in Richtung Homescreen. Dass man unabhängig davon ohnehin die ganze Zeit den Bildschirm über Ärmel oder Hose streift, um die lästigen, schmierigen Fingerabdrücke loszuwerden, ist dagegen wohl normal – da hat Apple auch keine Lösung.

Ausstattung

Es ist an der Zeit, einen Blick unter die Haube des Galaxy Tab zu werfen. Wenn es ganz nüchtern um die technischen Daten geht, kann es eigentlich nur Fans vom Samsung-Tablet geben – denn hier gibt es nichts, was es nicht gibt. Der 7-Zoll-Screen löst angenehme 1024 mal 600 Pixel auf. Das ist zwar weniger als das iPad-Display (1024 mal 768), in Anbetracht der geringeren Display-Diagonale aber dennoch schärfer. Leider spiegelt die Anzeige realtiv stark, aber immerhin ist sie hell genug, um das wieder auszugleichen. Der kapazitive Touchscreen reagiert sehr gut – und ist multitouch-fähig. Aber wie: Er erkennt bis zu fünf Finger unabhängig voneinander gleichzeitig. Derzeit gibt es zwar kaum Apps, denen das etwas nützt – aber zukunftsfähig dürfte das Gerät damit durchaus sein.

Zur Kommunikation ist Quad-Band-GSM an Bord. Telefoniert wird allerdings nicht mit dem Tablet am Ohr, was zugegebenermaßen auch sehr albern aussehen würde, sondern entweder über die integrierte Freisprecheinrichtung, via Headset oder per Bluetooth. Wer Wert auf die Gesprächsqualität legt, sollte gleich zu einem kabelgebundenen oder kabellosen Headset greifen – die Freisprechfunktion ist zwar okay, vollbringt aber auch keine Wunder.

Ins Internet geht es über UMTS samt Datenturbo HSPA sowie über WLAN nach dem flotten n-Standard. Eine SIM-Karte kann man einsetzen, das Gerät funktioniert aber auch ohne. Die tollen Online-Möglichkeiten des Android [3]-Betriebssystems werden einen aber wohl früher oder später dazu bringen, UMTS auch tatsächlich zu nutzen. Entsprechende Datentarife für Gelegenheitsnutzer gibt es bereits für unter 10 Euro monatlich.

Ebenfalls integriert ist der Kurzstreckenfunk Bluetooth in der neuesten Version 3.0. Selbstverständlich steuert das Galaxy Tab auch Stereo-Kopfhörer über A2DP an.

Die Hauptkamera auf der Rückseite nimmt Fotos mit einer Auflösung von 3,2 Megapixeln auf, die zweite Linse auf der Vorderseite löst 1,3 Megapixel auf. Sie dient hauptsächlich der Videotelefonie und bedient sich dabei im Gegensatz zu Apples Facetime bereits existierenden Standards: Man kann jedes videotelefoniefähige UMTS-Handy mit bewegten Bildern erreichen und ist dabei weder auf Geräte eines Herstellers noch auf WLAN-Verbindungen beschränkt. Dafür hält allerdings der Provider beim Transport von Ton und Bild die Hand auf.

Im Inneren des Galaxy Tab werkelt ein Samsung-eigener Cortex-8-Prozessor mit 1 GHz. Den kennen wir schon vom Android-Smartphone [4] Galaxy S. Ihm stehen 512 MByte RAM zur Verfügung. Der interne, 16 GByte große Flash-Speicher ist unterteilt in eine knapp 13 GByte große Datenpartition, die der Nutzer mit Videos, Fotos, Musik, eBooks & Co. beladen kann, sowie in eine gut 2 GByte große Systempartition, die für Betriebssystem und Apps reserviert ist. Wenn der intere Speicher nicht ausreicht, ist eine Erweiterung per microSD-Speicherkarte möglich. Das Tab unterstützt die derzeit maximale Größe: 32 GByte. Damit stehen theoretisch knapp 45 GByte zur Verfügung.

Software

Auf dem Galaxy Tab läuft Android in der aktuellen Version 2.2 – und damit eigentlich ein Handy-Betriebssystem. Anpassungen an die größere Display-Diagonale und die höhere Auflösung gibt es nicht. Immerhin sind die Android-Apps ohnehin schon dafür ausgelegt, um bei unterschiedlichen Auflösungen auf verschiedenen Geräten zu laufen. Dementsprechend sehen eigentlich alle Programme gut aus. Einen schwarzen Rahmen wie beim iPad gibt es zumindest nicht, und auch brutale Vergrößerungen können wir nicht feststellen. Außerdem hat Samsung bereits ein Update auf die kommende Android-Version Gingerbread (vermutlich 3.0) angekündigt. Die Aktualisierung soll das Google [5]-Betriebssystem fit machen für größere Displays.

Die Oberfläche kennen wir schon von Samsungs Smartphone-Flaggschiff Galaxy S. Auch auf dem Galaxy Tab kommt TouchWIZ 3.0 zum Einsatz, ein User-Interface, das relativ nah an den Android-Standard angelehnt ist. Es gibt zwischen einem und neun Homescreens, die der Nutzer nach Belieben mit Widgets, Programmen, Kontakten und Bildern bepflastern kann, ein Programme-Menü, das horizontal durchgescrollt wird und eine Notification Bar oben, die über verpasste Anrufe, Akkustatus, Software-Updates und so weiter informiert. Mit einem Fingerwisch zieht man sie nach unten, um mehr Informationen zu erhalten – und bekommt gleich die wichtigsten Schaltflächen auf einen Blick: Per Fingertipp lassen sich hier WLAN, Bluetooth, GPS, Lautlosmodus und Beschleunigungssensor aktivieren oder abschalten, außerdem ermöglicht ein Slider das manuelle Regeln der Display-Helligkeit beziehungsweise das Einschalten der automatischen Helligkeitsregelung. Das ist zwar nicht ganz so gut erreichbar wie der mechanische Nicht-Drehen-Schalter des iPads, hat aber mehr Möglichkeiten.

Getippt wird übrigens auf der virtuellen Swype-Tastatur. Hier muss man die Finger nicht nach jedem Buchstaben absetzen, sondern wischt einfach von Zeichen zu Zeichen und hebt erst nach einem kompletten Wort wieder ab. Nach kurzer Eingewöhnung funktioniert das ganz hervorragend – und wer sich gar nicht damit zurechtfindet, kann auch eine „normale“ virtuelle Tastatur verwenden.

Vorinstalliert sind die ganzen Android-Standards wie Google Maps, Webbrowser, E-Mail-Client, Kalender, Youtube-Client und so weiter. Dazu hat Samsung noch ein paar weitere Anwendungen gepackt wie die Office-Suite ThinkFree, einen E-Book-Reader, eine DLNA-Software sowie Foto-Viewer und Video-Player. Die Office-Suite ermöglicht das Betrachten und Bearbeiten von Textdokumenten, Tabellen und Präsentationen und tut, was sie soll. So hübsch wie das neue Windows-Phone-7-Office ist sie nicht, aber sie funktioniert. Der E-Book-Reader ermöglicht Zugriff auf kostenlose und kostenpflichtige Lektüre, die derzeit zum großen Teil nur in englischer Sprache verfügbar ist. Aufgrund der Unterstützung des Epub-Formats ist aber auch das Öffnen von anderen E-Book-Dateien möglich. Rein optisch lehnt sich das Programm stark an das virtuelle Apple-Bücherregal an – inklusive Holz-Look bei der Cover-Ansicht und coolen Umblätter-Effekten. In der Praxis ruckelt’s beim Seitenwechsel aber gelegentlich. Das ist nicht schlimm, würde bei Apple so aber nicht vorkommen.

Multimedial ist das Galaxy Tab dafür ganz weit vorne mit dabei. Eine Zwangsbindung an iTunes oder Ähnliches gibt es nicht. Zwar bietet Samsung eine ähnliche Software für den PC: Kies. Das Programm überzeugt uns nicht, aber das Schöne ist: Es geht auch ohne. Auf Wunsch meldet sich das Galaxy Tab beim Anstecken an den Computer wie ein USB-Stick als Wechselspeichermedium an – und man kopiert locker-flockig Musik, Videos, Fotos & Co. per Drag & Drop auf das Gerät. Nach dem Abstecken durchsucht eine vorinstallierte Software den Speicher nach neuen Multimediainhalten – und sofort tauchen sie in den entsprechenden Wiedergabeprogrammen auf. Dabei entpuppt sich vor allem der Videoplayer als sympathischer Allesfresser: Er kommt mit allen Videodateien zurecht, die wir testweise aufgespielt haben – inklusive DivX und M4V. Auch ansonsten überzeugt der Videoplayer. Selbst in HD-Clips ist ruckelfreies Spulen möglich, die Wiedergabe auf dem Display sieht hervorragend aus, und das Betrachten von Filmen und Serien macht auf dem 7-Zoll-Screen richtig Spaß. Toll ist auch die AllShare-Software, die DLNA-kompatible Massenspeicher und Wiedergabegeräte im Heimnetzwerk aufspürt. Mit wenigen Fingertipps betrachtet man so die auf einem PC in einem anderen Raum gespeicherten Fotos oder schickt die auf dem Galaxy Tab gespeicherten Urlaubsbilder per Fingerwisch auf den HD-Fernseher im Wohnzimmer.

Wirklich Spaß macht das Galaxy Tab aber erst nach einem Blick in den Android Market – in Googles App Store. Hier stehen bereits über 100.000 kostenlose und kostenpflichtige Programme für alle Alltags- und Allnachtssituationen zum Download bereit – und vor allem gibt es hier auch eine gigantische Auswahl an Spielen. Angry Birds, Flight Control, Tower Raiders: All diese coolen Handy-Games profitieren von dem großen Tablet-Display.

Leistung

Im Quadrant-Benchmark für Android-Geräte erreicht das Galaxy Tab um die 1050 Punkte. Das ist ein gutes Stück mehr als das Samsung Galaxy S mit Standard-ROM schafft, aber nicht so viel, wie beispielsweise Googles Nexus One mit einer flotten Firmware erreicht. Ohnehin sind Benchmarkwerte nur gut für den nackten Vergleich – in der Praxis zählt, wie flott sich das Galaxy Tab anfühlt. Und hier löst es leider nur gemischte Gefühle aus. Programme starten schnell und auch die Bedienung geht nahezu verzögerungsfrei vonstatten, aber hier und dort kommt die Hardware ganz offensichtlich an ihre Grenzen. Wer beispielsweise die CNET-Webseite in der nicht mobilen Version betrachtet, kann nur unter deutlich merklichem bis starkem Ruckeln scrollen oder zoomen. Lesbar ist zwar alles, aber diesen Wow-Effekt, den wir vom iPad her kennen, löst das Galaxy Tab damit nicht aus. Wenn es darauf ankommt, reicht die Geschwindigkeit des Tablets aber aus: Testweise haben wir den im Browser integrierten Flash-Player mit einer Folge Elton vs. Simon an seine Grenzen gebracht. Im Vollbild klappt die Wiedergabe problemlos und ruckelfrei, nur bei den Werbeunterbrechungen muss man ein leichtes Haken in Kauf nehmen. Damit können wir durchaus leben, aber wie gesagt: Apple kann’s schneller. Und wer darauf Wert legt, auf das gute Gefühl beim Scrollen, auf das „Seht her, mein Tablet kann flüssiges Multitouch“ – der wird wohl mit dem Galaxy Tab nicht glücklich werden. Zumindest mit der derzeitigen Software-Version.

Auch die Kamera macht nicht wirklich glücklich. Die Fotos wirken körnig, die Farben sind fahl und platt, und selbst in hellen Räumen gelangt ein starkes Farbrauschen ins Bild. Dazu gesellen sich teilweise krasse Überbelichtungen und ein kleiner Dynamikbereich. Aber gut – es ist ja auch ein Tablet und keine Kamera, und für einen Schnappschuss vom Hotelpool in Ägypten, der direkt über das hoteleigene WLAN zu Facebook hochgeladen wird, reichts aus.

Der Akku hingegen überzeugt schon eher. 4000 mAh speichert die Batterie im Inneren, und damit etwa dreimal so viel wie die durchschnittliche Energiereserve eines aktuellen Smartphones – mit halb so großer Bildschirmdiagonale. Unterm Strich ergeben sich deswegen zwar keine Wunder, aber durchaus brauchbare Laufzeiten. Der Videoplayer beispielsweise dürfte bei abgeschaltetem Funk um die fünf Stunden durchhalten. Das ist nicht so viel wie das iPad schafft, aber dafür wiegt das Galaxy Tab auch nur die Hälfte – und sorgt bei langen Bahnreisen, Flügen oder verregneten Sonntagen auf der Couch durchaus für Kurzweil.

Zubehör

Im Lieferumfang des Galaxy Tabs ist nur das proprietäre USB-Kabel samt zugehörigem Steckernetzteil sowie ein kabelgebundenes In-Ear-Headset enthalten. Demnächst soll noch weiteres Zubehör in den Handel kommen, darunter ein Dock mit Ladeadapter und HDMI-Schnittstelle. So wird das Samsung-Tablet zur Multimediazentrale im Wohnzimmer oder zum digitalen Bilderrahmen mit integriertem Wecker und Wettervorhersage im Schlafzimmer.

Besonders spannend könnte auch die angekündigte externe Tastatur werden. Damit könnte das Galaxy Tab vielleicht den Unterwegs-Einsatz von Net- oder Notebook [6] ersetzen. Wir werden das Zubehör demnächst ausführlich testen.

Fazit

Das Negative zuerst: Das Galaxy Tab kostet laut unverbindlicher Preisempfehlung 799 Euro – und es ruckelt teilweise recht ordentlich bei der Bedienung. Das ist ein No-go, und die Kombination aus diesen beiden Punkten sollte dem Gerät eigentlich die Wertung verhageln und ganz klar dem iPad den Vorrang bei der Kaufentscheidung geben.

Aber wie so oft ist es nicht ganz so einfach, und es gibt viele gute Punkte, die für das Galaxy Tab sprechen, wenn man sich mit dem hohen Preis und dem gelegentlichen Ruckeln anfreunden kann: Es ist sympatisch, liegt gut in der Hand, kann unglaublich viel, ist nicht an iTunes gebunden und macht einfach extrem viel Spaß. Der gemeine Tablet-Käufer wird wahrscheinlich tatsächlich mit dem iPad glücklich. Aber wer tief drinsteckt in der Materie, sich mit Android & Co. beschäftigt hat oder beschäftigen möchte, sollte sich das Samsung-Tablet unbedingt näher ansehen. Und, Samsung-typisch, dürfte sich der hohe Preis schnell relativieren. Bereits jetzt, kurz vor Verkaufsstart, listen erste Online-Händler das Galaxy Tab bereits ab circa 650 Euro – und bis Weihnachten steht garantiert eine Fünf an erster Stelle.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[3] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[4] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[5] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[6] Notebook: http://www.cnet.de/themen/notebook/