Nikon D3100 im Test: gemächliche Einsteiger-DSLR mit toller Bildqualität

von Lori Grunin und Stefan Möllenhoff am , 16:33 Uhr

Pro
  • ausgezeichnete Bildqualität
  • gutes Bedienkonzept
  • praktischer Guide-Modus
  • manuelle Einstellungsmöglichkeiten im Videomodus
Con
  • kleiner optischer Sucher
  • langsamer als die Konkurrenz
  • keine Belichtungsreihenfunktion
Hersteller: Nikon Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: GUT 7,4 von 10 Punkte
Fazit:

Die Nikon D3100 ist eine sehr gute Einsteiger-DSLR, die mit exzellenter Bildqualität und durchdachter Bedienung überzeugt. Ihre einzige wirkliche Schwäche ist die mäßige Geschwindigkeit. Zwar gibt es keine signifikanten Einbrüche, doch trotzdem hinkt die Kamera in diesem Punkt etwas hinter der Konkurrenz hinterher.

„Die erfolgreichste DSLR Europas“ – diesen Titel konnte die Nikon D3000 jedenfalls im ersten Halbjahr 2010 halten. Jetzt kommt mit der D3100 die Nachfolgerin in den Handel. Verbesserungen gibt es insbesondere beim Bildsensor und beim Videomodus, der erstmals bei einer Einsteiger-DSLR einen nachführenden Autofokus bietet. Wie sich die Spiegelreflexkamera in der Praxis schlägt, verrät der Testbericht.

Die Nikon D3100 wird in einer Vielzahl von verschiedenen Kombinationen angeboten. Neben dem derzeit rund 550 Euro teuren Kit mit dem 18-bis-55-Millimeter-Objektiv gibt es die DSLR auch in folgenden Kombinationen: Mit 18-bis-105-Millimeter-Optik ab 670 Euro, mit 18-bis-200-Millimeter-Linse ab 650 Euro, mit 18-bis-55- und 55-bis-200-Millimeter-Objektiv ab 730 Euro sowie mit 18-bis-55- und 55-bis-300-Millimeter-Optik ab 835 Euro. Das Gehäuse alleine wechselt ab rund 500 Euro den Besitzer.

Design & Ausstattung

Die D3100 ist etwas kleiner und leichter als ihre Vorgängerin D3000. Dennoch hat es Nikon geschafft, mehr Bedienelemente zur direkten Ansteuerung von Funktionen auf das Gehäuse zu quetschen. Die Platzierung mancher Tasten hat sich im Vergleich zur D3000 geändert, doch im Großen und Ganzen ist das Bedienkonzept gleich geblieben. Die Kamera überzeugt in Sachen Handling, fühlt sich für unseren Geschmack allerdings etwas zu sehr nach Plastik an.

Vorne an der Kamera unter dem linken Daumen befindet sich eine programmierbare Fn-Taste, die wahlweise zur direkten Konfiguration von Bildqualität, ISO-Empfindlichkeit, Weißabgleich oder Nikons Active D-Lighting [1] dient. Ihre Haptik ist leider mit dem darüberliegenden Blitz-Knopf identisch. Ohne Hinsehen lassen sich die Tasten nicht besonders gut auseinanderhalten.

Direkt hinter dem Objektiv gibt es sich eine frei belegbare Funktionstaste.
Direkt hinter dem Objektiv gibt es sich eine frei belegbare Funktionstaste.

Auf der linken Oberseite des Gehäuses befindet sich der Auslöser mitsamt dem ihn umgebenden Ein/Aus-Schieber. Dahinter sitzen zwei Tasten für Belichtungskorrektur und Info. Ein Druck auf letztere ändert die auf dem rückseitigen Display dargestellten Informationen. Weiter hinten folgt ein Moduswahlschalter, der die manuellen und halbautomatischen PASM-Modi, diverse Szenenprogramme sowie eine Automatik und einen Guide-Modus beinhaltet.

Der Guide-Modus soll DSLR-Anfängern den Einstieg in die anspruchsvollere Fotografie erleichtern.
Der Guide-Modus soll DSLR-Anfängern den Einstieg in die anspruchsvollere Fotografie erleichtern.

Das Guide-Feature hält eine Reihe von Anleitungen für diverse Aufnahmeszenarien bereit. Es gibt zwei verschiedene Betriebsmodi: einen automatischen und einen fortgeschrittenen. Der Advanced-Modus erklärt, welche Parameter für die gewählte Aufnahmesituation eine Rolle spielen und erlaubt es dem Nutzer, diese anzupassen. Im Automatik-Modus dagegen erklärt die Kamera bloß, welche Einstellungen wichtig sind und konfiguriert sie selbsttätig. Unser einziger Kritikpunkt ist hier, dass die Einstellung der Aufnahmeparameter nicht immer so funktioniert wie im Normalbetrieb. Um beispielsweise die Verschlusszeit einzustellen, hält im Guide-Modus das Vier-Wege-Pad her, für gewöhnlich übernimmt allerdings das Einstellrädchen unter dem rechten Daumen diese Aufgabe. Das könnte bei Einsteigern für etwas Verwirrung sorgen.

Für Videomodus und Live-View-Betrieb gibt es rechts oben neben dem Display einen praktischen Umschalter für Sucher- und Display-Betrieb, auf dem mittig eine dedizierte Aufnahmetaste sitzt. Ansonsten hat sich gegenüber der D3000 auf der Rückseite nicht viel getan. Das Vier-Wege-Navigationspad fühlt sich bei der D3100 etwas besser an als bei der Vorgängerin.

Für die verschiedenen Aufnahmemodi – Einzelfoto, Serienbild, Selbstauslöser und leise Fotografieren – gibt es neben dem Modusrädchen ein kleines Hebelchen. Das gefällt uns besser als die Lösungen anderer Hersteller, die diese Einstellung gelegentlich tief in den Menüs verstecken. Apropos Menüs: Die Einstellungsdialoge der D3100 sind übersichtlich und praktisch gestaltet.

Der Schalter oben rechts neben dem Display dient zum Umschalten zwischen Live-View- und Sucherbetrieb. Darauf sitzt eine dedizierte Taste für die Videoaufnahme.
Der Schalter oben rechts neben dem Display dient zum Umschalten zwischen Live-View- und Sucherbetrieb. Darauf sitzt eine dedizierte Taste für die Videoaufnahme.

Neben einem Composite- und einem HDMI-Ausgang sowie einem USB-Port bietet die Nikon D3100 einen Anschluss für ein optional erhältliches GPS-Modul. Leider fehlen der DSLR auch ein paar Features, die andere Kameras in dieser Preisklasse bieten – etwa eine kabellose Blitzsteuerung. Am meisten enttäuscht uns allerdings, dass die D3100 keine Belichtungsreihenfunktion bietet. Eine vollständige Liste der Funktionen findet sich im Handbuch. Leider gibt es die Dokumentation zur Kamera ohne vorherige Registrierung mittels Seriennummer nur auf der englischsprachigen Nikon-Website [2].

Hersteller Nikon Nikon
Modell D3000 [3] D3100
Preis (UVP) 450 Euro 650 Euro
Bildsensor CCD (DX-Format) CMOS (DX-Format)
Auflösung 10,2 Megapixel 14,2 Megapixel
Empfindlichkeiten ISO 100 – 1600 ISO 100 – 12.800
Bildprozessor Expeed Expeed 2
Serienbildmodus 3 fps 3 fps
Videomodus nein 1920 x 1080 Pixel @ 24 fps
Display 3 Zoll, 230.000 Pixel 3 Zoll, 230.000 Pixel
Abmessungen 12,6 x 9,7 x 6,4 cm 12,4 x 9,6 x 7,5 cm
Gewicht 485 g 455 g

Leistung

Obwohl sich die Kamera in Sachen Geschwindigkeit alles andere als schlecht schlägt, ist sie einen Tick langsamer als ihre Vorgängerin D3000 und hinkt auch hinter der übrigen Konkurrenz hinterher. Bis nach dem Betätigen des Einschalters das erste Foto im Kasten ist, vergehen etwa 0,4 Sekunden. Bei guten Lichtverhältnissen beträgt die Auslöseverzögerung 0,4 Sekunden. Bei Motiven mit geringen Kontrasten verschlechtert sich der Wert auf 0,6 Sekunden. Immerhin: Hier ist die D3100 schneller als die D3000.

Im JPEG-Modus beträgt die Zwangspause zwischen zwei Fotos 0,6 Sekunden, bei der RAW-Aufnahme sind es 0,9 Sekunden. Auch hier fällt die D3100 hinter ihrer Vorgängerin und der übrigen Konkurrenz in dieser Klasse zurück. Bei aktiviertem Blitz vergehen 1,1 Sekunden zwischen zwei Bildern. Mit einer Serienbildgeschwindigkeit von 2,9 Fotos pro Sekunde ist die Nikon D3100 von den aktuellen Einsteiger-DSLRs das langsamste Modell. Beim Fotografieren von schnell bewegten Objekten – etwa herumtobenden Eichhörnchen und Vögeln – erweist sich die Kamera als zu langsam. Für herumtobende Kinder reicht die Performance in der Regel aber aus.

Der Sucher ist im Wesentlichen mit dem der D3000 identisch. Allerdings finden jetzt sehr kleine Autofokus-Punkte Verwendung, die sich nicht mehr besonders gut erkennen lassen. Laut Nikon wurden diese Fokusanzeiger allerdings von den Anwendern gewünscht. Der Sucher selbst ist recht klein und bietet keine besonders starke Vergrößerung, geht alles in allem aber durchaus in Ordnung. Das LC-Display lässt sich erfreulicherweise auch bei direktem Sonnenlicht noch recht gut ablesen.

Bildqualität

Die D3100 schießt auch bei schlechten Lichtverhältnissen noch sehr ordentliche Fotos. Dies verdankt sie in erster Linie ihrem ausgezeichneten Rauschverhalten bei hohen Empfindlichkeiten. Selbst bei ISO 800 gelingen die JPEG-Fotos noch außergewöhnlich sauber und bleiben bis einschließlich ISO 3200 durchaus brauchbar. Leider unterstützt Adobe Camera Raw die D3100 derzeit noch nicht, daher konnten wir noch keine detaillierten RAW-gegen-JPEG-Vergleiche anstellen.

Die Farbwiedergabe ist mit der Standardkonfiguration ausgezeichnet und sehr realitätsnah. Das stellt eine willkommene Abwechselung zu der übersättigten Ergebnissen dar, wie sie beispielsweise Pentax und Sony [4] mit ihren Werkseinstellungen abliefern. Auch die Belichtungsmessung arbeitet sehr zuverlässig und sorgt für schön ausgeleuchtete Fotos.

Die Schärfe ist natürlich von der jeweiligen Linse abhängig. Aber wir sind mit allen D3100-Objektiv-Kombinationen, die wir getestet haben, ziemlich zufrieden. Die Aufnahmen sehen scharf, aber nicht übertrieben nachgeschärft und körnig aus. Zusätzlich zum 18-bis-55-Millimeter-Kitobjektiv haben wir die neue Profi-Linse 28-300mm f3.5-5.6 ED VR und das günstige Telezoom 55-300mm f4.5-5.6 ED VR sowie die ältere 35-Millimeter-Festbrennweite mit einer größten Blende von F1,8 ausprobiert. Von der Abbildungsleistung her ist das 28-bis-300-Millimeter-Objektiv großartig, doch die Haptik kann uns nicht völlig überzeugen. Der Zoomring macht einen etwas zu schwergängigen und hakeligen Eindruck. Zudem ist die Optik einfach zu schwer für ein kompaktes und leichtes Modell wie die D3100.

Das 55-bis-300-Millimeter-Objektiv gefällt uns vom Handling her besser, arbeitet allerdings langsamer und liefert nicht ganz so scharfe Ergebnisse. Außerdem landen Farbsäume auf den Aufnahmen. Dennoch – mit den Anschaffungskosten von rund 340 Euro ist das Preisleistungsverhältnis ausgezeichnet. Gleiches gilt auch für die 35-Millimeter-Festbrennweite, die ab rund 165 Euro den Besitzer wechselt. Zwar tritt hier auf der rechten Seite eine leichte asymmetrische Tonnenverzerrung auf, aber trotzdem gibt’s hier viel Bild für wenig Geld.

Die Videoqualität bewegt sich im Klassendurchschnitt, allerdings hat die D3100 vergleichsweise stark mit Rolling-Shutter-Effekten [6] zu kämpfen. Der Einsatz eines bildstabilisierten Objektivs macht beim freihändigen Filmen einen großen Unterschied. Der Ton ist an sich recht gut, doch der kontinuierliche Autofokus sorgt für Störgeräusche auf den Aufnahmen. Zudem schafft er es leider nicht, das anvisierte Objekt zuverlässig im Fokus zu behalten. Erfreulich hingegen ist, dass die Kamera im Videomodus volle manuelle Einstellungsmöglichkeiten bietet.

Wenn sich die D3100 im Live-View- oder Videomodus befindet und gerade nicht benutzt wird, zeigt sie links oben im Display einen herunterzählenden 30-Sekunden-Timer an, der darüber informiert, wann sich die DSLR zum Schutz vor übermäßiger Sensorerhitzung [7] automatisch abschaltet.

Fazit

Alles in allem ist die Nikon D3100 eine sehr gute Spiegelreflexkamera, die im Einsteigersegment mit die beste Bildqualität abliefert. Bei der Geschwindigkeit hinkt sie jedoch etwas hinterher. Solange die D3100 noch teuer und die D5000 günstig erhältlich ist, handelt es sich jedoch beim älteren, „größeren“ Modell um das interessantere Angebot.

Die D5000 punktet im direkten Vergleich mit dreh- und schwenkbarem Display, besserem Sucher, schnelleren Reaktionen und einer großzügigeren Ausstattung. Die D3100 hat dafür einen höher auflösenden Bildsensor und mehr Videofeatures zu bieten. Wer nicht gerade zu den Videofreaks zählt, bekommt mit der D5000 wohl das bessere Preisleistungsverhältnis. Und wirkliche Videofreaks werden wohl eher zu einem teureren Modell greifen als zur D3100 – der kontinuierliche Autofokus reicht für anspruchsvolle Anwendungen nicht aus, und die Rolling-Shutter-Effekte sind vergleichsweise stark.

Aufnahmegeschwindigkeit (in Sekunden)
(kürzere Balken bedeuten bessere Leistung)

Zeit bis zum ersten Foto   
Zeit zwischen zwei Fotos (RAW)   
Auslöse- verzögerung (Zwielicht)   
Auslöse- verzögerung (Tageslicht)   
Pentax K-x [8]

0.7 
0.6 
0.5 
0.3 
Canon EOS 500D [9]

0.2 
0.4 
0.6 
0.3 
Nikon D5000 [10]

0.2 
0.5 
0.7 
0.3 
Nikon D3100

0.4 
0.9 
0.6 
0.4 
Nikon D3000 [11]

0.2 
0.6 
0.8 
0.4 
Canon EOS 450D [12]

0.2 
0.4 
1.2 
0.5 

Serienbildgeschwindigkeit (in Fotos pro Sekunde)
(längere Balken bedeuten bessere Leistung)
Pentax K-x [8]

4.2 
Nikon D5000 [10]

4 
Canon EOS 450D [12]

3.4 
Canon EOS 500D [9]

3.3 
Nikon D3000 [11]

3 
Nikon D3100

2.9 

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41539842/nikon-d3100-im-test-gemaechliche-einsteiger-dslr-mit-toller-bildqualitaet/

URLs in this post:

[1] Active D-Lighting: http://nikoneurope-de.custhelp.com/app/answers/detail/a_id/22887

[2] englischsprachigen Nikon-Website: http://www.nikonusa.com/pdf/manuals/noprint/D3100_ENnoprint.pdf

[3] D3000: https://www.cnet.de/tests/digicam/41501672/nikon+d3000+guenstige+einsteiger_dslr+im+praxistest.htm

[4] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[5] Beispielfotos: die Bildqualität der Nikon D3100: https://www.cnet.de/41539861/beispielfotos-die-bildqualitaet-der-nikon-d3100/?pid=1#sid=41539842

[6] Rolling-Shutter-Effekten: http://de.wikipedia.org/wiki/Rolling-Shutter-Effekt

[7] übermäßiger Sensorerhitzung: https://www.cnet.de/blogs/alpha/kameras/41539109/videoaufnahme_mit_dslrs_ueberhitzende_sensoren_beschraenken_die_aufnahmedauer.htm

[8] Pentax K-x: https://www.cnet.de/tests/digicam/41528863/pentax_k_x_im_test_flinke_einsteiger_dslr_mit_hd_videomodus.htm

[9] Canon EOS 500D: https://www.cnet.de/tests/digicam/41003589/dslr_fuer_full_hd_videos_canon_eos_500d_im_test.htm

[10] Nikon D5000: https://www.cnet.de/tests/digicam/41003894/nikon_d5000_hd_video_dslr_mit_schwenk_display_im_test.htm

[11] Nikon D3000: https://www.cnet.de/tests/digicam/41501672/nikon_d3000_guenstige_einsteiger_dslr_im_praxistest.htm

[12] Canon EOS 450D: https://www.cnet.de/tests/digicam/39190417/flinker_performer_canon_eos_450d.htm