Schon im Test: Slingbox Pro-HD schickt das TV-Bild um die Welt

von Daniel Schraeder und Ian Morris am , 18:51 Uhr

Pro
  • kompatibel zu einer großen Auswahl an Geräten
  • einfache Installation und Bedienung
  • steuert nahezu alle DVB-Receiver und Festplattenrekorder
  • hohe Qualität
Con
  • kein integriertes WLAN
  • sehr schnelle Internetverbindung für gute Qualität nötig
  • kein HDMI-Anschluss
Hersteller: Slingmedia Listenpreis: noch nicht in Deutschland erhältlich, umgerechnet ca. 270 Euro
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,0 von 10 Punkte
Fazit:

Die Slingbox überträgt TV, Pay-TV, Video-Aufnahmen & Co. via Internet vom eigenen Zuhause aufs Handy in der S-Bahn, den Hotel-Fernseher im Urlaub oder das Ferienhaus in Griechenland - und zwar simpel und in hoher Qualität. Für einen großen Teil der potentiellen Käuferschaft ist dieses neue Modell aber zu viel des Guten.

Die Slingbox löst ein Problem, von dem viele Menschen gar nicht wissen, dass es existiert. Wer aber sein TV-Signal von zu Hause aus auf dem Handy oder im Hotel oder Ferienhaus am anderen Ende der Welt sehen möchte, die DVD aus dem Wohnzimmer im Schlafzimmer fertig gucken will oder das Bundesliga-Spiel im PayTV-Kanal auch im Büro genießen möchte, kommt an der Slingbox nicht vorbei. Wir haben das neueste Modell Pro-HD ausführlich getestet.

Das Konzept ist einfach: Für circa 260 Euro bekommt man eine kleine Kiste, die unauffällig im Wohnzimmer zwischen TV-Empfänger, Pay-TV-Box, DVD- oder Blu-ray-Player und Fernseher gesteckt wird. Dazu ist eine möglichst leistungsstarke Internet-Verbindung nötig – und schon landet jedes Bild, dass man im eigenen Wohnzimmer ansehen könnte, auch mobil auf dem Handy, auf einem entsprechenden Empfänger an einem Fernseher am anderen Ende der Welt oder auf dem Notebookdisplay.

Zugegeben: Die Slingbox ist kein Allerweltsprodukt. Dementsprechend findet man sie auch nicht gerade in der Grabbelkiste des nächsten Media Markts. Wer in Deutschland eine Slingbox kaufen möchte, bekommt sie beispielsweise bei Amazon – aber dort noch nicht das neue Modell Pro-HD. Da der Import von Amazon UK aber möglich ist, werfen wir dennoch schon mal einen ausführlichen Blick auf das aktuelle Modell.

Verbindungsmöglichkeiten

Auf der Rückseite der Slingbox Pro-HD gibt es Component-, Composite- und S-Video-Eingänge sowie die jeweils zugehörigen, durchgeschleiften Ausgänge. Für das Audio-Signal stehen zusätzliche, digitale und analoge Ein- und Ausgänge zur Verfügung.

Mit im Lieferunfang enthalten ist darüber hinaus ein Infrarot-Sender, der an der Box angeschlossen wird und auf die übrigen Geräte im eigenen Heimkino oder Wohnzimmer zielt – also auf den Sky-Receiver, den Satellitenempfänger oder den Festplatten-Videorekorder. Er steuert die Komponenten an wie eine Multifunktionsfernbedieung und ermöglicht so beispielsweise das Umschalten des TV-Kanals beim Sky-Receiver vom Notebook [1] im Büro, vom Fernseher im Schlafzimmer oder vom Handy in der S-Bahn aus. Besonders cool: Über diesen Weg ist auch der Zugriff auf Video-Aufnahmen möglich. Wer seinen Festplattenrekorder entsprechend programmiert hat, kann im Urlaub nach dem Strandaufenthalt noch seine Lieblings-Nachmittagssendung sehen.

Was die Eingänge angeht, ist die Slingbox Pro-HD nah an der Perfektion. SD und HD, kein Problem. Aber Moment mal – wo ist denn HDMI? Der Anschluss fehlt leider. Ein Grund ist die HDCP-Verschlüsselung von HD-Inhalten, die über die digitale Kabelverbindung ausgetauscht wird. Das Streamen der geschützten Inhalte ist nämlich verboten. Also gibt’s gleich gar keinen digitalen HD-Eingang. Wer hochqualitatives Video sehen (beziehungsweise übertragen) möchte, muss auf Component Video zurückgreifen. Vorausgesetzt, der jeweilige Receiver hat überhaupt solche Anschlüsse.

In der Slingbox ist übrigens ein DVB-T-Receiver integriert. Der Empfang von digitalem Antennenfernsehen ist also auch ohne den Anschluss eines zusätzlichen Receivers möglich.

Aufbauen und ausprobieren

Ein Gerät, das so komplex und schwer zu erklärende Aufgaben erledigt, kann ja eigentlich gar nicht einfach sein. Überraschenderweise ist es das aber. Zwar ist das Web-Interface der Box nicht sonderlich schnell, aber es ist übersichtlich und logisch aufgebaut. So dauert es nur ein paar Minuten, bis unsere Slingbox angeschlossen ist, sämtliche mit ihr verbundenen Geräte kennt und bereits einen Sendersuchlauf durchgeführt hat.

Die zweite Hälfte der Konfiguration sollte theoretisch ähnlich einfach ablaufen. Damit Handys, Notebooks und Sling Catcher (das Gegenstück, quasi der Empfänger der Slingbox) auf das eigene TV-Signal zugreifen können, muss die Firewall des DSL-Routers entsprechend eingestellt werden – ansonsten blockt sie die Verbindungsanfragen nämlich ab. Theoretisch wählt der Anwender dafür nur Hersteller und Modell seines Routers aus, gibt das Zugangspasswort an, und der Konfigurationsassistent der Slingbox übernimmt den Rest. Genau in unserem Fall hat das aber bei einem D-Link-Router nicht funktioniert.

So viel Pech ist wohl nicht üblich, aber wer ein ähnliches Problem hat, kann die entsprechenden Einstellungen auch händisch vornehmen. Die Konfiguration ist aber relativ komplex. Wer nicht weiß, was er tut, sollte also besser einen Blick in die Anleitung des Routers werfen – oder noch besser, nach einer entsprechenden Anleitung im Internet suchen.

Vier Wege führen zum Bild

Wenn es um die Flexibilität geht, macht der Slingbox kaum einer etwas vor. Wer auf sein privates TV-Programm zugreifen möchte, kann das von jedem Computer aus erledigen – Voraussetzung ist nur ein Internet Explorer oder ein Firefox. Man surft auf die Sling-Webseite, loggt sich ein und sieht Sekunden später das TV-Bild, das im Wohnzimmer aus dem Anschluss kommt. Auch dann, wenn man sich gerade beruflich in London, New York oder Peking aufhält.

Alternativ zum Browser-Plugin gibt es eine Software, die man auf dem PC oder Notebook installiert. Das ist in Anbetracht des guten Browser-Plugins zwar eigentlich nicht nötig, hat aber ein paar Vorteile. Zum einen reagiert das Programm gefühlt deutlich schneller als der Browser, und zum anderen gibt es ein paar Zusatzfunktionen. So bleibt der Sling Player beispielsweise auf Wunsch dauernd im Vordergrund – praktisch, wenn man nebenbei noch arbeitet. Oder arbeiten müsste. Außerdem ist die Software auch für Macs erhältlich.

Wer das TV-Signal auf einen anderen Fernseher, etwa im Schlafzimmer oder im Ferienhaus in Florida, transportieren möchte, kann auf den Sling Catcher zurückgreifen – eine kleine Kiste, die wie das Gegenstück zur Slingbox direkt am Fernseher angeschlossen wird und eine Fernbedienung mitbringt. Billig ist der Spaß zwar nicht: Bei Amazon kostet der Empfänger 270 Euro. Wenn der Nachwuchs dafür aber im Urlaub seine Lieblingssendung in deutscher Sprache gucken kann, ist es das aber unter Umständen Wert. Und wenn man Zugriff auf die Bundesliga hat, auf jeden Fall.

Die letzte Möglichkeit ist eine Handy-App namens Sling Mobile. Damit wandert das Bild via Web direkt aufs iPhone, auf den Blackberry oder auf Smartphones mit Android [2]- oder Symbian-Betriebssystem. Das dürfte wohl einer der interessantesten Einsatzzwecke der Slingbox sein. Bundesliga im Biergarten? Perfekt! Leider haben die Handy-Apps einen großen Nachteil, und das ist der Preis. Zwischen 20 und 25 Euro kostet die App – ganz schön viel im Vergleich zu den meisten Programmen, die sich so in den Stores und Markets tummeln.

Aber ganz im Ernst: Das Geld ist gut investiert. Wir haben den Sling Player Mobile für Android getestet. Die Bildqualität ist mehr als zufriedenstellend auf dem Handy-Diplay, und vor allem über WLAN gibt es keinerlei Ruckler oder Aussetzer. Auch über UMTS kann man wichtige Ereignisse und spannende Serien mehr als zufriedenstellend verfolgen – ganz so flüssig ist das Bild dann aber nicht mehr. Außerdem sollte man vor der Nutzung unbedingt seinen Datentarif checken und auf Roaming im Ausland unbedingt verzichten – denn die so resultierende Rechnung könnte locker das Jahresgehalt eines Durchschnittsverdieners sprengen.

Bildqualität

Wie gesagt, auf dem kleinen Handy-Display ist die Darstellung mehr als nur zufriedenstellend. Nicht ganz so toll sieht’s hingegen auf einem großen Monitor aus, vor allem, wenn der noch eine hohe Auflösung hat. Es ist eben nur ein TV-Signal. Im Zweifelsfall muss man sich einfach ein Stück vom Bildschirm entfernt hinsetzen – dann passt’s. Die Detailgenauigkeit ist ebenso wie die Audio-Übertragung zufriedenstellend.

Die Sache mit dem HD ist dann aber doch noch etwas erklärungsbedürftig. Ja, die Slingbox ist HD-fähig – aber wirklich sinnvoll ist das nur in den wenigsten Fällen. Das fängt beim integrierten DVB-T-Empfänger an, der kein hochauflösendes Signal dekodiert. Und selbst wenn er das könnte, wäre es nutzlos, denn in Deutschland kommt der HD-Antennenfernsehen-Standard DVB-T2 noch gar nicht zum Einsatz.

Über die Component-Eingänge auf der Rückseite der Slingbox Pro-HD lassen sich Videos in 1080i-Qualität einspielen. Aber wo kommt das Signal her? Sky-Receiver haben üblicherweise nur noch HDMI-Ports – und legen Wert auf die HDCP-Verschlüsselung. Das gleiche gilt für Blu-ray-Player – wenn überhaupt Component-Video-Ausgänge vorhanden sind, kommt hier nur SD-Material raus. Man könnte ja sonst den Full-HD-Film kopieren.

Und selbst wenn man – abgesehen von einer Spielekonsole – entsprechende Bildquellen findet, die hochauflösende Videos einspeisen, bräuchte man eine Internetverbindung mit einer gigantischen Upload-Geschwindigkeit. Deutlich über 2 MBit pro Sekunde kommt man hierzulande mit normalen DSL- oder Kabelanschlüssen einfach nicht heraus. Mindestens doppelt so viel sollte es für ein ordentliches Bild schon sein – und nach oben gibt es keine Grenzen. Dieses Problem entfällt freilich, wenn man TV & Co. nur im eigenen Haus sehen möchte, denn WLAN und Kabelnetzwerke sind dafür schnell genug.

Fazit

Es gibt viele Punkte, die man an der Slingbox und an der ganzen Idee dahinter mögen kann. Die Lösung ist perfekt, wenn man sein TV-Signal an einen anderen Ort transportieren möchte. Für uns ist der Einsatz der Handy-Apps der wichtigste Punkt, aber wer ein Ferienhaus außer Reichweite von Astra-Satellitenfernsehen hat, sieht das sicherlich anders. Und wer häufig in fremden Ländern und Kulturen unterwegs ist, freut sich vielleicht einfach darüber, sich im Hotelzimmer bei einem Bier einfach nur vom guten, deutschen Fernsehen berieseln zu lassen.

Wer auf die HD-Funktionen verzichten kann, sollte sich die „normale“ Slingbox Pro näher ansehen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41539881/schon-im-test-slingbox-pro-hd-schickt-das-tv-bild-um-die-welt/

URLs in this post:

[1] Notebook: http://www.cnet.de/themen/notebook/

[2] Android: http://www.cnet.de/themen/android/