HTC HD7 im Test: Windows-Phone-7-Flaggschiff mit großem Display und Standfuß

von Daniel Schraeder am , 19:37 Uhr

Pro
  • gute Ausstattung
  • integrierter Standfuß
  • großes, scharfes Display
Con
  • Kamera und Lautsprecher unterdurchschnittlich
  • fast schon etwas zu groß
  • einige rudimentäre Smartphone-Funktionen fehlen (noch)
Hersteller: HTC Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,7 von 10 Punkte
Fazit:

Das HTC HD7 gehört mit seinem großen 4,3-Zoll-Display zu den Flaggschiffen unter den neuen Windows Phones. Es reagiert flott, ist hochwertig gebaut und wird mit seinem integrierten Standfuß schnell zum mobilen Videoplayer. Damit ist das Gerät für Multimedia-Fans durchaus empfehlenswert - vorausgesetzt, sie nutzen eher Kopfhörer als Lautsprecher und können mit der mäßigen Kamera leben.

Groß, größer, HD7: Mit seinem 4,3-Zoll-Display stellt es sich an die Spitze der Windows-7-Phones. Dazu kommen 5-Megapixel-Kamera mit doppeltem LED-Blitz, ein Standfuß für die Videowiedergabe sowie alles, was zu einem zeitgemäßen Smartphone gehört. Das klingt nach einem multimedialen Überflieger. Ob das Gerät hält, was das Datenblatt verspricht, verrät der Testbericht.

Zu den fünf ersten Windows-Phone-7-Geräten in Deutschland gehört das HTC [1] HD7 – und stellt sich direkt an die Spitze des Quintetts. Zumindest, wenn es um die Display-Größe geht: Mit 4,3 Zoll überragt es seine eigenen Brüder, das Omnia 7 von Samsung [2] und das Optimus 7 von LG [3]. Das HD7 ist ab sofort exklusiv bei O2 erhältlich und kostet dort 529 Euro ohne Vertrag.

Design

Bereits auf den ersten Blick ist die nahe Verwandschaft zu seinem „Vorgänger“ mit Windows Mobile 6.5 unverkennlich, dem HD2. Fast auf den Millimeter gleichen sich die Abmessungen der beiden Geräte. Und zwar ihm wahrsten Sinne des Wortes, denn das HD7 ist mit 12,1 mal 6,8 Zentimetern genau einen Millimeter breiter als das HD2, und mit 1,1 Zentimetern genauso dick. Auch das Gewicht ist fast identisch: Mit 160 Gramm wiegt das neue Modell 3 Gramm mehr – der Unterschied macht so viel aus wie eine 2-Cent-Münze.

Hier wie dort kommt ein 4,3-Zoll-LCD mit einer Auflösung von 800 mal 480 Pixeln zum Einsatz. Das ist angenehm scharf, wobei es nicht ganz an die Brillanz des höher auflösenden iPhone-4-Displays heranreicht. Auch bei der Farbpracht und den Blickwinkeln muss man im Vergleich zum Super-AMOLED von Samsungs Omnia 7 Abstriche machen. Insgesamt ist die HD7-Anzeige aber angenehm hell, gestochen scharf und hübsch anzusehen.

Unterhalb des Displays sind die drei obligatorischen Windows-Phone-Tasten als Soft-Touch-Buttons ausgeführt: Zurück, Home und Suchen. Oberhalb der Anzeige trägt das Gerät den HTC-Schriftzug.

Zwischen der Echtglas-Touchscreenscheibe und dem Rahmen des Gerätes gibt es oben und unten einen jeweils knapp 3 Millimeter breiten Spalt. Speziell, wenn man das Smartphone [4] im Querformat hält, wirkt es so, als wären hier Stereo-Lautsprecher untergebracht. Das Schutzgitter, was sich in einer leichten Senke verbirgt, verstärkt diesen Eindruck noch. Dabei handelt es sich allerdings nur um einen optischen Trick. Oberhalb der Anzeige gibt es zwar tatsächlich einen Lautsprecher, der ist jedoch ausschließlich fürs Telefonieren gedacht – und bei der Wiedergabe von Videos oder Musik nutzt das HD7 den Schallwandler auf der Rückseite. Ebenfalls unter diesem Gitter ist übrigens auch die Status-LED untergebracht.

Außen um das HD7 zieht sich ein Rahmen, der dunkel lackiert ist und metallisch glänzt. Er wirkt extrem solide, und auch der Lack macht den Eindruck, als könne man ihm ohne den Einsatz roher Gewalt nicht viel anhaben. Auf der rechten Geräteseite gibt es zwei silberne Tasten. Eine davon ist als Wippe ausgeführt und dient der Regelung der Lautstärke – etwas ungewohnt an dieser Stelle, denn normalerweise sitzt das Element auf der linken Seite. Unterhalb befindet sich der zweistufige Auslöser der Kamera. Auch seine Position könnte etwas glücklicher gewählt sein. Vor allem aber sollte er sich etwas leichter bis zum Anschlag drücken lassen – denn die zweite Stufe ist vergleichsweise schwergängig. Wer nicht aufpasst, verwackelt beim Versuch, den Knopf zu drücken, gerne mal das Bild.

Oben rechts hat der Hersteller den Ein-Aus-Lock-Taster untergebracht. Auch er könnte einen etwas besseren Druckpunkt haben, aber man gewöhnt sich daran. Die linke Seite des Rahmens ist komplett „nackt“. Ganz unten ist die Micro-USB-Buchse zum Nachladen des Akkus sowie zum Übertragen von Daten montiert. Rechts davon findet sich eine kleine Aussparung, unter der sich das Mikrofon versteckt. Auch die 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse zum Anschluss des mitgelieferten Headsets oder von Standard-Kopfhörern ist unten angebracht. Wer das Smartphone als MP3-Player in der Hosentasche nutzt, muss es also mit dem Kopf nach unten in die Tasche stecken – und es beim Ändern von Track oder Lautstärke ganz herausziehen und umdrehen.

Die Rückseite ist komplett aus mattschwarzem Kunststoff mit gummierter Oberfläche ausgeführt. Unten trägt das HD7 den Windows-Phone-Schriftzug. Darüber setzt ein Streifen aus Metall Akzente. Die oberen zwei Drittel der Rückseite werden vom Akkudeckel bedeckt. Er zeigt das silbern glänzende HTC-Logo und hat eine ovale Aussparung, in der die zwei Foto-LEDs, die Linse der 5-Megapixel-Kamera sowie der Lautsprecher untergebracht sind. Besonders trickreich: Hier lässt sich ein solider Metallbügel ausklappen, der als Standfuß dient. Die Mechanik wirkt stabil und rastet mit einem kräftigen Klacken in beiden Positionen ein.

Insgesamt wirkt das HD7 erfreulich hochwertig und solide verarbeitet.

Ausstattung

Große Überraschungen hat das HD7 nicht zu bieten. Kein Wunder, Microsoft [5] legt die Messlatte bei den Windows-Phone-Geräten ja per se schon recht hoch: Display-Auflösung (800 mal 480 Pixel), Prozessorgeschwindigkeit (1 GHz) & Co. sind bei allen Smartphones mit dem neuen Mobil-Windows vorgeschrieben.

Quasi selbstverständlich sind Quad-Band-GSM, UMTS mit Up- und Downloadturbo HSPA (bis 7,2 MBit im Downstream), Bluetooth 2.1 sowie WLAN. Hier unterstützt das HTC sogar den flotten n-Standard, die neue Bluetooth-Version 3.0 allerdings nicht. Ein GPS-Empfänger ist selbstverständlich an Bord. In dieser Smartphone-Klasse sind auch die Sensoren für Annäherung, Helligkeitsregelung und Beschleunigung (beziehungsweise Drehung) eine äußerst praktische und übliche Beigabe.

Für Musik, Videos, Apps & Co. stehen dem HD7-Nutzer 16 GByte interner Speicher zur Verfügung. Eine Erweiterungsmöglichkeit via microSD-Karte gibt es allerdings nicht – auch das ist von Microsoft so vorgeschrieben. Findige Bastler haben allerdings einen entsprechenden Speicherkartenslot neben dem SIM-Kartenleser unterhalb der Kunststoffhülle entdeckt. Offiziell ist er aber nicht für den Nutzer zugänglich, und das Austauschen der Karte erfordert das Zurücksetzten des Geräts auf Werkseinstellungen. Außerdem könnten Tuningmaßnahmen an dieser Stelle negativen Einfluss auf Garantie und Gewährleistung haben.

Die Kamera auf der Rückseite nimmt Fotos mit einer Auflösung von 5 Megapixeln auf. Videos landen auf Wunsch in HD-Qualität (720p) im internen Speicher des Geräts. In der Dunkelheit sorgen gleich zwei Foto-LEDs für einen hellen Moment. Ab Werk fungieren sie zwar nicht als Taschenlampe, inzwischen ist im Windows-Phone-App-Store Marketplace aber eine Anwendung vom Gerätehersteller HTC aufgetaucht, die diese Funktion nachliefert – sehr erfreulich.

Softwareseitig sind die üblichen Merkmale von Windows Phone 7 vorinstalliert: der Zune-Mediaplayer, die mobile Version von Microsoft Office, ein Kalender, ein ordentlicher, aber im direkten Vergleich zu iPhone und Android [6] etwas lahmer Webbrowser sowie ein paar typische Tools wie Taschenrechner oder Kalender. Auch an Bord ist der HTC-Hub mit animierter Wettervorhersage und Uhr, der ein bisschen an die Sense-Oberfläche des Vorgängers HD2 erinnert.

Weitere Informationen zur Software verrät unser Artikel Eine Woche Praxistest: So gut ist Windows Phone 7 [7]. Umsteiger von Windows Mobile, Symbian oder Android sollten sich darüber im Klaren sein, dass das neue Windows Phone ein paar Einschränkungen mit sich bringt – so ist es beispielsweise nicht möglich, Dateien via Bluetooth zu übertragen, per USB auf den internen Speicher als Wechsellaufwerk zuzugreifen oder Grundfunktionen wie Copy & Paste zu nutzen. Zumindest letzteres soll aber im kommenden Jahr nachgereicht werden.

O2-Kunden dürfen sich demnächst über eine kostenlose Turn-by-Turn-Navigationslösung freuen. Derzeit ist der Telmap Navigator nur eine Verknüpfung auf dem Homescreen. „In Kürze“ soll aber der Download der eigentlichen Software möglich sein.

Leistung

Ja, so muss das sein. Zumindest in den Menüs und den Standard-Anwendungen flutschen die Schaltflächen, Icons, Schriftzüge und so weiter einfach nur so unter den Fingern durch – das ist eine wahre Freude. Der Browser hingegen kommt bei komplexen Webseiten schneller an seine Grenzen, als es uns lieb ist. Meistens ist er flott, aber umfangreiche Animationen per JavaScript machen keinen Spaß. Dazu kommt noch, dass Flash leider nicht unterstützt wird.

An der Telefon-Qualität gibt es nichts zu bemängeln. Ganz im Gegenteil – so muss das sein. Die Gesprächspartner verstehen sich ausgezeichnet, es gibt kein Rauschen und kein Knacken, und zumindest während unserer Tests auch keine Verbindungsabbrüche.

Nicht ganz so glücklich sind wir hingegen mit der Kamera. Die typische HTC-Schwäche kommt auch hier wieder zum Vorschein. Den Fotos fehlt es im direkten Vergleich einfach an Details und Schärfe, dafür gibt es aber ein unhübsches Farbrauschen vor allem in dunkleren Bildbereichen. Immerhin: Die Farben wirken eher kräftig.

Für ähnlich wenig Begeisterung sorgt übrigens der Lautsprecher auf der Rückseite. Okay, er ist nicht total schlecht, aber er ist nicht sonderlich laut und vor allem nicht sonderlich kräftig und basslastig. Im direkten Vergleich zum HTC Desire, das auch nicht gerade für seine tollen Boxen berühmt ist, kann das HD7 nicht überzeugen. Kamera und Lautsprecher sind offensichtlich immer noch Domänen, in denen Nokia und Sony [8] Ericsson mehr drauf haben als HTC. Das ist vor allem beim HD7 schade, denn mit seinem Standfuß eignet es sich doch so hervorragend als Video-Player für unterwegs – aber wohl besser nur mit Kopfhörern. Zumindest, wenn es in der Umgebung laut ist.

Der Akku ist per se ein Schwachpunkt von aktuellen Oberklasse-Smartphones. Ausstattungsmerkmale wie HSPA, WLAN oder GPS benötigen eben viel Strom, und auch die große Display-Diagonale trägt nicht gerade dazu bei, dass der Energiespeicher länger durchhält. Mit einer Kapazität von 1230 mAh ist selbiger in dieser Klasse unterm Durchschnitt. Man muss sich also darauf einstellen, dass das Gerät im intensiven Einsatz nur einen Tag durchhält – und wer es darüber hinaus noch unterwegs als Video-Player nutzt, sollte immer einen Ersatzakku oder das Ladegerät parat haben.

Fazit

Das HD7 gehört definitiv zur Smartphone-Oberklasse. Ausstattung und Verarbeitung sind auf hohem Niveau, das Gerät ist hübsch anzusehen, und die Bedienung macht Spaß – dazu trägt auch Windows Phone 7 seinen Teil bei. Vor allem das große, scharfe Display könnte schon ein Kaufgrund sein, wenn man akzeptiert, dass das Gerät deswegen eben nicht mehr ganz so gut in die Taschen der hautengen Jeans passt. Der perfekten Eignung als multimedialer Begleiter stehen leider der etwas schwächliche Lautsprecher, die mäßige Kamera und der vergleichsweise kleine Akku im Weg.

Wenn man über die Schwächen hinwegsehen kann, ist das HD7 durchaus ein guter Kauf. Wenn es aber nicht unbedingt Windows Phone 7 sein muss, empfehlen wir auch einen Blick auf den Bruder Desire HD mit gleich großem Display und Googles Android-Betriebssystem.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[2] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[3] LG: http://www.cnet.de/unternehmen/lg/

[4] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[5] Microsoft: http://www.cnet.de/unternehmen/microsoft/

[6] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[7] Eine Woche Praxistest: So gut ist Windows Phone 7: https://www.cnet.de/praxis/mobile/41539317/eine_woche_praxis_test_so_gut_ist_windows_phone_7.htm

[8] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/