Sony Cyber-shot DSC-T99 im Test: superschlank und edel, aber langsam

von Joshua Goldman und Stefan Möllenhoff am , 17:02 Uhr

Pro
  • schickes Design
  • gute Ausstattung
Con
  • unhandliches Gehäuse
  • langsam
Hersteller: Sony Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: GUT 7,0 von 10 Punkte
Fazit:

Sony bringt in dem winzigen Gehäuse der Cyber-shot DSC-T99 viele interessante Features wie Schwenkpanoramafunktion und Touchscreen unter. Wer auf das berührungsempfindliche Display verzichten kann, wird jedoch bessere Alternativen für's gleiche Geld finden.

Form follows function? Nicht so bei der Sony Cyber-shot DSC-T99. Hier liegt der Fokus definitiv darauf, eine Kompaktkamera in einen möglichst schlanken und schicken Gehäuse unterzubringen. Ob die nur 1,68 Zentimeter dicke Edel-Digicam bei Bildqualität, Leistung und Handling eine ebenso gute Figur macht wie auf den Produktfotos des Herstellers, zeigt der Test.

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht: Sony [1] hat eine Kamera im Programm, die der T99 sehr ähnlich ist. Die Cyber-shot DSC-W350 bringt den gleichen Bildsensor und eine praktisch identische Ausstattung mit – aber eben nicht im ultraschlanken Metallgehäuse mit eingelassenem Objektiv, sondern im „normalen“ Digicam-Format und ohne Touchscreen. Und dafür aber auch 65 Euro günstiger. Wer auf das berührungsempfindliche Display und den Wow-Faktor der T99 verzichten kann, liest am besten gleich beim Testbericht der W350 [2] weiter.

Design

Die Sony Cyber-shot DSC-T99 ist wirklich extrem klein. Mit 9,3 mal 5,6 mal 1,7 Zentimetern beansprucht sie deutlich weniger Platz in der Hosentasche als eine Packung Taschentücher. Das schicke Gehäuse ist in fünf verschiedenen Farben erhältlich: Schwarz, Rosa, Grün, Violett und Silber. Auf dem ganzen Gehäuse finden sich lediglich vier mechanische Bedienelemente. Oben auf der Digicam sitzen Ein/Aus-Schalter, Auslöser und ein etwas fummeliger Zoom-Schieber am rechten Rand. Etwas versetzt darunter bringt Sony eine Taste zum Wechseln in den Wiedergabemodus unter. Um den Rest kümmert sich der 3 Zoll große Touchscreen auf der Rückseite.

Das Objektiv der T99 ist vollständig im Gehäuse integriert. Leider befindet sich die Linse recht weit rechts oben auf der Vorderseite, sodass wir sie beim Fotografieren immer wieder versehentlich mit den Fingern verdecken. In der Hosen- oder Jackentasche schützt eine Abdeckung, die sich über die gesamte Breite der Kamera zieht, die Optik vor Kratzern. Die Kamera lässt sich auch durch Nach-oben- und Nach-unten-Schieben des Frontplatte aus- beziehungsweise einschalten. Mit den abgerundeten Ecken liegt das glatte Metallgehäuse nicht ganz so sicher in den Händen, wie wir es uns wünschen würden.

Die einzigen mechanischen Bedienelemente befinden sich auf der Oberseite der Kamera. Um den Rest kümmert sich der Touchscreen. [3]
Die einzigen mechanischen Bedienelemente befinden sich auf der Oberseite der Kamera. Um den Rest kümmert sich der Touchscreen.

Der resistive Touchscreen reagiert recht gut auf Eingaben. Wer die Bedienung mit der Fingerspitze zu unpräzise findet, freut sich über den im Lieferumfang enthaltenen Stylus. Leider ist die Oberfläche etwas hakelig. Ob beim Wechseln des Aufnahmemodus oder beim Konfigurieren der Einstellungen – praktisch überall gibt es kurze Wartepausen. Nachdem Sony bei der T99 ein Breitbild-Display verbaut, nutzt die Kamera nicht die vollen 3 Zoll, um das Vorschaubild darzustellen. Rechts und links gibt es Ränder, jedenfalls bei maximaler Auflösung. Wer im 16:9-Format mit 11 statt 14 Megapixeln fotografiert, nutzt die komplette Bildschirmgröße aus.

So langsam das Interface auch reagiert, immerhin ist es übersichtlich und intuitiv aufgebaut. Ein Fingertipp auf das Menü-Icon in der linken oberen Ecke bringt ein Panel mit verschiedenen Aufnahmeparametern aufs Display. Ganz unten findet sich ein kleines Werkzeugkisten-Symbol, das in die weniger benötigten, tiefgreifenderen Einstellungen führt.

Auf dem Hauptbildschirm mit der Suchervorschau bietet die Kamera am linken Displayrand Platz für vier verschiedene Icons, die sich mit beliebigen Aufnahmefunktionen belegen lassen – das geschieht im Menü per Drag & Drop. Auf der rechten Seite gibt’s Schaltflächen zum Wechseln des Aufnahmemodus und für die Wiedergabe aufgenommener Fotos und Videos. Wer sich des Iconverhaus entledigen möchte, tippt einfach auf das Display und wischt mit dem Finger nach links – und schon sind alle Symbole verschwunden. Wer sich von der T99 die flüssige Bedienung à la Highend-Smartphone [4] erwartet, wird eine deftige Enttäuschung erleben. Dennoch: Schlecht ist das Interface nicht. Interessenten sollten die Kamera aber definitiv vor dem Kauf im Laden ausprobieren.

Bei voller 14-Megapixel-Auflösung nutzt die T99 beim Fotografieren nicht das volle Display aus - rechts und links bleiben schwarze Ränder. [5]
Bei voller 14-Megapixel-Auflösung nutzt die T99 beim Fotografieren nicht das volle Display aus – rechts und links bleiben schwarze Ränder.

Unten am Gehäuse gibt es einen proprietären Anschluss, der die Kamera mittels mitgelieferter Kabelpeitsche wahlweise mit einem Rechner oder mit einem Fernseher verbindet. Ebenfalls auf der Unterseite befindet sich eine Klappe, hinter der sich Kartenslot und Akkufach verbergen. Erfreulicherweise unterstützt die T99, wie alle aktuellen Sony-Kameras, nicht mehr nur die herstellereignen Memory-Stick-Medien, sondern auch SD-Karten. Für Besitzer von Eye-Fi-Speicherkarten [6] mit integriertem WLAN-Modul gibt es ebenfalls ein paar Optionen: So lässt sich der Funk in den Menüs ein- und ausschalten oder wahlweise automatisch deaktivieren, sobald die Aufnahmen übertragen sind.

Auf dem integrierten Speicher der Kamera ist ein kleines Tool abgelegt, das ein unkompliziertes Hochladen der Fotos und Videos auf Flickr, YouTube & Co. ermöglicht, wenn die Digicam mit einem Windows- oder Mac-Rechner verbunden ist. Der Akku lässt sich nicht im Gehäuse aufladen und bietet mit circa 230 Fotos eine durchschnittliche Laufleistung.

Ausstattung

Mit ihren Aufnahmeprogrammen richtet sich die Sony Cyber-shot DSC-T99 vornehmlich an Schnappschussfotografen. Manuelle Einstellungsmöglichkeiten sucht man hier vergeblich. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Fotograf gar keine Gestaltungsmöglichkeiten besitzt. In der Programmautomatik lassen sich ISO-Empfindlichkeit, Weißabgleich, Autofokusbereiche, Belichtungsmessung, Belichtungskorrektur und Sonys Dynamikbereichsoptimierung zum Retten von Details in dunklen Bildbereichen konfigurieren. Die intelligente Szenenautomatik erkennt das zum Motiv passendste Aufnahmeprogramm selbsttätig und liefert zuverlässige Ergebnisse, ohne dass sich der Anwender mit irgendwelchen Einstellungen herumschlagen muss. Wer möchte, kann hier in diesem Modus immerhin unter anderem noch Belichtungskorrektur und Gesichtserkennung anpassen.

Auf der rechten Seite der T99 gibt es eine Lasche für die im Lieferumfang enthaltene Handgelenkschlaufe. [7]
Auf der rechten Seite der T99 gibt es eine Lasche für die im Lieferumfang enthaltene Handgelenkschlaufe.

Die Easy-Funktion schließlich macht ihrem Namen alle Ehre und sperrt jegliche Parameter mit Ausnahme von Bildgröße, Blitz sowie Selbstauslöser. Wer die Wahl des Szenenprogramms nicht der Kamera überlassen möchte, kann händisch eines von 13 Szenarien auswählen, darunter Strand, Schnee, Essen, Haustier und Unterwasser. Letzteres Szenenprogramm ergibt jedoch nur mit einem zusätzlichen Unterwassergehäuse Sinn.

Wie bei vielen aktuellen Sony-Kameras ist auch bei der Cyber-shot DSC-T99 ein Schwenkpanorama-Modus mit von der Partie. Der Fotograf schwenkt einfach die Kamera horizontal oder vertikal über das Motiv, und die Elektronik rechnet ein Superbreitbild mit bis zu 265 Grad Umfang zusammen. Die Ergebnisse sind bei der T99 mit CCD-Sensor jedoch nicht so gut wie die Panoramen, die Sonys BSI-CMOS-Digicams à la TX9 oder HX5V zusammenschustern. Für kleine Abzüge oder für Facebook & Co. reicht die Qualität aber aus.

Zu guter Letzt gibt es auch bei der T99 den obligatorischen Videomodus. Die Filmchen lösen maximal 1280 mal 720 Bildpunkte auf. Um den Ton kümmert sich ein Mono-Mikrofon. Erfreulicherweise funktioniert der optische Zoom auch während der Videoaufnahme.

Hersteller Sony
Modell Cyber-shot DSC-T99
Preis (UVP) 249 Euro
Bildsensor 1/2,33-Zoll-CCD
Auflösung 14,1 Megapixel
Optischer Zoom 4-fach
Brennweitenbereich 25 – 100 mm
Lichtstärke F3,5 – F4,6
Bildstabilisator optisch
Empfindlichkeiten ISO 80 – 3200
Max. Fotoauflösung 4320 x 3240 Pixel
Max. Videoauflösung 1280 x 720 Pixel @ 30 fps
Dateiformate JPEG (Foto), MPEG-4 (Video)
Manuelle Einstellungen P
Display 3,0 Zoll
Speichermedien SD, SDHC, SDXC
Akkulaufzeit 230 Fotos
Abmessungen 9,3 x 5,6 x 1,7 cm
Gewicht 121 g

Leistung

Alles in allem ist die Sony Cyber-shot DSC-T99 relativ langsam. Einzige Ausnahme sind hier die vergleichsweise kurzen 1,6 Sekunden, die die Kamera braucht, um nach dem Herunterziehen der Linsenabdeckung ein Foto zu schießen. Die Auslöseverzögerung – also die Zeit, die vergeht, bis die Kamera nach dem Drücken des Auslösers das Bild aufzunehmen – beträgt bei guten Lichtverhältnissen 0,5 Sekunden. Im Zwielicht verschlechtert sich der Wert auf 0,8 Sekunden.

Die Verschnaufpausen zwischen den Fotos sind quälend lange. Ohne Blitz dauert es 3,9 Sekunden, bis die Kamera das nächste Mal knipst. Mit zugeschaltetem Blitz sind es sogar 4,4 Sekunden. Der Serienbildmodus ist für eine CCD-Sensor-Digicam mit 1,7 Fotos pro Sekunde recht schnell. Doch leider bremst die Kamera bereits nach dem zweiten Foto ab. Zusammen mit dem etwas zäh reagierenden Interface sorgen die langen Verschnaufpausen und Auslöseverzögerungen dafür, dass sich die T99 in erster Linie für Fotos von unbewegten Motiven eignet – beispielsweise Landschaftsaufnahmen oder Portraitbilder.

Bildqualität

Die Fotoqualität der T99 ist durchschnittlich für diese Klasse. Außenaufnahmen bei Tageslicht gelingen zuverlässig sehr gut. Die Farben sehen bis ISO 800 natürlich und lebendig aus und liegen nah an der Realität. Der Empfindlichkeitsbereich beginnt bei ISO 80 und endet bei ISO 3200. Bis einschließlich ISO 200 eignen sich die Bilder noch hervorragend für Abzüge im Din-A4-Format. Darüber tritt das Bildrauschen allerdings immer mehr in den Vordergrund, und durch die dem etwas entgegenwirkende Rauschunterdrückung sehen die Aufnahmen wie gemalt aus. Die Qualität von mit ISO 800 geschossenen Fotos reicht noch für kleine Ausdrucke oder für FaceBook & Co. aus. Viel Raum für Ausschnittsvergrößerungen gibt es hier jedoch nicht mehr.

Apropos Ausschnittsvergrößerungen: Zwar klingt die Auflösung von 14 Megapixeln so, als hätte der Fotograf massig Freiraum, die Fotos nachträglich noch kräftig zurechzustutzen. Leider gelingen die Aufnahmen – mit Ausnahme der Makrofotos – generell weich und detailarm. Wer also großartig herumschnipseln und Bilder später in Postergröße ausdrucken möchte, wird mit der T99 nicht glücklich. Das gilt allerdings für alle Digicams in diesem Preisbereich.

Das Objektiv weist keine besonders starken Verzeichnungen auf. Links gibt es im Weitwinkel eine leichte asymmetrische Tonnenverzerrung. Im Telebereich tritt erfreulicherweise keine kissenförmige Deformation auf. Leider ist die Optik generell nicht besonders scharf. In der Mitte bildet sie zwar recht viele Details ab, doch zum Rand hin wirken die Fotos zunehmend weicher und verschmierter. An Übergängen mit hohen Helligkeitsunterschieden treten zudem deutlich sichbare Farbsäume auf. Wer die Fotos nur in kleinen Größen ausdruckt, bekommt von alldem wenig mit. Doch bei Abzügen jenseits des DIN-A4-Formats oder bei starken Ausschnittsvergrößerungen sind die Bildfehler deutlich sichtbar.

Die Videoqualität ist gut. Sie bewegt sich in etwa auf dem Niveau aktueller Pocket Camcorder mit 720p-Auflösung. Der vierfache optische Zoom steht während des Filmens zur Verfügung. Wer die Videos und Fotos ohne Umweg über den Rechner und hochauflösend auf einem HD-Fernseher bewundern möchte, muss ein entsprechendes Component-Kabel separat erstehen.

Fazit

Wer nach eine stylischen Digicam sucht und die Bilder meistens ohnehin nur auf Facebook hochlädt oder im Postkartenformat ausdruckt, ist bei der Cyber-shot DSC-T99 an der richtigen Adresse. Die Bildqualität oder die Reaktionsfreudigkeit der teureren Touchscreen-Digicams von Sony darf man hier allerdings nicht erwarten.

Aufnahmegeschwindigkeit (in Sekunden)
(kürzere Balken bedeuten bessere Leistung)

Zeit bis zur ersten Aufnahme   
Zeit zwischen zwei Aufnahmen (mit Blitz)   
Zeit zwischen zwei Aufnahmen (ohne Blitz)   
Auslöse -verzögerung (Zwielicht)   
Auslöse -verzögerung (Tageslicht)   
Sony Cyber-shot DSC-W350 [2]

1.9 
3.9 
3.1 
0.7 
0.4 
Canon Ixus 130 IS [9]

1.5 
4.9 
2.7 
0.7 
0.5 
Sony Cyber-shot DSC-T99

1.6 
4.4 
3.9 
0.8 
0.5 
Nikon Coolpix S4000 [10]

2.9 
4.1 
2.5 
1 
0.6 

Serienbildgeschwindigkeit (in Fotos pro Sekunde)
(längere Balken bedeuten bessere Leistung)
Sony Cyber-shot DSC-T99

1.7 
Canon Ixus 130 IS [9]

0.8 
Nikon Coolpix S4000 [10]

0.7 

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41542028/sony-cyber-shot-dsc-t99-im-test-superschlank-und-edel-aber-langsam/

URLs in this post:

[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] Testbericht der W350: https://www.cnet.de/tests/digicam/41527268/sony_cyber_shot_dsc_w350_tolle_schnappschuss_kamera.htm

[3] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41542028/sony_cyber-shot_dsc-t99_oben.jpg

[4] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[5] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41542028/sony_cyber-shot_dsc-t99_hinten.jpg

[6] Eye-Fi-Speicherkarten: https://www.cnet.de/videos/messen/41528345/eye_fi_sd_speicherkarte_mit_wlan_streamt_bilder_von_der_kamera_zum_pc.htm

[7] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41542028/sony_cyber-shot_dsc-t99_seite.jpg

[8] Beispielfotos: die Bildqualität der Sony Cyber-shot DSC-T99: https://www.cnet.de/41542034/beispielfotos-die-bildqualitaet-der-sony-cyber-shot-dsc-t99/?pid=1#sid=41542028

[9] Canon Ixus 130 IS: https://www.cnet.de/tests/digicam/41531531/canon_ixus_130_solide__unspektakulaere_ultrakompaktkamera.htm

[10] Nikon Coolpix S4000: https://www.cnet.de/tests/digicam/41535671/nikon_coolpix_s4000_im_test_schnappschuss_schnaeppchen_mit_touchscreen.htm