Vollgas-Netbooks im Vergleich: alle Mini-Notebooks mit Dual-Core-Atom

von Sebastian Jentsch am , 17:03 Uhr

Die Worte Netbook und schnell waren bislang nicht im selben Satz zu finden. Intels neuer Dual-Core-Atom soll den Mini-Notebooks endlich auf die Sprünge helfen. Wir stellen sieben Modelle ab 299 Euro vor. Einige davon haben sogar einen Grafikchip von Nvidia. Werden damit etwa sogar sponane Spiele-Sessions unterwegs möglich sein?

Intels Atom-Prozessor macht Netbooks seit Anfang 2008 nicht nur billig, sondern dank stundenlanger Laufzeiten abseits der Steckdose auch überaus mobil. Viele Käufer geben sich aufgrund dieser Stärken mit der geringen Leistung des Prozessors unter der Haube zufrieden. Manche meiden Netbooks aber gerade aus diesem Grund – denn bereits ein Video in Full-HD-Auflösung oder ein paar Browser-Tabs mit Flash-Inhalten bringen den kleinen Chip an seine Grenzen.

Der Intel Atom N550 hat zwei Kerne mit je 1,5 GHz Taktung. Er wird in Netbooks von Asus, Acer, Samsung und HP verbaut.
Der Intel Atom N550 hat zwei Kerne mit je 1,5 GHz Taktung. Er wird in Netbooks von Asus, Acer [1], Samsung [2] und HP verbaut.

Mit dem Zweikern-Atom N550 ist Besserung in Sicht: Der immer noch sparsame Prozessor hat einen Takt von 1,5 GHz (statt 1,66 GHz des Einzelnkerners) und arbeitet aufgrund von Hyperthreading vier Aufgaben gleichtzeitig ab. Das sorgt beim Arbeiten für eine deutlich höhere Geschwindigkeit, wie wir beispielsweise im Test des Acer Aspire One D255 [3] herausgefunden haben.

Wir stellen in diesem Artikel die derzeit verfügbaren 10- und 12-Zoll-Netbooks mit Atom-Zweikerner vor. Tatsächlich zum Kauf stehen momentan sieben Geräte. Einige Netbooks haben eine dedizierte Grafikkarte von Nvidia, die auch im 3D-Bereich auf eine angenehme Leistung hoffen lässt – andere, üblicherweise noch ein Stück günstigere Geräte nicht. Bei der Auswahl sollten Sie neben dem Preis auch auf die Anforderungen achten.

So langsam rechnen Atom-Prozessoren

Der neue Zweikern-Atom N550 ist zwar immer noch schwächer als seine größeren Brüder Pentium, Core i3, Core i5, AMD Athlon II oder Phenom X2/X3/X4, die in teureren Sub- oder Standard-Notebooks zum Einsatz kommen. Im Vergleich zu seinen Einkern-Pendants ist die Leistungssteuerung aber durchaus spürbar. Die folgende Grafik zeigt den N550 (Gelb) im Benchmark-Test Cinebench R10 im Vergleich zu den Single-Core-Atoms. Der Benchmarks nutzt alle vier Rechen-Threads aus, wovon der neue Zweikerner profitiert.

Ranking der aktuellen und älteren Atom-Prozessoren nach Cinebench R10 Multi (32 Bit).
Ranking der aktuellen und älteren Atom-Prozessoren nach Cinebench R10 Multi (32 Bit).

Die Rechen-Power eines Standard Notebook [4]-Prozessors liegt aber in weiter Ferne. Zum Vergleich haben wir einen AMD Athlon II P320 (Grün) hinzugestellt. Diese CPU kommt in günstigen Notebooks zwischen 330 und 450 Euro zum Einsatz – es handelt sich dabei also um einen relativ langsamen Notebook-Prozessor.

Wie zeigt sich die geringe Rechenleistung von Atom N270/N280- beziehungsweise N450/N455-Netbooks in der Praxis? Verzögerungen beim zeitgleichen Ausführen von Programmen sind an der Tagesordnung. Spiele oder hochauflösende Videos starten langsam oder versagen den Dienst komplett. Vieles, was bei einem Standard-Notebook selbstverständlich ist, kann mit dem Einkern-Atom nicht oder nur mit Wartezeiten durchgeführt werden.

Ursache ist neben der schwachen CPU oftmals die extrem schwache Chipsatz-Grafik von Intel (GMA 950 beziehungsweise 3150). Sie ist veraltet und entspricht längst nicht mehr den technischen Anforderungen vieler Anwendungen. Dazu gehört zum Beispiel die Unterstützung des Prozessors beim Dekodieren von hochauflösenden Videos. Eine Lösung ist Nvidias Ion-GPU, die deutlich mehr Performance bietet.

Dual-Core mit Nvidia-Grafik

Derzeit bietet lediglich Asus Netbooks an, die neben dem Atom N550 von Intel auch eine Nvidia-Ion-GPU an Bord haben. Letztere erlaubt ruckelfreies Abspielen von Full-HD Videos und dank HDMI-Schnittstelle auch die Ausgabe verlustfreie auf dem Fernseher.

Bezüglich Computerspielen muss man seine Erwartungen aber zurückschrauben. Der Atom N550 ist trotz seiner zwei Kerne viel langsamer als Notebook-CPUs vom Schlage Core i3/i5 oder AMD Phenom X2/X4. Er bremst aktuelle Games wie Modern Warfare oder StarCraft II aus. Aber auch die Ion-2GPU ist mit aktuellen Titeln überfordert.

Die Leistung der Grafik bildet zum Beispiel der 3D Mark 2006 ab. Hier erreicht Ion bestenfalls 2488 Punkte (Eee PC 1215N, Atom D525). Zum Vergleich: Eine gute Mittelklasse-Grafikkarte wie die ATI Mobility Radeon HD 5650 liegt bei 6700 Punkten und wird dabei von einem deutlich schnelleren Prozessor unterstützt.

Gelegenheitsspieler können aber auf ältere Games zurückgreifen. Half Life 2 – Lost Coast von 2005 spielt sich mit hohen Details flüssig mit 31 Bilder pro Sekunde. Auch Online-Rollenspiele wie World of Warcraft (WoW) sind möglich. Das Spiel läuft bei minimalen Einstellungen mit 49 Bildern pro Sekunde. Auch Sims 3 kann mit 57 bei niedrigen beziehungsweise 29 Bildern bei mittleren Detaileinstellungen flüssig ausgeführt werden.

Netbooks mit Dual-Core-Atom und Nvidia-GPU

Tabelle anzeigen: Netbooks mit Dual-Core-Atom und Nvidia-GPU [5]

Netbooks mit Dual-Core-Atom und Nvidia-GPU [5]

  Asus Eee PC 1015PN Asus Lamborghini VX6 Asus Eee PC 1215N
Display 10,1 Zoll, 1024 x 600 Pixel, matt 12,1 Zoll, 1366 x 768 Pixel, spiegelnd 12,1 Zoll, 1366 x 768 Pixel, spiegelnd
CPU Intel Atom N550, 1,5 GHz Intel Atom D525, 1,8 GHz Intel Atom D525, 1,8 GHz
RAM 1024 MByte 2048 MByte 2048 MByte
Festplatte 250 GByte 250 GByte 250 GByte
Grafik Nvidia Ion, shared memory Nvidia Ion, 512 MByte Nvidia Ion, shared memory
Betriebssystem Windows 7 Starter Windows 7 Home Premium Windows 7 Home Premium
Akku Lithium-Ionen, 5200 mAh Lithium-Ionen, 5600 mAh Lithium-Ionen, 5200 mAh
Gewicht 1,2 Kilo 1,5 Kilo 1,45 Kilo
Verfügbarkeit seit 11/2010, ab 379 Euro seit 11/2010, ab 606 Euro seit 10/2010, ab 490 Euro

Der 1015PN ist der einzige 10-Zöller mit Nvidias Optimus-Technologie. Dabei wird die Ion-GPU wird nur zugeschaltet, wenn ihre Leistung tatsächlich nötig ist – ansonsten übernimmt der integrierte Intel-Grafikchip die Aufgabe. Das sorgt daher für lange Akkulaufzeiten von bis zu sieben Stunden bei gemächlicher Nutzung. Neben guten Eingabegeräten hat das 1015PN ein helles und entspiegeltes Display.

Der im 1215N verwendete Atom D525 arbeitet mit 1,80 GHz. Damit ist er etwas schneller als der N550 mit 1,5 GHz. Nvidia Optimus erlaubt das automatische Umschalten zwischen der sparsamen Intel-HD- und der stärkeren Nvidia-Ion-GPU. Der 12,1-Zöller ist leise, bleibt immer kühl und hat eine sehr gute Tastatur sowie zwei USB-3.0-Anschlüsse. Highlight ist zudem die HD-Ready-Auflösung von 1366 mal 768 Pixeln. Die Laufzeit liegt bei knapp fünf Stunden.

Wem die Auflösung des Eee PC 1015PN zu klein ist, sollte sich das 1215N ansehen. Der 12,1-Zöller ist leise und hat große Tasten. Wegen seines spiegelnden Displays mit geringer Helligkeit eignet er sich nicht für den Außeneinsatz.

Zwei Kerne: Auch bei Acer, HP und Samsung

Wer ohnehin nicht spielen möchte und sich auch nicht für hochauflösende Videos interessiert, kann einige Euro sparen, indem er zu Atom-N550-Netbooks ohne Nvidia-GPU greift. Für die Grafik sorgt dann die in der CPU integrierte Intel-Grafiklösung GMA 3150. Die folgenden Netbooks haben durchweg gute (6:30 Stunden) bis sehr gute (8:00 Stunden) Akkulaufzeiten.

Netbooks mit Dual-Core-Atom und integrierter Grafik

Tabelle anzeigen: Netbooks mit Dual-Core-Atom und integrierter Grafik [5]

Netbooks mit Dual-Core-Atom und integrierter Grafik [5]

  Acer Aspire One D255 Asus Eee PC 1015PEM Samsung NF310-A01DE HP Mini 5103
Display 10,1 Zoll, 1024 x 600 Pixel, spiegelnd 10,1 Zoll, 1024 x 600 Pixel, matt 12,1 Zoll, 1366 x 768 Pixel, matt 10,1 Zoll, 1024 x 600 Pixel, matt
CPU Intel Atom N550, 1,5 GHz Intel Atom N550, 1,5 GHz Intel Atom N550, 1,5 GHz Intel Atom N550, 1,5 GHz
RAM 1024 MByte 1024 MByte 1024 MByte 1024 MByte
Festplatte 250 GByte 250 GByte 250 GByte 320 GByte
Grafik Intel GMA 3150 (IGP), 64 MByte shared Intel GMA 3150 (IGP), 64 MByte shared Intel GMA 3150 (IGP), 64 MByte shared Intel GMA 3150 (IGP), 64 MByte shared
Betriebssystem Windows 7 Starter Windows 7 Starter Windows 7 Starter Windows 7 Starter
Akku Lithium-Ionen, 4400 mAh Lithium-Ionen, 4400 mAh Lithium-Ionen, 6600 mAh Lithium-Ionen, 5100 mAh
Gewicht 1,25 Kilo 1,25 Kilo 1,3 Kilo 1,2 Kilo
Verfügbarkeit seit 11/2010, ab 299 Euro seit 10/2010, ab 349 Euro seit 11/2010, ab 395 Euro seit 10/2010, ab 510 Euro

Geringes Gewicht, ein platzsparendes und leichtes Netzteil sowie eine minimale Abwärme sind die wichtigsten Vorteile des 10-Zöllers Aspire One D255. Das spiegelnde Display ist unter Sonnenlicht allerdings keine Freude, da man das Bild aufgrund von Reflexionen und der zu geringen Helligkeit kaum erkennen kann. Die schwammige Tastatur ist gewöhnungsbedürftig.

Mit dem gut beleuchteten, matten und kontrastreichen Display sind Außeneinsätze für den Eee PC 1015PEM kein Problem. Wegen des großen Touchpads und des guten Feedbacks der Tasten macht der 10,1-Zöller auch Vielschreibern Freude. Hinzu kommt ein Kühlsystem, das so gut wie keinen Lärm macht. Ein Negativ-Punkt ist allenfalls der nicht vorhandene HDMI-Ausgang.

Mit dem überaus hellen und entspiegelten Display hat Samsungs Mini die Sonnenanbeter auf seiner Seite. Es ist der einzige 10,1-Zöller mit 1366 mal 768 Bildpunkten. Der NF310 ist leise, kühl und kann mit seinen übersichtlichen Tasten auch Vielschreiber überzeugen.

Der HP Mini 5103 ist das teuerste Netbook in diesem Artikel. Als Business-Netbook besitzt es aber einzigartige Qualitäten: Mit dem integrierten UMTS-Modul erhält man auch dort Zugang zum Internet, wo es kein WLAN mehr gibt. Der Multitouch-Touchscreen bringt ein wenig Tablet-Feeling. Nachteilig ist die stetige Lüfter-Aktivität.

Warum man auf AMD warten sollte

Wer an einem Dual-Core-Netbook interessiert ist, sollte noch ein paar Wochen warten. Zwar macht AMD noch ein großes Geheimnis daraus, aber bereits jetzt ist klar, dass Anfang 2011 erste Netbooks mit dem Atom-Konkurrent Ontario auf den Markt kommen. Ontario verfügt über zwei stromsparende Rechenkerne und eine integrierte Grafikeinheit.

Offizielle Benchmarks gibt es noch nicht, Tests von Vorseriengeräten zufolge ist Ontario aber schneller als Intels Doppelkern-Atom. Bei den CPU-Benchmarks ein wenig, bei den Grafikbenchmarks erheblich. Auch die Leistungsaufnahme soll sich in Grenzen halten. Bis Gewissheit besteht, was Ontario tatsächlich leistet, muss man sich aber noch ein wenig gedulden. Geräte sollen im Laufe des ersten Quartals erscheinen.

Fazit

Zugegeben: Die Leistung der Dual-Core-Atoms liegt signifikant über ihren Brüdern mit nur einem Rechenkern. Ein Kraftpaket ist ein so ausgestattetes Netbook aber immer noch nicht – Nvidia Ion hin oder her. Das Mehr an Power ist zwar durchaus willkommen, denn es beschleunigt den Start von Anwendungen, die Bedienung an sich und eigentlich alles, was man mit dem Gerät so vorhat.

Doch ein Netbook bleibt auch mit Dual-Core-Prozessor nur ein Netbook. Sprich: Für Ausflüge ins Internet und das Betrachten von Videos in DVD-Auflösung ist es hervorragend geeignet und spielt vor allem unterwegs seine Vorzüge aufgrund der langen Akkulaufzeit aus. Aber wer auch nur gelegentlich etwas anspruchsvollere Arbeiten mit seinem Mobilrechner erledigen möchte – etwa Bildbearbeitung oder gar Videoschnitt – sollte auf jeden Fall etwas mehr investieren und ein richtiges Notebook kaufen. Für einen geringen Aufpreis gibt es deutlich leistungsfähigere Mobilrechner im größeren Formfaktor um die 15 Zoll, wer lieber klein und mobil bleiben möchte, sollte circa 200 bis 300 Euro mehr investieren.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41542578/vollgas-netbooks-im-vergleich-alle-mini-notebooks-mit-dual-core-atom/

URLs in this post:

[1] Acer: http://www.cnet.de/unternehmen/acer/

[2] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[3] Test des Acer Aspire One D255: https://www.cnet.de/tests/notebook/41541752/acer_aspire_one_d255_doppelkern_netbook_mit_windows_7_und_android_im_test.htm

[4] Notebook: http://www.cnet.de/themen/notebook/

[5] Tabelle anzeigen: Netbooks mit Dual-Core-Atom und Nvidia-GPU: #