Günstiger HD-ready-Heimkinoprojektor im Test: Optoma HD600x

von Daniel Schraeder am , 19:04 Uhr

Pro
  • hervorragendes Preisleistungsverhältnis
  • akzeptables Geräuschniveau
  • gute Kontrastwerte und hübsche Farbdarstellung
Con
  • vergleichsweise wenig Anschlüsse
  • gibt Blu-ray und TV nicht in 3D wieder
  • kleiner Zoom-Bereich
Hersteller: Optoma Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,3 von 10 Punkte
Fazit:

Wer auf der Suche nach einem günstigen Einstieg ins HD-Heimkino ist, kommt am Optoma HD600x kaum vorbei. Für faires Geld gibt es hier einen gut ausgestatteten HD-ready-Projektor mit nativer 720p-Auflösung, der bei circa 4 Metern Projektionsabstand ein gut 100 Zoll großes Bild auf die Leinwand wirft. Bei abgedunkeltem Raum können sich Filme, Konsolen-Games & Co. durchaus sehen lassen - und der Geräuschpegel ist für diese Preisklasse absolut im Rahmen.

Wer auf der Suche nach einem günstigen Einstieg in die Welt des Heimkinos ist, kann die teuren Full-HD-Projektoren getrost links liegen lassen. Für deutlich weniger Geld gibt es gute HD-ready-Projektoren, die ein Bild in nativer 720p-Auflösung mit einer Diagonalen von deutlich über 100 Zoll auf die Leinwand werfen. Einer davon ist der Optoma HD600x, der bereits für unter 500 Euro den Besitzer wechselt. Wir haben ihn ausführlich getestet.

Große Fernseher – schön und gut. Aber echtes Kino- und Heimkinofeeling kommt erst auf, wenn man den Raum abdunkelt, die Leinwand vor sich sieht, Popcorn serviert und der Film von einem Projektor an die Wand geworfen wird. Preislich ist das ein durchaus erschwingliches Vergnügen – und größer als die Bilddiagonalen bezahlbarer Fernseher sind die Projektionen allemal.

Full-HD-Beamer gibt es ab circa 1000 Euro. Wer noch keine gigantische Sammlung von Full-HD-Filmen auf Blu-ray im Regal stehen hat, fährt mit einer HD-ready-Variante für weniger als die Hälfte nicht viel schlechter. Wir haben uns mit dem Optoma HD600x einen der günstigeren Vertreter der Heimkinobeamer näher angesehen.

Design

Beim Öffnen der Verpackung sind wir zunächst überrascht: Der HD600x ist ein gutes Stück kleiner, als wir ihn uns vorgestellt hatten. Von seiner Grundfläche her überragt ihn selbst ein Din-A4-Blatt um ein paar Zentimeter. Bei eingefahrenen Standfüßen baut der Optoma etwa 10 Zentimeter hoch auf.

Das Gehäuse ist rundum aus mattschwarzem Kunststoff gefertigt und hinterlässt einen stabilen Eindruck. Lediglich die Oberseite ist klavierlackschwarz lackiert – und nach unserem Test direkt von oben bis unten mit schmierigen Fingerabdrücken übersät. Nun gut, in der Praxis dürfte ein Heimkinobeamer ohnehin wohl an der Decke oder Wand montiert sein oder im Regal stehen. Nur, wer das Gerät auf dem Tisch betreibt und nach der Benutzung immer wieder abbaut, sollte ein Mikrofasertuch zur Reinigung bereitlegen.

An den Seiten und an der Vorderseite sorgen angedeutete und echte Lüftungsschlitze für eine gewisse Struktur. Beim frontalen Blick auf den Projektor befindet sich die Lampe links im Gehäuse – hier sitzt auch der Lüfter. Etwas rechts von der Mitte hat der Empfänger der mitgelieferten Infrarotfernbedienung seinen Platz gefunden, rechts davon ist die Linse angebracht. Sie wird von einer Schutzkappe aus Gummi abgedeckt, um Schmutz und Staub fernzuhalten. Der Deckel ist mit einem dünnen Band unten am Projektor befestigt.

Auf der Rückseite haben die Video- und Audioeingänge ihren Platz gefunden. Außerdem gibt es hier einen Verbinder für Kensington-Locks und eine kleine Stange für eine sichere Befestigung in luftiger Höhe.

Die Bedienelemente sind vollständig auf der Oberseite angebracht. Einen Hardware-Ausschalter in der Nähe des Kaltgeräte-Stromanschlusses ist nicht vorhanden. Bei Betrachtung von oben gibt es in der vorderen rechten Ecke einen mechanischen Schieber, der dem Zoom regelt, fokussiert wird vorne an der Linse. Darunter haben die Entwickler sämtliche Tasten und Status-LEDs kreisförmig angebracht. Zentrales Element ist ein Vier-Wege-Pad mit mittiger OK-Taste. Außerhalb der Menüs agieren die Knöpfe für Hoch und Runter als Regler für die digitale Trapezkorrektur, der rechte Button schaltet zwischen den verschiednen Quellen durch und der linke führt einen Re-Sync der gerade aktiven Quelle durch. Außerhalb finden sich zwei Tasten – Power und Menu, rechts davon drei Status-LEDs für den Betriebsszustand, den Lampenzustand und eine Warnleuchte bei Überschreitung der Betriebstemperatur.

Positiv hat uns die Fernbedienung des HD600x überrascht. In diesem Preissegment sind billigste Standard-Steuerungen mit unkomfortablen Folientasten und hanebüchernen Layouts usus. Ganz anders bei Optoma. Natürlich handelt es sich hier nicht um eine Edelstahl-Designzappe mit großem Farb-Touchscreen, aber immerhin um eine formschön taillierte Fernbedienung aus mattweißem Kunststoff mit grauer Oberfläche, ordentlicher Beschriftung und einem logischen Layout. Es gibt explizite Tasten für die Seitenverhältnisse, für die verschiedenen Signaleingänge, Lampenmodi und so weiter, dazu kommen vier einzelne Knöpfe mit mittiger Return-Taste für die Navigation durch die Menüs.

Ausstattung

Fangen wir bei den Eingängen an: Ganz links befindet sich eine D-Sub-Buchse, die mit VGA-in, Scart und YPbPr gleich dreifach beschriftet ist. Ein Adapter von Component (YPbPr) auf D-Sub ist im Lieferumfang enthalten, Adapter von Scart auf VGA gibt es für circa 5 bis 20 Euro im Zubehörhandel. Rechts davon ist eine einzelne HDMI-Buchse untergebracht, danach folgen S-Video, Composite-Video, RS232 für Kabel-Fernsteuerungen sowie zwei Klinkenbuchsen als Audioein- und ausgang.

Links vorne im Gerät ist ein 2-Watt-Monolautsprecherchen untergebracht. Ein echtes Heimkinoerlebnis kommt damit nicht auf – es mangelt logischerweise an Lautstärke und Bass, aber für den Notfall ist immerhin ein Audio-Ausgang an Bord. Die meisten Heimkinobetreiber dürften aber ohnehin einen AV-Receiver mit Quellenumschaltung und anständigem Boxensystem mit explizitem Subwoofer betreiben.

Das ist nicht nur aus akustischer Sicht empfehlenswert: Dem Optoma mangelt es auch einfach an Eingängen. Der einzelne HDMI-Port ermöglicht in Kombination mit dem VGA-zu-Component-Adapter gerade einmal den Anschluss von zwei HD-Videoquellen, etwa einer Xbox und einem Blu-ray-Player. Ein eventuell vorhandener TV-Receiver, ein Medienstreamer oder ein Computer hätten dann aber schon keine Anschlussmöglichkeit mehr. Viel mehr ist in diesem Preissegment zwar ohnehin nicht zu holen, viele Konkurrenten haben aber zumindest einen expliziten Component-Eingang zusätzlich zu HDMI und D-Sub.

Die Höhenverstellung des Projektors erfolgt über insgesamt drei Füße. Einer davon befindet sich mittig unter der Front und lässt sich um circa 7 Millimeter herausschrauben, die beiden hinteren haben einen Stellweg von knapp einem Zentimeter. Besonders viel ist das nicht, außerdem gibt es keine Schnellverstellung. Für die üblichen Einsatzzwecke reicht das aber aus – und ansonsten lässt sich der Winkel, wenn es unbedingt sein muss, ja auch noch mit untergelegten Büchern oder ähnlichem beeinflussen. Das sollte man allerdings tunlichst vermeiden, denn einen optischen Lens-Shift zum Ausgleich gibt es in dieser Preisklasse nicht. Damit muss man die Schräglage des Bildes auf Kosten der nutzbaren Pixelanzahl und der Qualität mit der digitalen Trapezkorrektur ausgleichen. Für Wand- oder Deckenmontage sind auf der Unterseite Verschraubungen vorhanden.

Der HD600x ist 3D-fähig – zumindest in der Theorie. Die Fernbedienung hat eine entsprechende Taste, und wer den Modus aktiviert, kann DLP-Link-kompatible LCD-Shutterbrillen anbinden. Sie synchronisieren sich über ein Weiß-Bild, dass der Projektor im 3D-Modus an die Wand wirft, ein expliziter Infrarotsender oder ähnliches ist nicht nötig. In der Praxis dürften aber nur die wenigsten Anwender etwas von der dritten Dimension des Optoma haben. Sein HDMI-Port ist nämlich nur in der Version 1.3 ausgeführt – und damit funktioniert die Wiedergabe von 3D-TV oder 3D-Blu-ray-Filmen nicht.

Leistung

Wir schalten den Projektor also endlich ein und lassen ihn aus gut 4 Metern Entfernung ein circa 120 Zoll großes Bild auf unsere Ausziehleinwand werfen. Das dürfte auch so ziemlich der ideale Projektionsabstand sein. Bei 3 Metern Abstand ist das Bild je nach Zoomstufe zwischen 80 und 90 Zoll groß, bei gut 5 Meter maximal 150 Zoll. Der relativ geringe optische Zoom schränkt den Spielraum hier aber ein. Der Projektor sollte weder deutlich näher an der Leinwand stehen noch deutlich weiter entfernt sein.

Beim Einschalten sind wir zunächst überrascht: Der Optoma geht flüsterleise in den Betrieb über. Nur das leise Sirren des Farbrads ist zu vernehmen – bis sich kurze Zeit später der Lüfter dazuschaltet. Für diese Preisklasse ist der Lärmpegel aber immer noch mehr als zufriedenstellend. Das Datenblatt gibt 29 db(A) an – und damit den Geräuschpegels eines ruhigen Zimmers. In der Praxis ist der Lüfter zwar durchaus zu vernehmen, das Geräusch ist aber nicht penetrant und verschwindet beim Betrachten eines Filmes oder beim Spielen mit der Konsole schnell im Hintergrund.

Der Optoma hat verschiedene Voreinstellungen für die Bild- und Farbwiedergabe, darunter Kino, Hell, Bezug und Foto. Wie erwartet erzielen wir das beste Ergebnis beim Spielen und beim Betrachten von Filmen im Modus Kino, wobei wir speziell mit den Einstellungen der Farbwiedergabe noch ein bisschen herumprobieren, bis sie uns wirklich gut gefällt. Im Vergleich zu früheren DLP-Projektoren ist die Farbbrillanz und -realität deutlich besser geworden. Mit dafür verantwortlich zeigt sich die BrilliantColor-Technik vom DLP-Entwickler Texas Instrument und das im Falle des HD600x mit sechs Segmenten ausgestattete Farbrad, das eine größere Farbpalette zum Zusammenmischen der Farben zur Verfügung stellt. Noch dazu dreht sich das Farbrad mit den zusätzlichen Segmenten schneller und reduziert so den Regenbogeneffekt. Bei diesem Beamer bemerken wir den Effekt in der Praxis eigentlich nur, wenn wir von Reflektionen der Projektion angestrahlte Objekte bewegen – wie eine Wasserflasche. Beim Blick über die Leinwand ist das Farbflimmern so gut wie gar nicht wahrnehmbar, wobei es in diesem Punkt Menschen gibt, die empfindlicher auf den Effekt reagieren als andere.

Erfreunlich ist das relativ geringe Streulicht, das an den Lüftungsschlitzen aus dem Projektor dringt. Noch dazu treffen keine Lichtstrahlen auf die Projektionsfläche, was bei Einsteigerprojektoren immer noch nicht selbstverständlich ist. Typisch für DLP-Projektoren ist der gute Kontrast. Die Schwarzwerte könnten allerdings noch etwas besser sein. Insgesamt ist das Bild durchaus zufriedenstellend – und vor allem in Anbetracht des günstigen Preises wirklich gut. Die Helligkeit gibt der Hersteller mit 1600 Lumen an. Speziell bei düsteren Filmen tendieren wir dazu, die Helligkeit sogar noch etwas herunterzuregeln, damit uns Explosionen oder Bildwechsel von sehr dunklen zu sehr hellen Umgebungen nicht blenden.

Was uns in der Praxis etwas gefehlt hat, ist eine Funktion auf der Fernbedienung, die das Bild vorübergehend schwarz schaltet. Das ist nicht nur bei Präsentationsbeamern sinnvoll, sondern beispielsweise immer dann, wenn jemand vorübergehend vor der Leinwand steht. Außerdem dürfte so ein Feature die Lampenlebensdauer steigern, da das Gerät nicht für wenige Minuten ausgeschaltet werden muss. Apropos, die Leuchte soll laut Herstellerangaben eine durchschnittliche Lebensdauer von 4000 Stunden erreichen. Ersatz kostet derzeit knapp 190 Euro – bei diesen Angaben schlägt eine Betriebsstunde mit knapp 5 Cent plus Stromkosten zu Buche. Erfreulich in Anbetracht des fehlenden mechanischen Netztrenners ist die geringe Stromaufnahme im Standby: Der HD600x kommt mit unter einem Watt aus. Im laufenden Betrieb zieht der Beamer im Kinomodus knapp 200 Watt, die maximale Energieaufnahme laut Hersteller sind 225 Watt.

Eingangsseitig kommt der Projektor übrigens problemlos mit nahezu allen Videoformaten klar. Analoge NTCS-, PAL- und SECAM-Quellen funktionieren im Test ebenso problemlos wie unterschiedlichste Auflösungen, die wir vom Notebook [1] zuspielen, als auch digitale Bilder in 720p, 1080i und 1080p. Kinofans werden sich besonders über die native Unterstützung von 1080p/24 freuen – damit gibt das Gerät Filme von Blu-ray ruckelfrei wieder. Zur HDCP-Verschlüsselung ist der Beamer ebenfalls kompatibel.

Fazit

Der Optoma HD600x ist ein perfekter Einstieg in das eigene Heimkino. Der Projektor wirft ein ansehnliches Bild ohne die typischen Schwächen günstiger Modelle an die Wand. Auch die Lautstärke des Lüfters ist absolut im Rahmen. Käufer sollten allerdings aufgrund des etwas eingeschränkten optischen Zooms vorher ermitteln, ob sie das Gerät in der idealen Entfernung von etwa 3,5 bis 5 Metern zur Leinwand aufstellen können. Zu den weiteren Schwächen gehört der nicht hundertprozentige Schwarzwert sowie die geringe Anzahl an Eingängen – doch in Anbetracht des Preises sind diese Punkte durchaus zu verschmerzen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Notebook: http://www.cnet.de/themen/notebook/