D-Link Boxee Box (DSM-380): Vielversprechender Media-Player mit massiven Problemen

von Gerald Strömer und Ian Morris am , 19:12 Uhr

Pro
  • einzigartiges Design
  • massives Potential
  • Zugang zu Internetdiensten
Con
  • Netzwerkzugang ist sehr unzuverlässig
  • lokale Inhalte werden zugunsten von Internetvideos benachteiligt
  • nervige Fernbedienung
  • verwirrende Benutzeroberfläche
Hersteller: D-Link Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: AUSREICHEND 5,0 von 10 Punkte
Fazit:

Bei dem von D-Link gebauten Mediaplayer Boxee Box hapert es an allen Ecken und Enden, insbesondere, was die Netzwerkverbindungen angeht. Der Hersteller gelobt zwar Besserung per Firmware-Update - doch im Moment wirkt die kleine Kiste einfach noch nicht fertig.

Die Boxee Box ist die beste Lösung, wenn man Filme, Serien und Clips aus dem Internet auf dem Fernseher ansehen möchte. Man braucht neben dem kompakten Mediaplayer lediglich einen Fernseher mit HDMI-Eingang und einen Internet-Anschluss – das Setup ist kinderleicht. Das sind die Versprechen, die der Hersteller auf seiner Webseite gibt. Unsere britischen Kollegen hatten die Gelegenheit, zu überprüfen, wie die Realität aussieht.

Die Box ist ein interessantes Gemeinschaftsprojekt zwischen Boxee und D-Link. D-Link liefert die Hardware, bei der es sich genaugenommen um einen Mini-PC mit Intel-Atom-Prozessor handelt. Auf diesem kleinen Rechner läuft das von Boxee entwickelte Media Center, das übrigens als Stand-Alone-Software auch für Mac OS, Linux und Windows zu haben ist.

Beeindruckendes Design

Das Äußere der Boxee Box beeindruckt: Sie sieht wie ein Würfel aus, der sich aber durch den Tisch hindurchzuschmelzen scheint. Das Design gefällt und dürfte die Early-Adopter-Zielgruppe des Geräts durchaus ansprechen. Die kompakte Box bringt SD-Kartenleser, HDMI-Ausgang, Ethernet-Port, ein paar USB-Anschlüsse und Stereo- sowie S/DPIF-Audioausgänge. Ein Boxee-Logo ziert die Vorderseite des Gehäuses. Es leuchtet, wenn die Box an ist, und wechselt die Farbe, um den jeweiligen Status der Box anzuzeigen: Grün steht für Online, Orange steht für Offline. Außerdem gibt es ein rotes Licht, das einen Reset anzeigt. Was die Ästhetik angeht sind wir beeindruckt.

Erste Probleme

Von dem Moment an, als wir die Boxee Box auspacken, haben wir Probleme mit ihr – und zwar sowohl im WLAN im Büro, als auch im heimischen Setup mit WLAN und Ethernet. Die größten Schwierigkeiten hat die Boxee Box mit kabellosen Netzwerken. In unserer Heim-Testumgebung laufen zwei 802.11n-Router, von denen der eine die AV-Geräte und der andere NAS-Systeme und PCs bedient. Beide verbanden sich bisher problemlos direkt mit jeder Hardware – egal ob per Funk oder per Kabel.

Dennoch erkennt die Boxee Box den ersten Router nicht. Der Verdruss darüber potenziert sich noch durch die Tatsache, dass dieser Router von niemand anderem als D-Link hergestellt wurde. Und obwohl die Boxee Box den zweiten Router erkennt, weigert sie sich beharrlich, sich mit diesem kabellosen Netzwerk zu verbinden.

Die D-Link Boxee Box zeichnet sich durch ein außergewöhnliches Design aus - sie scheint sich durch den Tisch zu schmelzen. [1]
Die D-Link Boxee Box zeichnet sich durch ein außergewöhnliches Design aus – sie scheint sich durch den Tisch zu schmelzen.

Als nächstes probieren wir es per Kabel – aber auch das macht beileibe keinen Spaß. Selbst die manuelle Eingabe von Einstellungen war frustrierend: Die Box akzeptiert ursprünglich die Eingaben, scheint sie aber nach einem Bestätigung mit Save sofort zu vergessen. Das gleiche passiert mit dem kabellosen Netzwerkinterface: Obwohl es angibt, dass es erfolgreich konfiguriert wurde, schaltet es sich ab, sobald wir das Menü verlassen.

Das unsere Probleme kein Einzelfall sind, zeigen die zahllosen Beschwerden über die Netzwerkanbindung – speziell die kabellose – in den Boxee-Foren. Der Tenor geht dahin, dass das System entweder sehr langsam ist oder die Verbindungen regelmäßig abreißen.

Letztendlich schafften wir es, die Boxee Box mit dem nicht von D-Link hergestellten Router zu verbinden. Allerdings gibt es auch hier Anlass zu Kritik: In den normalen Einstellungen kann man das Passwort nicht sehen, wenn man es eingibt. Das Passwort erscheint nicht einmal kurz Buchstabe für Buchstabe beim Eintippen. Stattdessen wird es komplett verschleiert – es lässt nicht überprüfen, ob die Eingaben korrekt sind.

Wir kommen später hinter die Lösung des Rätsels: Die Fernbedienung ist schuld. Die Tastatur der Boxee-Fernbedienung arbeitet nämlich äußerst unlogisch: Unser WLAN-Passwort besteht aus drei Großbuchstaben, ein paar Ziffern und drei weiteren Buchstaben am Ende. Wir gingen davon aus, dass man für die Eingabe erst die Caps-Taste drückt und dann die Buchstaben eingibt, Danach drückt man die Alt-Taste, um die Ziffern eingeben zu können, die die oberste Reihe der Tastatur ausmachen. Später fanden wir heraus, dass man auf diesem Weg keine Ziffern, sondern Sonderzeichen abruft, die logischerweise nicht dem Passwort entsprechen. Wenn man die Zeichen während der Eingabe nicht sieht, ist das allerdings kaum nachvollziehbar. Dennoch: Mit dem D-Link-Router will sich die Box auf Biegen und Brechen nicht verbinden.

BBC iPlayer enttäuscht

Auf der britischen Boxee Box läuft die BBC-iPlayer-App, die allerdings eine Katastrophe ist. Anfänglich sieht noch alles gut aus: Nach dem Starten landet man in einem übersichtlichen Interface, das für Fernseher konzipiert ist und schick aussieht. Die Links dort führen allerdings auf eine normale Webseite – und auf der muss man mit dem Cursor navigieren, was sich ausgesprochen schwerfällig und nervig gestaltet.

Einen Vorteil hat das Umschalten auf die iPlayer-Webseite: Man kann auf den HD-Stream zugreifen, wenn er verfügbar ist. Im Test sah das ganz okay aus, aber das Hauptproblem ist die viel zu niedrige Framerate, die zu ruckelnder Bildwiedergabe führt. Wir glauben nicht, dass sich irgendjemand das ernsthaft anschauen wird. SD-Material sieht dagegen ordentlich aus und wird viel flüssiger wiedergegeben.

Der zweite Nachteil, wenn man die Web-Version des iPlayers nutzt: Vorspulen, Zurückspulen, Pausieren? Nicht möglich. Wir schätzen durchaus, dass Boxee Zugang zu so vielen Diensten bietet, aber wir sind enttäuscht, dass die Apps nicht ausgereifter sind.

Probleme mit der Fernbedienung

Als wir die Boxee-Fernbedienung das erste Mal in der Hand hatten, waren wir beeindruckt. Auf der aufgeräumten Frontseite gibt es lediglich die Navigationstasten, eine Menütaste und eine Play/Pause-Taste. Auf der Rückseite befindet sich ein vollwertiges QWERTZ-Keyboard, mit dem man beispielsweise die Suchfunktion füttern kann.

Die Fernbedienung der Boxee Box sieht zwar schick und praktisch aus, hat aber ihre ganz eigenen Probleme. [2]
Die Fernbedienung der Boxee Box sieht zwar schick und praktisch aus, hat aber ihre ganz eigenen Probleme.

Die QWERTZ-Tastatur selbst ist zwar okay, aber beim Tippen auf der Rückseite drückt viel zu leicht ungewollt die Tasten auf der Vorderseite. Wenn das mitten in einer manuellen IP-Konfiguration passiert, sind Beschwerden der Nachbarn wegen extensiven Fluchens garantiert.

Hohes Betriebsgeräusch

Wie bereits beschrieben ist die Boxee Box ein PC in einem winzigen Gehäuse, das sich durch den Tisch zu schmelzen scheint. Um ein weiteres Schmelzen durch Überhitzung zu vermeiden, hat D-Link einen Lüfter installiert – und der ist vergleichsweise laut.

Die Boxee Box ist zwar nicht so laut wie eine Xbox 360, aber wenn sich das Gerät in einem ruhigen Raum befindet, ist ein hochfrequentes Jaulen wahrnehmbar. Andere getestete Media-Player verzichten auf Lüfter, aber durch die Kombination aus Highend-Hardware und kleinen Gehäuseabmessungen muss D-Link auf eine aktive Kühlung zurückgreifen. Es ist aber schade, dass der Hersteller keinen leiseren Lüfter verbaut.

Wiedergabe von Web-Content

Boxee fokussiert stark auf Internet-Inhalte: Man bekommt Zugriff auf viele Online-Shows. Einige von ihnen sind echt gut, von anderen werden die meisten noch nie etwas gehört haben. Es gibt auf jeden Fall eine Menge interessanter Inhalte zu entdecken.

Es gibt auch eine Menge Catch-up-Dienste, die zudem durchsuchbar sind und mit der Zeit verbessert werden können. Die Boxee Box ist außerdem schlau genug, um zu wissen, wo auf der Welt man sich befindet, und bietet länderspezifische Inhalte an.

Eine der Stärken der Boxee ist die Flash-Unterstützung. Das bedeutet, dass man bestimmte TV-Shows auch einfach über die Webseiten des Senders abrufen kann. Unsere britischen Kollegen testeten das erfolgreich mit einer Episode von I’m a Celebrity, Get Me Out of Here (ITV). Das einzige Problem war, dass das WLAN irgendwann mitten im Playback die Arbeit einstellte und die Wiedergabe stoppte. Danach forderte der ITV-Player zu einem Reload der Webseite auf, was dann auch die Wiedergabe neu startete.

Sound- und Videoqualität

Über die Sound-Qualität gibt es eine Menge Gutes zu berichten. Die Boxee Box kann verlustfreie Audio-Formate und die üblichen Verdächtigen wie DTS und Dolby Digital problemlos an einen externen Verstärker ausgeben. Als echter Teil des Heimkino-Systems garantiert die Boxee Box so schon mal fantastischen Sound.

Die Wiedergabe von 720p-Videos ist ebenfalls eine sehr erfreuliche Erfahrung. Im Vergleich ist das Bild weder so scharf noch so natürlich wie beispielsweise das des Popcorn Hour C-200. Aber es ist nicht beileibe nicht schlecht und keine Beleidigung für die Augen.

HDMI- und optische Audioanschlüsse garantieren höchste Qualität bei der Übergabe des Signals an andere Heimkinokomponenten. [3]
HDMI- und optische Audioanschlüsse garantieren höchste Qualität bei der Übergabe des Signals an andere Heimkinokomponenten.

Videos höherer Auflösung – namentlich mit x.264 kodierte 1080p-Videos – sahen schlichtweg fantastisch aus. Die höhere Bitrate sorgt für eine makellose Bildqualität. Qualitativ befindet sie sich auf Augenhöhe mit dem Popcorn-Hour-Player.

Neue Firmware kommt

Es ist bei Media-Playern nicht ungewöhnlich, dass es beim Launch Probleme und Fehler gibt – und die Boxee Box ist offensichtlich ein solches Gerät. Laut D-Link kommt in Kürze eine neue Firmware, die einen Teil der Probleme beheben soll, mit denen wir konfrontiert wurden. Wenn wir die Boxee Box noch zur Verfügung haben, wenn das Firmware-Update kommt, werden wir diesen Test entsprechend aktualisieren. Im Moment können wir von einem Kauf der Boxee Box aber nur abraten. So viel Potential sie auch hat und so sehr wir sie uns auch herbeigesehnt hatten – sie ist derzeit einfach noch fertig.

Fazit

Wer wirklich nicht ohne Boxee leben kann, sollte sich einfach einen Heimkino-PC kaufen, die Software installieren und sich auf diesem Weg die Inhalte auf den Fernseher holen. Wer einen soliden Media-Player sucht, sollte sich Popcorn-Hour-Geräte wie das A-200 oder das C-200 näher ansehen. Beide bieten eine exzellente Medienwiedergabe und kosten in etwa so viel wie die D-Link Boxee Box, die einfach noch nicht ausgereift ist.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41542962/d-link-boxee-box-dsm-380-vielversprechender-media-player-mit-massiven-problemen/

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[1] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41542962/d-link_boxee_box_1v3.jpg

[2] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41542962/d-link_boxee_box_3v3.jpg

[3] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41542962/d-link_boxee_box_2v3.jpg