Das Tastenfeld hat angenehm große Buchstabentasten, verzichtet aber auf eine zusätzliche Reihe für die Ziffern. Stattdessen muss der Benutzer vor dem Tippen von Zahlen auf ein anderes Layout umschalten und danach wieder zurückswitchen – das ist etwas umständlich. Sehr schade: Die Tastatur ist nicht multitouchfähig – man kann also nicht mit einem Finger auf die Shift-Taste tippen und gleichzeitig mit einem anderen Finger einen Buchstaben anwählen. Das geht nur nacheinander.

Eine ähnliche Leiste kommt bei manchen Anwendungen wie dem Browser oder dem Multimedia-Player auch auf der linken Seite des Displays zum Vorschein. Beim Browser finden sich hier Tasten für Vor und Zurück und die Favoriten. Darunter sitzt – wie rechts – eine Scrollbar mit Miniaturansicht der Webseite für horizontales Scrollen, danach folgen Buttons für Seite teilen (allerdings nur per E-Mail), In Seite suchen, Verlauf und Weitere – wo sich beispielsweise die Downloads verbergen. Die Idee mit der Bedienung durch die seitlichen Leisten ist ganz hervorragend und intuitiv. Schade nur, dass nicht alle Apps diese Funktion mitbringen.

Apropos: Auch generell ist die Zahl der Anwendungen, die der WeTab Market vorhält, sehr eingeschränkt. Der Marktplatz hält zehn unterschiedliche Kategorien parat, in denen sich jeweils eine Hand voll Apps finden – und viele davon sind nur Verknüpfungen zu Webseiten. Im Vergleich zu Android und iPad hat das WeTab hier definitiv das Nachsehen. Allerdings lässt es sich im Gegensatz zum Apple-Tablet auch mit Software abseits des Marktplatzes bestücken. Ein Beispiel dafür ist der Adobe Air Marketplace, der sich als App installieren lässt und über die uneingeschränkte Flash-Unterstützung des WeTab Zugriff auf haufenweise weitere Programme und Spiele ermöglicht. Über einen Emulator sollen künftig auch Android-Programme laufen. Und wer sich von einer Eingabeaufforderung nicht abschrecken lässt, installiert die Root-Shell auf dem WeTab und hat vollen Linux-Systemzugriff über die Bash-Eingabeaufforderung. Darüber ist es quasi möglich, alle Linux-Programme zu installieren – und damit ist die Auswahl der Apps gigantisch, wenn man sich nicht von der Eingabeaufforderung abschrecken lässt und bereit ist, sich damit zu beschäftigen (oder Linux-Grundkenntnisse mitbringt).

Unabhängig davon finden sich auch ein paar richtig komplexe Programme im WeTab Market, die es in der Form nicht für iPad, Galaxy Tab & Co. gibt, darunter beispielsweise ein uneingeschränktes Open Office mit Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationssoftware, und außerdem die Open-Source-Bildbearbeitung Gimp. Diese Programme sind freilich nicht an das Touch-Interface angepasst – dementsprechend hakelig wirkt die Bedienung im Vergleich zu iWork auf dem iPad, aber dafür sind die Funktionen eben nicht eingeschränkt.

Dieses Beispiel passt ohnehin perfekt, um das Konzept des WeTab zu beschreiben: Es ist mehr ein vollwertiger PC als ein Tablet. Programme laufen uneingeschränkt, es ist aber etwas fummeliger und manchmal nicht ganz so hübsch zu bedienen. Aber es ist einfach toll, wenn man auf einer Familienfeier ist, nur das Tablet dabei hat und jemand einen USB-Stick oder eine externe Festplatte mit Fotos dabei hat. Man steckt die Datenträger einfach am Tablet an, auf Höhe der USB-Ports erscheint eine Schaltfläche, die beispielsweise den Video-Player oder den Dateibrowser startet, wirft einen Blick in einem Explorer-ähnlichen Programm auf den Inhalt, kann Dateien markieren und einfach auf den internen Speicher kopieren. Wie gesagt – so hübsch wie bei der Konkurrenz ist das nicht. Keine Animationen, kein Drag & Drop. Aber es funktioniert.

Überhaupt fehlt es an allen Enden am Feinschliff. Das Umschalten der Display-Ausrichtung beim Drehen des Tablets dauert zu lang, und anstelle einer hübschen Animation wird das Display (inklusive Hintergrundbeleuchtung) dunkel, um danach wieder aufzuflackern. Wer das Gerät in den Standby-Modus schickt, muss viel länger warten, bis es schläft, als bei der Konkurrenz. Nicht sehr lang, aber man drückt auf den Taster, drei Sekunden später fragt das Gerät, ob es herunterfahren oder in den Standbymodus wechseln soll, man tippt auf die entsprechende Schaltfläche, und es geht aus. Es ist eben mehr ein Computer als ein Handy – aber solche kleinen Punkte, von denen es Dutzende gibt, machen eben den Unterschied zu iPad & Co. Anderes Beispiel: Wer das integrierte UMTS nutzt, muss nach jedem Aufwachen aus dem Standby-Modus die PIN der SIM-Karte erneut eingeben. Das nervt. Noch dazu gibt es keine Möglichkeit, eine Passwort-Abfrage beim Aufwachen einzustellen. Hier müssen die Entwickler dringend nachbessern.

Neueste Kommentare 

6 Kommentare zu WeTab mit neuer Software im Test: mehr Netbook- als iPad-Killer

  • Am 31. Dezember 2010 um 00:07 von elias

    Wetab
    Ich hab selber ein Wetab auch die 3G Variante und ich muss sagen ich finde deinen Bericht echt lobenswert! Endlich mal jemand der das Wetab objektiv betrachtet. Und die Videos in HD anzukuken wir bald durch den neuen Treiber von Adobe funktionieren (Hardwareunterstütung)

  • Am 31. Dezember 2010 um 00:45 von Eggi

    guter Journalismus
    WOW!!!

    Da hat sich jemand sehr viel Mühe gemacht. Bravo!

    Sehr ehrlich und sehr fair. MIt allen Vor- und Nachteilen.

    Was mir besonders gefiel, war dieser Satz:
    "Zum Marktstart des WeTabs muss wohl kein Wort mehr verloren werden. Wir wenden uns dem Tablet nun so unvoreingenommen zu, wie es nur irgendwie geht."

    Danke für diesen objektiven Test

  • Am 3. Januar 2011 um 15:45 von Horst

    Akku hält 5h ???
    Netter Test, das Wetab ist in der Tat nur ein Netbook ohne Tastatur und dafür eben mit Touchscreen.
    Allerdings tut man dem Wetab mit diesem Vergleich (ebenso wie mit dem iPad) wohl auch keinen Gefallen, Netbooks gibts mit gleicher Hardwarebasis für unter 300.- und sie sind technisch wesentlich mehr gereift als das doppelt so teure Wetab.

    Was mich aber wirklich verstört hat, sind die angeblichen "über5h" Akkulaufzeit.
    In _keinem einzigen_ Test von renomierter Stelle hat das Wetab über 4h Stunden bei realistischen Messbedingungen durchgehalten, im Mittel sinds wohl mehr so 3,0 – 3,5h, wenn man dem Tab alles abverlangt, was es an Features bietet, d.h. Flashgames, HD, Multitasking, und den ohnehin leuchtschwachen Bildschirm auf max. Helligkait lässt, werdens auch mal schnell unter 2h.

    • Am 13. Januar 2011 um 23:33 von rudolf gottfried

      AW: Akku hält 5h ???
      Ich nutze seit einiger Zeit ein wetab 3g. Bei der Akkulaufzeit komme ich auch nur auf 3-4 h.
      Beim Netbook wiederspreche ich Ihnen aber. Zum einenn wollte ich ein Netbook in tabletform und kein normales Netbook. Zum anderen konnte ich kein Netbook finden, welches die gleiche Ausstattung bietet für den Preis des Wetab. Bei den Netbooks unter 300 Euro fehlen immer bestimmte Ausstattungen wie Umts, Bluetooth, Gps usw.

  • Am 19. Februar 2011 um 09:31 von W.

    hat meine Entscheidung zumindest "vertagt"
    Guter Bericht der sich nicht mit Unnötigem aufhält. Nach dem Bericht kann ich sagen dass es für mich für ein Tablett, welchen Herstellers auch immer, noch zu früh ist.

    Mein eeePC mit UBUNTU reicht mir im Moment für moiles Arbeiten aus. In 2 Jahren mag das anders aussehen.

  • Am 2. März 2011 um 09:31 von veratichnich

    We tab
    Süper teil, hab mir eins gekauft, 3G, hat sich in Frankreich im Urlaub sehr Bewehrt.
    Hab gleich XP drauf Gespielt auch mal LAN mit CS 1.6 (Half Life) gemacht, lief super (Mit Gamingmouse). Auch Akku OK. Werd Schauen Ob ich den Akku mit Kram aus dem Modellbau Aufrüste … n Neuen Prozessor Rein Haue… Na ja ist also sehr zu Empfehlen!!!

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