Shure SE315: komplizierte Highend-Ohrhörer mit brillantem Klang

von Gerald Strömer und Rory Reid am , 12:29 Uhr

Pro
  • exzellente Geräuschisolierung
  • hervorragende Soundqualität
Con
  • kompliziertes Aufsetzen
  • teuer
Hersteller: Shure Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,0 von 10 Punkte
Fazit:

Die Shure-Ohrhörer SE315 produzieren einen klaren und ausgewogenen Sound, der mit annähernder Sicherheit ein breites Grinsen aufs Gesicht ihrer Besitzer zaubern wird. Allerdings sind sie nicht gerade billig.

Shure ist eine große Nummer in der Welt der Highend-Kopfhörer – und das aus gutem Grund: Das Unternehmen produziert einige der beeindruckendsten Modelle am Markt. Die geräuschisolierenden Ohrhörer SE315 sollen Kunden ansprechen, die nicht das Geld für die fantastischen SE535-Ohrhörer haben, aber einen besseren Klang als den der Einstiegsmodelle SE115 haben wollen. Die Shure SE315 gehen derzeit zu Preisen von knapp 180 Euro über den Ladentisch.

Die von unseren britischen CNET-Kollegen getesteten Shure SE315 werden all jenen bekannt vorkommen, die schon einmal Shure-Ohrhörer in den Händen hatten. Die V-förmigen Ohrhörer sind angenehm kompakt und auch recht hübsch. Die glänzend schwarze Oberfläche wird auf der Außenseite von einem Shure-Schriftzug verziert. Die Innenseite jedes Ohrhörers trägt ein R oder L – der Sinn sollte selbsterklärend sein. Der Teil, der im Ohr verschwindet, wird von einem austauschbaren, verformbaren Gehörkanaladapter bedeckt.

Das Aufsetzen der Shure SE315 ist zwar nicht ganz unkompliziert, lohnt sich aber allemal. [1]
Das Aufsetzen der Shure SE315 ist zwar nicht ganz unkompliziert, lohnt sich aber allemal.

Die SE315-Ohrhörer sitzen recht komfortabel, wenn man sie einmal im Ohr hat – aber es braucht Übung, um sie annehmend schnell einzusetzen. Denn im Gegensatz zu den meisten Ohrhörern, die man einfach in die Ohren steckt, müssen die Shure SE315 eingesetzt und dann im Uhrzeigersinn gedreht werden, bis das Kabel über der Ohrmuschel liegt. Beide Kabel müssen dann mit einem Gummischieber am Hauptkabel zusammengezogen werden, wodurch man sie am Hals befestigt. Das ganze Ritual ist insbesondere anfangs ziemlich nervig – vor allem dann, wenn man es eilig hat.

Starke Lärmabschirmung

Einer der größten Vorteile der SE315-Ohrhörer ist ihre exzellente Geräuschisolierung. Sobald sie im Ohr sitzen, schotten sie ihren Träger äußerst effektiv von der Außenwelt ab. Das kann anfänglich etwas verwirrend sein. Man hört keine Durchsagen an Bahnhöfen, und auch als Fußgänger ist an Kreuzungen Vorsicht geboten, da man den Verkehr einfach nicht mehr hört.

Aber die extreme Abschirmung bietet enorme Vorteile. Erstens funktioniert sie in beide Richtungen: Selbst laute Musik stört die Umwelt nicht. Aber wichtiger ist, dass man dank der starken Abschirmung der Außengeräusche die Lautstärke überhaupt nicht aufs Maximum hochzuschrauben braucht – das schont die Ohren. Netter Nebeneffekt: Wenn man nicht mit maximaler Lautstärke Musik hört, hält der Akku des MP3-Players länger durch.

Bombastischer Klang

Die Shure SE315 beherbergt einen einzelnen High-Definition-Treiber, der klaren Sound über das gesamte Frequenzband hinweg liefert. Die Bässe werden durch eine abgestimmte Bass-Öffnung verstärkt, die den Tieftonbereich optimiert. In der Praxis klingen die Shure SE315 sehr gut. Der Klang ist sehr ausgewogen und hat bestenfalls eine minimale Höhen-Tendenz. Die Mitten sind stark, und die Ohrhörer produzieren genügend Bass, um die meisten Nutzer glücklich zu machen.

Exhibit C von Jay Electronica klingt mit diesen Ohrhörern groß und beeindruckend. Die Synths in diesem Song graben sich in die Seele, und die Mitten stützen Jays Markenzeichen, die introspektive Straßenpoesie.

Mit einem bisschen mehr Dampf kommen die SE315-Ohrhörer ebenfalls gut klar. Die Hörner am Beginn von Warrior’s Dance von Prodigy bauen sich zu einem beeindruckenden Crescendo auf und werden von einer brutalen, hackenden Snare Drum ersetzt, die einen dazu bringen könnte, die Lautstärke herabzusetzen. Der Ausgleich erfolgt, sobald der Bass ins Spiel kommt und einem ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert.

Wer tollen Klang sucht, wird von den Shure SE315 nicht enttäuscht werden. Für Bass-Fans sind sie aber nur bedingt geeignet. [2]
Wer tollen Klang sucht, wird von den Shure SE315 nicht enttäuscht werden. Für Bass-Fans sind sie aber nur bedingt geeignet.

Aber die Shure SE315 sind alles andere als eindimensional. Wenn man sie mit Akustikstücken oder von Stimmen dominierten Songs befeuert, nimmt einem der Klang den Atem. Seal klingt so, als würde er bei einem im Raum stehen, wenn seine Stimme um die Klänge des Pianos in It’s a man’s man’s man’s world herumtanzt.

Hohe Bitrate muss sein

Zu gut wie die Shure SE315 auch sind – Wunder können sie dennoch nicht wirken. Wer primär stark komprimierte Musik – beispielsweise von Streaming-Diensten wie Spotify oder MP3s von fragwürdigen Quellen im Web – hört, wird diese Ohrhörer bei weitem nicht voll ausnutzen können. Dann reichen definitiv auch günstigere Modelle aus, beispielsweise die Shure SE115.

Man sollte auch klarstellen, dass diese Ohrhörer nicht den brutalen Bass bringen, der für einige Musikstile fast schon zwingend notwendig ist. Wer sich seine Ohren gern vom Bass freiblasen lässt, und keinen Wert auf Mitten oder Höhen legt, ist mit dem Shure SE315 falsch beraten. Sie gehen zwar ziemlich tief runter, aber sie setzen den Fokus auf Ausgewogenheit und sind nicht dazu gedacht, das Gehirn mittels tiefer Frequenzen in Brei zu verwandeln.

Fazit

Die Shure-Ohrhörer SE315 sind sehr gut. Sie liefern klaren, ausgewogenen Sound und zaubern ihrem Besitzer mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Lächeln ins Gesicht. Voraussetzung ist allerdings Musik, die auf einem qualitativ hohen Niveau kodiert ist.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[2] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41543776/shure_se315_2v3.jpg