Mittelklasse-Android-Handy im Test: LG Optimus One P500

von Daniel Schraeder am , 19:18 Uhr

Pro
  • hochwertige Materialien
  • gutes Preisleistungsverhältnis
  • Android-Betriebssystem mit Zugriff auf den Market
Con
  • keine Foto-LED
  • QWERTZ-Tastatur im Hochformat gequetscht
  • mäßige Kamera
Hersteller: LG Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,0 von 10 Punkte
Fazit:

LGs Optimus One P500 ist eine positive Überraschung: Das Smartphone fühlt sich hochwertig an, hat ein zwar etwas zu kleines, aber dafür leuchtendes und scharfes Display, einen gut reagierenden Touchscreen und nicht zuletzt das Android-Betriebssystem mit einer gigantischen Auswahl an Apps und Games. Damit sollte man das Mittelklasse-Handy bei einer Kaufentscheidung ruhig in die engere Auswahl nehmen. Lediglich Foto-Fans können getrost einen Bogen um das Optimus One machen.

Das LG Optimus One verspricht den vollen Funktionsumfang eines Smartphones inklusive mächtig gefülltem App Store zum Preis eines Mittelklasse-Handys: 200 Euro für 3,2-Zoll-Touchscreen, WLAN, GPS, Navigation & Co. klingen nach einem guten Angebot. Wir haben getestet, ob der neueste Spross der Koreaner in der Praxis überzeugt.

Das letzte LG [1]-Handy mit Googles Android [2]-Betriebssystem, das wir auf dem Tisch hatten, war das Optimus Chic [3]. Wobei der Name nur zur Hälfte passt. Optimus können wir gerade noch so durchgehen lassen, Chic aber definitiv nicht. Denn das Gerät sieht aus wie ein billiger iPhone-Klon aus China. Dass die LG-Designer auch anders können, haben sie schon bewiesen – beispielsweise mit dem GD880 Mini [4]. Ganz so sexy ist der neueste Spross der Koreaner, das Optimus One, zwar bei weitem nicht. Aber das Handy kann sich durchaus sehen lassen, wirkt hochwertig und kommt mit Googles Android-Betriebssystem.

Wer einen Preisvergleichsdienst bemüht, bekommt das Optimus One ab sofort schon für um die 200 Euro.

Design

Auf den ersten Blick erinnert das Optimus One etwas an den alten HTC Touch [5] – damals noch mit Windows Mobile 6.5. Es ist also ein ganz normales Touchscreen-Smartphone [6] ohne großartige Design-Allüren. Das ist gut, weil unauffällig – und passt perfekt zu diesem Handy: alles solide und keine Überraschungen. Sowohl optisch, als auch technisch.

Im Detail wird die Oberseite von der großzügig dimensionierten Echtglasscheibe dominiert, unter der das 3,2 Zoll große LC-Display seinen Platz gefunden hat. Oberhalb der Anzeige, aber noch innerhalb der Glasfläche, prangt das silberne LG-Logo, darüber hat der Lautsprecher seinen Platz gefunden. Auch unterhalb des Displays zieht sich die Scheibe noch ein Stück in das Gehäuse. Hier könnte man fast Soft-Touch-Tasten erwarten, doch die LG-Entwickler haben sich gegen die berührungssensitiven Flächen entschieden und stattdessen vier mechanische Knöpfe integriert. Gute Entscheidung, finden wir, denn die mechanischen Buttons löst man längst nicht so oft versehentlich aus. Ganz links unten sitzt der Menüknopf, danach folgt eine Art großer Wippschalter, der Home- und Zurücktaste trägt. Rechts davon befindet sich die Lupe für die Suche. Einen Trackball oder einen optischen Sensor gibt es allerdings nicht. Ein Fauxpas, finden wir. Denn wer beispielsweise eine SMS tippt und einen Fehler ausbessern möchte, muss die entsprechende Stelle im Text mit dem Finger anvisieren – und das klappt mehr schlecht als recht. HTC [7] beispielsweise hat seinem Desire HD [8] eine Vergrößerungsfunktion zum Zielen spendiert, um dieses Problem zu umgehen. Aber soetwas gibt es bei LG ebensowenig wie virtuelle Cursor-Tasten.

Die Oberseite besteht abseits der Glasfläche aus schwarzem, gummiertem Kunststoff. Der Rahmen des Geräts ist silbern und wirkt, als wäre er aus Metall. Doch ein Blick unter den Akkudeckel verrät es: Hier kommt „nur“ silbern lackierter Kunststoff zum Einsatz. Immerhin scheinen sowohl Material als auch Lack recht solide zu sein. Das könnte halten und auch eine längere Zeit hübsch aussehen. Auf der rechten Seite hat der Wippschalter zur Regelung der Lautstärke seinen Platz gefunden. Den ansonsten bei vielen Handys üblichen Auslöser der Kamera weiter unten vermissen wir allerdings. Weiter geht es auf der Unterseite, wo sich Micro-USB-Buchse und Mikrofon verbergen. Die linke Seite des One ist komplett nackt. Ganz oben haben die Klinkenbuchse zum Anschluss von Standardkopfhörern oder dem mitgelieferten Headset sowie der Ein-Aus-Lock-Taster ihren Platz gefunden.

Die Rückseite ist ähnlich unauffällig wie der Rest des Handys: viel schwarzer, gummierter Kunststoff. Das sieht ordentlich aus und fühlt sich wertig an. Nur der Google [9]-Schriftzug und die Linse der 3-Megapixel-Kamera durchbrechen die ansonsten so glatte Fläche. Einen Blitz oder eine Foto-LED gibt es leider nicht.

Das mitgelieferte Headset macht übrigens längst keinen so wertigen Eindruck. Es besteht aus nacktem, schwarzen Plastik und wirkt etwas so, als hätte LG beim Verpacken des Handys die zugehörigen Ohrpolster vergessen.

Ausstattung

„Unauffällig“ bleibt auch in dieser Kategorie die Devise. Das Optimus hat alles drin, was zu einem anständigen Smartphone gehört. Es reiht sich aber auch nicht in die Handy-Spitzenklasse ein. Kein Wunder, denn für entsprechende Geräte wird locker der dreifache Preis fällig. So funkt das Handy dank Quad-Band-GSM quasi weltweit in den Mobilfunknetzen und hat auch unterwegs dank UMTS und Download-Turbo HSDPA eine flotte Internet-Verbindung. Wer Youtube-Videos oder ganze Bildergalerien hochladen möchte, sollte aber lieber auf einen WLAN-Zugang warten, denn der Upload-Turbo HSUPA fehlt. Wer möchte, kann den Internet-Zugang über das Handynetz auch vollständig abschalten.

Dann bleibt nur noch WLAN übrig, und das unterstützt das One nach den verbreiteten b- und g-Standards. Die flotte Variante nach 802.11n versteht es nicht, aber das ist bei einem Handy in der Praxis auch kaum nötig. Zur Übertragung von Dateien an andere Handys oder fürs Freisprechen im Auto ist Bluetooth mit an Bord. Und dank des integrierten GPS-Empfängers findet es problemlos seine Position in Google Maps. Wer über eine mobile Internet-Flatrate verfügt, kann auch Googles kostenlosen Navigationsdienst verwenden. Dazu passt die vereinfachte Auto-Ansicht, die nur die wichtigsten Icons groß auf dem Display darstellt, wenn das Handy in einer Halterung im Fahrzeug steckt.

Der integrierte Speicher ist mit 150 MByte für Apps durchschnittlich bemessen. Da Android 2.2 installiert ist, lassen sich speicherhungrige Anwendungen auch auf die SD-Karte auslagern – in der Praxis sollte man mit dieser Ausstattung als Durchschnittsnutzer problemlos auskommen. Für Fotos, Videos, Dokumente, Musik & Co. stehen darüber hinaus 2 GByte Speicher auf der mitgelieferten microSD-Karte zur Verfügung. Wer damit nicht zurechtkommt, kann die Karte auch austauschen und so bis zu 32 GByte Kapazität erhalten.

Das Display ist mit 3,2 Zoll ein Stück kleiner als das des iPhone (3,5 Zoll). Mit einer Auflösung von 320 mal 480 Bildpunkten wirken Inhalte schön scharf. Noch dazu gefällt uns die kräftige Darstellung von Farben. Auch die maximale Helligkeit kann sich sehen lassen, allerdings regelt das Optimus One die Display-Beleuchtung mangels Sensor für die Umgebungshelligkeit nicht automatisch. Auf den wichtigen Näherungssensor, der den Touchscreen beim Telefonieren abschaltet, hat der Hersteller aber glücklicherweise nicht verzichtet – denn mit der Wange löst man ansonsten schnell mal unbeabsichtigte Funktionen aus. Auch an den Beschleunigungssensor hat LG gedacht.

Die Kamera auf der Rückseite nimmt Bilder mit 3 Megapixeln auf. Eine Foto-LED gibt es ebensowenig wie eine zweite Kamera auf der Vorderseite.

Softwareseitig kann sich das LG durchaus sehen lassen. Mit Android 2.2 ist die (fast) aktuellste Version des Google-Handybetriebssystems vorinstalliert. Die Anpassungen der Oberfläche beschränken sich auf wenige Details wie Tastatur und Startassistent, aber im Groben und Ganzen kommt hier ein ziemlich unverändertes Android zum Einsatz. Glücklicherweise, könnte man fast meinen. Denn viele der LG-Anpassungen sind nett gemeint, aber leider nicht so perfekt, wie sie sein sollten. Die Tastatur beispielsweise wirkt im Hochformat schon arg gequetscht. Wohl dem, der mit der Texteingabehilfe T9 zurechtkommt – denn der kann einfach auf die Handytastatur mit deutlich größeren Zifferntasten umschalten. Auch das Wetter-Widget ist nicht so perfekt, wie es sein sollte. Es funktioniert und sieht gut aus, aber schon beim ersten Start des Handys läuft hier Text ins Bild: Man soll eine Stadt auswählen. Das sieht einfach unprofessionell aus. Wir wollen also eine Stadt auswählen, und stolpern direkt über den nächsten kleinen Bug: „München“ oder „Munich“ findet das Handy nicht. Man muss schon „Munchen“ eingeben, um zum Ziel zu kommen. Und eben dieses falsch geschriebene „Munchen“ steht nun auch prominent auf unserem Homescreen.

Aber das sind Kleinigkeiten. Denn sowohl die Wetter-App als auch die Tastatur lassen sich dank des offenen Android-Betriebssystems ja einfach austauschen. Über den Market können Käufer des Optimus One über 200.000 verschiedene Apps und Spiele aus allen Bereichen herunterladen und ihr Handy bis ins Detail an ihre Bedürfnisse anpassen. Vorinstalliert sind die klassischen Google-Apps wie Mail, Market, Maps und Kalender, dazu kommt ein guter Webbrowser mit Flash-Unterstützung. Außerdem hat LG ein eigenes Programm zum Empfehlen von Apps, eine Office-Software sowie Clients für Xing und die VZ-Netzwerke dazugepackt. Und die Tatsache, dass es eine Update-Benachrichtigungs-App gibt, lässt hoffen, dass die Koreaner künftige Android-Updates auch brav nachliefern.

Leistung

Im Inneren werkelt ein 600-MHz-Prozessor, dem 512 MByte RAM zur Verfügung stehen. Während die Arbeitsspeicherausstattung überdurchschnittlich ist, zieht die Prozessorleistung kaum noch einen Hund hinterm Ofen hervor. Wobei das zumindest derzeit eher ein theoretisches Problem ist, denn in der Praxis reagiert das Gerät angenehm flott. Große Wartezeiten gibt es nicht, und auch die üblichen Android-Kultspiele wie Angry Birds laufen problemlos. Allerdings gehen wir davon aus, dass der Leistungsbedarf der Android-Plattform und ihrer Apps im Laufe des Jahres steigen wird – denn im nächsten Monat wird es auf dem Mobile World Congress [10]in Barcelona einige spannende Smartphones mit Dual-Core-CPU zu sehen geben. Im Quadrant-Benchmark erreicht das Gerät mit 418 Punkten dementsprechend auch nur ein mäßiges Ergebnis. Selbst das inzwischen schon über ein Jahr alte Google Nexus One hat hier mit der gleichen Android-Version fast die dreifache Punktzahl.

Aber wie gesagt: Noch hat das LG Optimus One keine Leistungsprobleme. Es reagiert angenehm schnell, scrollt flüssig und macht bei der Bedienung Spaß. Dazu trägt auch der hervorragend reagierende, kapazitive Touchscreen seinen Teil bei.

Der Lautsprecher macht seine Aufgabe gut. In den höheren Lautstärkebereichen mangelt es am Bass, aber wo soll er auch herkommen – unter diesem Problem leiden alle Smartphones. Immerhin ist die maximale Lautstärke ausreichend, um kleineren Gruppen problemlos mal ein Lied oder einen Youtube-Clip vorzuführen.

Einen größeren Kritikpunkt müssen sich die Entwickler dennoch aufs Brot schmieren lassen: Die Kamera ist maximal mäßig. Nicht nur, dass es am Blitz mangelt: Die Fotos wirken gräulich. Vor allem Gelb- und Blautöne stechen nicht gerade hervor, dafür gibt es ein starkes Bildrauschen. Für einen gelegentlichen Schnappschuss zum Upload in Facebook reicht das aus, aber Profi-Fotografen sollten lieber einen Bogen um das Optimus One ziehen.

Der Akku ist mit einer Kapazität von 1500 mAh überdurchschnittlich ausgelegt. Selbst High-End-Handys der Konkurrenz speichern weniger Energie. Unterm Strich müssen Intensivnutzer mit Internet-Flatrate und automatischer Synchronisation von Facebook, E-Mail, Kontakten & Co. trotzdem davon ausgehen, täglich nachzuladen. Wer seltener zu seinem Smartphone greift, kommt auch zwei oder sogar mehr Tage hin. Aber das ist in diesem Umfeld normal, denn das große Display und die gute Ausstattung schreien nun mal nach Strom.

Fazit

Das LG Optimus One kann sich sehen lassen. Es wirkt wertig, sieht ganz gut aus und bringt alles mit, was man braucht. Noch dazu ist es mit Android ausgestattet, hat also eine gigantische App-Auswahl, und lässt sich problemlos und flott bedienen. Für einen Preis von um die 200 Euro sollte man sich das Gerät auf jeden Fall näher ansehen, wenn man nicht gerade einen gesteigerten Wert auf gute Fotos legt.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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URLs in this post:

[1] LG: http://www.cnet.de/unternehmen/lg/

[2] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[3] Optimus Chic: https://www.cnet.de/tests/handy/41538073/prototyp_im_test_neues_android_handy_lg_optimus_chic_im_iphone_look.htm

[4] GD880 Mini: https://www.cnet.de/tests/handy/41530910/schon_im_test_touchscreen_handy_lg_mini_gd880.htm

[5] HTC Touch: https://www.cnet.de/tests/handy/39155559/htc_touch_sexy_windows_smartphone_mit_gestensteuerung.htm

[6] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[7] HTC: http://www.cnet.de/unternehmen/htc/

[8] Desire HD: https://www.cnet.de/tests/handy/41539666/htc_desire_hd_im_test_gigantisch_gross__tolle_software__wenig_schwaechen.htm

[9] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[10] Mobile World Congress : http://www.cnet.de/themen/mwc/